Nintendo: Einstieg in den Mobile-Markt - Logisch und nachvollziehbar - Kommentar von David Martin

Kolumne David Martin
Nintendo steigt in den Markt für Spiele auf Smartphones und Tablets ein. "Ein logischer Schritt", meint David Martin.
Quelle: Nintendo

Lange lehnte Nintendo Umsetzungen beliebter Spielereihen wie Super Mario, Donkey Kong und Zelda für Smartphones sowie Tablets ab, doch jetzt ändert das traditionsreiche Unternehmen seine Meinung: Aus einer Partnerschaft mit dem japanischen Internet-Konzern DeNA sollen neue Spiele bestehender Marken für mobile Geräte entwickelt werden. Ein richtiger und durchaus logischer Schritt, kommentiert PC Games-Redakteur David Martin.

Nintendo steigt in den Markt für Mobile-Games ein. Dies verkündete Firmenchef Satoru Iwata heute im Rahmen einer Pressekonferenz in Japan. Die Meldung kam überraschend, sperrte sich das traditionsreiche Unternehmen doch lange gegen diesen Schritt. Exklusive Spielereihen wie Super Mario, Donkey Kong, Zelda und Co. sollten ausschließlich auf der eigens von Nintendo entwickelten Hardware gespielt und erlebt werden. Ein Paradies für Core-Gamer ist Nintendo für mich aber nicht mehr. An Kreativität mangelt es den Japanern nicht, keine Zweifel. Allerdings erscheinen Top-Titel wie Mario Kart, Pokémon, Super Mario und Super Smash Bros. für meinen Geschmack in einem zu großen Abstand.

Zudem muss ich als Besitzer einer Wii U auf viele der Kassenschlager der Drittanbieter-Hersteller verzichten. Wo sind GTA 5, FIFA 15, Battlefield? Richtig: drüben, auf den anderen Plattformen. Publisher Ubisoft, der die Wii U etwa mit Watch Dogs, Rayman Legends und Assassin's Creed 4: Black Flag belieferte, glaubt zwar nach wie vor an die Konsole. Jedoch räumte auch Firmenchef Yves Guillemot ein, dass sich die Wii U besser verkaufen müsse. Den Übergang von der sehr erfolgreichen Wii-Konsole zum aktuellen Modell hatte sich Nintendo anders vorgestellt. Auch der Umstieg von Nintendo DS auf 3DS blieb hinter den Erwartungen zurück, sagte Iwata auf der heutigen Pressekonferenz.

Konkurrenz durch Smartphone-Games

Super Mario hüpft künftig wohl auch auf Smartphones und Tablets durch kunterbunte Welten. Quelle: Nintendo Super Mario hüpft künftig wohl auch auf Smartphones und Tablets durch kunterbunte Welten. Nintendo steht unter Druck: Konkurrenz erhalten die Japaner etwa von Herstellern der Smartphone-Spiele, die ihre Games günstig oder gar kostenlos anbieten. Klar ist, dass ich mir als Besitzer eines Smartphones und Tablets gut überlege, ob sich die zusätzliche Anschaffung eines Nintendo DS lohnt. Schließlich kosten neue Vollpreisspiele für das Nintendo-Handheld teilweise das Mehrfache eines klassischen Mobile-Games. Nintendos Iwata ist das offenbar bewusst, räumte er doch ein, dass es mit der Verbreitung der Smartphones schwieriger werde, Kunden für den Kauf einer Nintendo-Hardware zu bewegen.

Für ein wirtschaftlich denkendes Unternehmen ist es daher ein logischer Schritt, seine populären Spielemarken einem größeren Publikum zugänglich zu machen und künftig auf Smartphones und Tablets anzubieten. Nintendo wolle bei der Umsetzung der Mobile-Games "ohne Ausnahmen" auf sein geistiges Eigentum zugreifen. Gut! Das Unternehmen bekräftigt, dass tatsächlich neue Spiele entwickelt und bestehende Konsolen-Titel nicht einfach übernommen werden. Sehr gut! Damit das Vorhaben gelingt, kooperiert Nintendo mit einem in Japan nicht unbekannten Internet-Konzern: DeNA.

Neue Hardware, neues Konzept

Das Unternehmen DeNA zeichnet etwa für Plattformen für Mobile-Games und E-Commerce-Webseiten verantwortlich. Die nötige Erfahrung im Mobile-Sektor, in dem Nintendo fortan mitmischen will, dürfte die Firma also mitbringen. Zusammen mit DeNA will Nintendo eine Brücke zwischen "Smart-Devices" und dedizierten Spieleplattformen schlagen. Gemeinsam soll außerdem ein neuer Mitgliedschaftsdienst entstehen, der Wii U, 3DS, Smart-Geräte und PCs einschließt. Im Vordergrund des neuen Services stünde nach Angaben von Iwata die Vernetzung zwischen Nintendo und dem Kunden. Heißt: Nintendo will künftig auf allen Geräten präsent sein. Das ist aus meiner Sicht auch dringend erforderlich, damit Nintendos Kassen künftig wieder ordentlich klingeln.

Mit NX arbeitet Nintendo an einer Hardware mit 'brandneuem Konzept'. Quelle: Nintendo Mit NX arbeitet Nintendo an einer Hardware mit "brandneuem Konzept". Vernachlässigen will Nintendo sein traditionelles Geschäft mit dedizierten Spielesystemen aber nicht, wie Iwata ausdrücklich erklärt. "Lassen Sie mich bestätigen, dass Nintendo derzeit eine neue dedizierte Spieleplattform entwickelt", kommentiert der Nintendo-Chef weiter und sorgt auf der heutigen Pressekonferenz für die zweite Überraschung. Unter dem Codenamen NX arbeitet der Super-Mario-Konzern an einer neuen Spieleplattform, die er im Laufe des nächsten Jahres vorstellen will. Für die neue Hardware verfolge Nintendo ein brandneues Konzept. In die Karten wollte sich Iwata heute aber noch nicht schauen lassen. Daher bleibt bisher nur zu spekulieren, um welche Art Hardware es sich bei "NX" handelt. Arbeitet Nintendo vielleicht an einem eigenen Tablet, das sowohl unterwegs als auch als Controller für die Wii U benutzt werden kann? Das könnte ich mir zumindest vorstellen. Allerdings überlasse ich gerne Nintendo die Kreativität: In der Vergangenheit konnte das Unternehmen immer wieder mit origineller Hardware überzeugen. Dass das bei NX ebenfalls der Fall sein wird, davon gehe ich stark aus.

Dass Nintendo seinem klassischen Hardware-Geschäft treu bleiben will, ist ebenso logisch. Schließlich wurde Nintendo damit zu dem, das es jetzt ist: eine der bekanntesten Marken der Welt - mit einigen der bekanntesten Spiele-Marken der Welt. Nintendo muss das als Vorteil nutzen, um wieder kräftig im Spielemarkt mitmischen zu können. Eines ist sicher: Was Nintendo bisher machte, machte es in der Regel erfolgreich. Gute Voraussetzungen also fürs Mobile-Segment.

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