Metro Exodus in der Vorschau: Fernab von Tunnel-Romantik

Special David Benke
Metro Exodus in der Vorschau: Fernab von Tunnel-Romantik
Quelle: Koch Media/Deep Silver

Eines war uns nach unseren ersten beiden Hands-On-Terminen mit Metro Exodus bereits klar: Schlauchige Tunnel-Systeme sind passé. Stattdessen lädt der neueste Shooter aus dem Hause 4A Games mit offenen Survival-Sandbox-Levels zum Entdecken ein. Davon konnten wir uns nun noch einmal in London überzeugen, wo wir nur knapp einen Monat vor Release einen weiteren neuen Spielabschnitt präsentiert bekamen.

Eng, düster, dreckig - so kennt man die Welt von Metro. Ob ihr nun mit einem Feuerzeug durch pechschwarze U-Bahn-Schächte wandert, euch mithilfe des Kompasses auf eurem Klemmbrett orientiert oder eure Gasmaske behelfsmäßig mit einem Pflaster repariert - die Welt des Endzeit-Shooters wirkt einfach immer rau, unangenehm und menschenfeindlich.

Dieses ganz besondere, ungeschliffene Spielgefühl macht eben den großen Reiz der Titel aus. Daran wollen die Entwickler von 4A Games auch im neuesten Ableger Metro Exodus (jetzt kaufen 18,90 € ) nichts ändern. Das Schattenleben im Moskauer Untergrund hat dafür aber ein Ende. Stattdessen gehen wir mit Artjom, seiner Frau Anna und einigen Mitgliedern des Spartaner-Ordens auf große Reise.

Metro Exodus in der Vorschau: Sand soweit das Auge reicht

In Metro Exodus verschlägt es euch unter anderem auch in Wüsten-Gebiete, wo ihr Hitze und Banditen ausgesetzt seid. Quelle: Koch Media/Deep Silver In Metro Exodus verschlägt es euch unter anderem auch in Wüsten-Gebiete, wo ihr Hitze und Banditen ausgesetzt seid. Führte uns diese in vorherigen Anspielterminen unter anderem entlang des Laufs der Wolga oder in die Wälder der Taiga, geht es mit unserer Lokomotive, der Aurora, dieses Mal in die ehemalige Region des kaspischen Meeres - also eher in den Südwesten Russlands. 23 Jahre nach einem vernichtenden Atomkrieg hat sich das dortige Landschaftsbild allerdings drastisch verändert. Vom einst größten Binnengewässer der Welt sind nur noch vereinzelte nasse Flecken übrig. Die Strandpromenaden haben sich in weitläufige Dünenlandschaften verwandelt. Die Luft ist heiß und trocken, der Boden brennt unter den Füßen.

Wie das Schicksal es so will, gehen uns natürlich ausgerechnet in dieser Einöde Wasser und Brennmaterial für unsere Lok aus. Und zu allem Überfluss werden wir auch noch von ein paar Spähern in einem verwitterten Auto begrüßt - keine guten Vorzeichen. Also machen wir uns auf, die Gegend auszukundschaften. Vor unserem Aufbruch bekommen wir von einem unserer Kameraden noch schnell ein Magazin selbstgemachter Brandmunition zugesteckt. Diese ist nur ein Beispiel für die diversen Crafting-Möglichkeiten, die uns in Metro Exodus erwarten. Über unseren Rucksack, der quasi als mobile Werkbank dient, lassen sich zudem auch Medikits oder Filter für unsere Gasmaske herstellen. Das entsprechende Material finden wir verstreut in der Spielwelt, welche wir uns nun aufmachen zu erkunden.

Im Level "The Caspian" steht euch erstmals in der Franchise-Geschichte ein Auto zu Verfügung, mit dem ihr die Umgebung frei erkunden könnt. Quelle: Koch Media/Deep Silver Euch steht erstmals in der Franchise-Geschichte ein Auto zu Verfügung, mit dem ihr die Umgebung frei erkunden könnt. Schnell nähern wir uns einem zerfallenen Haus, augenscheinlich dem Unterschlupf der eingangs erwähnten Banditen. Von denen fehlt allerdings jede Spur. Stattdessen kreuzen nur vereinzelte Steppenläufer unseren Weg durch bröckelnde Mauern und verbogenes Metall. Es herrscht beinahe Highnoon-Western-Feeling, wären da nicht die Mutanten, die den Ort bereits überrannt haben. Mit diesen entwickelt sich alsbald ein stürmischer Kampf - im wahrsten Sinne des Wortes. Denn während wir den Rückzugsort der Banditen Raum für Raum säubern, zieht draußen ein waschechter Sandsturm auf. Ein schönes, stimmungsvolles Extra. Insgesamt sollen in Metro Exodus Wetter, Tages- und Jahreszeiten eine größere Rolle spielen. Während eures einjährigen Roadtrips durch das postapokalyptische Russland erlebt ihr so neben sengender Hitze auch eisige Winter.

Metro Exodus in der Vorschau: Mit dem Bully durch die Apokalypse

Als wir auf dem Dach des Gebäudes ankommen, werden wir von einem verbliebenen Banditen überrascht, den wir im folgenden Handgemenge entweder töten oder lediglich ausknocken können. Welchen Weg wir auch wählen, wir nehmen seinem bewegungslosen Körper auf jeden Fall einen provisorischen Autoschlüssel ab - und sitzen bereits keine fünf Minuten später hinter dem Steuer unseres ersten eigenen Wagens. Der ist zwar nicht sonderlich schnell, macht dafür aber einen robusten Eindruck. Egal wie viele Gegner wir überfahren, abgesehen von ein paar Rissen und Spritzern auf der Scheibe tut sich nichts. Auch eine Tankanzeige ist uns nicht aufgefallen - Entwickler 4A Games zwingt euch zumindest hier also keinen übertriebenen Realismus auf.

Sand, Feuer, Stahl - wir müssten beim Spielen von Metro Exodus das eine oder andere Mal and Mad Max denken. Quelle: Koch Media/Deep Silver Sand, Feuer, Stahl - wir müssten beim Spielen von Metro Exodus das eine oder andere Mal an Mad Max denken. Entsprechend unbesorgt brausen wir zu unserem nächsten Ziel, einem alten Leuchtturm, wo wir uns mit einer Verbündeten treffen wollen. Während wir dabei die karge Landschaft bewundern, fühlen wir uns entfernt an die Badlands von Mad Max erinnert. Wie auch in den Filmen oder dem Open-World-Adventure von Avalanche Games stehen überall Bootswracks verstreut und lassen euch entfernt erahnen, dass es hier vor Jahren einmal Wasser gegeben hat. Nun sind die einzig verbliebenen Flüssigkeiten Blut, Schweiß sowie brennende Ölquellen, die ihr weiträumig umgehen solltet.

Wir erreichen schließlich einen gestrandeten, rostigen Frachter, der gerade von einer Gruppe Sklaven penibel auseinandergenommen wird. Die Schrottsammler sehen mit ihren Schutzbrillen aus wie die aus Mad Max bekannten War Boys, sie verfügen sogar über eine ähnlich primitive Sprache. Auf unseren Versuch, das zerstöre Schiff nach ihrem Meister zu durchsuchen, reagieren sie nicht gerade erfreut. Während wir an einigen okkulten Schreinen vorbeschleichen, wird uns bedeutungsschwer angedroht, das Feuer werde uns strafen.

Metro Exodus in der Vorschau: Erst denken, dann schießen

Denkt lieber nach, bevor ihr den Abzug betätigt. In Metro ziehen alle eure Handlungen Konsequenzen nach sich. Quelle: Koch Media/Deep Silver Denkt lieber nach, bevor ihr den Abzug betätigt. In Metro ziehen alle eure Handlungen Konsequenzen nach sich. Tatsächlich straft aber nur einer - und das ist Artjom, der alle feindlich gesinnten Zeitgenossen mit seiner Waffe niederstreckt. Dummerweise fällt aber auch der große Anführer unserem Abzugsfinger zum Opfer, sodass wir den Grund, warum und wofür hier Materialien gesammelt werden leider nicht mehr in Erfahrung bringen können. Ihr solltet beim Spielen von Metro Exodus also besser stets im Hinterkopf behalten, dass all eure Taten Konsequenzen nach sich ziehen. Ihr habt es hier mit keinem klassischen Run-and-Gun-Shooter zu tun. Überlegt lieber zweimal, wie ihr eine Situation angeht. Lasst auch ruhig mal eure Waffe im Holster stecken, bleibt in Deckung und belauscht, was die NPCs zu sagen haben. Das kann manchmal zweckdienlicher sein als rohe Gewalt. Außerdem bekommt ihr je nach Spielweise verschiedene Enden zu sehen. "Das Spiel wird über euch richten und euch das Ende bieten, das ihr verdient habt", so Huw Beynon, der Head of Brand Management.

Was wir definitiv nicht verdient haben, sind die unsichtbaren Wände, an denen wir beim Verlassen des Frachters hängenbleiben. Die sollten in einem Spiel aus dem Jahre 2019 nämlich eigentlich der Vergangenheit angehören. Dessen ungeachtet machen wir uns weiter auf den Weg zum besagten Leuchtturm, den wir über ein Höhlensystem im Fels zu seinen Füßen erreichen. Dieses steckt voller Stolperfallen und weiterer Gegner, die durch eine Radiobotschaft des ominösen "Barons" angestachelt werden. Oben angekommen geraten wir dann in eine handfeste Schießerei, an deren Ende wir unsere Informantin Giul treffen - eine Rebellin, die sich gegen die "Munai-baiter" genannten Schläger zur Wehr setzt.

Metro Exodus in der Vorschau: Nebenquests, die keine sind

Die Welt von Metro Exodus steckt voller interessanter Charaktere, die alle eine Geschichte zu erzählen haben.
Die Welt von Metro Exodus steckt voller interessanter Charaktere, die alle eine Geschichte zu erzählen haben. Quelle: Koch Media/Deep Silver Die Welt von Metro Exodus steckt voller interessanter Charaktere, die alle eine Geschichte zu erzählen haben. Mit ihr zusammen machen wir uns auf, ein nahegelegenes Untergrund-Archiv zu erforschen. Es geht also doch wieder zurück in den Keller. Bevor wir die Treppen ins Dunkel hinabsteigen, bittet uns unsere neue Begleiterin noch schnell, ihr ein Bild ihrer verstorbenen Mutter mitzubringen - eine der diversen Quasi-Nebenmissionen von Metro Exodus. Zwar wurde uns in einem Entwicklerinterview erklärt, Questgeber oder eine Art Aufgaben-Checkliste werde es nicht geben. Allerdings haben 4A Games immer wieder kleinere Aufgaben sinnvoll in die Haupthandlung eingewoben. Diese sind aber oftmals weniger unterhaltsam und beschränken sich auf die Beschaffung irgendwelcher Gegenstände. Andernorts sollen wir etwa eine Gitarre aus einem nahegelegenen Gangsterlager besorgen oder den verlorenen Teddy eines Kindes beschaffen. Glücklicherweise entsteht euch aber kein Nachteil, wenn ihr diese Aufgaben auslasst. In Giuls Fall bringt sie das Thema nicht einmal mehr zur Sprache, wenn wir mit leeren Händen zurückkehren.

Bevor das passiert, müssen wir uns aber erstmal in den Bunker wagen. Das ist gar nicht so einfach, schließlich wird dort unten "Das große Krabbeln" neu verfilmt. Der unterirdische Komplex steckt voller Spinnen, die euch ungeniert sogar durchs Gesicht wuseln. Uns treibt es einen unangenehmen Schauer über den Rücken, gefolgt vom impulsiven Bedürfnis, sich einmal kräftig zu schütteln. Metro Exodus überzeugt mit einer dichten Atmosphäre. Besonders gruselig wurde es in unserer Demo aber nicht. Quelle: Koch Media/Deep Silver Metro Exodus überzeugt mit einer dichten Atmosphäre. Besonders gruselig wurde es in unserer Demo aber nicht. Für Arachnophobiker ist Metro Exodus also definitiv nichts. Weiterer Horror bleibt allerdings aus, Schreckmomente sind eher Mangelware. Dennoch ist die Atmosphäre angespannt und die Musik trägt ihren Teil zur Stimmung bei. Zumal die gepanzerten Krabbeltiere, die den Bunker bewohnen, problemlos unsere Kugeln schlucken und Munition ist franchise-typisch eher rar gesät ist. Da hilft es zwar, dass wir Waffen von besiegten Gegnern auseinanderbauen können, um an Kugeln und Teile zu kommen. Am besten heizen wir den lichtscheuen Biestern aber einfach mit Taschenlampe und Feuerzeug ein, während wir uns zum Kartenraum durchschlagen. Dort gibt es nämlich eine Vorkriegs-Aufnahme der Region zu finden. Beim Verlassen des Untergrundkomplexes stolpern wir dann noch über einen Konferenzsaal, in dem einige Skelette in Uniformen auf verstaubten Stühlen sitzen. Auf einer Notiz lesen wir, dass hier fünf Jahre lang die Stellung gehalten wurde, ehe die Vorräte zur Neige gingen - nur ein Beispiel für das tolle Environmental Storytelling, das euch in Metro Exodus erwartet.

Metro Exodus in der Vorschau: Tolle Atmosphäre, blasse Charaktere

Den Rest unserer Zeit verbringen wir mit dem Abklappern optionaler Punkte auf der Karte und einem Treffen mit unseren Kameraden. Diese bleiben in der Demo zwar etwas blass, das könnte allerdings auch daran liegen, dass Story und Charakterbindung laut Entwicklern eher in den "traditionelleren" Levels stattfinden sollen. Dennoch ist es etwas schade, dass es keine Möglichkeit gibt, von unserer Seite aus eine Konversation zu starten. Im neuesten Metro-Ableger sollen Tages- und Jahreszeiten eine größere Rolle spielen. Nachts sind etwa weniger menschliche Gegner unterwegs. Quelle: Koch Media/Deep Silver Im neuesten Metro-Ableger sollen Tages- und Jahreszeiten eine größere Rolle spielen. Nachts sind etwa weniger menschliche Gegner unterwegs. So sind wir meistens dazu verdammt, dem unsäglichen Fake-Akzent der NPCs zu lauschen. Auch andere Kleinigkeiten sind uns während der Demo noch negativ aufgefallen: An die brillante Optik des kürzlich erschienenen Story-Trailers kam unsere Testversion etwa noch nicht heran. Das kann natürlich daran liegen, dass das RTX Ray Tracing noch nicht verfügbar war. An den vereinzelten Pop-Ins und verwaschenen Texturen hätte das aber auch nichts mehr geändert. Zudem störte uns die teils etwas überladene Steuerung mit ihren Doppelbelegungen sowie kleinere Aussetzer der KI.

Nichtsdestotrotz bleibt unser Gesamteindruck von Metro Exodus durchaus positiv. Die offenere Spielwelt bietet euch wesentlich mehr Möglichkeiten, 4A Games übertreibt es aber auch nicht mit Nebenmissionen und Sammelobjekten wie Open-World-Titel der Sorte Assassin's Creed: Odyssey. Es gibt stets einen roten Faden, an dem ihr euch entlang hangeln könnt, ohne euch in den unendlichen Möglichkeiten zu verlieren. So ist das neue Metro quasi wie ein gutes Buch: Es hält euch gute 20 Stunden bei der Stange, bietet dann aber auch einen zufriedenstellenden Abschluss. In einer Zeit, in der absolute Non-Linearität immer mehr im Trend liegt, ist das beinahe schon eine willkommene Abwechslung.

Metro Exodus in der Vorschau: Fazit

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