Micro Machines: World Series im Test: Kleine Autos, große Bugs
Test
Die Micro Machines-Reihe erfreut sich seit den frühen 90er-Jahren großer Beliebtheit. Nach einigen schwächeren Auftritten soll der neue Teil World Series wider zu altem Glanz verhelfen... könnte man denken. Im Test erfahrt ihr, warum sich das neue Micro Machines eher wie hingeschluderter Murks anfühlt, mit dem die Lizenz gemolken werden soll.
1991 erblickte auf dem NES der erste Micro Machines-Teil das Licht der Welt und seit Micro Machines 2: Turbo, das 1994 für das Sega Mega Drive erschien, erfreut sich die Reihe großer Beliebtheit. Der Fun-Racer war nämlich nicht nur ein normales Rennspiel, man steuerte Miniatur-Vehikel aus einer isometrischen Ansicht über Billardtische, Fensterbretter oder Küchentische und beharkte die gegnerischen Fahrer zusätzlich mit Power-Ups.
Die Steuerung war teilweise ein wenig fummelig und so ausgereift wie ein Mario Kart waren die Micro Machines zwar nicht, doch die Reihe versprach immer viel Spaß und im lokalen Mehrspielermodus zudem jede Menge Schadenfreude. Ab der PS2-Zeit dümpelte die Serie jedoch schon vor sich hin und hat sich mittlerweile sogar den Ruf erarbeitet, dass nur noch die Lizenz gemolken wird, weil man hofft, dass potenzielle Käufer beim Anblick der Packung kurz von Nostalgie ergriffen werden und einfach zugreifen, egal wie schlecht und schnell das Spiel zusammengeschustert wurde. Und was soll man sagen? Auch das neue Micro Machines: World Series wird diesem Ruf gerecht.
Kein Spaß für Einzelspieler
Besonders in Sachen Umfang ist World Series eine Frechheit. Im Gegensatz zu älteren Serienablegern gibt es keinen richtigen Einzelspielermodus. Man darf nur einzelne Strecken anwählen und dort ein Rennen austragen. Allerdings nur gegen drei KI-Fahrer. Zockt man hingegen online, sind ganze zwölf Mini-Vehikel auf der Strecke. Diese dämliche Beschneidung von Singleplayer ist genauso unverständlich wie die Tatsache, dass man im lokalen Multiplayer keine normalen Rennen fahren kann.
Man darf lediglich einen Ausscheidungs-Wettbewerb starten, in dem die Kamera so nah am Spielgeschehen dran ist, dass man kaum Übersicht hat. Wer hier von der Strecke abkommt oder nicht mehr von der Kamera erfasst wird, hat verloren. Zudem verbirgt sich hinter dem Spielmodus "Allgemein", wo wohl normalerweise jeder ein normales Rennen vermuten würde, eine Art Arenakampf, bei dem man sich gegenseitig abschießt.
Quelle: PC Games
Schade, dass der Titel keinen Spaß macht, Grafikstil und Kurse können nämlich nach wie vor überzeugen.
Serverprobleme & Schwachsinn
Doch auch online bietet World Series nicht sonderlich viel Abwechslung. Neben den Ausscheidungsrennen und normalen Rennen, gibt es noch einen King-of-the-Hill-Modus, bei dem zwei Teams bestimmte Punkte erobern sollen. Dieser ist allerdings so unübersichtlich, dass einem schnell der Spaß dran vergeht. Egal, welchen Modus ihr wählt, ihr verbringt gefühlte Ewigkeiten in der Lobby, bis mal ein Spiel gefunden wurde. Und dann fahrt ihr noch nicht einmal komplett gegen andere menschliche Spieler.
Quelle: PC Games
Der King-of -the-Hill-Modus ist viel zu unübersichtlich.
Während des Tests befanden sich allerhöchstens fünf weitere Online-Zocker auf dem Kurs. Der Rest des zwölfköpfigen Teilnehmerfelds wird dann mit KI-Fahrern aufgefüllt. Teilweise wurde auch gar kein Mitspieler gefunden. Blöd ist zudem, dass es nicht mal eine Abstimmung gibt, welche Rennstrecke gefahren werden soll. Das Spiel wählt einfach zufällig aus. Selbst mit ein paar Mitspielern kommt jedoch kein Spaß auf, denn World Series hat starke Verbindungsprobleme und kickt einen andauernd aus einem laufenden Spiel.
Je besser ihr in den Rennen abschneidet desto mehr Erfahrungspunkte erhaltet ihr übrigens und steigt im Level auf. Dadurch erhaltet ihr meist blödsinnige Gadgets, wie ein neues Logo, wenn ihr abgeschossen werdet oder neue unlustige Sprüche, die euer Vehikel vom Stapel lässt, wenn ihr einen Gegner überholt. Habt ihr jedoch Level 5 erreicht, darf man an Ranglisten-Rennen teilnehmen und laut Spiel "eine Saison" zocken. Das ist jedoch eine dicke, fette Lüge. Ihr fahrt nur ein Rennen und werdet dann wieder in die Lobby verfrachtet. Zudem wird hier andauernd dieselbe Rennstrecke vom offensichtlich verbuggten Zufallsgenerator ausgewählt.
Fun-Racer ohne Fun
Quelle: PC Games
Wenn die Bugs oder andere Ärgernisse nicht nerven, stört oftmals die mangelhafte Kollisionsabfrage.
Doch mal ganz abgesehen von dummen Design-Entscheidungen, mangelhaftem Umfang und Serverproblemen: Micro Machines: World Series ist auch in spielerischer Hinsicht kurz vorm Totalausfall. Einige Runden macht die Miniatur-Raserei durchaus Spaß, doch bereits nach kurzer Zeit geht einem die unfassbar schlechte und komplett wahllose Kollisionsabfrage auf den Senkel. Viel zu oft crasht ihr mit voller Wucht in einen Kontrahenten, um ihn eigentlich von der Strecke zu schubsen, dieser macht aber nur einen winzigen Hopser, euch hingegen rumpelt ein gegnerischer Fahrer sachte an, und ihr fliegt etliche Meter weit.
Auch der Einsatz von Nerf-Power-Ups (im Spiel ganz subtil durch riesige Produktplatzierung dargestellt) ist absolut fehlerhaft. Hat ein Gegner das Hammer-Power-Up eingesammelt, mit dem man normalerweise nur Kontrahenten, die sich direkt vor einem befinden, plätten kann, kann dieser einfach draufloshauen und ihr explodiert, obwohl er euch gar nicht getroffen hat. Zudem ist World Series von zahlreichen Bugs geplagt. Mehrfach erkannte das Spiel in Ausscheidungsrennen nicht den richtigen Gewinner und das siegreiche Mini-Auto verwandelte sich plötzlich in das Vehikel eines anderen Teilnehmers.
Quelle: PC Games
Die Power-Ups stammen allesamt von Nerf. Überall stößt man auf Produktplatzierungen.
Einmal war es sogar unmöglich zu starten. Etliche Sekunden nach der grünen Ampel konnte sich kein Fahrer bewegen. Danach konnten nur zwei Vehikel starten und alle anderen Fahrzeuge wurden bewegungslos auf der gesamten Strecke verteilt, während die Platzierungsanzeige sekündlich umsprang. Wir brauchen wohl kaum erwähnen, dass uns dieser hingeschluderte Murks zudem auch noch ein paar Mal abgestürzt ist.
Doch auch wenn ihr mal von Bugs und anderen Ärgernissen verschont bleibt, nervt euch schnell das unausgewogene Balancing und die übertriebene Gummiband-KI. Die KI kann nämlich locker innerhalb weniger Sekunden eine halbe Runde aufholen, und das auswählbare Schneemobil ist viel schneller als die anderen Fahrzeuge. Online fahren deshalb fast alle mit dem gleichen Vehikel.
