Ni no Kuni für Switch im Test: Lieblos umgesetzte Switch-Version
Test
Ni no Kuni: Der Fluch der weißen Königin für die Nintendo Switch ist die Portierung einer verbesserten PS3-Version eines DS-Spieles. Ob der Titel etwa acht Jahre nachdem Ur-Release noch überzeugen kann? Wir haben den Titel ausführlich gespielt und erklären, warum Nintendo-Spieler leider eine alles andere als ideale Version des Abenteuers erhalten.
Der Remaster zu Ni no Kuni: Der Fluch der weißen Königin ist endlich da! Zumindest, wenn man eine Playstation 4 oder einen PC besitzt. Nintendo-Enthusiasten müssen sich mit einem simplen Port der PS3-Version von 2011 abfinden. Da stellt sich natürlich die Frage, ob sich die Switch-Version ohne verbesserte Grafik oder anderen Schnickschnack überhaupt lohnt, oder man doch zur verbesserten PS4- respektive PC-Version greifen sollte.
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Willkommen in Motorville
Quelle: PC Games
Mit der neuen Kleidung fallen wir in der magischen Welt von Ni no Kuni schon wesentlich weniger auf.
Doch nicht nur Nintendo-Fans blasen bei Ni no Kuni Trübsal. Auch Oliver, dem Protagonisten des Rollenspiels, könnte es besser gehen. Es war nur als kleine Testfahrt mit seinem Freund Philip geplant, doch irgendwie geriet alles außer Kontrolle und Olivers Mutter wird in einen Unfall verwickelt. Gerade als unser Held sämtliche Hoffnung aufgeben möchte, erwecken seine Tränen sein getreues Stofftier zum Leben. Tröpfchen - durch seinen großartigen walisischen Dialekt übrigens der Hauptgrund, die englische Synchronisation zu verwenden - wurde von dem bösartigen Dschinn Shadar als Plüschversion in unsere Welt verfrachtet. Anscheinend haben wir die Macht, Shadar aufzuhalten und dadurch gleichzeitig noch unsere Mutter zu retten. Das muss man uns natürlich nicht zweimal sagen und wir machen uns auf in das Fantasyreich Ni no Kuni.
Und tschüss Motorville!
Quelle: PC Games
In dieser Phiole verwahren wir alle Herzstücke, die wir im Verlauf des Spieles ansammeln, um den Menschen zu helfen.
Shadar hat nicht nur Tröpfchen einiges angetan. Viele Menschen dieser anderen Welt leiden an einem gebrochenen Herzen. Was bei uns schon kein allzu angenehmes Gefühl ist, hat in Ni no Kuni noch größere Auswirkungen. Den Leuten wird sozusagen die Lebensenergie ausgesogen und sie sind zu nichts mehr zu gebrauchen. Als angehender Zauberer und genretypischer Weltenretter machen wir es zu unserer Pflicht, den Menschen zu helfen. Wir bereisen also die riesige, wunderschöne Spielwelt, erlernen mächtige Zauber und sammeln Verbündete in unserem Kampf gegen das Böse.
Alleine kämpfen ist öde
Quelle: PC Games
In Gefechten können wir zwischen den Hauptfiguren und den drei ausgerüsteten Vertrauten wechseln.
Verbündete, besser gesagt Vertraute, spielen eine große Rolle in Ni no Kuni. Jede unserer Figuren kann drei Vertraute ausgerüstet haben. Das sind kleine Kreaturen, die wir für uns in den Kampf schicken können und die jeweils über besondere Talente verfügen. Unser erster Minion ist beispielsweise in der Lage, Flächenschaden auszuteilen. Geht einem unserer Vertrauten mal die Puste aus - das sehen wir an einer eigenen Ausdaueranzeige -, müssen wir ihn auswechseln. Selbstverständlich sammeln all unsere tapferen Krieger Erfahrungspunkte, wodurch Attribute wie Stärke anwachsen. Außerdem können wir sie in unserem Kreaturenkäfig füttern, was spezifischen Werten einen Bonus gibt. Doch auch ohne Verbündete ist das Kampfsystem von Ni no Kuni recht simpel gehalten. Wir verfügen über Aktionen wie Angriff, Verteidigen und Fähigkeiten. Oliver ist ein wahrer Allrounder, der sowohl über Offensiv- als auch Defensivzauber verfügt. Im Spielfeld können wir uns frei bewegen und so gegnerischen Angriffen ausweichen.
Künstliche "Intelligenz"
Quelle: PC Games
Auf der Oberwelt bewegen wir uns auf einer hübsch gestalteten Landschaft in der Vogelperspektive.
Zwei weitere Recken schließen sich im Verlauf von Ni no Kuni unserer Reise an. Im Kampf sind wir also zu dritt, plus jeweils drei Vertraute. Und jede unserer zwölf Figuren möchte angemessen ausgerüstet werden. Die K.I. unserer Gesellen ist nämlich ziemlich durchwachsen, strategisches Vorgehen ist kaum möglich. Unsere Party-Mitglieder schicken selten ihre am besten geeigneten Verbündeten in die Schlachten und auch Zauber werden von unseren computergesteuerten Freunden wie Mangelware behandelt. Wenn wir ihnen nicht genug hochwertige Ausrüstung für eine angemessene Offensive und Defensive an die Hand geben und damit ihre Intelligenz-Defizite ausgleichen, sind sie in den Gefechten de facto hilf- und nutzlos. Über die zum Kauf helfenden Equipments notwendige Währung Gold verfügen wir jedoch im Normalfall nicht gerade im Überfluss, was es schwer macht, jeden unserer Recken entsprechend auszurüsten. Ordentliches Haushalten ist also unabdingbar - im JRPG-Genre nicht unbedingt ein weit verbreiteter Umstand! Da das Spiel jedoch nicht allzu schwer ist und sogar einen einfachen Schwierigkeitsgrad bietet, verhindert auch schlechtes Goldmanagement keinen Sieg über die diversen Bossgegner.
Remaster oder Port?
Quelle: PC Games
Die verschiedenen Charaktere glänzen mit dem typischen Stuido-Ghibli-Charme.
Ni no Kuni: Der Fluch der weißen Königin wurde in Zusammenarbeit mit Studio Ghibli geschaffen, welches die meisten wohl durch Filme wie "Mein Nachbar Totoro" oder "Chihiros Reise ins Zauberland" kennen. Das Spiel steckt daher voller wunderschön gestalteter Gebiete, Figuren und vor allem Zwischensequenzen. Leider lässt sich der Ghibli-Charme auf der Nintendo Switch nicht ganz so genießen, wie es am PC oder der PS4 möglich wäre. Auf der Switch und ohne die Remaster-Vorzüge erwarten uns wie anno dazumal nämlich lediglich 30 Bilder pro Sekunde, in Zwischensequenzen manchmal sogar noch weniger. Shadar ist anscheinend nicht der einzige Herzensbrecher und Square Enix lässt Nintendo-Fans mit einer inferioren Fassung eines ansonsten tollen Abenteuers im Regen stehen.
Nur für Hardcore-Nintendo-Spieler
Ni no Kuni ist visuell, Gameplay- und Story-technisch prinzipiell nämlich ein wahrer Genuss für Freunde des JRPG- und Rollenspielgenres. Angesichts der verbesserten Grafik und Performance sollte also jeder, der die Möglichkeit besitzt, zur PC- respektive PS4-Version des Spiels greifen. Besitzt man jedoch ausschließlich eine Nintendo-Switch, wird man den fehlenden Anpassungen zum Trotz auch mit dem unverbesserten Port eine Menge Spaß haben, denn das Spiel kann etwa acht Jahre nach dem PS3-Release immer noch überzeugen.
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