Meisterdetektiv Pikachu: Detektiv-Abenteuer in der Vorschau
Special
Nach einer mehrstündigen Anspiel-Session mit dem Tutorial und den ersten drei Kapiteln des Spiels sind wir überzeugt: Mit Meisterdetektiv Pikachu kommt ein richtig tolles Detektiv-Abenteuer auf euch zu! All unsere Eindrücke und jede Menge Infos lest ihr in unserer großen Vorschau zum kommenden 3DS-Spiel!
Auf dieser Seite
Seit eh und je hat der Detektivs-Beruf etwas Faszinierendes an sich. Ältere Semester unter den Lesern erinnern sich vielleicht noch an die US-Fernsehserie Columbo aus den 1960er und 1970er Jahren rund um Inspektor Columbo, der bei der Mordkommission des Los Angeles Police Department arbeitet; gespielt wurde die Rolle vom 2011 verstorbenen Peter Falk. Auch Sherlock Holmes, Miss Marple, Die Drei Fragezeichen, Magnum oder Jessica Jones begeistern mitunter seit Jahrzehnten Detektiv-Fans. In ebendieser Sparte soll das Pokémon-Franchise nun auch Fuß fassen, dafür steht Meisterdetektiv Pikachu (jetzt kaufen ) für 3DS in den Startlöchern. Und tatsächlich: in unserer mehrstündigen Anspiel-Session des Tutorials und der ersten drei Kapitel gewannen wir den Eindruck, dass das Adventure genau dieser Rolle gerecht werden dürfte.
Ein verschwundener Vater
Quelle: Nintendo
Während Tim für die Gespräche mit Menschen zuständig ist, kommuniziert Detektiv Pikachu mit anderen Taschenmonstern, da sich Pikachu nur mit Tim verständigen kann, nicht aber mit anderen Menschen. Nur im Team sind beide (beinahe) unschlagbar.
Über die Story des Taschenmonster-Spiels berichteten wir schon vor einiger Zeit. An dieser Stelle aber deutlich ausführlicher: Einer der beiden Hauptfiguren, der junge Tim Goodman, trifft frisch in Ryme City angekommen auf den sprechenden Detektiv Pikachu. Tim befindet sich auf der Suche nach seinem Vater Harry Goodman, seines Zeichens Berufsdetektiv, der seit einem Autounfall spurlos verschwunden ist. Nach kurzer Zeit stellt Tim überraschend fest, dass Detektiv Pikachu der Arbeitskollege seines Vaters ist. Auch Detektiv Pikachu war am Autounfall von Harry Goodman beteiligt, leidet seitdem aber unter Amnesie und kann sich an nichts mehr erinnern außer seiner Vorliebe für guten Kaffee (und andere, nicht ganz so elementare Kleinigkeiten). Die meisten Infos erhält Tim vom Chef seines Vaters, Mike Baker. Von ihm erfährt er auch, dass der Polizeikommissar Frank Hollywood bereits auf der Suche nach Harry Goodman ist, dass der aber derzeit noch im Dunkeln tappt und es einige Ungereimtheiten bei diesem Fall gibt. Zudem häufen sich seit etwa einem Jahr merkwürdige Vorfälle mit Pokémon in Ryme City, so Mike Baker; wer oder was der Grund dafür ist, ist aber unklar. Hat der Autounfall auch etwas damit zu tun? Das und mehr müsst ihr in Meisterdetektiv Pikachu selbst herausfinden.
Detail für Detail zur Lösung
Quelle: N-ZONE
Per Ziehen und Ablegen auf dem Touchscreen löst ihr Rätsel und Fälle, nachdem ihr alle wichtigen Beweise gesammelt und alle relevanten Beteiligten befragt habt.
Um euch den Einstieg auf eurem Weg zur Lösung dieser und weiterer Fragen zu erleichtern, erwartet euch zu Spielbeginn ein einführendes Tutorial, bei dem ihr alle wichtigen Gameplay-Mechaniken erlernt. Grundsätzlich könnt ihr mit der Spielwelt vielfältig agieren, beispielsweise mit Menschen (diese Aufgabe übernimmt Tim) oder mit Pokémon (diese Aufgabe übernimmt Detektiv Pikachu) sprechen, um Infos zu sammeln. Diese sind ganz essentiell bei eurer Detektiv-Arbeit. Zwar ist euer übergeordnetes Ziel die Suche nach dem verschwundenen Harry Goodman, auf dem Weg dorthin löst ihr aber zahlreiche kleinere bis größere Fälle, aus denen sich nach und nach ein Gesamtbild ergibt. Habt ihr einen zu lösenden Fall vor euch, wie im ersten Kapitel beispielsweise die Suche nach einem Griffel mit einer gestohlenen Halskette, beginnt ihr zunächst mit dem Absuchen des Tatorts; das liefert euch erste Hinweise. Dann macht ihr euch daran, den Ursprung der Spuren zu verfolgen, die ihr am Tatort entdeckt habt. Im Kapitel eins ist das beispielsweise eine schwarze Feder, die darauf schließen lässt, dass ihr nach einem Vogel-Pokémon suchen müsst. Ihr sucht also akribisch die Umgebung ab und redet mit Menschen und Taschenmonstern, um herauszufinden, welche Vogel-Pokémon in der Nähe des Tatorts leben. Im Notizbuch (auf dem Touchscreen) haltet ihr automatisch alle gesammelten Infos und Hinweise fest und könnt jederzeit darauf zugreifen. Bei der sogenannten Ermittlungsarbeit, die ebenfalls auf dem Touchscreen stattfindet, kombiniert ihr die Infos aus dem Notizbuch zusammen mit Zeichnungen und Pikachus Hilfe zu einem Gesamtbild des Tathergangs. Das übergeordnete Rätsel eines Kapitels setzt sich nach und nach zusammen, indem ihr viele kleinere Rätsel löst, die wiederum aus vielen einzelnen Aspekten und viel Datensammeln und anschließenden Auswertungen bestehen. So ergibt sich nach und nach aus vielen kleinen Details ein Gesamtbild und am Ende ist die Lösung des hauptsächlichen Rätsels ersichtlich.
Tolle Spielwelt
Quelle: N-ZONE
In kurzen Quicktime-Events müsst ihr so schnell wie möglich einen Button drücken, um wie hier zum Beispiel ein wild gewordenes Firnontor abzuwehren.
Für Abwechslung ist in Meisterdetektiv Pikachu auf verschiedene Arten gesorgt. In gelegentlichen Quicktime-Events müsst ihr beispielsweise so schnell wie möglich einen Button drücken, um einen großen Gegenstand zu bewegen oder euch gegen aggressive Taschenmonster zu wehren. Außerdem strotzt das Spiel vor wunderschönen Zwischensequenzen. Die sehen (vor allem angesichts des Alters und der schwachen im 3DS verbauten Hardware) für 3DS-Verhältnisse extrem schön und hochwertig aus und tragen viel zu einer runden und gelungenen Atmosphäre bei. Stellenweise fühlt sich Meisterdetektiv Pikachu dadurch mehr wie ein spielbarer Animationsfilm und weniger wie ein klassisches Videospiel an. Dazu trägt auch die gelungenen englische Inszenierung bei (deutsche Untertitel sind vorhanden) sowie Pikachus sarkastischer Humor und die vielen typischen Detektiv-Film-Elemente wie Cafe-Szenen, Regenwetter und Ähnliches. Weitere unterhaltsame Zwischensequzenzen bieten die Pikachu-Sequenzen. Diese bekommt ihr zu Gesicht, indem ihr während des Spielverlaufs an den jeweils passenden Stellen durch einen Tipp auf Detektiv Pikachu auf dem Touchscreen ebendiese Sequenzen startet. Auf die gesamte Sammlung aller so entdeckter Pikachu-Sequenzen habt ihr über das Hauptmenü jederzeit Zugriff. Aber Achtung: Hier findet ihr nur diejenigen Clips, die ihr während des Spiels zum richtigen Zeitpunkt gestartet habt. Abhilfe schafft der Meisterdetektiv-Pikachu-Amiibo, der zusammen mit dem Spiel erscheint; darin liegt aber auch seine einzig Funktion (außer besonders groß zu sein und hübsch auszusehen). Wichtige Inhalte sind somit glücklicherweise nicht hinter die Amiibo-Bezahlschranke gewandert.
Vor Abwechslungsreichtum strotzt, nicht zu vergessen, auch die Spielwelt selbst. Überall leben Pokémon und Menschen zusammen und nebeneinander, ähnlich wie es der Realität mit Menschen und Tieren der Fall ist. So führen manche Bewohner der Spielwelt ihre Hunde-Pokémon spazieren, während ein anderes Taschenmonster im Müll der U-Bahn-Station wühlt und Vogel-Pokémon im Park am Brunnen sitzen. Da ihr (zumindest in den ersten Kapiteln) nicht auf eigentlich allgegenwärtige moderne Technik wie Smartphones oder Laptops trefft, ist es nahliegend, davon auszugehen, dass Meisterdetektiv Pikachu zeitlich in der Vergangenheit spielt, eventuell zur Hochzeit der Detektiv-Filme und -Serien vor einigen Jahrzehnten. Eine genaue Info dazu können wir hoffentlich mit dem Test zu einem späteren Zeitpunkt liefern. Abwechslungsreich, weil sehr unterschiedlich, sind auch die Locations der einzelnen Kapitel; zumindest soweit, wie wir den Adventure-Titel bisher spielen konnten. So führen euch die ersten drei Kapitel in einen Park, eine Höhle und eine Forschungseinrichtung.
Quelle: N-ZONE
Detektiv Pikachu hat so einige Marotten, die im Laufe des Spiels immer wieder für Erheiterung und lustige Momente sorgen. So ist er zum Beispiel nicht nur total verrückt nach gutem Kaffee, auch zu Süßkram kann er in der Regel nicht nein sagen.
Technisch top auf dem 3DS
In technischer Hinsicht ist Meisterdetektiv Pikachu unseren ersten Eindrücken nach nicht nur wie bereits erwähnt bei den sehr hübsch gemachten Zwischensequenzen unter den Top-3DS-Titeln anzusiedeln, sondern auch im restlichen Spiel alles andere als Standard-Kram. Auf 3D müsst ihr im kompletten Spiel zwar verzichten, dafür sorgt neben der sehr guten englischen Vertonung auch die Musik für Freude. Die ist nicht nur sehr stimmungsvoll und absolut passend für ein Detektiv-Abenteuer, sondern unserem ersten Vernehmen nach auch mit echten Musikinstrumenten eingespielt und erinnert uns ein klein wenig an die Musik aus New Donk City in Super Mario Odyssey. Zum Spielumfang können wir aktuell noch nichts sagen. Die Zeit, die wir für das Durchspielen des Tutorials und der ersten drei Kapitel benötigt haben, lässt aber darauf schließen, dass euch Meisterdetektiv Pikachu für einige Zeit beschäftigen dürfte, wenn auch nicht so lange wie die Hauptspiele der Pokémon-Serie.
Quelle: N-ZONE
Ihr Abenteuer bringt Tim und Detektiv Pikachu an die unterschiedlichsten Orte, unter anderem auch eine düstere Höhle voller wilder Taschenmonster.
Für jüngere Spieler bietet Meisterdetektiv Pikachu einen einfachen Modus. Den müsst ihr auswählen, bevor ihr ein neues Spiel beginnt, und könnt dann nicht mehr in den normalen Modus wechseln. Der einfache Modus schaltet auf dem Touchscreen einen kleinen Button frei, bei dessen Betätigung ihr genaue Informationen bekommt, was als nächstes zu tun ist, beispielsweise Person X oder Pokémon Y befragen. Dass der Modus nach Spielbeginn nicht mehr geändert werden kann ist zwar etwas ärgerlich, allerdings bleibt euch immer noch die Möglichkeit, den Button einfach nicht zu nutzen (oder nur gelegentlich bei besonders kniffligen Fällen), solltet ihr es euch nach ein paar Stunden Spielen doch noch anders überlegen.
Ein spannendes Detektiv-Spiel
In unserer ausführlichen Anspiel-Session konnten wir einen guten ersten Eindruck von Meisterdetektiv Pikachu gewinnen, wobei natürlich einige Fragen offen blieben, die erst der ausführliche Test beantworten kann. Nach dem Tutorial sowie den ersten drei Kapiteln im normalen und dem Tutorial sowie dem ersten Kapitel im einfachen Modus haben wir aber sehr gutes Gefühl, was die Qualität des Detektiv-Spiels rund um das gelbe Elektro-Pokémon angeht. Stellenweise fühlt sich Meisterdetektiv Pikachu mehr wie ein interaktiver Film als ein Spiel an (jedoch nicht durchgehend, aber gelegentlich); das ist aber schon grundsätzlich nicht schlimm, weil das Spiel so wahnsinnig schön anzusehen und humorvoll inszeniert ist. Die Detektiv-Arbeit, einmal in ihrem Ablauf und Möglichkeiten verinnerlicht, ist meist recht gleichbleibend ähnlich und nicht allzu kompliziert. Wer also auf der Suche nach einem besonders herausfordernden Spiel ist, für den ist Meisterdetektiv Pikachu eindeutig die falsche Wahl. Deutlich anspruchsvoller ist das Spiel natürlich für jüngere Spieler, die an einigen Aufgaben sicher deutlich mehr zu knabbern haben. Ein besonders hoher Anspruch ist aber auch gar nicht der Anspruch, den der 3DS-Titel an sich selbst hat. Stattdessen geht es darum, ein spannendes Detektiv-Abenteuer in der bunten Welt der Taschenmonster zu erleben. Große Freude bereitet es zudem, zu sehen, wie sich die Hinweise nach und nach alle zusammensetzen und ein Gesamtbild ergeben sowie dadurch die Lösung eines Falls zu entdecken. Das Adventure-Spiel hat mit typischen Pokémon-Spielen im Grunde nichts gemein außer den Taschenmonstern, das muss Pokémon-Fans bewusst sein, bevor sie einen Kauf erwägen. Dafür handelt es sich unserem Ersteindruck nach um ein astreines Detektiv-Adventure mit wahnsinnig viel Charme, das rund sieben Jahre nach Release des 3DS nochmal zeigt, was der Handheld so kann.
