Ich hab die Schnauze voll von Netflix - und mein Abo trotzdem wieder aktiviert

Kolumne Johannes Gehrling
Das Netflix-Logo in großen, roten Lettern.
Quelle: Netflix

Unser Autor hatte sein Streaming-Abo bei Netflix eigentlich gekündigt, doch jetzt hat er das Abo reaktiviert. Den Grund dafür erklärt er euch hier.

Vor einem knappen Jahr habe ich mein Netflix-Abo endgültig gekündigt - eigentlich. Der Grund: Ich hatte die Schnauze voll vom wohl bekanntesten Streaming-Dienst der Welt. Steigende Preise, sinkende Qualität und das damals neuartige harsche Vorgehen gegen Account-Sharing trieben mich zur Kündigung.

An diesen drei gewichtigen Gründen hat sich bis heute nichts geändert, und ich habe die vergangenen zwölf Monate ohne Netflix nichts vermisst. Im Gegenteil, ich hatte viele tolle und teils auch absurde Kino-Erlebnisse, außerdem ist meine Sammlung an besonders bildgewaltigen 4K-Blu-rays auf mittlerweile 15 Filme gewachsen, darunter solche Highlights wie Godzilla, James Bond und Der Super Mario Bros. Film.

Und trotzdem habe ich letzte Woche den Geldbeutel gezückt und 18 Euro für einen Monat Netflix -Premium-Abo auf den digitalen Tisch gelegt. Warum ich mit meiner Entscheidung gebrochen habe? Aus einem guten Grund.

Ich habe Netflix gekündigt und bin zufrieden

Denn während ich im vergangenen Jahr so viele Filme wie noch nie geschaut habe, allein rund 50 im Kino und viele weitere vor heimischen Fernsehern bei Freunden und bei mir zu Hause, so blieb eins dennoch auf der Strecke: Serien.

Im Frühjahr 2023 zog mich The Last of Us (bei Wow) in seinen Bann, und Ende des Jahres begeisterte mich die Godzilla-Serie Monarch: Legacy of Monsters (bei Apple TV Plus). In der Zeit dazwischen habe ich aber quasi gar keine Serien geschaut. Und das hat mich auch nicht weiter gestört.

Doch letzte Woche, in der zweiten Hälfte meines Weihnachtsurlaubs, als ich zwischen dem Heimatbesuch bei der Familie, zahlreichen Unternehmungen mit Freunden und dem Besuch einer Freundin in einer anderen Stadt mal zwei Tage Leerlauf zu füllen hatte, wurde ich schwach. Ich wollte unbedingt mal wieder eine Netflix-Serie bingen, also in rasant kurzer Zeit verschlingen - und ich hatte auch zwei Serien-Staffeln auf meiner Watch-Liste.

Deshalb habe ich Netflix doch wieder abonniert

Letztlich reaktivierte ich mein Netflix-Abo in der teuren Premium-Stufe für die sechste und letzte Staffel von The Crown, die ich innerhalb von zwei Tagen verschlang. Nach einer eher mittelmäßigen fünften Staffel hat mich die sechste Season noch mal richtig gefesselt, ein würdiger Abschluss.

Und Serie Nummer zwei, die ich schon seit Monaten gucken wollte: Black Mirror, und zwar die sechste Staffel. Alle vorherigen Staffeln hatte ich immer direkt zur Veröffentlichung in kürzester Zeit verschlungen und ich wusste, dass es diesmal nicht anders laufen würde. Ich behielt Recht.

Welche Erkenntnis nehme ich nun daraus mit?

Ist ein Leben ohne Netflix möglich, aber sinnlos?

Ein Leben ohne Netflix ist kein Verzicht, das gilt auch weiterhin. Direkt nach dem Abschluss des Monatsabos habe ich das Abonnement sofort wieder gekündigt, damit es sich nicht automatisch verlängert. Denn ich werde das Abo nach dem Genuss von The Crown und Black Mirror realistischerweise eh nicht mehr wirklich weiter nutzen.

Doch zugleich hat es mir mal wieder riesigen Spaß bereitet, typische Netflix-Serien zu schauen, trotz aller in weiten Teilen berechtigter Kritik an den Eigenproduktionen des Streaming-Giganten. Irgendwie fühlen sich nur Netflix-Serien an wie, nun, eben wie Netflix-Serien. Und manchmal habe ich genau darauf Bock und auf nichts Anderes.

Vielleicht auch ein wenig deswegen, weil es mich an die "guten, alten Zeiten" erinnert, als Netflix Ende 2014 offiziell bei uns in Deutschland an den Start ging und so aufregend, neu und cool war. Diese Zeiten sind längst vergangen. In manchen seltenen Momenten strahlt Netflix aber für kurze Zeit noch mal im alten Glanz - so wie bei mir letzte Woche mit The Crown und Black Mirror.

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