Nebuchadnezzar im Test: Solide Aufbaustrategie auf Basis klassischer Spielkonzepte

Test Matthias Dammes
Nebuchadnezzar im Test: Solide Aufbaustrategie auf Basis klassischer Spielkonzepte
Quelle: Nepos Games

Ein kleines tschechisches Indie-Team hat mit Nebuchadnezzar ein Aufbauspiel im Stile der klassischen Titel von Impression Games auf die Beine gestellt. Ob der Ausflug ins antike Mesopotamien mit den großen Vorbildern Caesar und Pharaoh mithalten kann, sind wir im Test auf den Grund gegangen.

Der Name Nebuchadnezzar sagt vielleicht nicht jedem direkt etwas. Filmfans bringen ihn eventuell noch mit The Matrix in Verbindung, wo dass Hoverschiff von Captain Morpheus diesen Namen trug. Wer sich für Geschichte interessiert, weiß aber das sich dahinter Herrscher des antiken Reiches der Babylonier verbergen, eine der ältesten Hochkulturen der Menschheit. Einer der berühmtesten Könige von Babylon war Nebuchadnezzar II., in dessen Regierungszeit unter anderem zahlreiche architektonische Wunder der Altzeit fallen. Darunter das berühmte Ischtar-Tor, der Turmbau zu Babel sowie die Hängenden Gärten der Semiramis.

Ums Bauen dreht sich auch alles im gleichnamigen Spiel der tschechischen Indie-Entwickler von Nepos Games. Dahinter verbergen sich vor allem zwei Entwickler, die schon für verschiedene Studios gearbeitet haben und dabei ihr Traumprojekt Nebuchadnezzar stets in ihrer Freizeit nebenher entwickelt haben. Ende 2019 entschieden sich die beiden dann sich unabhängig zu machen und ihr ganze Energie in die Verwirklichung ihres Traums zu stecken. Im Spiel geht es darum babylonische Siedlungen von den ersten Hütten bis hin zu gewaltigen Tempelanlagen aufzubauen. Das Spielprinzip ist ziemlich deutlich von legendären Klassikern wie Pharaoh und Ceasar inspiriert. Daraus machen die Entwickler auch keinen Hehl. Ihrer Meinung nach, habe diese Form des Spiels mit einer stilisierten 2D-Grafik auch heute noch ihren Platz.

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Anfänge der Zivilisation

In den ersten Missionen der Kampagne steht uns Gilgamesh zur Seite, um uns die Grundlagen des Spiels beizubringen. Quelle: PC Games In den ersten Missionen der Kampagne steht uns Gilgamesh zur Seite, um uns die Grundlagen des Spiels beizubringen. So eine Zivilisation im antiken Mesopotamien war bereits sehr komplex, mit verschiedenen Gesellschaftsschichten, Warenketten und Handelsbeziehungen zu Nachbarn. Diese Komplexität stellen die Entwickler auch in den vielfältigen Aufbaumöglichkeiten des Spiels dar. Damit ihr aber nicht von zu vielen Informationen auf einmal erschlagen werdet, steigert die 13 Missionen umfassende Kampagne die Komplexität Schrittweise. In den ersten fünf Missionen steht euch zudem Gilgamesh als Lehrmeister zur Seite, der euch in die wichtigsten Spielmechaniken einführt.

Spätestens ab der fünften Mission seid ihr dann ganz auf euch gestellt und müsst immer herausforderndere Ziele erreichen. Die Missionen führen euch dabei immer weiter durch die Geschichte der Hochkulturen im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris. Zum Abschluss erwartet euch dann in der letzten Mission mit dem Aufbau von Babylon selbst eine enorme Herausforderung. In der gewaltigen Stadt müsst ihr alle möglichen Gesellschaftsschichten mit passenden Waren versorgen und zudem noch gewaltige Monumente wie den Regierungspalast, den Turm von Babel sowie die Hängenden Gärten errichten. Die Farmen für die Nahrungsversorgung benötigen fruchtbares Gelände, das mühsam dem Fluss abgerungen werden muss. Quelle: PC Games Die Farmen für die Nahrungsversorgung benötigen fruchtbares Gelände, das mühsam dem Fluss abgerungen werden muss.

Wirtschaftlicher Kreislauf

Das Grundprinzip des Aufbaus in Nebuchadnezzar ist einfach zu verstehen, besonders, wenn man bereits andere Spiele dieser Art kennt. Wir beginnen mit der Errichtung einer Reihe von Häusern, in die mit den Bauern die niedrigste Bevölkerungsschicht einzieht. Diese Häuser lassen sich in vier Stufen aufwerten, um mehr Bewohnern Platz zu bieten. Dazu müssen wir die Einwohner aber mit bestimmten Gütern versorgen. Um die zweite Stufe zu erreichen, benötigen die Bauern zum Beispiel Brot und Milch. Also errichten wir Ziegenfarmen für die Milch und Getreidehöfe, die das wertvolle Korn anbauen, das Bäckereien dann zu Brot verarbeiten.

Die Lagerwirtschaft (die fünf Quadrate in der Mitte) bildet das Rückgrat eines flüssigen Wirtschaftskreislaufes. Quelle: PC Games Die Lagerwirtschaft (die fünf Quadrate in der Mitte) bildet das Rückgrat eines flüssigen Wirtschaftskreislaufes. Schon in diesen einfachen Anfängen zeigen sich erste Komplexitäten, die es zu bedenken gilt. So gibt es auf den meist kargen Karten nur wenig fruchtbares Land, meist an Flüssen und Oasen, dass sinnvoll genutzt werden will. Mit Bewässerungsgräben können wir der Wüste zwar noch ein paar zusätzliche Hektar Ackerland abtrotzen, aber auch die Bewässerungsmöglichkeiten sind nur begrenzt nutzbar. Da es aber nicht nur beim Anbau von Weizen und Milch bleibt, muss also von Anfang an, auf eine effiziente Nutzung des fruchtbaren Landes geachtet werden. Für den reibungslosen Wirtschaftskreislauf muss zudem beachtet werden, dass Pflanzen nur zu einer bestimmten Zeit im Jahr geerntet werden können. Die angebaute Menge muss also für das gesamte Jahr reichen, bis es den nächsten Ertrag gibt.

Das führt im nächsten Schritt zu einer Notwendigkeit ausgeklügelter Lagerhaltung. Dazu errichten wir Warenhäuser, die bis zu 36 Einheiten an Gütern aufnehmen können. Um den Warenfluss sinnvoll zu steuern, ist es jedoch sinnvoll jedem Lager eine gewisse Funktion zuzuweisen. Da es weit über 30 verschiedene Zwischen- und Endprodukte gibt, sollten die Warenhäuser also immer nur für bestimmte Produkte freigegeben werden. Wichtig ist auch ihre Platzierung auf der Karte, da die produzierenden Betriebe nur eine gewisse Reichweite haben, um ihre Ware auszuliefern. Um Produkte von einem Ende der Stadt zum anderen zu transportieren, werden daher Karawanen zwischen den Warenhäusern eingesetzt.

Anspruchsvolle Untertanen

Was also recht harmlos beginnt, wird schnell immer Komplexer. Die Bauern verlangen als nächstes nach Wasser, Keramik, Bier und Administration für ihren weiteren Aufstieg. Und spätestens beim Bier beginnen sich die Spielelemente, vornehmlich die drei unterschiedlichen Gesellschaftsschichten zu verzahnen. In der Brauerei arbeiten nämlich nicht mehr die einfachen Bauern, sondern bereits Bürger. Um diese in die Stadt zu locken, müssen wir Die in Villen lebende zweite Bevölkerungsschicht benötigt nicht nur bestimmte Waren, sondern auch eine ansehnlich gestaltete Umgebung. Quelle: PC Games Die in Villen lebende zweite Bevölkerungsschicht benötigt nicht nur bestimmte Waren, sondern auch eine ansehnlich gestaltete Umgebung. Villen errichten. Doch diese werden nicht automatisch bewohnt. Stattdessen müssen wir direkt für die Versorgung mit Fisch und Datteln sorgen. Außerdem stellen die Bürger nun auch Ansprüche an ihre Umgebung, was sich in den Werten der Attraktivität und Verschmutzung ausdrückt.

Es sollten also möglichst keine Produktionsbetriebe in der Nähe sein, um die Verschmutzung gering zu halten. Dafür müssen wir schicke Wege, Statuen und kleine Parkanlagen anlegen, um die Attraktivität der Nachbarschaft zu steigern. Die Bürger können ihrerseits wieder in fünf verschiedenen Stufen aufsteigen. Dazu müssen sie unter anderem mit Waren wie zeremoniellen Gegenständen, Kleidung und Oliven Öl versorgt werden. Aber auch hier verzahnt sich die Weiterentwicklung der Wirtschaftskreisläufe wieder mit der letzten Gesellschaftsschicht, den Aristokraten. Diese in Residenzen lebenden feinen Herren zufrieden zu stellen, wird nochmal eine größere Herausforderung, die auch Profis fordern wird. Wein, luxuriöse Kleidung und Juwelen erfordern eine gut funktionierende Wirtschaft, aber auch gute Beziehungen zu den Nachbarn. Der Handel mit Nachbarstädten bringt Geld ein, das wiederum zum Bau von Gebäuden und dem Import von dringend benötigten Rohstoffen zum Einsatz kommt. Quelle: PC Games Der Handel mit Nachbarstädten bringt Geld ein, das wiederum zum Bau von Gebäuden und dem Import von dringend benötigten Rohstoffen zum Einsatz kommt.

Aufstieg durch Handel

Da sich nicht alle benötigten Rohstoffe vor Ort abbauen lassen, ist es von großer Wichtigkeit ein funktionierendes Handelsnetz aufzubauen. Verschiedene Städte der Umgebung bieten unterschiedliche Waren zum Import und Export an. Auf der einen Seite können wir so ein paar Überschüsse verkaufen und auf diese Weise Geld einnehmen, das wir wiederum zum Bau von Gebäuden benötigen. Viel wichtiger ist aber der Import von Rohstoffen wie Kupfer, Gold und Elfenbein, die wir nicht selbst herstellen können. Ohne diese wertvollen Waren, könnten wir nie alle unsere Einwohner zufriedenstellen und auf die höchste Stufe hieven.

Damit sich Nachbarstädte auf den Handel mit uns einlassen, müssen wir zunächst eine bestimmte Menge an Prestige erreicht haben. Dieser Wert steigert sich automatisch durch steigende Bevölkerungszahlen, errichtete Monumente und erfolgreiche Handelsbeziehungen. Für den Erstkontakt gilt es dem potentiellen Handelspartner dann noch ein Geschenk in Form einer Ladung gewisser Waren zu machen. Wenn wir nun einen Hafen in unserer Stadt errichten, kann der Warenaustausch mit der Außenwelt beginnen. Die Notwendigkeit des Handels sorgt dafür, dass man seine Wirtschaft entsprechend auf eine gewisse Überproduktion bei einigen Produkten ausrichtet. Denn ohne Exporte, die die Staatskasse füllen, gibt es auch keine Importe der begehrten Rohstoffe. Da Handel die einzige Geldquelle ist, besteht aber auch die Gefahr, sich in eine Sackgasse zu entwickeln, aus der man mangels alternativer Geldquellen nicht mehr herauskommt.

Fragiles System

Die Spielsysteme in Nebuchadnezzar greifen aber dennoch ganz gut ineinander und halten den Spieler permanent auf Trab. Wenn wir versuchen die Bierproduktion für unsere Bauern zu steigern, verbrauchen wir Arbeitskräfte bei den Bürgern, also müssen wir dort wieder gegensteuern, was wiederum zu einem höheren Verbrauch bei Produkten der Bürger führt, also müssen wir auch in diesen Warenketten den Ausstoß erhöhen und so ließe sich das endlos fortsetzen. Umso befriedigender das Gefühl, wenn man die schrittweisen Fortschritte in seiner Stadt beobachtet. Allerdings kann es auch schnell frustrierend werden, wenn man an einer Stellschraube dreht, und plötzlich wieder drei andere Probleme auftauchen, deren Behebung wiederum zu neuen Brennpunkten führt.

Immerhin bietet das Spiel ein paar Statistiken, mit denen sich ein Überblick über die Situation verschaffen lässt. Auf einer Übersichtsseite werden alle im Spiel befindlichen Waren aufgelistet und ihre Produktions- sowie Verbrauchsdaten dargestellt. Wenn wir hier zum Beispiel feststellen, dass derzeit 21 Einheiten Keramik verbraucht werden, aber nur 16 produziert, wissen wir, dass es in diesem Bereich Nachbesserungsbedarf gibt. Für einzelne Waren lässt sich Fluss der Güter zudem noch direkt in der Spielwelt anzeigen. Wählen wir ein Produkt aus der oberen Leiste aus, wird in mit animierten Balken dargestellt, wo die Ware produziert, verkauft und verbraucht wird. Monumente wie Tempel und Paläste können wir auf Wunsch frei gestalten, solange wir eine gewisse Höhe und Fläche einhalten. Quelle: PC Games Monumente wie Tempel und Paläste können wir auf Wunsch frei gestalten, solange wir eine gewisse Höhe und Fläche einhalten.

Keine Sandbox

Hat man dann mal ein paar Arbeitskräfte zu viel, kann man sich ja an den Bau eines Monuments wagen. Dabei handelt es sich vor allem um Tempel und Paläste. Für diese gewaltigen Bauten braucht es vor allem eine stetige Versorgung mit Ziegeln. Also werden Lehmgruben und Ziegelbrennereien aufgebaut und der Transport der Steine zur Baustelle organisiert. Das Monument selbst, kann dann entweder anhand eines vorgefertigten Bauplans automatisch errichtet werden, oder aber ihr legt selbst Hand an und setzt das Bauwerk aus Bauelementen selbst zusammen. Dabei müsst ihr lediglich gewissen Vorgaben für Höhe, Fläche und verbaute Elemente einhalten, um als vollwertiges Monument zu gelten.

So viel Freiheit hätten wir uns auch gerne beim eigentlichen Spiel gewünscht. Aber leider enthält Nebuchadnezzar in der Release-Fassung bisher nur die 13 Missionen umfassende Kampagne. Die von den Entwicklern im offiziellen Q&A zum Spiel versprochenen Szenarien sind genau so wenig enthalten, wie ein freier Spielmodus, in dem man einfach ohne Spielziel vor sich hin bauen kann. Dabei gibt es dafür sogar schon einen entsprechenden Menüpunkt, der bisher jedoch leer ist. Gerade um den nicht vorhandenen Sandbox-Modus ist es besonders Schade, da sich gerade solche Aufbauspiele ja zum tüfteln und unbeschwerten Bauen unheimlich eignen. Einen im Spiel integrierten Karteneditor gibt es entsprechend bisher auch nicht.

Immerhin bieten die Entwickler von Anfang an Mod-Unterstützung über den Steam Workshop an. Laut ihrer hauseigenen Modding-Dokumentation ist es mit den Modtools auch schon möglich eigene Karten, Szenarien und Missionen zu erstellen. Vielleicht sehen wir also schon bald durch die Community erstellte freie Spielmodi und sonstige Szenarien. Nebuchadnezzar ist für 20 Euro über Steam erhältlich.

Meinung

Wertung zu Nebuchadnezzar (PC)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Komplex verzahnte Wirtschaftskreisläufe …Schicke 2D-OptikHohe WarenvielfaltFreiheit beim Bau von MonumentenUmfangreiche Kampagne mit 13 MissionenMod-Unterstützung
… die im späteren Spielverlauf aber auch frustrieren könnenGeld-Einkommen nur durch Handel kann zu Problemen führenKein Sandbox-ModusKein integrierter Karten-Editor

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