Microsoft: Der PC-Spieler als das 5. Rad am Wagen? Eine Kolumne

Special Matthias Dammes
Microsoft: Der PC-Spieler als das 5. Rad am Wagen - Eine Kolumne.
Quelle: Microsoft

Microsoft startet seine PC-Offensive, doch PC Games-Redakteur Matthias Dammes ist noch nicht wirklich überzeugt. In dieser Kolumne schreibt er, warum er sich als PC-Spieler bei Microsoft nur als das fünfte Rad am Wagen fühlt und warum das "Xbox Play Anywhere"-Programm auch seine Schattenseiten hat.

Auf der Microsoft-Pressekonferenz - oder besser gesagt dem Xbox Briefing, wie es der Konzern selbst nennt - war in diesem Jahr etwas anders. Es ging zwar wie gewohnt fast ausschließlich um die Xbox und ihre Spiele, aber alle gezeigten Spiele erscheinen auch für Windows 10, also für den PC. Eine durchaus erfreuliche Entwicklung, dass Microsoft nach all den Jahren der luftleeren Reden über mehr Engagement im PC-Sektor endlich ernst zu machen scheint. Auch ich freue mich, dass ich auf dem PC zum Beispiel in den Genuss von ReCore kommen werde. Ein Titel der mich persönlich stark interessiert.

Gewürzt wird diese neue Strategie mit dem "Xboy Play Anywhere"-Programm, das Spielen auf beiden Plattformen nach einmaliger Zahlung verspricht. Natürlich alles inklusive Cross-Play-Features, geteilten Spielständen und Erfolgen. Doch bereits während der Pressekonferenz beschlich mich ein ungutes Gefühl bei der ganzen Sache. Das klang alles irgendwie zu schön, um wahr zu sein. Und tatsächlich werde ich das Gefühl nicht los, dass der PC-Spieler für Microsoft nur das fünfte Rad am Wagen ist. Das geht schon damit los, wie "Xbox Play Anywhere" beworben wird. "Wenn du digital ein Xbox One-Spiel kaufst, bekommst du die PC-Version dazu."

Die gesamte Pressekonferenz war nach dem Motto ausgerichtet: "Wenn Xbox, dann PC". Von gleichwertigen Plattformen habe ich da nichts gespürt. Auch dass "Xbox Play Anywhere" nur digital funktioniert, ist mir ein gehöriger Dorn im Auge. Das bedeutet: Wer ein Xbox-Spiel im Laden kauft, profitiert nicht davon, auch Zugriff auf die PC-Version zu haben. Nun stehe ich mit meinem Wunsch ReCore zu spielen nämlich vor einem Dilemma. Eigentlich hätte ich gern die sehr schicke Collector's Edition des Actionspiels. Diese gibt es aber nur als Xbox One-Version. Und da "Xbox Play Anywhere" mit Retail-Produkten nicht funktioniert, stehe ich vor der Frage: Auf die CE verzichten oder doppelt für das Spiel zahlen?

Allgemein müssen sich PC-Spieler bei Microsoft von jeglichem physischen Besitztum der Spiele verabschieden. Eine stinknormale Ladenfassung für den Sammler, wegen mir sogar mit Bindung an den Windows-Store? Fehlanzeige. So fühlt man sich als PC-Spieler nur als digitales Anhängsel der Xbox One. Nun werden wieder einige argumentieren, dass auf dem PC inzwischen eh fast nur noch digital gekauft wird. Mag sein, allerdings gibt es noch immer keinen anderen großen Publisher, der sich getraut hat, den Retail-Markt auf dem PC komplett aufzugeben. Es gibt noch genug Spieler mit langsamer Internet-Verbindung, einem Hang zum Sammeln oder schlicht geringem Vertrauen in reine Onlinegeschäfte, damit sich die Ladenversion lohnt.

Ja, Microsoft tut endlich mehr für den PC als in den letzten Jahren. Aber für mich fühlt es sich bisher nur wie eine Zweitverwertung der Xbox-Titel mit geringstmöglichem Aufwand an. Wenn es Microsoft mit seinem "Commitment" für den PC als Spieleplattform wirklich ernst meint, dann erwarte ich da ein wenig mehr. Ich erwarte, dass PC-Spieler gleichwertig behandelt werden und zum Beispiel genauso frei entscheiden können, wie sie ihr Spiel erwerben. Auch die Rückkehr zu richtigen PC-Spielen vermisse ich nach wie vor. Wo bleibt Age of Empires 4? Zusätzlich hat der technisch völlig verkorkste Release der PC-Version von Quantum Break nicht gerade dazu beigetragen, mehr Vertrauen zu schaffen. Ich lasse mich in Zukunft gerne noch eines Besseren belehren, aber bisher bin ich nicht davon überzeugt, dass Microsoft den PC als gleichwertige Plattform neben der Xbox begreift.

Wie seht ihr die Pläne von Microsoft in Hinblick auf Xbox One, PC und "Xbox Play Anywhere"? Tipp: Im Gegenartikel PC-Spiele auf der E3: So populär wie nie verrät uch PC-Games-Redakteur Peter Bathge, warum er das etwas anders sieht und der Meinung ist, dass man als PC-Spieler der Zukunft gelassen entgegenblicken kann!

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