Monarch: Legacy of Monsters Folge 6: Die beste Folge der Godzilla-Serie bisher?

Test Christian Fussy
Monarch: Legacy of Monsters
Quelle: AppleTV+

In Folge 6 der Godzilla-Serie gibt es heiße Tänze, ein lang erwartetes Wiedersehen und ein Treffen mit Godzilla in zwei verschiedenen Zeitlinien.

Während die letzten Folgen größtenteils in der Gegenwart spielten, springt Episode 6 von Monarch: Legacy of Monsters wieder freudig zwischen den Zeitlinien hin und her. Wir beginnen die Folge mit einem Militär-Bankett im Jahr 1955, bei dem Shaw (Wyatt Russell) versucht, Finanzierung für das Monarch-Projekt aufzutreiben. Dabei wird er begleitet von Keiko Miura (Mari Yamamoto), die als Japanerin recht skeptisch von den amerikanischen Militärs beäugt wird. Dafür aber umso liebevoller von Shaw.

Zwischen den beiden Monsterjägern gab es bereits von Minute 1 an einen Funkenflug, der sich in dem festlichen Setting und in trauter Zweisamkeit zu einem leidenschaftlichen Feuer zu entfalten droht. In einem ruhigen Moment sprechen die beiden über ihre Arbeit und die Zukunft von Monarch, wobei es Shaw unmissverständlich klarmacht, dass er nicht nur vor dem fachlichen Knowhow Miuras größten Respekt hat, sondern auch von ihrer Persönlichkeit äußerst eingenommen ist.

Die Chemie zwischen Russell und Yamamoto sorgt dafür, dass so ein vollmundiges Kompliment wie "That's who you are, you're a force of nature" nicht rüberkommt wie eine geschnittene Zeile aus dem letzten Twilight-Film, sondern wie ehrliche Bewunderung zwischen zwei etwas angesäuselten Kollegen.

Die anfangs noch unausgesprochene Nähe zwischen Shaw und Miura und die Entscheidungen, die daraus resultieren, sind der Kern der Episode. Und im Gegensatz zu manchen früheren Folgen ist der Fokus auf die zwischenmenschlichen Beziehungen diesmal genau richtig gesetzt. Ich wiederhole mich vielleicht mit der Aussage, dass die Figuren in den 50ern trotz deutlich geringerer Screentime um einiges interessanter sind als die Haupttruppe im Jahr 2015, hier wird aber noch einmal deutlich warum.

Monarch: Legacy of Monsters Quelle: AppleTV+

Sinn, Sinnlichkeit und Godzilla

Obwohl es sich bei dem Gespann aus Shaw, Miura und Randa (Anders Holm) offensichtlich um ein Liebesdreieck handelt, dessen Ausgang wir theoretisch schon kennen, ist die Stimmung zwischen ihnen nicht unangenehm. Höchstens ein klein wenig schwermütig. Die aufrichtige Freundschaft zwischen allen drei Figuren macht es leicht, sie ins Herz zu schließen und der Cast verzichtet auf Hysterie oder große emotionale Monologe. Stattdessen werden die leisen Töne einfach ein wenig lauter gespielt und wir lesen alles, was wir wissen müssen, aus der Stimmlage, den Blicken und den Entscheidungen der Figuren heraus.

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Außerdem wurde die Charakterisierung der Drei von Beginn an sehr konsequent vollzogen. Shaw ist ein Hitzkopf, der auf den ersten Blick ungebildet und machohaft erscheint, aber in Wahrheit eine gute Auffassungsgabe, Feingefühl und Herzlichkeit besitzt. Randa ist ein begeisterungsfähiger Kindskopf, den man leicht für einen weltfremden Fachidiot halten kann. In ihm verbirgt sich aber auch ein Menschenfreund, dessen Aussagen auf eine verborgene Weisheit hindeuten. Und Miura hat trotz ihrer Zielstrebigkeit auch immer das große Ganze im Blick und nimmt die Folgen ihrer Forschung für die Allgemeinheit ernst. Sie weiß, dass ihr Beitrag wichtig ist, sehnt sich aber offensichtlich auch nach einem anderen Leben, das ihr durch die Wichtigkeit ihrer Aufgabe verwehrt bleibt.

Monarch: Legacy of Monsters Quelle: AppleTV+ All das lässt sich leicht aus den Interaktionen und Entschlüssen ableiten, die Handlung wird nicht pausiert, um das Innenleben der Charaktere für das Publikum aufzuarbeiten. Wenn es tatsächlich zu einer Aussprache oder, wie am Anfang der Folge, einem Tanz mit starken romantischen Untertönen kommt, fühlen sich diese Momente glaubwürdig und verdient an.

Die Serie findet ihren Groove

Auch in der zweiten Zeitlinie spielt Monarch diese Woche seine Stärken voll aus. Shaw (Kurt Russell) und seine Entscheidungen stehen auch hier im Mittelpunkt. Während ihm in der Vergangenheit zunehmend die Kontrolle über die Handlungen von Monarch entgleitet, reißt er sie in der Gegenwart zumindest teilweise wieder an sich.

Unterstützt von Agentin Duvall (Elisa Lasowski), die durch Mays Verrat (Kiersey Clemons) auf die Handlungen und den Aufenthaltsort von Cate (Anna Sawai) und Kentaro (Ren Watabe) aufmerksam gemacht wurde, holt er die Gruppe in San Francisco ein. Gemeinsam mit einigen anderen Monarch-Abtrünnigen brechen sie auf zum voraussichtlichen Aufenthaltsort des vermissten Vaters Hiroshi Randa (Takehiro Hira) - und stoßen dabei erneut auf Godzilla.

Monarch: Legacy of Monsters Quelle: AppleTV+ Mehr Kurt Russell ist eigentlich nie verkehrt, die Suche nach dem verschollenen Hiroshi erreicht eine neue Etappe, der Haupt-Konflikt der Serie wird endlich deutlich und am Ende gibt es sogar noch ein Zusammentreffen mit Godzilla. Gepaart mit starken Charaktermomenten in den 50ern, die Shaws Handlungen mehr Gewicht verleihen, ergeben diese Elemente die wahrscheinlich beste Episode Monarch bisher. Hier wurde die lange Laufzeit von 50 Minuten hervorragend genutzt, um zwei Geschichten parallel weiterzuentwickeln und miteinander zu verknüpfen. Chapeau.

Auch wenn es in der ersten Hälfte der Staffel schon starke Momente oder ganze Episoden gab, war die Serie bisher schon noch ein ganzes Stück entfernt von Must-See-TV. Ich bin gespannt, ob sich das in den letzten vier Episoden noch ändert und Monarch: Legacy of Monsters einfach etwas gebraucht hat, um den Rhythmus zu finden. Die nächste Folge der AppleTV+-Serie erscheint am 22. Dezember 2023. Besprechungen der vorherigen Episoden findet ihr hier: Folgen 1&2, Folge 3, Folge 4, Folge 5. Bis nächste Woche!

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