Xbox feiert 15-jähriges Jubiläum! Aller Anfang ist schwer: Die erste Xbox kam gewaltig, aber zu spät - und mit gigantischem Controller
Special
Am 15. November 2001 feierte die Xbox in Nordamerika ihre Premiere. Microsoft hatte damit die stärkste Konsole am Markt, ließ aber der Konkurrenz einen zeitlichen Vorsprung. Außerdem ging die Xbox als die Konsole mit dem unsinnigsten Controller in die Geschichte ein. Wir blicken in unserem Special zurück und sagen: Happy Birthday Xbox!
Playstation vs. Xbox! Mit dem USA-Launch der Xbox wagte sich Microsoft am 15. November 2001 erstmals auf den Konsolenmarkt und initiierte das seither mit Sony geführte Konsolen-Duell um die Vorherrschaft im Core-Gaming-Sektor. Die damaligen Mitstreiter Sega (Dreamcast) sowie Nintendo, die den Gamecube drei Tage nach dem Xbox-Launch in den USA veröffentlichten, haben sich längst aus dem Konsolenmarkt verabschiedet beziehungsweise fokussieren eine andere Zielgruppe.
Der Kampf um den viel zitierten Hardcore-Gamer, der die leistungsfähigste Konsole mit der schönsten Grafik möchte, diesen Fight
führen inzwischen nur noch Sony und Microsoft. Eine der Waffen mit denen der erfolgreiche Windows-Hersteller aus Redmond seinerzeit ins Konsolengefecht zog, hieß Halo. Der Ego-Shooter trifft auch heute noch den Geschmack vieler Shooter-Fans. Teil 1 kam zum Launchtag der Xbox auf den Markt und spielt seither eine gewichtige Größe in Microsofts Konsolengeschäft, dessen Einzug anderthalb Jahre vor dem Xbox-Launch eingeleitet wurde, als die Weltöffentlichkeit Microsofts Spielekonsole erstmals zu Gesicht bekam.
Chefsache
Microsoft-Chef Bill Gates ließ es sich nicht nehmen, höchstpersönlich die erste Spielekonsole des Software-Giganten zu präsentieren. Am 10. März 2000 enthüllte Gates den schwarzen Kasten mit der X-förmigen Oberseite auf der Games Developers Conference in San Francisco und kündigte die Xbox für das Jahr 2000 an. Diesen Wunschtermin hat Microsoft deutlich verpasst, man ließ Sonys Playstation 2 den Vortritt, die am 26. Oktober 2000 erschien.
Die Xbox-Launchtitel:
Bildergalerie
Zwei Monate nach der Xbox-Enthüllung, am 12. Mai 2000, stellte das von Microsoft aufgekaufte Entwicklerstudio Bungie auf der E3-Messe in Los Angeles den Ego-Shooter Halo: Combat Evolved vor, der Maßstäbe im Genre setzen sollte. Zum umfangreichen Launch-Lineup zählte auch der Xbox-Exklusivtitel Project Gotham Racing von Bizarre Creations. Das Action-Rennspiel bot reale Stadtkurse wie Florenz und London, sowie neuartige Spielmodi etwa Slalom-Events, in denen man teilweise auf zwei Rädern durch Hütchentore fahren musste.
Powermaschine
Der Name Xbox entsprang einer Wortkonstruktion aus "Box" sowie der von Microsoft entwickelten Schnittstelle "DirectX" und war ursprünglich nur ein Arbeitstitel. Der gefiel den
Verantwortlichen wohl so gut, dass Big Ms erste Spielekonsole unter diesem Namen am 15. November 2001 auf den Markt kam, immerhin anderthalb Jahre nach der Enthüllung.
Das Betriebssystem der Konsole basierte auf Windows NT. Da war es geradezu logisch, dass auch die Hardware-Architektur der eines Windows-PC ähnelte. So verbaute Microsoft eine Mobile-Celeron-CPU aus dem Hause Intel, die mit 733 MHz getaktet war. Zum Vergleich: Der Hauptprozessor der anderthalb Jahre zuvor erschienenen Playstation 2 bot lediglich eine Taktfrequenz von 299 MHz. Auch beim Grafikprozessor war Microsoft der Konkurrenz voraus.
Big M konnte die Xbox demnach als die stärkste Konsole vermarkten, welche sogar die HDTV-Auflösungen 1080i und 720p unterstützte, was im Jahre 2001 als fortschrittlich galt - in Deutschland strich Microsoft den HDTV-Support. In dem großen, mehr als 3 Kilo schweren Gehäuse steckte sogar eine Festplatte, je nach Fertigungscharge mit 8 oder 10 GByte Kapazität. Wie die PS2 bot auch die Xbox ein DVD-ROM-Laufwerk mit DVD-Video-Player-Funktion.
Im November 2002 - genau ein Jahr nach dem Xbox-Start- launchte Microsoft den Online-Dienst Xbox Live, der den Online-Services der Konkurrenten in puncto Zuverlässigkeit und Schnelligkeit deutlich überlegen war. Anfang 2004 war Xbox Live schließlich weltweit verfügbar.
Größenwahn
Quelle: Microsoft
Fett: Xbox Controller D
Während man an der Hardware-Ausstattung der Xbox als Spieler nichts aussetzen konnte, sorgte der Controller für rege Diskussionen in der Community. Der "Controller D" war derart üppig dimensioniert und klobig designt, dass Spieler mit normal großen bis kleinen Händen beim Zocken Schmerzen oder gar Krämpfe in den Händen bekamen. Was sich Microsoft dabei gedacht hat, bleibt bis heute schleierhaft. Am verbauten Rumble-Motor kann es nicht gelegen haben, denn auch Sonys Dualshock 2 bot ein Vibrations-Feature. Das Plastikkleid des PS2-Controllers war aber einige Nummern kleiner, als das des gigantischen Xbox-Eingabegeräts.
Dem Anfangserfolg der Xbox tat der ob seines kreisrunden Mittelteils als Hamburger verspottete Controller zunächst keinen Abbruch. In den ersten drei Wochen gingen 1 Million Xbox-Geräte über die nordamerikanischen Ladentheken.
Immerhin reagierte Microsoft schnell auf die Kritik und brachte mit dem "Controller S" ein deutlich kleineres Modell auf den Markt, das der Gehäuseform der Xbox-360- und Xbox-One-Controller recht nahe kam. Der Small-Controller lag auch den asiatischen Xbox-Packungen bei, die am 22. Februar 2002 erstmals den Weg in den Handel fanden. Eine gute Entscheidung, denn der Durchschnitts-Japaner hat bekanntlich kleinere Hände als der typische Nordamerikaner. Auch europäische Spieler mussten sich zum Glück nicht mehr mit dem Riesen-Controller abmühen.
Preisrutsch
Am 14. März 2002 veröffentlichte Microsoft die Xbox auch in Europa, hierzulande zum stolzen Preis von 479 Euro. Da sich die 2000 erschienene Playstation 2 aber längst in Millionen hiesige Zockerzimmer eingenistet hatte und Microsoft damals auf Grund seines monopolartigen Windows-Geschäfts nicht gerade das beste Image besaß, lag die vergleichsweise teure Xbox wie Blei in den deutschen Händlerregalen.
Nach nicht einmal sechs Wochen senkte Microsoft den Preis um fast 40 Prozent auf 299 Euro. Dieser beispiellose Preisrutsch so kurz nach dem Launch verärgerte jedoch die Early Adopter, die noch 479 Euro für ihre Xbox löhnten und offenbarte zudem jedem denkenden Spieler den Fakt, dass der Deutschland-Start der Xbox gehörig in die Hose ging.
Schon einige Monate später folgte die nächste Preissenkung auf 249 Euro. Im August 2004 lag der Preis schließlich bei 149 Euro und damit auf dem Niveau der Playstation 2 die in puncto Verkaufszahlen - oder wie es Spieleentwickler gerne formulieren: "Installierte Basis" - um ein Vielfaches vor der Xbox lag.
Demzufolge fiel es Microsoft schwer Third-Party-Entwickler für Exklusivtitel ins Boot zu holen. Ebenso waren Studios kaum daran interessiert bei Multiplattform-Titeln die Xbox-Fassung mit deutlich schönerer Grafik zu versehen, was leistungsmäßig durchaus drin gewesen wäre. So finden sich unter den am besten bewerteten Xbox-Spielen auch zahlreiche Exklusivtitel wie Halo 1 + 2. Der Ende 2004 erschienen zweite Halo-Teil war zugleich das erfolgreichste Xbox-Spiel überhaupt. Großen Zuspruch fanden auch Project Gotham Racing 2 sowie Forza Motorsport. Die Rennsimulation erschien im Mai 2005, war damit der letzte namhafte Xbox-Exklusivtitel. Doch auch der grandiose Racer vom Microsoft-Studio Turn 10 konnte dem sinkenden Xbox-Schiff nicht mehr zur Wende verhelfen.
Enttäuschung
Die Verkaufszahlen der Xbox entwickelten sich trotz des guten Starts enttäuschend - auch wenn das Microsoft bis heute nicht eingestehen möchte. Da halfen auch die neuen Modelle nichts: 2003 erschien die Xbox in grünem Gehäuse, 2004 in einem transparenten Plastikkleid. Insgesamt rund 25 Millionen Xbox-Geräte fanden einen Besitzer. Vergleicht man die Zahl mit den knapp 158 Millionen PS2-Konsolen, die Sony an Mann und Frau brachte, kann man sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass Microsoft mit dem Abschneiden der ersten Xbox zufrieden war.
Quelle: Microsoft
Peter Moores berühmtes Halo 2-Tattoo
Auffällig ist dabei, dass Microsoft vor allem in der Asien-Pazifik-Region kein Bein auf den Boden brachte. Noch nicht einmal zwei Millionen Xbox-Käufer fand Microsoft auf diesem riesigen Markt. Offensichtlich konnten die Redmonder den zeitlichen Nachteil gegenüber der PS2 niemals aufholen, trotz der deutlich leistungsstärkeren Hardware.
Allerdings hat Microsoft aus diesem Fehler gelernt und bereits vier Jahre nach dem Xbox-Start mit der Xbox 360 eine Nachfolgekonsole auf den Markt gebracht. Diese erschien in den USA am 22. November 2005, rund ein Jahr vor der Playstation 3 - und lag mit rund 84 Millionen verkauften Geräten auf Augenhöhe mit der Sony-Konsole.
