Packt die Steigeisen aus, ein Indie-Klassiker schneit in den Nintendo eShop! Das 2D-Jump-and-Run Mission in Snowdriftland hat den Sprung auf die Switch geschafft. Wir berichten, wie das Hüpfspiel auf der Konsole so läuft.
Klein und Niedlich
Die Vielfalt an Gegnern verleiht den Biomen von Snowdriftland besonderen Charme. Mal weichen wir den acht Beinchen einer Spinne aus, mal vermeiden wir Zusammenstöße mit riesigen Schneebällen, die ein Eisbär einen Hügel hinuntertritt. Die Sprites sind allesamt mit viel Liebe zum Detail designt und animiert, die zum Innehalten und Betrachten einlädt - und uns dadurch mehr als einmal den Kopf gekostet hat.
Bei längerem Spiel fällt allerdings auf, dass einige Bewegungsmuster recht ähnlich sind. Pinguine watscheln stumpf nach links und rechts. Eichhörnchen wackeln stumpf nach links und rechts. Skorpione krabbeln stumpf nach links und rechts. Das ist aber Meckern auf hohem Niveau, denn die anderen Gegnertypen bringen durch ihre Individualität genug Abwechslung ins Spiel.
Sound-Effekte geben die Gegner dafür nur von sich, wenn wir sie besiegen. Die Geräusche versprühen einen gemütlichen Retro-Flair. Chubby klingt allerdings beim Einstecken von Schlägen, als würde er durch seine Karottennase niesen, und wenn man häufiger auf die Nase bekommt, kann das etwas monoton werden. Die restlichen Effekte, wenn der kleine Schneemann springt oder Flocken sammelt, sind allerdings sehr angenehm.
Quelle: PCGames
Die Musik ist nicht unbedingt Ohrwurm-verdächtig, untermalt das Geschehen aber passend und rundet das Platforming-Erlebnis schön ab.
Die Introsequenz ist übrigens eine der wenigen Passagen mit abweichendem Zeichenstil. Statt wie der Rest des Spiels Pixelgrafiken zu bewegen, sehen wir hier ganz eindeutig vektorbasierte Animationen, die auf die Wurzeln des Titels schließen lassen. Kennt ihr nicht? Wir klären auf!
Aufgetaut - ein Adobe-Flashback
Was erst mal wie ein normaler Indie-Plattformer aussieht, versteckt eine komplexe, nostalgische Entstehungsgeschichte. Mission in Snowdriftland ist nämlich kein komplett neuer Titel, wie wir vor einigen Jahren zum Kickstarter-Start schon einmal aufgedröselt haben.
Hier liefert der Stil der Introsequenz den entscheidenden Hinweis. Hatten wir in den 2000ern über einen PC Zugang zum Internet, erkennen wir diesen Look sofort. Was wir sehen, erinnert stark an die Vektorgrafik, die in "ShockWave Flash", oder SWF-Dateien, über unseren Bildschirm gestreckt wurde, wenn wir ein Browsergame gespielt haben.
Quelle: PC Games
Browsergames sind eine oft unterschätzte Sparte des Videospielmarktes, die für Indie-Entwickler wirklich etwas bewegt haben. Bei der Erwähnung von Happy Wheels oder Henry Stickmin werden wohl einige von euch nostalgisch in die Ferne blicken. Diese und andere Titel haben sich einst große und aktive Communitys geschaffen, die sogar das Ende des Adobe-Flash-Players im Jahr 2020 überdauerten. Stickmin ist inzwischen sogar in einer Steam-Collection zu finden.
Seiten wie Newgrounds und AdobeFlash ermöglichten seit den Neunzigern nicht nur, dass wir uns die Langeweile vertreiben konnten, sondern gaben auch Leuten, die nicht fest in der Gaming-Branche verwurzelt waren, einen Einstieg in die bunte Welt der Spieleentwicklung.
2006 erblickte UPIXO in Action: Mission in Snowdriftland das Licht der Welt, und zwar in direkter Zusammenarbeit mit Nintendo. Die deutschen Entwickler erstellten im Auftrag des Mario-Konzerns einen virtuellen, spielbaren Adventskalender, bei dem jeden Tag ein neuer Level veröffentlicht und im Browser gespielt werden konnte.
Quelle: tons of bits
Mission in Snowdriftland blieb vielen Spielern auch lange nach der eigentlichen Veröffentlichung positiv in Erinnerung. Und viele Jahre später erstand es auf dem PC wieder auf wie aus einer Pfütze Schmelzwasser. Auf Steam ist es seit 2021 in einer überarbeiteten Version zu haben und bekommt nun, drei Jahre später, einen Switch-Port - und auf dem PC seit dem Launch immer wieder Updates, so auch passend zum Nintendo-Launch.
So kommt zusammen, was einst schon mal irgendwie zusammengehörte; von Nintendo gefördert, dann lange verschollen, irgendwann auf dem PC zu Hause und nun heimgekehrt auf die Switch. Verdient hat sich das Frankfurter Studio tons of bits, wie sich die Macher inzwischen nennen, diesen Erfolg allemal.
Pünktlich zum 1. Dezember erscheint Mission in Snowdriftland im Nintendo eShop und erhält das erwähnte Content-Update Mitte Dezember. Wer trotzdem schon mal Bonus-Items und die damit verbundene Geschichte sehen möchte, kann sich aber die Zeit in der Steam-Version für schlappe sechs Euro vertreiben.
