Color TV-Game: Special zu Nintendos bizarrer Retro-Konsole

Special Marco Cabibbo Lukas Schmid
Color TV-Game: Special zu Nintendos bizarrer Retro-Konsole
Quelle: Eric V.

Retro-Special zum Color TV-Game: Jahrzehnte vor dem Erfolg der Switch, ja, ehe auch nur das Nintendo Entertainment System eine Idee im Hinterkopf des Unternehmens war, startete Nintendo mit dem Color TV-Game ins Konsolengeschäft. Wir blicken zurück auf Nintendos fast vergessene Hardware. Wie hat Nintendos Konsolengeschäft eigentlich angefangen?

Mit seiner achten Konsole, der Nintendo Switch, bricht der Mario-Konzern derzeit alle Rekorde und schickt sich an, einen der größten Erfolge der Unternehmensgeschichte abzuliefern.

Aber Moment mal, achte Konsole? Ist Nintendo nicht erst mit dem Famicom groß in das Geschäft mit den stationären Spielstationen eingestiegen? Das Gerät, welches im Westen besser als Nintendo Entertainment System bekannt geworden ist? Tatsächlich mag dies auf den globalen Siegeszug von Big N zutreffen, die ersten zaghaften Schritte hat das japanische Unternehmen aber schon einige Jahre zuvor getan. Wir werfen einen Blick zurück auf Nintendos erste Spielkonsole überhaupt: das Color TV-Game.

Alles in einem!

Schon öfters hat uns Erik. V aus den Niederlanden Fotos seiner Sammlung zugeschickt, hier das Color-TV Racing Game. Nochmals vielen Dank dafür! Quelle: Eric V. Schon öfters hat uns Erik. V aus den Niederlanden Fotos seiner Sammlung zugeschickt, hier das Color-TV Racing Game. Nochmals vielen Dank dafür! Historisch interessierte Zocker wissen bereits, dass Nintendo nicht immer seine Brötchen mit Super Mario und Co. verdient hat. In seinen frühen Jahren war das Unternehmen hauptsächlich für die Produktion von Hanafuda-Spielkarten bekannt, bis man in den 1960ern und 1970ern dazu überging, seine Fühler Richtung Spielzeug auszustrecken.

Der zu dieser Zeit rasant wachsende Markt für elektronische Unterhaltungsmedien ging natürlich an Japan und somit auch an Nintendo nicht spurlos vorbei. Um nicht den Anschluss zu verlieren, zögerte Firmenpräsident Hiroshi Yamauchi nicht lange und lizenzierte 1977 das Spielkonzept der Magnavox Odyssey - die 1972 erschienene, erste Videospielkonsole überhaupt. Da es Nintendo zu dieser Zeit an der nötigen Technik mangelte, schloss man sich kurzerhand mit dem Elektronikkonzern Mitsubishi zusammen, um gemeinsam ein neues Gerät zu entwerfen.

Wie fast alle Konsolen zu der Zeit verstand sich das Color TV-Game 6 primär darauf, das unglaublich populäre Arcade-Spiel Pong wiederzugeben. Die Zahl 6 bezieht sich in diesem Fall auf die möglichen Variationen, mit denen das Hauptspiel gezockt werden konnte, etwa mit verkleinerten Strichen oder fest vorgegebenen Torflächen, um Punkte zu machen. Im Gegensatz zur Konkurrenz strebte Nintendo an, das Gerät zu einem günstigen Preis von knapp 10.000 Yen zu veröffentlichen. Andere Konsolen zu der Zeit beliefen sich locker auf das Doppelte.

An dem Phänomen Pong kam in den 1970ern niemand vorbei. Auch Nintendo begnügte sich zunächst damit, farbige Klon-Varianten zu veröffentlichen. Quelle: Eric V. An dem Phänomen Pong kam in den 1970ern niemand vorbei. Auch Nintendo begnügte sich zunächst damit, farbige Klon-Varianten zu veröffentlichen. Auch das Wort "Color" im Konsolennamen wies auf einen echten Pluspunkt hin, denn die Konsole war in der Lage, bunte Grafiken darzustellen, wodurch man anderen Geräten etwas voraus hatte. Mit dem zeitlichen Abstand von gerade mal einer Woche brachte Nintendo auch das Color TV-Game 15 auf den Markt. Anders als noch beim Vorgänger waren beide Controller nun per Kabel mit der Konsole verbunden, wodurch das Zocken um einiges komfortabler gemacht wurde.

Auch die orange Plastikumhüllung behielt Nintendo bei. Anfangs belief sich der Preis auf rund 15.000 Yen, doch wurde dieser im Weihnachtsgeschäft des gleichen Jahres um die Hälfte gesenkt. Beide Geräte erwiesen sich in Japan als echter Verkaufserfolg und gingen zusammen rund zwei Millionen Mal über die Ladentheke. Die Weichen für Nintendos Konsolenzukunft waren gestellt.

Erst rasant, dann hinfort

Tatsache: Für das Design des Gehäuses des Color TV-Game Block Kuzushi zeichnete sich kein Geringerer als der junge Shigeru Miyamoto verantwortlich. Quelle: Eric V. Tatsache: Für das Design des Gehäuses des Color TV-Game Block Kuzushi zeichnete sich kein Geringerer als der junge Shigeru Miyamoto verantwortlich. Da das Konzept von austauschbaren Spielmodulen zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Mode war, musste für neue Spiele auch gleich eine neue Konsole her. 1978 wandte sich Nintendo dem noch jungen Rennspiel-Genre zu und brachte mit der Color TV-Game 112 die passende Konsole heraus - inklusive fest eingebautem Lenkrad. Die zu befahrende Straße wurde dazu aus der Vogelperspektive dargestellt, bei der ihr von links nach rechts über den Highway brettern müsst.

Durch unterschiedliche Optionen wie Fahrtempo, die Anzahl der Autos oder eventuelle Leitplanken sind somit 112 verschiedene Variationen möglich. Das Äußere der Konsole war in diesem Fall erstmals in Schwarz und Weiß gehalten, wovon sich Nintendo mit der 1979 veröffentlichten Color TV-Game Block Kuzushi wieder verabschiedete und zum gewohnten Orange zurückkehrte. Dieses Mal war die Konsole hauptsächlich dazu gedacht, sechs verschiedene Variationen von Breakout ins japanische Wohnzimmer zu holen.

Das Computer TV-Game lag mit einem Preis von fast 450 Euro deutlich über seinen Brüdern und konnte sich daher nicht wirklich durchsetzen. Quelle: Eric V. Das Computer TV-Game lag mit einem Preis von fast 450 Euro deutlich über seinen Brüdern und konnte sich daher nicht wirklich durchsetzen. Wie so oft senkte Nintendo den Preis nach einem halben Jahr um die Hälfte auf 8.000 Yen, ehe das Gerät 1981 wieder völlig verschwand. Obgleich die Color-TV-Game-Serie langsam zu ihrem Ende kam, schüttelte sich Nintendo Anfang 1980 noch eine letzte Konsole aus dem sprichwörtlichen Ärmel. Das Computer TV-Game stellte eine Umsetzung des hauseigenen Arcade-Spiels Computer Othello dar, ein in Japan beliebtes Brettspiel. Aufgrund des hohen Preises von 48.000 Yen, was heute einem Preis von ca. 450 Euro entspricht, war die Konsole aber nur für Unternehmen interessant, welche das Spiel wartenden Kunden zur Verfügung stellten. Auf dem Massenmarkt hingegen konnte sich das teure Gerät nicht wirklich behaupten und wurde ebenfalls schnell wieder eingestellt.

In seiner Gesamthistorie gesehen, mag das Color TV-Game kein besonders großer Erfolg gewesen sein. Allerdings gelang es Nintendo unter anderem hierdurch, eine drohende Insolvenz abzuwenden und zugleich wertvolle Erfahrungen im Videospielsektor zu sammeln. Zusammen mit den Game&Watch-Handhelds ist es den Color-TV-Game-Konsolen zu verdanken, dass Nintendo all sein Know-how in das NES packen konnte, um nach dem Videospielcrash von 1983 seinen Siegeszug anzutreten. Der, wie wir heute wissen, zweifellos von Erfolg gekrönt gewesen ist und jetzt mit der Switch beeindruckend fortgeführt wird.

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