Metal Gear Solid Master Collection: Nostalgie auf Sparflamme
Kolumne 50,99 €
Konami macht endlich wieder was mit seiner vielleicht wichtigsten Marke - das Ergebnis liegt aber irgendwo zwischen ganz nett und ganz schön unverschämt.
Klar, man kann das als originalgetreu sehen und Modernisierungsfeatures generell kritisch gegenüberstehen. Aber wären ein paar Optionen wirklich zu viel verlangt gewesen, wenn sie jeder Wald- und Wiesenemulator auch bietet? Was darüber hinaus nicht originalgetreu ist: MGS1 unterstützt in der Collection kein analoges Movement, weil der linke Stick nur das Steuerkreuz nachahmt. Immerhin: Vor dem Start darf ich mir ein paar Fake-Savegames auf die Memory Card packen, damit ein bestimmter Boss meine spielerischen Vorlieben kennt. Hier und da hat sich Konami also durchaus Mühe gegeben.
Mühe geben muss man sich allerdings auch, um das Speichersystem in einer solchen Collection derartig zu versemmeln. Nach meiner ersten Session mit MGS1 werden, schwupps, meine Savegames gelöscht, weil ich das Spiel nicht über das Collection-Overlay beendet habe. Ein Overlay, von dem ich zuerst nicht wusste, dass es existiert, wohlgemerkt, und das man nur mit einer Tastenkombination aufrufen kann (am Controller mit R1+L1). Dass ich im Spiel sehr wohl gespeichert habe, ist der Collection egal. Aktiviert man nicht mindestens einmal das Overlay, bevor man es beendet, wird die zuvor gespeicherte virtuelle Memory Card aus mir unerklärlichen Gründen offenbar plattgemacht.
Bei den anderen Spielen ist das Gras leider auch nicht viel grüner. Hier bekomme ich einen stumpfen Port der MGS-HD-Collection, die schon für die PS3 in meinem Regal steht, nur, dass in der Master Collection Peace Walker fehlt. Entgegen Konamis ursprünglicher Behauptung haben unter anderem die Technikexperten bei Digital Foundry festgestellt, dass die Spiele hier nicht in nativen 1080p laufen, sondern nur in 720p, und zwar auf allen Plattformen - inklusive PC.
Und weil das noch nicht genug in den Augen brennt, fehlt in den Switch- und PC-Versionen von Metal Gear Solid 2 auch noch die Kantenglättung. Ebenfalls auf Switch, PC und auch auf der Xbox Series gibt es zudem keine oder nur sehr schlechte Anisotrope Filterung. Von schräg betrachtet sehen die Oberflächen dort also matschiger aus als in der zwölf Jahre alten HD Collection. Dass MGS 2 und 3 in einem Emulator wie PCSX2 problemlos viel höhere Auflösungen schaffen, versteht sich ohnehin von selbst.
Why are we still here? Just to suffer?
Ihr seht schon, am übelsten hat es die Switch erwischt. Dort laufen die ursprünglich für die PS2 (!) erschienenen Spiele zusätzlich nur mit 30 FPS, inklusive Framedrops in manchen Zwischensequenzen. Um die Produktionskosten so niedrig wie möglich zu halten, hat sich Konami außerdem für das kleinstmögliche Modul entschieden, weswegen lediglich die MSX- und NES-Spiele auf dem Datenträger sind und der ganze Rest heruntergeladen werden muss. Für Sammler und Spieler, die Wert auf Offline-Archivierung legen, ist die physische Switch-Version damit quasi wertlos.
All diesen technischen Unverschämtheiten gegenüber steht natürlich der Fakt, dass ich hier immer noch eine sehr umfassende Sammlung wegweisender Spiele bekomme, die nichts von ihrem Charme verloren haben. Für Playstation- und Switch-Spieler ist die neue Version außerdem der einzige Weg, diese Games auf einer aktuellen Konsole zu erleben.
Versauen einem die technischen Defizite den Spielspaß? Wenn man nicht gerade seinen Fortschritt an das merkwürdige Speichersystem verliert, dann nicht. Als jemand, der nicht jede Textur in sämtlichen Metal Gear Solids auswendig kennt, wären mir ein paar dieser Macken vermutlich nicht einmal aufgefallen, wären sie mir nicht in diversen Technikchecks gezeigt worden. Ich hoffe aber trotzdem, dass Konami hier und da noch mit Updates nachbessert. Die lieblose Portierung der Spiele an sich wird das aber kaum wettmachen. Übrig bleibt eine Sammlung, die den Untertitel "Amateur" sehr viel mehr verdient hätte als "Master".
