Wer hätte erwartet, dass hinter einem Haufen in 2D gezeichneter Cartoon-Tiere die glaubwürdigsten Videospiel-Charaktere seit Langem stecken?
Möchte man Night in the Woods mit einem anderen Spiel vergleichen, kommt einem vielleicht Dontnods gefeiertes Adventure-Drama Life is Strange in den Sinn. Wir verfolgen ein paar Tage im Leben einer jungen Frau, die kurz vorm Erwachsenwerden steht und plötzlich einige sonderbare Dinge erlebt. Unsere Protagonistin heißt Mae Borowski und ist eine kleine Cartoon-Katze mit großen Kulleraugen. Nachdem ihr Studium nicht so recht funktionieren wollte, kehrt sie in ihren verschlafenen Heimatort Possum Springs zurück.
Quelle: Games Aktuell
Schlagfertig: Mae tritt immer wieder mit einem Baseballschläger in Erscheinung. Als Sportgerät wird der aber nicht verwendet. (PC)
Niedlich, lustig, bedrückend
Die Dialoge, die Maes Geschichte hauptsächlich vorantreiben, sind wirklich ausgezeichnet geschrieben und können uns immer wieder ein klein wenig zum Lachen bringen. Um sich in der Abgeschiedenheit von Possum Springs die Langeweile zu vertreiben, kommen Mae und ihre Freunde auf allerlei dumme Ideen. Das erleben wir in Form von Minigames, in denen wir E-Bass spielen, nachts auf Friedhöfen umherschleichen oder nur für den Nervenkitzel einen Ladendiebstahl begehen. Dazwischen schlendern wir jeden Ingame-Tag aufs Neue durch Possum Springs, um mit seinen Bewohnern zu sprechen. Das bringt zeitweise leider etwas Eintönigkeit mit sich.
Hinter all dem jugendlichen Leichtsinn steckt ein bedrückender Kern, den man den flauschigen Comic-Charakteren im ersten Moment nicht zutrauen würde. Die Kohlegruben, die Possum Springs einst am Leben erhalten haben, sind versiegt und überall herrscht Perspektivlosigkeit. Die tierischen NPCs haben alle mit eigenen Problemen zu kämpfen: Verschuldung, Obdachlosigkeit, häusliche Gewalt. Bald wird uns klar, dass es der draufgängerischen Mae ähnlich geht. Und dass sie selbst alles andere als unschuldig ist.
