Mittelerde: Schatten des Krieges: Eure Nemesis kehrt zurück

Special Peter Bathge
Mittelerde: Schatten des Krieges: Eure Nemesis kehrt zurück
Quelle: Warner Bros. Interactive

(K)ein Zufallstreffer: Der Nachfolger zu Mordors Schatten soll das ­prozedurale Nemesis-System stärker in Spielablauf und Story einbinden.

Orks mit Persönlichkeit statt ­namenloser Standardgegner - das war das große Verkaufsargument von Mittelerde: Mordors ­Schatten. Der Action-Titel mit deutlichen ­Anleihen bei Ubisoft-Spielen brachte es im Jahre 2014 zu einiger Bekanntheit. Fade Open-­World-Beschäftigungen und eine schwache Hintergrundgeschichte drückten aber auf den Spielspaß.

Schlachtenspaß mit Unterbrechungen: Die Inszenierung der Belagerungen ist bombastisch. Quelle: Warner Bros. Interactive Schlachtenspaß mit Unterbrechungen: Die Inszenierung der Belagerungen ist bombastisch. Die Kritik stieß bei Entwickler Monolith nicht auf taube Ohren. Neben mehr Abwechslung im Spielverlauf will man beim Nachfolger Schatten des Krieges vor ­allem die Eigenständigkeit der Marke betonen. Das heißt: Noch mehr KI-Persönlichkeiten mit noch mehr zufälligen Attributen, die durch die Interaktion mit dem ­Spieler zu Stars in prozedural generierten Geschichten aufsteigen. So soll letztlich kein Spieler das neue Mittelerde-Abenteuer mit dem exakt selben Aufgebot an Feind-Fratzen erleben - klingt ­interessant.

Jenseits der Asche

Sodbrennen: Die Reittiere der Nazgûl speien in Schatten des Krieges Feuer und lassen sich vom Spieler zähmen. Mit den Drachen fliegt ihr über Burgmauern hinweg. (PC) Quelle: Warner Bros. Interactive Sodbrennen: Die Reittiere der Nazgûl speien in Schatten des Krieges Feuer und lassen sich vom Spieler zähmen. Mit den Drachen fliegt ihr über Burgmauern hinweg. (PC) "Mordor" fehlt diesmal im Titel; das verrät, wohin die Reise bei Schatten des Krieges geht: Im Kampf ­gegen Der Herr der Ringe-Bösewicht Sauron seid ihr diesmal auch in Gondor und Umgebung unterwegs. Dichte Wälder, schneebedeckte Berge und Städte der Menschen wie Osgiliath oder Minas Ithil (das spätere Minas Morgul) halten diesmal als Schauplatz für gewohnt fetzig inszenierte Schwertduelle her. Am Kampfsystem ändert Monolith nur Details; die Batman: Arkham Knight-Formel mit Konterangriff auf Knopfdruck und Zauber-Gadgets funktionierte bereits im Vorgänger bestens.

Schlacht um Mittelerde: Die Weltkarte hat schon fast etwas von einem Strategiespiel. (PC) Quelle: Warner Bros. Interactive Schlacht um Mittelerde: Die Weltkarte hat schon fast etwas von einem Strategiespiel. (PC) Ganz neu ist dagegen die an ­Strategiespiele erinnernde Weltkarte: Statt zwei großer Open-World-­Gebiete serviert Monolith euch diesmal über ein Dutzend Regionen aus Tolkiens Mittelerde, alle dominiert von einer zentralen Festung. Während Bösewicht Sauron für seinen Krieg gegen die Menschen rüstet (Schatten des Krieges spielt zwischen den Ereignissen von Der Hobbit und Der Herr der Ringe), versucht Waldläufer Talion mit untoter Unterstützung seines Elben-Begleiters Celebrimbor, dem Dunklen Herrscher ein Lager nach dem anderen abzujagen. Bevor es jedoch zu einer schick in Szene gesetzten Belagerung kommt (siehe Kasten), werdet ihr erst einmal Nebenaufträge erfüllen und kleinere Open-­World-Areale bereisen. Mit Details dazu hält sich Monolith aber noch bedeckt. Auch auf die Frage, ob Saurons Armee einmal eingenommene Gebiete wieder zurückzuerobern versucht, gab es bei der Präsentation des ­Action-Adventures keine Antwort. Bestätigt ist allerdings, dass es neben diesem Festungspart definitiv auch eine klassische Story-Kampagne gibt, in deren Verlauf ihr wohl gegen die neun Ringgeister und einen feurigen ­Balrog antretet. Der Spieler entscheidet, ob er erst ein paar ­Burgen schleift oder gleich die nächste Mission in Angriff nimmt. Außerdem unterfüttert Monolith das Spielprinzip aus Teil 1 mit deutlich mehr RPG-Elementen: so zieht ihr Held Talion jetzt verschiedene Rüstungen an.

Fifty Shades of Orc

Die Einzelheiten der Story-Einsätze sind fest vorgegeben, allerdings soll Schatten des Krieges durch seine prozeduralen Elemente das ganze Spielerlebnis sehr variabel gestalten. Grünhäute sind in konkurrierende Stämme unterteilt und können aus Kämpfen fliehen oder gar dem Tod entrinnen. Später dürfen sie mit mehr Macht sowie neuen Eigenschaften zurückkehren und den Spieler heimsuchen - wie eine echte Nemesis eben.
Beförderung: Nach einer Schlacht setzt ihr einen eurer Verbündeten als Häuptling ein. (PC) Quelle: Warner Bros. Interactive Beförderung: Nach einer Schlacht setzt ihr einen eurer Verbündeten als Häuptling ein. (PC)
Selbst Erzfeinde lassen sich mit Geschick und Geduld auf eure Seite ziehen. Protagonist Talion hat nämlich einen neuen Ring der Macht geschmiedet (Autor J.R.R. Tolkien rotiert angesichts dieser Vergewaltigung der Buchvorlage im Grab) und unterwirft reihenweise Orks seinem Willen. Die so ­gewonnenen ­Verbündeten ­begleiten euch auf Belagerungszügen und können sogar als ­­­Doppelagenten in die Gegnerreihen ­geschmuggelt werden - dann sabotieren sie die Verteidigungsanlagen oder schalten für euch einen Rivalen aus. Allerdings besteht umgekehrt auch die Möglichkeit, dass ihr einen ­Verräter in der eigenen Armee habt.

Zudem sollen neue Kampf-­Attribute der Widersacher, wie Saurons Fluch (beraubt Talion für die Dauer des Kampfes all seiner übernatürlichen Ring-Kräfte), für eine größere Herausforderung sorgen. Das ist im Hinblick auf die bisher gezeigten, komplett überpowerten Spielszenen und den gegen Ende des Vorgängers sehr niedrigen Schwierigkeitsgrad allerdings auch dringend nötig.

Entwickler: Monolith | Hersteller: Warner bors. Interactive

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