Metro Redux im Test: So gut ist die Umsetzung für die Nintendo Switch!
Test 6,99 €
Die Postapokalypse ruft! Habt ihr das Zeug zum Überleben? Testen könnt ihr das ab sofort in einer wundervollen Umsetzung der beiden ersten Metro-Spiele für die Switch. Wir haben die beiden Shooter im Rahmen der Metro-Redux-Collection noch einmal durchgespielt und verraten, warum Nintendo-Spieler hier zugreifen sollten.
Zehn Jahre alt ist Metro 2033 inzwischen, das ist aber kein Grund, jetzt vorschnell abzuwinken. Das Spiel gehört noch heute zu intensivsten, storyfokussierten Ego-Shootern, die man erleben kann - insbesondere auf Nintendo Switch, wo Metro 2033 nun zusammen mit dem Nachfolger Last Light im Redux-Paket erhältlich ist. Als Download sind die Titel auch einzeln zu haben, dann werden jeweils circa 25 Euro fällig.
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Wir empfehlen aber durchaus, zum Paket zu greifen, denn beide Shooter sind toll umgesetzt und spielerisch gelungen, außerdem kommt euch das günstiger.
Von Büchern und Spielen
Alle Metro-Spiele (insgesamt gibt es drei, das letzte allerdings bislang nur auf PS4, Xbox und PC) basieren auf den Romanen des russischen Autors Dmitri Gluchowski. Gelesen haben müsst ihr die Bücher nicht, um in das Abenteuer reinzukommen. So oder so merkt man den Metro-Spielen an, dass sie auf einer fein ausgearbeiteten Vorlage fußen, dementsprechend interessant und überzeugend wirkt die Spielwelt. Dass die Atmosphäre uns auch zehn beziehungsweise sieben Jahre nach dem Release die Haare zu Berge stehen lässt, liegt aber auch an der einwandfreien Umsetzung auf Nintendos Hybridkonsole. 2033 und Last Light laufen flüssig und sehen durchweg klasse aus. Allerdings ist das Bild im portablen Modus ziemlich dunkel. Zwischen Kapiteln kommt es zu Ladepausen, aber diese bewegen sich noch in einem annehmbaren Rahmen.
Die überladene Steuerung indes ist kein reines Switch-Problem, das war schon damals auf PS3 und Co. ein Ärgernis, auch wenn diese für Redux noch einmal modifiziert und verbessert wurde. Das Aufpumpen des Luftgewehrs zum Beispiel ist nach wie vor beinahe ein Verrenkungsakt. Auf jeden Fall ist zu empfehlen, mit dem Pro Controller zu spielen, denn das Zielen mit den nervösen Sticks auf den Joy-Cons fühlt sich unpräzise an. Abgesehen von diesen kleinen Mankos aber macht Metro Redux (jetzt kaufen / 6,99 € ) eine wahnsinnig gute Figur auf der Switch, was uns zwar nach der ebenfalls großartigen Witcher-Portierung nicht überraschen sollte, es aber dennoch tut. Im Handheldmodus beträgt die Auflösung 720p, im gedockten Betrieb erreicht die Switch 1080p. Und die Framerate schnurrt beständig mit 30 fps vor sich hin - vorbildlich.
Unterwegs in der Metro
Quelle: PC Games
Auf der Oberfläche bietet sich ein Bild der Verwüstung: Mutanten ziehen durch die Ruinenschluchten, außerdem setzt euch die radioaktive Strahlung zu.
Aber jetzt geht es runter in die Metro und schnurstracks zur ersten Station unserer Reise, der Story. In allen Spielen der Reihe verkörpert ihr den Helden Artjom, einen 20-jährigen Bewohner der Metro. Dass der klägliche Rest der Menschheit ein Leben unter Tage fristet, ist einem nicht näher erläuterten Atomkrieg zu verdanken, der die Erde verwüstet hat. Abgesehen von der Zerstörung der Oberfläche hat die Strahlung weitere fatale Folgen: Einige Bereiche sind so verstrahlt, dass man sie nur mit Schutzausrüstung besuchen kann, außerdem wimmelt es nur so vor garstig mutierten Monstern, sogar mysteriöse, menschenähnliche Kreaturen streifen durch die unterirdischen Gänge. Aber all das ist für Artjom gar nicht so sehr von Interesse, denn so wie die meisten Metro-Bewohner möchte er in erster Linie nur eines: weiterleben. Allerdings bekommt der Protagonist den Auftrag, eine Person in der größten Metro-Station zu finden und gerät damit in einen Strudel rasanter Ereignisse.
Metro 2033 verläuft linear, wir haben jedoch die Möglichkeit, ein gutes oder schlechtes Ende herbeizuführen. Last Light geht übrigens vom schlechten Ende aus, Entscheidungen aus dem ersten Teil werden also nicht in die Fortsetzung übernommen. Anders als in vielen modernen Shootern räumt 4A Games Story und Atmosphäre viel Raum ein, und das mit Erfolg. Die Welt wird hier nicht nur mit den üblichen Mitteln wie Gesprächsfetzen, Tagebucheinträgen und Audio-Files ausgeschmückt, auch das Leveldesign sorgt dafür, dass unsere Umgebung spannend und überzeugend zugleich wirkt. Hier wird auch nicht ständig geballert, actionreiche oder gruselige Passagen wechseln sich ab mit Verschnaufpausen in bewohnten Gebieten. Die Gegenüberstellung von menschenleeren, verstrahlten Katakomben, längst verlassenen Ruinen und belebten Untergrundmarktplätzen mit Metzgern, Kneipen und Kindern, die auf Wellblechhüttenwände malen, sorgt für ganz viel Atmosphäre und funktioniert auch heute noch hervorragend.
Quelle: PC Games
Dank Schockmomenten wird euch beim Erkunden der Umgebung nicht langweilig. Wehren müsst ihr euch in solchen Szenen oft per Quick-Time-Event.
Kleine Geschichten und Schicksale trifft man überall, das Umsehen lohnt sich also. Dank der Vollvertonung in Deutsch bleibt auch keiner auf der Strecke, der mit englischer Sprachausgabe nichts anfangen kann. Gut, der russische Fake-Akzent der Sprecher ist zwar gewöhnungsbedürfig, aber in die Synchronisation wurde merklich viel Mühe investiert. Liebe zum Detail treffen wir auch bei der Gestaltung der Waffen: Sie alle sind postapokalyptisch abgegriffen, notdürftig geflickt und mit diversen Aufsätzen Marke Eigenbau verbessert. Logischerweise sind nicht nur durchschlagskräftige Schießeisen, sondern auch Patronen Mangelware in der Metro. Die Militärmunition von vor dem Krieg etwa dient den Überlebenden als Zahlungsmittel. Natürlich könnt ihr die Patronen auch für einen Schadensbonus oder in brenzligen Situationen verfeuern, dann sinkt aber eure Kaufkraft.
Facettenreiche Verwüstung
Quelle: PC Games
Gelegentlich findet Action in vorgegebenen Bahnen statt – hier sogar wortwörtlich, wir werden auf einer Lore angegriffen.
Der düsteren Story entsprechend gestaltet sich das Spielprinzip in Metro: Anstatt mit Anlauf und knatterndem Maschinengewehr Mutanten niederzumähen, ist der Schlüssel zum Überleben das besonnene Vorgehen. Bei vielen Feinden lohnt es sich, behutsam heranzuschleichen oder sie gleich ganz zu umgehen. Das spart Munition und Nerven! Durch das Herausdrehen von Glühbirnen und das Löschen von Kerzen erhöhen wir unsere Chancen, ungesehen voranzukommen. Zugunsten des Spielers fällt dabei auch auf, dass es um die Intelligenz der menschlichen Widersacher nicht immer gut bestellt ist, trotz Überarbeitung der Programmierung für die Redux-Neuauflage. Feinde lassen sich manchmal zu leicht ins Bockshorn jagen und wenden uns während einer Schießerei ab und zu den Rücken zu. In anderen Momenten legen sie aber auch durchaus kompetente Manöver hin und nehmen uns etwa von zwei Seiten in die Zange. Insgesamt ist die KI der Gegner also ein gemischtes Paket.
Dass wir nicht nur Monster und Mutanten bekämpfen, liegt an den chaotischen Zuständen in der Metro: Ohne Regierung, ohne Gesetze tummeln sich zwielichtige Gestalten wie Banditen, aber auch Gruppen mit gefährlicher Ideologie in den Tunneln, etwa die Faschistenfraktion, in deren Fänge Artjom in Last Light gerät. Und trotz des klaustrophobischen Settings gelingt es den Entwicklern, bei den Schauplätzen für Abwechslung zu sorgen. Ab und an sind wir etwa an der Oberfläche unterwegs, erkunden weitläufigere Gebiete, kriechen durch enge Rohre oder suchen unseren Weg durch einen stillgelegten unterirdischen Bahnhof. Abseits des Hauptweges verstecken sich Geheimnisse: Tagebucheinträge zu wertvoller Militärmunition, kleine Easter Eggs, Vorräte, Gasmaskenfilter oder einfach praktische Waffen.
Quelle: PC Games
In beiden Redux-Spielen erwehren wir uns nicht nur blutrünstiger Mutanten, sondern auch menschlicher Feinde wie Banditen oder Faschisten.
Die Survival-Aspekte in Metro passen hervorragend zum Setting, sprengen aber nicht den Rahmen des Erträglichen, wir müssen etwa nicht regelmäßig schlafen oder trinken, um fit zu bleiben. Statt freiem Speichern setzt Metro auf Checkpoints, im Spartaner-Modus (hinter der Bezeichnung verbirgt sich die herkömmliche, eher actionorientierte Spielart) funktioniert das gut und beim Ableben geht meist nicht zu viel Fortschritt verloren. Wer mehr Nervenkitzel sucht, startet den Survival-Modus, bei dem das Nachladen zum Beispiel länger dauert und Munition seltener ist. Da muss man gewisse Frustmomente und neue Anläufe einplanen. Für ganz besonders wagemutige Naturen wartet in beiden Modi der höchste Schwierigkeitsgrad Ranger, bei dem man unter anderem auf diverse HUD-Elemente verzichten muss. Die Ranger-Herausforderung wurde in den Originalspielen nachgereicht, auf der Switch steht der Schwierigkeitsgrad von Anfang an zur Auswahl. Außerdem sind auch alle weiteren DLC-Inhalte, die je für 2033 und Last Light erschienen sind, auf der Cartridge enthalten. Außerdem mit an Bord: verbesserte Animationen, Partikeleffekte und weitere kleine Korrekturen.
Nichts für zarte Kinderaugen
Die Switch ist nicht unbedingt ein Mekka für Shooter-Freunde, aber wer auch nur ein kleines bisschen Interesse am Genre hat, für den führt an der Redux-Fassung von Metro kein Weg vorbei - vorausgesetzt, er oder sie ist volljährig, denn passend zur düsteren Geschichte geht es in 2033 und Last Light blutig zu. Neben dem Stealth- und Action-Gameplay ist außerdem der Horroraspekt nicht zu unterschätzen, durch die dichte Atmosphäre und die unheimliche Geräuschkulisse kommt viel Stimmung auf. Das Nervenkostüm von empfindsamen Naturen wird mit Sicherheit von beiden Spielen in Mitleidenschaft gezogen.
Quelle: PC Games
Selbst die Leichen, die wir um ihr Hab und Gut erleichtern (sie brauchen es nicht mehr), erzählen durch ihre Platzierung oft tragische Geschichten ohne Worte.
Dank des Fokus auf Stimmung und der überzeugenden Spielwelt fällt das Alter der beiden Spiele kaum auf. Es gibt zwar auch schwächere Parts im Abenteuer, dazu zählen ein paar Bosskämpfe oder Auseinandersetzungen, bei denen uns das Spiel einfach eine Gruppe Feinde entgegenwirft, aber insgesamt haben 2033 und Last Light dem Zahn der Zeit in der schnelllebigen Welt der Videospiele gut standgehalten - natürlich auch dank der Verbesserungen der Redux-Versionen. Ihr wollt nur eines der beiden Spiele kaufen? Dann würden wir zum ersten Teil raten, alleine schon, weil ihr dann den Auftakt von Artjoms Geschichte miterlebt. In der Switch-Fassung fließen beide Titel aber viel mehr ineinander als früher, da es durch die Survival- und Spartaner-Modi nun in allen Titeln möglich ist, einfach selbst den Fokus auf Survival oder eben Action zu setzen. Außerdem sind Steuerung und Benutzeroberfläche identisch. Egal, für welches Einzelspiel ihr euch nun entscheidet, Shooter-Fans werden es nicht bereuen - Käufer des Gesamtpaketes aber auch nicht.
