"Wir müssen dem Publikum seinen Schuss geben" - Die Monarch-Showrunner im Interview
Special
Wir haben mit den Showrunnern Matt Fraction und Chris Black über die Godzilla-Serie Monarch: Legacy of Monsters gesprochen.
Noch bevor die erste Folge der Serie gelaufen war, hatten wir die Möglichkeit, mit den Monarch-Showrunnern Chris Black und Matt Fraction über ihre Arbeit an der Apple-Produktion zu reden.
Black ist unter anderem ausführender Produzent bei Severance (ebenfalls AppleTV+) und war in dieser Funktion auch an Hitserien wie Desperate Housewives und Star Trek: Enterprise beteiligt, für die er auch Drehbücher schrieb.
Fraction kommt hingegen aus der Welt der Comicbücher und erschuf neben erfolgreichen, eigenständigen Reihen wie Sex Criminals und Casanova für Image Comics auch zahlreiche Werke für Marvel und DC, darunter einen Hawkeye-Run, der später der gleichnamigen Superheldenserie zur Vorlage diente, bei der Fraction in beratender Funktion tätig war. Wir unterhielten uns mit den beiden Männern über Zoom.
PC GAMES: Wie kamt ihr zum Monsterverse? Wart ihr vorher bereits Fans?
Matt Fraction: Ja, wie beide. Lebenslange Fans. Godzilla, Kong, Science-Fiction und die ganzen modernen Versionen von Legendary waren einfach ein Spektakel nach dem anderen. Ich denke nicht, dass wir groß überzeugt werden mussten, um in diesem Sandkasten zu spielen.
Chris Black: Ja, ebenfalls. Ich bin mit den TOHO-Filmen aufgewachsen, die Samstagnachmittag im Fernsehen liefen. Ich war fasziniert von ihnen. Als die Möglichkeit sich ergab und Legendary gefragt hat, ob ich in diesem Universum herumspielen möchte, meinte ich nur: "Wollt ihr mich veräppeln? Ja, das wäre ein Traum!"
PC GAMES: Die Serie ist entschieden anders als die Filme. Sollte sie immer eine Charakter-fokussierte Sache sein, oder war das euer Pitch?
Chris Black: Wir haben recht früh bemerkt, dass wir nicht versuchen sollten, mit den Filmen mitzuhalten. Das hätten wir auch nicht gekonnt. Wir hatten schlicht und ergreifend nicht die Ressourcen, jede Woche einen 200-Millionen-Dollar-Film zu machen.
Das wäre vergebliche Liebesmüh gewesen. Aber ich denke, das ist auch vor allem nicht, wie man eine TV-Serie macht. Wir haben es auch Legendary zu verdanken, dass sie auch nicht einfach einen Spielfilm auf TV-Größe schrumpfen wollten.
Sie wollten eine TV-Serie erschaffen, die beständig ist, zu der Leute Woche für Woche zurückkommen wollen. Das muss man von Grund auf neu bauen. Sosehr wir Godzilla lieben und das Spektakel der Filme, wenn jede Woche einfach nur Monster Gebäude umschubsen, ist man mit der Zeit davon gelangweilt.
Also muss man ein Ensemble von Charakteren kreieren und fesselnde Dramatik und Mystery, die ein Publikum von Woche zu Woche anziehen. Wir wussten von Beginn an, dass es um die Menschen gehen muss. Wir haben früh schon gesagt, es kann keine Show über Monster sein. Es muss um Leute gehen, die in einer Welt leben, in der Monster real sind.
Quelle: Apple TV+
Matt Fraction: Ich glaube, ein Teil des Charmes und der Aufregung für uns als Geschichtenerzähler rührt daher, erzählen zu können, wie die Welt einen Tag nach Godzilla aussieht.
Es sind nicht mehr nur Menschen, die ihren Augen nicht glauben. Es ist passiert und jetzt stehen wir wieder auf. Filme sind Spektakel, es sind Dinger, für die wir Tickets kaufen, wir gehen in Auditorien, um sie auf dem größtmöglichen, lautesten Bildschirm zu sehen. TV ist klein, intim, du bringst es in dein Zuhause.
Wenn du so etwas in dein Heim bringst, muss es da Leute geben, mit denen du gerne Zeit verbringst. Charaktere zu erschaffen, die in der Welt leben, mit der es so faszinierend ist, herumzuspielen, war unser Weg durch die Tür.
Chris Black: Wir haben wirklich versucht, in der ersten Season unsere Augen immer auf den Ball zu richten. Bei jeder neuen Episode, die wir konzipierten, haben wir uns daran erinnert, dass es um diese Geschwister geht, Bruder und Schwester, die auf der Suche sind nach ihrem Vater. Das ist ihre Quest, ihre Reise.
Aber während der Reise kommen ihnen die Monster in die Quere. Es ist nicht so, dass wir keine Monster in unserer Show wollten. Sie sind offensichtlich ein Teil dieses Universums und das, was es besonders macht. Aber das konnte nicht das treibende Element der Story sein.
PC GAMES: Wie habt ihr euch entschieden, wann genau die Monster sich zeigen sollen? Steckt da eine gewisse Wissenschaft dahinter, wie ihr die Auftritte einstreut?
Chris Black: Ich bin mir nicht sicher, ob da eine genaue Wissenschaft dahintersteht. Wir haben ein großartiges Autorenteam. Wir sitzen rum und versuchen, kollaborativ herauszufinden, wo diese Geschichte uns hinführt. Wir haben zehn Stunden Fernsehen. Wir brauchen einen gewissen Prozentsatz an Monstern darin und es ist uns bewusst, wenn zum Beispiel eineinhalb Episoden vergangen sind und wir noch kein [Monster] gesehen haben, müssen dem Publikum seinen Schuss geben. Gleichzeitig muss es sich aber anfühlen, als wären die Auftritte auch Teil der Story. Die Geschichte hat uns zu diesem Punkt geführt, an dem die Figuren Godzilla begegnen oder einem der anderen Titanen oder Monster.
Matt Fraction: Die besten Momente sind dann, wenn es für die Charaktere am ungünstigsten ist. Dann bringt man einen der Big Boys.
PC GAMES: Die meiste Zeit fühlt sich die Serie eher an wie ein Abenteuer- denn wie ein Monsterfilm und wir bereisen viele verschiedene Orte. Das geht heutzutage natürlich leichter mit CGI, große Serien wie Game of Thrones drehen aber auch oft draußen an ganz bestimmten Orten. Wie lief das bei euch ab?
Matt Fraction: Wir wollten so viel wir nur können mit praktischen Effekten und an echten Orten machen. Wir haben am Mount Breakenridge gedreht. Wir haben Kurt und die Gang auf einen Gletscher gebracht. Wir haben in Hawaii gedreht und in der Wüste. Wir haben in Tokio gedreht, in den Teilen, in denen Leute normalerweise nicht filmen.
Wir haben Leute da draußen, legen viele Meilen zurück mit Trucks und Vans, Helikoptern und Booten. Man merkt den Unterschied, die Schauspieler merken den Unterschied. Es gibt Sequenzen, die wir schon geplant hatten wie die Introsequenz mit John Goodman.
[Regisseur Matt Shakman] und Jess Hall, der Kameramann, haben dann diese großartige Aussicht entdeckt in Hawaii. Wir mussten die Szene neu überdenken, weil wir diesen unglaublichen Teil von Hawaii gefunden haben. Und dann haben wir das ausgetüftelt.
Quelle: Apple TV+
Die Herausforderung war, dass es sich um ein globales Abenteuer handelt. Es muss sich echt anfühlen. Es kann nicht alles Bluescreen sein. Lass uns auf den Gletscher steigen oder raus in die Wüste gehen! Lass uns die Show authentisch machen!
Chris Black: Wir wollten, was Apple, denke ich, auch wollte: eine globale Show. Darum haben wir auch versucht, beim Schreiben und beim Casting authentische japanische Stimmen dabeizuhaben.
Japan ist Godzillas kulturelle Heimat. Es war unfassbar wichtig, nach Tokio zu gehen. Wir haben die Volume Stage überhaupt nicht benutzt. Es gibt natürlich zahlreiche digitale Effekte, viel Bluescreen. Aber wenn sie in Tokio die Straße entlanggehen, dann gehen die Figuren tatsächlich in Tokio die Straße entlang.
Matt Fraction: Es ist nicht Vancouver, das als Tokio herhalten muss, sondern Tokio.
PC GAMES: Weil du gerade von Casting sprichst: Die geteilte Rolle von Kurt Russell und Wyatt Russell wurde nicht ursprünglich für Vater und Sohn geschrieben, sondern einfach nur für zwei verschiedene Typen, oder?
Chris Black: Die Rolle wurde nicht speziell für diese beiden geschrieben. Wir hatten diesen Charakter konzipiert, Shaw, den wir in der Vergangenheit kennenlernen und der dann als Verbindung fungiert zur Gegenwart.
Wir wussten schon früh, dass sich da die Möglichkeit bietet, einen bekannten Filmstar zu casten. Als wir unsere Casting-Direktorin hinzuzogen, hat sie die Russells zu uns gebracht. Kurt und Wyatt hatten Ausschau gehalten nach etwas, das sie zusammen machen können.
Ihnen wurden schon häufig Rollen vorgeschlagen, wo sie Vater und Sohn spielen sollten, aber noch nie eine, bei der sie denselben Charakter spielen sollten. Das fanden sie, glaube ich, ganz interessant. Wir hatten die Rolle nicht für sie geschrieben, aber als sie Interesse bekundeten, wurde es schlagartig ein No-Brainer.
PC GAMES: Was kommt nach dieser Serie? Wird es ähnlich wie bei Marvel und Star Wars bald mehr TV-Serien im Monsterverse geben?
Matt Fraction: Wenn wir Glück haben, wer weiß. Als Storyteller dieser Show wollten wir unserem Publikum aber keine Hausaufgaben geben. Wir hoffen, dass [die Serie] Leute begeistert und dazu führt, dass Menschen Monsterverse-Filme entdecken, die sie noch nicht gesehen haben, aber es ist essenziell für diesen ersten Schritt, die Welt in diesem neuen Medium wachsen zu lassen.
Ich glaube wirklich, dass Film und TV unterschiedliche Medien sind auf so viele wichtige Arten. Das Geschehen kann nicht einfach ein zum Leben erweckter Wikipedia-Artikel voller Easter Eggs anfühlen. Unsere Zuschauer sollen sich in die Rollen unserer Stars hineinfühlen können. Das ist die Welt, in der wir jetzt leben, wie leben wir darin?
Monarch: Legacy of Monsters erscheint in wöchentlichem Rhythmus jeden Freitag auf AppleTV+. Diese Woche startet dort die vierte Episode. Neben Kurt und Wyatt Russell sind unter anderem Anna Sawai, Ren Watabe, Kiersey Clemons und Anders Holm in Hauptrollen zu sehen. Unsere Vorschau zur Serie könnt ihr hier lesen, Episodenkritiken der ersten drei Folgen jeweils hier und hier.
