10 Jahre Minecraft - Die Erfolgsgeschichte des Klötzchen-Phänomens

Special Olaf Bleich Benedikt Plass-Fleßenkämper Maik Koch
10 Jahre Minecraft - Die Erfolgsgeschichte des Klötzchen-Phänomens
Quelle: Microsoft

Vom Ein-Mann-Projekt zur Ikone der Popkultur: Minecraft veränderte in den vergangenen zehn Jahren die Spielewelt. Doch was macht das Aufbauspiel eigentlich so besonders? Und wieso gehört es trotz Simpelgrafik zu den wichtigsten Spielen aller Zeiten? Unser Report klärt auf.

Pac-Man, Tetris, Doom, Tomb Raider, World of Warcraft und aktuell der Battle-Royale-Shooter Fortnite: Nur wenige Videospiele schaffen es, tief in die Popkultur vorzudringen. Und da wäre natürlich noch das am 17. Mai 2009 erschienene Minecraft - ein Spiel, das Simplizität zum Markenzeichen Das Ende April 2019 veröffentlichte Village-&amp;-Pillage-Update integriert zahlreiche neue Dörfer und Berufe in <em>Minecraft</em>. Zudem erweitert es den Minecraft Marketplace um den Travelling Trader. Mit dem Download des Updates unterstützen Spieler automatisch die US-Wohltätigkeitsorganisation Charity: Water. Quelle: Microsoft Das Ende April 2019 veröffentlichte Village-&-Pillage-Update integriert zahlreiche neue Dörfer und Berufe in Minecraft. Zudem erweitert es den Minecraft Marketplace um den Travelling Trader. Mit dem Download des Updates unterstützen Spieler automatisch die US-Wohltätigkeitsorganisation Charity: Water. machte, damit eine ganze Generation beeinflusste und die Gamesbranche nachhaltig veränderte. Das zunächst im Alleingang vom schwedischen Indie-Entwickler Markus "Notch" Persson erdachte Klötzchen-Spiel brach in den vergangenen zehn Jahren unzählige Rekorde. Zuletzt vermeldete Microsoft, dass sich allein die klassische PC-Version bis April 2019 über 30 Millionen Mal verkauft hat. Bereits im Herbst 2018 bestätigte das Unternehmen über 154 Millionen verkaufte Minecraft-Einheiten, verteilt über alle Plattformen.

Minecraft ist ein modernes Phänomen der Unterhaltungsindustrie: Es revolutionierte das Online-Gaming und sorgte zugleich für den Boom von YouTube und Streaming-Portalen wie Twitch. Allein dank Minecraft wurden zahlreiche Hobby-Gamer zu Online-Stars, die Millionen Fans beeinflussen. Minecraft bringt Spieler weltweit zusammen und lässt sie ihre Kreativität gemeinsam ausleben. Doch wie erklärt sich der kometenhafte Aufstieg eines technisch hoffnungslos veralteten Spiels mit grober Pixelgrafik?

Markus Persson: Der Mann hinter Minecraft

<em>Minecraft</em> für jedermann: Seit dem 04. April 2019 ist das Aufbauspiel Teil des populären Xbox Game Passes. Abonnenten des Online-Service müssen den Titel also nicht mehr kaufen, sondern können direkt einsteigen. Quelle: Microsoft Minecraft für jedermann: Seit dem 04. April 2019 ist das Aufbauspiel Teil des populären Xbox Game Passes. Abonnenten des Online-Service müssen den Titel also nicht mehr kaufen, sondern können direkt einsteigen. Wenn man über Minecraft redet, dann fällt unweigerlich der Name Markus Persson. Der unter dem Spitznamen "Notch" ("Kerbe") bekannte Spieleentwickler, Jahrgang 1979, wächst die ersten sieben Jahres seines Lebens im schwedischen Industrieort Edsbyn auf und zieht dann mit seiner Familie in die Hauptstadt Stockholm. Stark geprägt durch seinen ruhelosen Vater, der immer neuen Hobbys frönt, entdeckt Persson schon früh sein Interesse für die Entwicklung von Computerspielen. "Mein Vater war einer dieser typischen Nerds. Ständig suchte er sich neue Hobbys", erklärte Persson 2012 in einem Interview mit PC Gamer. "An einem Tag erschuf er seine eigene Angel, am nächsten wollte er sich mehr mit Computern beschäftigen und baute ein Modem."

Der Minecraft-Erfinder: Markus „Notch“ Persson • Am 01. Juni 1979 in Stockholm geboren.
• Gilt als hochbegabter Autodidakt.
• Entwickelte mit acht Jahren sein erstes Text-Adventure.
• Besitzt keinen klassischen Schulabschluss.
• Nahm an mehreren Ludum-Dare-Programmierwettbewerben teil.
• Gründete 2010 mit Carl Manneh und Jakob Porsér das Unternehmen Mojang AB.
• Heiratete am 13. August Elin Zetterstrand, die Schwester des schwedischen Künstlers Kristoffer Zetterstrand. Am 15. August 2012 verkündete er via Twitter, dass er wieder Single sei.
• Verließ Mojang 2014 nach der 2,5-Milliarden-Dollar-Übernahme durch Microsoft.
• Besitzt aktuell 3,7 Millionen Twitter-Follower und machte mit teils kontroversen Tweets auf sich aufmerksam.
• Lebte im Stockholmer Stadtteil Södermalm, bevor er 2014 für 70 Millionen US-Dollar eine Villa in Beverly Hills kaufte.
• Geschätztes Vermögen: 1,5 Milliarden Dollar.

"Notch" ist gerade einmal sieben Jahre alt, als sein Vater einen Commodore 128 - den großen Bruder des C64 - mit nach Hause bringt. Die Faszination des kleinen Markus ist gigantisch. Seine Begeisterung für das neue Spielzeug geht so weit, dass er gegenüber seiner Mutter Bauschmerzen vortäuscht, um nicht in die Schule gehen zu müssen. Persson verbringt damals viel Zeit mit dem Shoot-'Em-Up Construction Kit und fertigt seine eigenen Animationen. Gemeinsam mit seiner Schwester schreibt er einfache Codes, und schon mit acht Jahren programmiert er sein erstes eigenes Text-Adventure. Als Teenager hat Markus Persson den Traum, einmal ein bahnbrechendes Spiel wie Doom zu entwickeln. Kurzum: Für "Notch" dreht sich alles ums Programmieren; Zahlen und Codes sind sein Lebenselixier. Die Schule? Lästig, denn sie hält ihn nur von seiner Passion ab. Kaum verwunderlich, dass Persson die Schule schließlich ohne Abschluss abbricht.

Mit der Spieleentwicklung Geld verdienen

"Notch" ist ein Autodidakt, der sich viele seiner Fertigkeiten selbst beibringt. Er gilt als hochbegabt; heute ist er Mitglied von Mensa International, einem internationalen Dachverband von Vereinen für Menschen mit hohen Intelligenzquotienten. Seine Mutter sponsert ihm zudem einen Online-Programmierkurs. Das führt wiederum zu einigen kleineren Aufträgen als Programmierer, ehe er 2004 beim Stockholmer Software-Unternehmen Midasplayer (später King.com) unterkommt. Die Firma wird einige Jahre später dank Titeln wie Candy Crush Saga (2012) und Farm Heroes Saga (2013) zu einem der wichtigsten Player im Bereich der Smartphone- und Browser-Spiele avancieren.

Persson heuert damals bei einem noch kleinen Team an und bleibt dort für gut fünf Jahre. In seiner Freizeit jedoch bastelt er weiterhin an seiner Vision des perfekten Videospiels. Aus diesem Bestreben entsteht 2006 das gemeinsam mit seinem Freund Rolf Jansson entwickelte Sandbox- Zu viert baut man weniger allein: Die Konsolen-Editionen haben einen Vier-Spieler-Splitscreen-Modus an Bord. Dieser schränkt zwar die Übersicht ein, sorgt aber für gute Laune vor dem Fernseher. Quelle: Mojang Zu viert baut man weniger allein: Die Konsolen-Editionen haben einen Vier-Spieler-Splitscreen-Modus an Bord. Dieser schränkt zwar die Übersicht ein, sorgt aber für gute Laune vor dem Fernseher. Spiel Wurm Online, in dem sich bereits viele Ideen von Minecraft (jetzt kaufen ) wiederfinden. Auch hier dreht sich alles um das Abbauen von Ressourcen, das Erkunden der Spielwelt und den Aufbau einer eigenen Online-Gesellschaft. Schon damals integrieren die Entwickler PvP- und PvE-Elemente. Perssons Philosophie: "Hier hast du eine Welt, hab Spaß damit. Nicht Spaß im eigentlichen Sinne. Arbeite wirklich hart. Durch das Investieren von Zeit und Mühen entsteht schließlich der Spielspaß", führte er gegenüber PC Gamer aus. Heute kennen wir diesen Mechanismus als typisches Grinding, das uns in Onlline.Titeln wie Cryofall, Warframe, Guild Wars und Co. stundenlang bei Laune hält.

Bei Midasplayer lernt Markus Persson auch Jakob Porsér kennen. Die beiden jungen Männer freunden sich trotz ihrer unterschiedlichen Persönlichkeiten an - Markus ist eher der zurückhaltende und schüchterne Typ, Jakob hingegen offen und voller Energie. Das einzige Problem: Das 2005 in King.com umbenannte Unternehmen floriert und ist expandiert - und die Chefetage sieht es gar nicht gerne, wenn die Angestellten nebenher noch eigene Projekte verfolgen. Deshalb verlässt Markus Persson King.com im Jahr 2009 und wechselt zu jAlbum, einem Software-Entwickler für Foto-Anwendungen. Dort gewährt man ihm mehr Freiheiten - die er für Minecraft auch schon sehr bald dringend benötigt.

Die Geburtsstunde von Minecraft

Hatte großen Einfluss auf <em>Minecraft</em>-Erfinder Markus „Notch“ Persson: das Multiplayer-Sandbox-Spiel <em>Infiniminer</em>. Quelle: Zachtronics Hatte großen Einfluss auf Minecraft-Erfinder Markus „Notch“ Persson: das Multiplayer-Sandbox-Spiel Infiniminer. Markus Persson ist ein großer Fan von Titeln wie Dungeon Keeper (1997) oder Dwarf Fortress (2006). Doch sein wichtigster Einfluss für Minecraft ist sicherlich das 2009 von US-Entwickler Zachary Barth veröffentlichte Infiniminer: Das Spiel beeindruckt "Notch" mit seiner blockigen Grafik und dem einfachen Gameplay, das auf dem Abtragen und Aufbauen von Ressourcen basiert. "Ich wollte eine interaktive Fantasy-Welt erschaffen und dazu einige Ideen aus Wurm Online übernehmen", erklärte Persson gegenüber PC Gamer. Hinzu kommen Bestandteile von RubyDung, ein früherer Minecraft-Prototyp, den "Notch" nie ganz fertig stellt. Im Gegensatz zum monotonen und wenig belohnenden Infiniminer soll Minecraft Spieler jedoch schnell für ihre "Arbeit" honorieren.

Die Entwicklung beginnt am 10. Mai 2009 unter dem Arbeitstitel Cave Game. Wenig später benennt Persson das Programm in Minecraft: Order of the Stone um. Laut eigener Aussage benötigte "Notch" für die Entwicklung der ersten Version 0.0.11a sechs Tage. Am 17. Mai 2009 veröffentlicht er das Spiel im Forum von TIGSource - der Beginn einer bis heute anhaltenden Erfolgsstory.

Der Marketplace entstand als Kooperation zwischen Microsoft und den <em>Minecraft</em>-Content-Creators. Spieler können hier Inhalte mit <em>Minecraft</em>-Coins einkaufen, die sie vorher per Echtgeld erstanden haben. Quelle: Microsoft Der Marketplace entstand als Kooperation zwischen Microsoft und den Minecraft-Content-Creators. Spieler können hier Inhalte mit Minecraft-Coins einkaufen, die sie vorher per Echtgeld erstanden haben. In den Folgewochen baut Persson das Programm und den Service rund um Minecraft immer weiter aus. Kurz nach dem Release öffnet das offizielle Spielforum, in dem regelmäßig Blogeinträge und Informationen erscheinen. Als "Notch" am 01. Juni 2009 seinen Job bei jAlbum antritt, laufen bereits die ersten Tests für das kurz darauf veröffentlichte Multiplayer-Update. Im August folgt der sogenannte Survival-Test und Elemente wie Zombies, Creeper, Regen, ein Inventar und ein Lebensbalken halten Einzug ins Spiel. Minecraft wird vom reinen Aufbau- zum Survival-Game, bei dem Spieler mit nur einem Bildschirmtod alles verlieren.

Am 23. Dezember 2009 erreicht Minecraft die "Indev Development"-Phase: Wer spielen will, muss künftig fünf US-Dollar für einen Premium-Account investieren. "Notch" monetarisiert sein Baby damit bereits in der Pre-Alpha-Phase - ein ziemlich mutiger Schritt. Sein Gedanke dahinter: "Wenn ich damit warte, bis das Spiel fertig ist, werde ich Minecraft nie fertigbekommen, weil mir das Geld fehlt, um das Spiel weiter zu entwickeln." In dieser Zeit arbeitet der Schwede weiterhin zwei Tage die Woche bei jAlbum. Er traut den guten Zahlen anfangs nicht und befürchtet, dass die Verkäufe jederzeit einbrechen könnten.

<em>Minecraft </em>bringt Spieler zusammen und erschafft beeindruckende Bauten. Die Community von WesterosCraft stellte auf einem Server die Welt von <em>Game of Thrones</em> nach. Der Bau von Burg Winterfell begann im Februar 2014 und endete im März 2015. Quelle: WesterosCraft.com Minecraft bringt Spieler zusammen und erschafft beeindruckende Bauten. Die Community von WesterosCraft stellte auf einem Server die Welt von Game of Thrones nach. Der Bau von Burg Winterfell begann im Februar 2014 und endete im März 2015. Perssons Zweifel sind indes unbegründet; Minecraft wächst und gedeiht prächtig. Im Januar 2010 besitzt es bereits 100.000 registrierte Benutzer. Ständige Updates erweitern das Spiel etwa um neue Crafting-Rezepte oder mehr Optionen für den Karteneditor. Im Februar 2010 wechselt die Entwicklung in die "InfDev-Phase" (Abkürzung für "Infinite Development", deutsch für "Unendliche Entwicklung"). Damit ist zum einen die "unendliche" Berechnung der Spielwelt gemeint, zum anderen aber auch die Ambition, Minecraft auf ewig weiterzuentwickeln. Im Juni 2010 - gut ein Jahr nach Entwicklungsstart - hat sich Minecraft bereits 20.000 Mal verkauft. Das Spiel erreicht die Alpha-Phase Java Edition Alpha v1.0.0 und erhält eine Preiserhöhung von fünf auf zehn Dollar. Nachdem der Hype um das Klötzchen-Spiel so langsam ins Rollen kommt, kann "Notch" ab Mai 2010 endlich hauptberuflich an Minecraft arbeiten.

Der Hype ist echt

Um Minecraft bildet sich sehr schnell eine große und vor allem lebendige Community. Das gemeinsame Bauen und das Präsentieren der eigenen Arbeit erschaffen ein Gefühl des Miteinanders. Auch ohne kostspielige Marketingmaßnahmen verbreiten sich Videos wie ein Lauffeuer im Netz. Markus Persson befeuert diese Maschinerie mit Blog-Postings und regelmäßigen Tweets. Minecraft geht viral und wird zu einem Online-Hit, den niemand kommen gesehen hat. Zu der spontan in Bellevue im US-Bundesstaat Washington einberufenen ersten MinecraftCon erscheinen am 31. August 2010 immerhin mehr als 50 Fans. Ein Jahr später verwandelt sich die MineCon in Las Vegas zu einem Festival mit 4500 Besuchern und großem Rahmenprogramm. Seitdem findet die Veranstaltung - abgesehen von der abgesagten 2014er-Convention - jährlich statt.

<em>Minecraft </em>verbindet Windows, Xbox, Mobile, VR und Nintendo Switch miteinander. Das Spiel vereinigt also – von Sonys Playstation abgesehen – alle Plattformen und kreiert so eine nahezu umfassende Community. Quelle: Mojang Minecraft verbindet Windows, Xbox, Mobile, VR und Nintendo Switch miteinander. Das Spiel vereinigt also – von Sonys Playstation abgesehen – alle Plattformen und kreiert so eine nahezu umfassende Community. Diese Aufmerksamkeit lockt auch prominente Interessenten an. Half-Life-Entwickler Valve etwa macht Persson das Angebot, Minecraft abzutreten und im Unternehmen einzusteigen. "Notch" lehnt allerdings ab. Schnell wird klar, dass Minecraft auf "offizielle" Beine gestellt werden muss - zuvor lief das Projekt über Perssons Privatfirma Mojang Specifications. Gemeinsam mit Jakob Porsér gründet der heute 39-Jährige im Oktober 2010 die Mojang AB. Beide haben jedoch herzlich wenig Ahnung davon, wie man ein Unternehmen leitet. Deshalb holen sie Carl Manneh, den damaligen Geschäftsführer von jAlbum, ins Boot. Er erkennt das Potenzial hinter Minecraft und Mojang, bietet sich als Geschäftsführer an - und bekommt den Job.

Minecraft erhält in dieser Zeit einige wichtige Neuerungen: Im August erscheint der Survival-Multiplayer, am 20. Dezember 2010 wechselt das Spiel in die Beta-Phase. Diese beschert Spielern das Comeback des Kreativ-Modus, Wetter, zusätzliche Blöcke sowie Hunger als Element im Survival-

Minecraft-Trivia: 10 wissenswerte Fakten über das Pixel-Spiel • Minecraft trug ursprünglich den Arbeitstitel „Cave Game“.
• Die beliebten und berüchtigten Creeper fußen auf einem Entwicklungsfehler. „Notch“ wollte eigentlich ein Schwein designen, vertauschte aber einige Werte – und heraus kamen die merkwürdig anmutenden Figuren.
• Streamer „Philza“ spielte den Hardcore-Modus von Minecraft über fünf Jahre lang – ohne zu sterben. Im April 2019 endete diese Serie, als ihn ein Baby-Zombie überraschte. Inzwischen startete er einen neuen Run.
• Die dänische Katasterbehörde Geodatastyrelsen, die sonst für Kartographie und Geodaten des Landes verantwortlich ist, baute das eigene Land in Minecraft nach.
• Die Viktor Rydberg Schule in Stockholm, Schweden erklärte im Jahr 2013 Minecraft zum Schulfach, um das räumliche Denken und die Kreativität der Kinder zu fördern. Bereits 2012 integrierte ein Lehrer in New York Minecraft in den Unterricht.
• Zum Start der zweiten Staffel der Mystery-Serie Stranger Things veröffentlichte Microsoft ein Skin-Pack mit Helden der Netflix-Produktion und dem darin vorkommenden Monster Demogorgon.
• Der YouTuber und Entwickler „Sethbling“ baute mit Hilfe von Minecraft einen lauffähigen Emulator für die Oldie-Konsole Atari 2600. Der Emulator kann ROMs der Spiele auslesen und stellt diese dann in Blöcken dar. „Sethbling“ verwendete dafür keine Mods, sondern „lediglich“ über 2000 Kommandoblöcke.
• Beim ersten Hören wirkt die Sprache der Endermen fremd und merkwürdig. Spielt man die Soundfetzen rückwärts und langsam ab, kommen jedoch englische Worte wie „Hi“ oder „What's Up“ heraus.
• Apropos Soundeffekte: Das Stöhnen der Ghasts stammt ursprünglich von der schlafenden und offenbar schnarchenden Katze von Sounddesigner Daniel „C418“ Rosenfeld.
• In Minecraft gibt es ausschließlich weibliche Kühe, von ihr euch Milch besorgen könnt. Dennoch pflanzen sich die Tiere auf mysteriöse Weise fort.

Modus. Damit einher geht übrigens eine Preiserhöhung von zehn auf 15 Dollar. Den Absatzzahlen schadet das allerdings nicht, im Gegenteil: Im Januar 2011 vermeldet Monjang eine Million verkaufte Einheiten. Minecraft ist längst ein Hit und nicht mehr aufzuhalten.

2011 steht ganz im Zeichen der Erweiterung der Zielgruppe. Im Juni kündigt Mojang Minecraft: Pocket Edition für Smartphones und Tablets an. Diese mausert sich, trotz anfänglich eher holpriger Steuerung und geringerem Umfang, über die Jahre zum erfolgreichsten Ableger des Spiels. Microsoft präsentiert auf der Spielemesse E3 in Los Angeles zudem Minecraft Xbox 360 Edition, die bereits im Mai 2012 erscheint. Die Version für die Playstation 3 kommt erst am 18. Dezember 2013 auf den Markt. In den Folgejahren wird Minecraft auch für Playstation 4 (04. September 2014), Xbox One (05. September 2014) und Nintendo Switch (12. Mai 2017) sowie für Apple TV (2016), Fire TV Stick (2016) und Handhelds wie die Playstation Vita (2014) oder den New Nintendo 3DS (2017) veröffentlicht. Minecraft wird für viele Spieler zum alltäglichen Begleiter.

Deshalb funktioniert Minecraft

Minecraft trifft den Zeitgeist und findet seine eigene Nische. Viele Spiele präsentieren sich in ihrem Gameplay entweder als vergleichsweise destruktiv (siehe Call of Duty und Battlefield) oder kompetitiv wie beispielsweise FIFA. In Minecraft dominiert dagegen das gemeinsame Erschaffen. Diese soziale Komponente - in Verbindung mit dem Ausleben der eigenen Kreativität - macht es zu einem Spiel, das für alle Zielgruppen interessant und spannend ist. Denn so sehr Minecraft auf den ersten Blick doch an das Spielen mit Kinderbauklötzen erinnert, so besitzt es doch eine ähnliche Herangehensweise, wie sie beispielsweise LEGO mit sich bringt: Das Aufbauspiel erklärt sich selbst und liefert, wie von "Notch" bereits frühzeitig in der Entwicklung geplant, schnell die ersten Belohnungen. Binnen kürzester Zeit stampfen wir unser Haus aus dem Boden, platzieren Objekte wie Brunnen und finden uns in der Welt zurecht. Das Miteinbeziehen von Gefahren entfacht die Abenteuerlust und belohnt zudem mit dem Anblick unterirdischer Grotten und anderer Geheimnisse.

Dank <em>Minecraft: Pocket Edition</em> ist das beliebte Aufbauspiel seit 2011 für Smartphones, Tablets und Handhelds erhältlich. Der Zusatz <em>Pocket Edition</em> wurde inzwischen jedoch gestrichen. Die Mobile-Portierung ist der erfolgreichste Ableger der Reihe. Quelle: Microsoft Dank Minecraft: Pocket Edition ist das beliebte Aufbauspiel seit 2011 für Smartphones, Tablets und Handhelds erhältlich. Der Zusatz Pocket Edition wurde inzwischen jedoch gestrichen. Die Mobile-Portierung ist der erfolgreichste Ableger der Reihe. Der Klötzchen-Look spielt für den Erfolg ebenfalls eine wichtige Rolle - Minecraft ordnet die Grafik dem eigentlichen Spieldesign unter. Wir verstehen auf den ersten Blick, wie das Aufbauspiel benutzt werden möchte: Ein Klotz passt auf den anderen. Kombinieren wir Klötzchen miteinander, entstehen neue Objekte. Diese vermeintliche Einfachheit behindert das Spiel aber nicht in seiner Komplexität. Ob wir eine Achterbahn, die Enterprise, Burg Winterfell oder gar einen funktionierenden Atari-Emulator nachbauen - Grenzen setzen uns letztlich nur unsere eigene Fantasie und die uns zur Verfügung stehende Zeit.

Diese Freiheit inspiriert die Community - Minecraft gehört zu den Dauerbrennern auf YouTube und Twitch. Weltweit schießen Let's Plays, Parodien und andere Videoformate wie Pilze aus dem Boden. Ende 2012 finden sich auf YouTube rund vier Millionen Videos unter dem Stichwort "Minecraft", im Oktober 2014 sind es bereits 78,2 Millionen. Eine Generation von Video-Creators entsteht; deutsche Let's Player wie Erik Range alias Gronkh erreichen plötzlich ein Millionenpublikum. Minecraft erschafft durch sein Gameplay und die grenzenlose Kreativität Influencer mit einer unglaublichen Reichweite - zumindest sofern diese wissen, was sie vor der Kamera tun. Viele andere Spiele wie etwa FTL: Faster Than Light, The Elder Scrolls: Skyrim oder Borderlands 2 beinhalten in der Folge Referenzen auf Minecraft. Sogar das Intro der Simpsons-Episode "Luca$" erstrahlt im typischen Minecraft-Look. "[...] Ich habe immer noch das Gefühl als wäre es dieses kleine Spiel, das ich zu Hause programmiert habe. Es ist so bizarr, was da alles passiert", kommentiert "Notch" kommentiert den Simpsons-Couchgag auf Twitter.

Kein Ende in Sicht

Dabei ist Persson zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr fester Bestandteil des Entwicklerteams. Minecraft entwächst am 18. November 2011 der Beta-Phase und erscheint zum Preis von 19,99 Dollar als Vollversion. In Folge dessen tritt der Erfinder am 01. Dezember 2011 seinen Posten als Hauptentwickler an seinen schwedischen Kollegen Jens Bergensten ab.

Das 2016 veröffentlichte <em>Minecraft: Education Edition</em> basiert auf der Mod <em>MinecraftEdu</em>, die 2011 von Lehrern entwickelt und gepflegt wurde. Microsoft schnappte sich 2016 die Rechte. Die Lernsoftware erschien in insgesamt elf Sprachen. Quelle: Microsoft Das 2016 veröffentlichte Minecraft: Education Edition basiert auf der Mod MinecraftEdu, die 2011 von Lehrern entwickelt und gepflegt wurde. Microsoft schnappte sich 2016 die Rechte. Die Lernsoftware erschien in insgesamt elf Sprachen. Minecraft schadet dieser Schritt indes nicht. In regelmäßigen Abständen erscheinen weiterhin Updates, von der Community entwickelte Mods und besagte Portierungen auf andere Systeme. Das Aufbauspiel bleibt über Jahre erfolgreich und zieht eine ganze Industrie hinter sich her - von YouTubern über Merchandise-Anbieter bis hin zu Herausgebern von Ratgeberbüchern. Persson arbeitet derweil an eigenen Software-Ideen. Doch seine Weltraumsimulation 0x10c wird aufgrund mangelnder Ideen 2013 eingestellt. Im Juni 2014 stellt "Notch" schließlich einen merkwürdigen Twitter-Post ins Netz. Er fragt nämlich: "Mag jemand meinen Anteil an Mojang kaufen, damit ich mein Leben weiterleben kann?"

Den Tweet hat offenbar auch Microsoft gelesen: Am 15. September 2014 bestätigt der Tech-Riese die Akquisition von Mojang für 2,5 Milliarden Dollar. Der Deal beinhaltet sämtliche Rechte an Minecraft. Für Microsoft ist die Marke eine sinnvolle Erweiterung des eigenen Portfolios: Das Klötzchen-Epos läuft weiterhin erstklassig und besitzt eine treue Fangemeinde. Zugleich bringt es ein positives Image mit. So veröffentlichen die Redmonder 2016 unter anderem die auf der Modifikation Minecraft Edu basierte Minecraft: Education Edition, die in Klassenzimmern zum Einsatz kommen soll. Bis heute erscheinen in regelmäßigen Abständen neue Inhalte wie etwa Skin-Packs und andere Erweiterungen für Minecraft unter der Microsoft-Flagge. Immer neue Rekorde beweisen, dass Minecraft auch zehn Jahre nach seinem Ur-Release noch längst nicht zum alten Eisen gehört und weiterhin die aktuell größte Community weltweit besitzt.
In<em> Minecraft</em> gibt es drei Dimensionen: Oberwelt, Nether und das Ende. Die schlaksigen Endermen bewohnen das Ende. Sie können sich teleportieren und greifen nur an, wenn sie selbst attackiert werden. Quelle: Microsoft In Minecraft gibt es drei Dimensionen: Oberwelt, Nether und das Ende. Die schlaksigen Endermen bewohnen das Ende. Sie können sich teleportieren und greifen nur an, wenn sie selbst attackiert werden.
Und was macht Markus "Notch" Persson? Er verlässt, gemeinsam mit Carl Manneh und Jakob Porsér, das Unternehmen. Alle drei gehen als reiche Männer aus Mojang hervor. Persson kauft sich 2014 für 70 Millionen US-Dollar eine Villa in Beverly Hills, so richtig zufrieden scheint er mit seinem Leben allerdings nicht zu sein. Zuletzt machte er mehrfach durch unschöne Äußerungen auf Twitter negativ auf sich aufmerksam. "I'd rather be a fascist cunt than have a feminine dick, so gladly!" (auf Deutsch etwa: "Ich bin lieber eine faschistische F**** als ein feministisches Arschloch."), twitterte er etwa im März 2019. Microsoft entfernte daraufhin jegliche "Notch"-Anspielungen aus Minecraft und lud ihn auch nicht zu den Feierlichkeiten anlässlich des zehnjährigen Minecraft-Jubiläums ein.

Minecraft bleibt dennoch sein Lebenswerk, mit dem er Videospiele einen gewaltigen Schritt in den Mainstream gebracht und Millionen von Menschen weltweit Freude und Freunde beschert hat. Die Klötzchen-Simulation ist aktuell hinter Tetris (rund 170 Millionen Exemplare) das am zweithäufigste verkaufte Videospiel aller Zeiten. Allerdings hat Tetris (Erstveröffentlichung: 6. Juni 1984) auch einige Jahrzehnte Vorsprung. Da geht noch was! In diesem Sinne: Happy Birthday, Minecraft - und auf die nächsten zehn Jahre!

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