30 Jahre Need for Speed: Zwischen Höchstgeschwindigkeit und Totalschaden

Special Olaf Bleich Benedikt Plass-Fleßenkämper Lukas Schmid
30 Jahre Need for Speed: Zwischen Höchstgeschwindigkeit und Totalschaden
Quelle: Electronic Arts

Zwischen spielbaren Fast and Furious und müden Dahingetuckere: Need for Speed hat alle Höhen und Tiefen des Videospielgeschäfts erlebt. Wir blicken zurück auf die bewegte Vergangenheit der einst bekanntesten Rennspielmarke der Welt.

Electronic Arts machte dann das, was sie immer machen: Profit aus dem Erfolg schlagen! Schon ein Jahr später erschien Need for Speed: Underground 2 (2004). Im Grunde wurde hier mehr vom ersten Teil geboten: mehr Autos, mehr Teile, mehr Missionen und vor allem die neue Stadt Bayview.

Redakteurin Antonia Dreßler blickte zuletzt im Retro-Special auf das zweite Underground mit seligen Kindheitserinnerungen zurück: "An dem aufgeregten Gefühl beim Start eines Rennens, an den Frust, ein Rennen neu starten zu müssen und dem Stolz auf mein liebevoll gepimptes und wunderschönes Auto hat sich seitdem aber nichts geändert. So bleibt der Titel erstaunlich gut spielbar, auch, wenn das Spektakel grafisch ganz schön matschig wirkt. Meine bewährte Lösung: So schnell fahren, bis alles um mich herum verschwimmt und es niemandem mehr auffällt."

Auf zwei Jahre Underground folgte das Comeback von Cops und Verfolgungsjagden. Mit Need for Speed: Most Wanted (2005) führte EA Black Box die bisherigen Erfahrungen mit der Serie zusammen. Das Tuning war zwar nicht so opulent wie in den Underground-Teilen, aber dennoch in der Kampagne präsent.

In der Story, die durch Zwischensequenzen aufgelockert wurde, ging es darum, sich in der lokalen Rasersz

Need for Speed Most Wanted Quelle: Moby Games Need for Speed Most Wanted ene einen Namen zu machen. Das Spiel und die Glaubwürdigkeit der Stadt Rockport profitierten dabei massiv von der Einbindung der Polizei und dem damit verbundenen Fahndungslevel.

Gab es in Most Wanted nur Tagesrennen, ging es in dem 2006 veröffentlichten Need for Speed: Carbon wieder in die Dunkelheit. Die Story knüpfte an Most Wanted an, führte uns allerdings nach Palmont City - fünf Jahre nach den Ereignissen des Vorgängers. Stereotype Raser-Gangs beherrschten die Stadt.

Wir mussten sie in ihre Schranken weisen. Dazu heuerten wir erstmals Crew-Mitglieder an und befehligten sie während der Rennen. Spielgefühl und Gameplay aber traten auf der Stelle. Schlimmer noch: Es gab spürbare Rückschritte, etwa bei der Grafik. Carbon war zwar ein solides Rennspiel, erreichte aber nicht die Qualitäten von Most Wanted.

Need for Speed: ProStreet von 2007 wandelte zwar auf den Pfaden von Porsche Unleashed, konnte aber den Ansprüche nur in Teilen genügen. "Meine Erwartungen waren hoch. Nach Carbon war es Zeit, dass etwas Neues kommt. Jedoch schafft es Pro Street nicht, die Reihe aus der Talfahrt zu reißen", resümierte Redakteur Sebastian Weber im Testbericht.

Zwar überzeugten Aspekte wie das detaillierte Schadensmodell, der große Umfang oder das angepasste Renn-Gameplay, doch litt das Spiel vor allem in der PC-Version an technischen Problemen und einem schwachen Balancing. Need for Speed: Undercover (2008) bedeutete das vorläufige Ende der EA-Black-Box-Ära. Das Spiel wirkte eher wie ein Most-Wanted-Klon, der zwar kurzweiligen Spaß bot, dessen Story-Modus aber zu bemüht war.

Zwischen Himmel und Hölle

Dass in der Rennspiel-Lizenz noch Leben steckt, bewies Need for Speed: Shift (2009). Entwickelt von den damals neu gegründeten Slightly Mad Studios (später bekannt für Project Cars), verzichtete der Simcade-Flitzer auf Arcade-Feeling, Story-Modi und illegale Straßenrennen. Stattdessen stand das Rennerlebnis im Vordergrund.

Need for Speed Shift Quelle: Electronic Arts Need for Speed Shift Mit 70 lizenzierten Fahrzeugen und einer 170 Rennen umfassenden Karriere bot Shift ein umfangreiches, wenn auch sehr geradliniges Spielvergnügen mit der Jagd nach Sternen, Punkten und Auszeichnungen. Das wurde mit hohen Bewertungen belohnt - nämlich mit einer 9 von 10 Punkten im PC-Games-Test.

Im selben Jahr erschien übrigens der Arcade-Flitzer Need for Speed: Nitro für Nintendo Wii und Nintendo DS. Im Jahr darauf probierte EA sich mit Need for Speed: World erneut an einem MMO. Dieses konnte sich aber nicht wirklich durchsetzen, hielt aber immerhin bis 2015 durch, ehe die Server abgeschaltet wurden.

Need for Speed World Quelle: Electronic Arts Need for Speed World 2010 ging für viele Need for Speed-Fans ein Traum in Erfüllung. Die Burnout-Macher von Criterion Games übernahmen zum ersten Mal das Steuer. Hot Pursuit brachte die Identität und das Spielgefühl des Klassikers von 1998 zurück - allerdings in die offene Spielwelt von Seacrest County. Als neues Feature trumpfte das Autolog-System auf, das die Spieler miteinander verband und so für ein Mittendrin-Gefühl sorgte.

Tester Sebastian Stange bemängelte zwar Aspekte wie die spürbare Gummiband-KI oder auch langweilige Zeitrennen, zeigte sich aber dennoch begeistert: "Das ist kein anspruchsvoller, intellektueller Spaß, oh nein! Das ist primitiver Spaß. Ein Spaß wie Wrestling oder eine Monster-Truck-Show. Hot Pursuit spricht unseren inneren 12-Jährigen an, der es liebt, mit seinen Matchboxautos Verfolgungsjagden nachzuspielen". Hot Pursuit kam so gut an, dass wir in diesem Artikel noch einmal darüber berichten werden.

2011 setzte es schließlich den Need-For-Speed-Overkill. Auf der einen Seite lieferte Slightly Mad Studios Need for Speed: Shift 2 Unleashed, das erneut mit gehobenem Realismus motivierte.

Auf der anderen Seite bot Need for Speed: The Run arcadige Story-Action auf Basis der Frostbite-Engine. Während Shift 2 durch die Bank gut ankam, spaltete The Run die Gemüter. Viele störten sich an der seichten Story samt Quick-Time-Events und dem Mangel an Innovation. Das äußerte sich auch bei den Wertungen: The Run rutschte in der Durchschnittsnote auf Metacritic unter die 70er-Grenze.

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