Megaquarium: Die Aquarium-Simluation im Test - ein echter Geheimtipp für Fans von Aufbausimulationen?

Test Katharina Pache
Mit der Kamera könnt ihr ganz nah an die Becken zoomen und eure Schützlinge wie diese Leopardenhaie begutachten.
Quelle: Twice Circled

Megaquarium belegte bei der Veröffentlichung am 13. September 2018 Platz eins der Neuheiten-Charts auf Steam, und verweilt Tage später noch immer unter den beliebtesten Neuerscheinungen. Ein guter Grund, um die Aquarianer-Simulation unter die Lupe zu nehmen.

Unsere stolze Riesenmuräne ist von uns gegangen. Eigentlich wollten wir ihr einen Gefallen tun, als wir sie von einem mittelgroßen Wandbecken in das riesige Tunnelaquarium für unsere großen, schwimmfreudigen Insassen umquartierten. Irgendein Bug sorgte jedoch dafür, dass das Futter, welches unser fleißiger Pfleger ununterbrochen ins Wasser streute, nie bei der Muräne ankam. Laut Obduktionsbericht ist ihr nach vier Tagen ohne Verpflegung die Puste ausgegangen. Und auch uns verlassen wenig später für kurze Zeit die Kräfte, denn auf der sechsten Map der Kampagne friert uns das Spiel ein - erst einige Neustarts beheben das Problem. Der Weg zu einem wortwörtlichen Megaquarium (jetzt kaufen 2,56 € ) ist bisweilen mit Lags und Aussetzern gepflastert, obschon die letzten Patches die Aquarianer-Simulation mit einer deutlich verbesserten Performance im Vergleich zur Release-Fassung gesegnet haben.

Megaquarium-Test: Becken um Becken

Megaquarium besteht ganz klassisch aus einer Kampagne und einem Sandbox-Modus. In der Kampagne wandert ihr als Verwalter von Aquarium zu Aquarium, übernehmt bereits laufende Ausstellungen oder errichtet etwa einen ganz neuen Unterwasserzoo in einem stillgelegten Theater. Oft müsst ihr bestimmte Vorgaben erfüllen oder Meilensteine für den Sieg erreichen, ihr dürft etwa auf einer Map nur ein Exemplar pro Spezies ausstellen oder müsst vier unterschiedliche Haiarten präsentieren. Nebenbei steigt ihr im Rang auf, um neue Objekte und Tiergattungen zu erforschen. Jedes Becken muss mit Filtern und Heizgeräten verbunden werden. Soll die Technik nicht zu sehen sein, verbindet das Aquarium mit Pumpen. Quelle: PC Games In der Kampagne werdet ihr langsam an die unterschiedlichen Mechaniken im Spiel herangeführt. Auf einer Rasterkarte platziert ihr allerhand Becken, verbindet sie mit Filtern, Heizungen, Kühlern, Pumpen und stattet sie mit Wasserpflanzen und Verstecken aus, bis die Ansprüche der Tankbewohner erfüllt sind. Die Fischarten haben dabei viele unterschiedliche Bedürfnisse und Eigenschaften, die es zu berücksichtigen gilt: Feiglinge gedeihen nicht in Anwesenheit von aggressiven Tieren, Rotfeuerfische mögen keine anderen Arten als Beckengenossen und Zackenbarsche verputzen kleinere Mitbewohner. Auch wichtig: Fische brauchen eine gewisse Menge Platz und wachsen unter Umständen noch, die Beckengröße sollte also ausreichend sein. Praktisch bei der Liste der Arten wäre eine Sortierfunktion, momentan muss man durch den ganzen Katalog scrollen um Tiere zu finden, die zu einem bestehenden Becken passen könnten.

Megaquarium-Test: Punktesammler

Aber zu einem erfolgreichen Aquarium gehören mehr als funktionale Becken und ein Tierbesatz. Damit euch die Flossenträger nicht verhungern, stellt ihr Pfleger ein, die Futter verteilen und die ständig versagenden Pumpen und Filter reparieren. Eure Gäste wollen außerdem essen, trinken und Ballast wieder loswerden - baut also Toiletten und Mülleimer. Müde Besucher ruhen sich auf Bänken aus, mit Souvenirständen wie Haihüten (die die Pixelmenschen allerdings in den Händen tragen, anstatt sie aufzusetzen) und Luftballons verdient ihr euch eine hübsche Summe nebenher. Die begehrten Punkte, die ihr zum Aufstieg auf die nächste Stufe und zum Erforschen neuer Objekte und Arten benötigt, erhaltet ihr, wenn die Besucher Becken betrachten oder Vorträgen lauschen, die eure Angestellten auf Podien halten. Allerdings können die Punkte auch wieder sinken, wenn etwa Müll herumliegt oder leere Becken ausgestellt werden - das hinterlässt einen schlechten Eindruck.

Megaquarium-Test: Glückliche Fische, glückliche Spieler?

Megaquarium kommt in vier Schwierigkeitsstufen: einfach, normal, schwer und brutal. Auf der normalen Stufe werdet ihr keinerlei Probleme mit dem Erreichen der Ziele haben, im Nu sind eure Taschen mit Geld gefüllt und die Gäste zufrieden. Im Sandbox-Modus habt ihr weitere Einstellungsmöglichkeiten, etwa die Stufe, auf der ihr startet, die Fischauswahl beim Händler oder ob es "Nebelziele" - gemeint sind wohl eher Nebenziele - auftauchen sollen, bei denen ihr Becken mit bestimmten Vorgaben errichten müsst.
Der Seewolf mit den roten Augen wird Krebstieren gefährlich, bringt ihn also nicht mit ihnen in einem Aquarium unter. Quelle: PC Games Ihr haltet sowohl Kaltwasserfische als auch tropische Arten. Aber bloß nicht im selben Becken! Die Simulationsaspekte von Megaquarium funktionieren ordentlich. Jedoch lässt die Möglichkeit zur Individualisierung der Aquarien zu wünschen übrig. Von vielen Einrichtungsobjekten gibt es genau eine Version, sodass sich Becken und Räume stark ähneln. Bei Ballonständen könnt ihr nicht einmal die Farbe des Merchandise ändern - da war Rollercoaster Tycoon schon vor Jahrzehnten weiter. Mit einer Handvoll Skins lässt sich immerhin die Wandgestaltung anpassen. Gedanken und Wünsche der Gäste sind nur rudimentär implementiert: natürlich stören sich Besucher an herumliegendem Müll und wenn ihr nur eine Art Exponat zeigt, aber für die Feinheiten der Umgebungsverschönerung zeigen sie sich unempfänglich.

Megaquarium-Test: Fische, schöner als Menschen

Durch den niedrigen Schwierigkeitsgrad könnt ihr euch nach dem Bau zurücklehnen: es wird ein bisschen dauern, aber der Stufenaufstieg ist euch sicher. Wäre Megaquarium hübsch anzusehen, käme die Zuschaupause ganz recht. Der einfache Cartoon-Look ist allerdings nicht besonders schön und wird den faszinierenden Unterwasserwelten nicht gerecht, auch wenn die Figuren recht niedlich aussehen und die Fische ganz ordentlich umgesetzt sind - sie zeigen allerdings kein Schwarm- oder Angrifssverhalten.

Durch das stufelose Zoomen habt ihr immer einen guten Überblick über euer wuselndes Aquarium. Quelle: PC Games Euer Aquarium wird schnell sehr groß, denn ihr verdient rasch viel Geld und kauft euch neue Fläche hinzu. Trotz der Kritikpunkte: Eine meditative Form der Unterhaltung kann man Megaquarium keinesfalls absprechen, und allzu viele Aufbausimulationen mit dem Schwerpunkt Aquarien gibt es nicht - zumal auch ein Meeressaurier-DLC von Jurassic World Evolution auf sich warten lässt. Kleine Verbesserungen der Performance und des Komforts sollten in Kürze erfolgen, zum Beispiel nervt es, ständig von der Benachrichtigung, einen Mitarbeiter aufzuleveln, beim Bauen unterbrochen zu werden. Das Grundgerüst von Megaquarium ist dennoch solide und wird Freunde von Aufbauspielen sicher eine Weile unterhalten. Zumal der Preis mit etwa 20 Euro in Ordnung geht und deutlich günstiger ist, als ein echtes Aquarium anzulegen - auch wenn das natürlich hübscher aussähe.

Meinung

Wertung zu Megaquarium (PC)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Umfangreiche Kampagne führt gut in die Mechanik einFische haben viele unterschiedliche Eigenschaften und BedürfnisseViele TierartenHoher WuselfaktorDeutsche TexteSandbox-Modus mit vielen Einstellungsmöglichkeiten
Performance-Einbrüche, ein paar BugsFür Hardcore-Spieler zu wenig AnspruchMenüführung unübersichtlichCartoon-Optik eher zweckmäßig als schön
Fazit

Megaquarium ist eine ordentliche Aufbausimulation mit Indie-Charme und ein paar Schwächen für Aquarienfreunde.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk