Mikrotransaktionen in NBA 2K22: Hat 2K aus dem letzten Shitstorm gelernt?

Kolumne Karsten Scholz
Mikrotransaktionen in NBA 2K22: Hat 2K aus dem letzten Shitstorm gelernt? (1)
Quelle: 2K

September ist bekanntlich NBA2K-Zeit, und wie in den letzten Jahren präsentieren uns Visual Concepts und 2K auch 2021 wieder einen neuen Teil ihrer berüchtigten Basketballsimulation. Berüchtigt, weil Fans des orangen Leders oftmals mehr über die Pay2Win-Mechaniken als über die spielerischen Qualitäten der NBA2K-Reihe diskutieren. In diesem Special wollen wir die Frage beantworten, wie schlimm die Mikrotransaktionen in NBA 2K22 ausfallen.

Die NBA 2K-Reihe von Visual Concepts und Publisher 2K ist auf ihre Art bemerkenswert. Wenn man sich allein die Action auf dem Court anschaut - mit der tollen Grafik, den butterweichen Animationen und der TV-reifen Inszenierung -, dann gab's wohl noch nie ein anderes Videospiel, das die Faszination einer Sportart so realistisch und prägnant einfangen konnte. Und dieses Kompliment können wir fast jedem Serienableger aus dem letzten Jahrzehnt machen.

Gleichzeitig sahnte jeder NBA-2K-Teil der letzten Jahre miese User-Wertungen auf Plattformen wie Metacritic oder Steam ein, und in vielen Fällen beruhen die negativen Bewertungen auf den Mikrotransaktionen, um die 2K seit einigen Jahren einige der wichtigsten Spielmodi herum aufbaut. Besonders bedenklich war aus unserer Sicht der 20er-Jahrgang, der das Glücksspiel mit Lootboxen und Minispiel-Automaten im Casino-Stil geradezu zelebriert hat. Aber auch bei den anderen Serienteilen galt allzu oft: Wer Geld in die Ingame-Währung VC steckt, freut sich über handfeste Vorteile. Wer abseits des Kaufpreises kein Geld investieren möchte, muss sich durch einen zähen Grind quälen.
Die Krux: Die Kritik macht sich nicht in den Verkaufszahlen und Einnahmen bemerkbar. 2K verdient sich mit der NBA-Simulation jedes Jahr aufs Neue eine goldene Nase und kann hier und da sogar Rekordumsätze generieren. Allein 2020 soll der Publisher mit NBA 2K21 etwa 889 Millionen US-Dollar und mit NBA 2K20 um die 771 Millionen US-Dollar eingenommen haben. Unter den "Premium"-Spielen mit Kaufpreis waren in dem Jahr nur GTA V (991 Millionen), FIFA 20 (1,083 Milliarden) und Call of Duty: Modern Warfare (1,913 Milliarden) erfolgreicher.
NBA 2K22: VC kann man sich erspielen oder kaufen - ihr habt die Wahl. Quelle: PC Games NBA 2K22: VC kann man sich erspielen oder kaufen - ihr habt die Wahl.

USK stuft NBA 2K22 erstmals mit "ab 12 Jahren" ein

Halten wir fest: Bisher hatte 2K schlicht keinen Grund, den Grad an Mikrotransaktionen herunterzufahren. Daran werden wohl auch die neuen Leitkriterien der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) wenig ändern, die NBA 2K22 (jetzt kaufen 9,95 € ) erstmals in diesem Jahrtausend mit einem "Freigegeben ab 12 Jahren" gekennzeichnet hat.

Als Grund teilte die USK der GamesWirtschaft mit: "Bei dem angesprochenen Spiel konnte das Gremium, das für die Entscheidung über die Altersfreigabe zuständig ist, für Kinder unter 12 Jahren eine Gewöhnung an Glücksspiel aufgrund der Ausgestaltung nicht ausschließen." Erst ab einem Alter von 12 Jahren sei die notwendige Reife gegeben, um die in NBA 2K22 eingebauten Glücksspielelemente als fiktiven Spielbestandteil wahrzunehmen.
NBA 2K22: Baller, die was auf sich halten, stecken VC nicht nur in Werte, sondern auch in coole Klamotten. Quelle: PC Games NBA 2K22: Baller, die was auf sich halten, stecken VC nicht nur in Werte, sondern auch in coole Klamotten. NBA 2K22 hebt sich dabei von den Lootbox-esken Spielkarten von FIFA 22 ab, weil es in der jüngsten Basketballsimulation von 2K erneut eine Reihe von Minispielen gibt, die Mechaniken und Merkmale klassischer Glücksspiele aufweisen, was bei jüngeren Kindern zu einer Gewöhnung oder/und Verharmlosung von Glücksspiel führen kann.

Mikrotransaktionen im "Meine Karriere"-Modus

NBA 2K22 besitzt nun auch ein Questsystem, über das ihr euch unter anderem die Ingame-Währung VC verdienen könnt. Quelle: PC Games NBA 2K22 besitzt nun auch ein Questsystem, über das ihr euch unter anderem die Ingame-Währung VC verdienen könnt. Trotz der höheren Alterseinstufung in diesem Jahr müssen wir nach unserer Anspielrunde festhalten: Visual Concepts macht mit NBA 2K22 nicht mehr (aber auch nicht weniger), um abseits des Kaufpreises Geld mit dem neuen NBA-2K-Teil zu verdienen, als in den letzten Jahren auch. Im Klartext bedeutet das, dass in den Spielmodi "MyTeam" und "Mein Karriere" die Ingame-Währung VC erneut eine wichtige Rolle spielt, und genau diese Währung könnt ihr euch erspielen oder für Echtgeld kaufen.

In "Meine Karriere" dreht sich beispielsweise alles um die namensgebende Karriere eures selbst geschaffenen Avatars, den ihr vom Rookie zur NBA-Legende entwickeln könnt. Und wie steigert ihr die Attribute eures Ballers? Na klar, indem ihr VC investiert, und zwar nicht zu knapp. VC gibt's in 2k22 dabei nicht nur über absolvierte Partien, durch tägliche Minispiel-Belohnungen oder von euren Sponsoren. Im neuen Teil erwartet euch auch ein Questsystem, wie in einem Rollenspiel, und jede Menge potenzielle Questgeber und Quests, die sich über die ganze Stadt (Playstation 5, Xbox Series) beziehungsweise ein großes Kreuzfahrtschiff (PS4, Xbox One, PC) verteilen.
NBA 2K22: In der 'Open World' von 'Meine Karriere' gibt's sogar Hallen, in denen ihr mit anderen Teams um große VC-Summen (und damit auch um Geld) spielen könnt. Quelle: PC Games NBA 2K22: In der "Open World" von "Meine Karriere" gibt's sogar Hallen, in denen ihr mit anderen Teams um große VC-Summen (und damit auch um Geld) spielen könnt.

Trotz dieser zusätzlichen Einnahmequelle fühlen sich gerade die ersten Karriere-Monate wie harte Arbeit an, wenn ihr euch VC ausschließlich erspielt. Eure Werte sind mau und das gilt dann natürlich auch für eure Trefferchance oder die Assist-Zahlen. Mit ordentlich Geld-Einsatz könnt ihr euch dagegen von Spielminute 1 an einen Rookie auf Franchise-Spieler-Format basteln und eure Gegenspieler vernichten. Wäre der "Meine Karriere"-Modus eine reine Offline-Geschichte: kein Problem!

Die Handlung rund um euren aufstrebenden Star ist jedoch eng verknüpft mit allen Online-Inhalten der Open-World, und zu dieser gehören auch jede Menge Multiplayer-Herausforderungen und -Quests. Ein Spieler, der keine VC kauft, hat hier gegen Kontrahenten mit dickem Geldbeutel kaum eine Chance - vor allem in den ersten Wochen. Gerade auf dem PC sollen zudem schon jetzt jede Menge Cheater und Bot-Nutzer in den Multiplayer-Matches ihr Unwesen treiben. Auch das Problem kennen NBA2K-Veteranen bereits aus den letzten Jahren.
NBA 2K22: Wer die Werte des frisch erstellten Avatars im 'Meine Karriere'-Modus auf Allstar-Niveau steigern will, braucht jede Menge VC. Quelle: PC Games NBA 2K22: Wer die Werte des frisch erstellten Avatars im "Meine Karriere"-Modus auf Allstar-Niveau steigern will, braucht jede Menge VC.

Mikrotransaktionen im "MyTeam"-Modus

NBA 2K22: Yeah! Wir konnten LeBron James als Free Agent verpflichten. Jetzt müssen wir nur noch ausreichend Vertragsverlängerungen ranschaffen.  Quelle: PC Games NBA 2K22: Yeah! Wir konnten LeBron James als Free Agent verpflichten. Jetzt müssen wir nur noch ausreichend Vertragsverlängerungen ranschaffen.  Noch sehr viel deutlicher stehen die Mikrotransaktionen im "MyTeam"-Modus im Vordergrund. Ähnlich wie in FIFAs Ultimate-Team-Modus geht's hier darum, sich mit Spielerkarten ein möglichst schlagkräftiges Team zusammenzustellen, mit dem man diverse in "MyTeam" integrierte Spielmodi rocken und andere Spieler dominieren kann.

Die eigene Kartensammlung erweitert man, ähnlich wie im TCG-Klassiker Magic: The Gathering, mit Kartenpackungen, bei denen man nie genau weiß, was man für die VC-(oder MT-)Währung respektive das Geld bekommt. Sprich: Man hat es hier mit waschechten Lootboxen zu tun, deren Inhalte vom Faktor Zufall bestimmt werden. Und ähnlich wie beim Glücksspiel schlägt das Hirn auch bei diesen Kartenpackungen an, wenn man den Hauptgewinn erzielt (lies: die besonders seltene Karte eines Superstars abgreift).
NBA 2K22: Jedes Mal ein kribbelnder Moment: Ein Kartenpaket wird geöffnet. Quelle: PC Games NBA 2K22: Jedes Mal ein kribbelnder Moment: Ein Kartenpaket wird geöffnet. Bereits sehr früh im "MyTeam"-Aufbau fixt einen das Spiel dabei an, mit namhaften Free Agents wie Giannis Antetokounmpo oder LeBron James, die dann jedoch nur einen Vertrag für wenige Spiele haben. Wer diese Spieler länger verpflichten will, braucht Vertragsverlängerungen, die man kaufen oder in Kartenpackungen finden kann. Die Spielerkarten gibt's zudem in unterschiedlichen Qualitätsstufen, manche Karten lassen sich entwickeln, und auch sonst kann man sich allerlei Zeug freischalten, wie Coaches, Logos oder Historische Arenen.

Und wie fallen die Preise aus? Nun, 5.000 VC gibt's bereits für 1,99 Euro. 15.000 VC bekommt man für 4,99 Euro, 35.000 VC für 9,99 Euro und 75.000 VC für 19,99 Euro. Die größten Pakete (200.000 bzw. 450.000 VC) schlagen schließlich mit 49,99 Euro respektive 99,99 Euro zu Buche. Damit die Verwirrung möglichst hoch ist, gibt's im "MyTeam"-Modus ganz unterschiedliche Kartenpackungen: Deluxe-Packungen mit je 5 Karten für 5.625 VC (etwa 2,24 Euro), besondere Premiere-Packs für 22.500 VC (etwa 7,50 Euro) sowie Primetime- oder Colossal-Packungen, die noch einmal deutlich teurer sind als das Deluxe-Pack (7.500 VC bzw. 11.250 VC für je eine Packung), aber auch einen zufälligen Primetime- oder Colossal-Spieler garantieren. Neulinge dürften bei solch einem Angebot erst mal überhaupt keinen Plan haben, wie genau der Gegenwert fürs Geld aussieht.
NBA 2K22: Im 'MyTeam'-Modus kann man sein Geld in ganz unterschiedliche Kartenpackungen investieren. Quelle: PC Games NBA 2K22: Im "MyTeam"-Modus kann man sein Geld in ganz unterschiedliche Kartenpackungen investieren.

Welche Inhalte kommen ohne Mikrotransaktionen aus?

Bevor wir zu einem abschließenden Fazit kommen, wollen wir euch noch darauf hinweisen, dass es in NBA 2K22 - wie in den vorherigen Jahren auch - eine Reihe von Spielmodi gibt, die komplett ohne die virtuelle Währung VC auskommen. In "Meine NBA" könnt ihr seit jeher etwa das Schicksal einer gesamten Franchise bestimmen und euer Lieblingsteam zum Champion krönen - aktuelle Kader inklusive. Alternativ stürzt ihr euch in Streetball-Matches, fordert andere Spieler online heraus oder zockt aktuelle NBA-Partien nach. Dazu kommt der noch einmal spürbar erweiterte WNBA-Bereich, der sich um die beste Frauen-Basketball-Liga der Welt dreht.

Allein mit den Franchise-Modi für NBA und WNBA könnt ihr hunderte Stunden verbringen, ohne auch nur einmal an den Kauf von VC zu denken. Doch auch hier sehen wir ein Problem: Diese Modi gibt's in den meisten Fällen schon seit vielen Jahren in fast unveränderter Form. Und wenn man sich anschaut, in welche Bereiche die Entwickler Jahr für Jahr die meiste Energie reinstecken, dann landet man ganz schnell bei den VC-Formaten "MyTeam" und "Meine Karriere".
NBA 2K22: In der 'Open World' von 'Meine Karriere' gibt's sogar Hallen, in denen ihr mit anderen Teams um große VC-Summen (und damit auch um Geld) spielen könnt. Quelle: PC Games NBA 2K22: In der "Open World" von "Meine Karriere" gibt's sogar Hallen, in denen ihr mit anderen Teams um große VC-Summen (und damit auch um Geld) spielen könnt.

Butter bei die Fische: Hat 2K aus dem letzten Shitstorm gelernt?

Die Antwort ist ein ganz klares Nein. In den beiden wichtigsten Modi von NBA 2K22 - "MyTeam" und "Meine Karriere" - ist die Ingame-Währung VC weiterhin allgegenwärtig. Warum sollte 2K auch aus der Kritik lernen, wenn der Rubel dennoch rollt und mit der Strategie der letzten Jahre Rekordumsätze winken?

Da hilft es aus unserer Sicht auch nicht, dass man die Casino-Schiene nicht mehr ganz so offensiv fährt wie noch in NBA 2K20 oder dass man mit den Quests nun eine weitere VC-Quelle eingeführt hat. Oder dass es einzelne Spielmodi gibt, in denen man von den VC verschont bleibt. Wer bereits in den letzten Jahren die Mikrotransaktionen der NBA-2K-Reihe kritisiert hat, der wird auch mit dem jüngsten Ableger nicht glücklich. Allen Eltern können wir nur raten, die USK-12-Einstufung ernst zu nehmen und genau hinzuschauen, welche Spielmodi der Nachwuchs zockt.

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