Wo geht's bitteschön zur Front? Spezialagent William Holt genießt in EAs neuem WWII-Shooter alle Freiheiten -- ob die Mission gelingt?
K atzenjammer bei Electronic Arts! Statt des erhofften Megahits verkam "Medal of Honor: Rising Sun" seinerzeit zur Durchschnittskost. Einfältiges Leveldesign und mangelhafte grafische Umsetzung ließen den Shooter schnell in der Versenkung verschwinden. "Medal of Honor: European Assault" greift neue Bestandteile beliebter Shooter-Ableger auf und schickt euch gleich mit einem Team in den Zweiten Weltkrieg. Ob diese Freiheiten der Serie neue Impulse geben können?
Kurzer Feldzug
Die Solo-Kampagne rund um den Supersoldaten William Holt wurde in drei Kapitel unterteilt -- Frankreich, Nordafrika, Russland. Jedes Land splittet sich dann noch einmal in separate Einzelmissionen. Die Aufträge wiederum bestehen aus mindestens drei Haupt- sowie etlichen Nebenaufgaben. Zum Pflichtprogramm gehört neben dem Erreichen bestimmter Zielpunkte das Mopsen wichtiger Dokumente sowie das Ausschalten eines so genannten Nemesis-Gegners.
Diese Staatsfeinde sind meist hochrangige Nazi-Offiziere und vertragen deutlich mehr als der Wald-und-Wiesen-Faschist. Die Nebenjobs bestehen meist im Zerstören von Gebäuden oder anderen Einrichtungen, die jedoch abseits des linearen Levelverlaufs liegen. Wer also in den Genuss der wohlverdienten Bonus-Leben kommen und für jede Mission eine Goldmedaille erhaschen möchte, muss die durchaus weiträumigen Karten nach zusätzlichen Wegen absuchen.
Die vorgegebenen Trampelpfade der übrigen "Medal of Honor"-Teile sind somit passé, was sich durchweg positiv auf die Motivationskurve auswirkt. Die gewonnenen Freiheiten laden immer wieder zu neuen Exkursionen in das Hinterland ein. Schließlich lassen beinahe alle Widersacher nützliche Gimmicks wie Munition oder Erste-Hilfe-Kästen fallen. Vorbei die Zeiten des Einzelkämpfertums! Ähnlich wie in der WWII-Ballerei "Brothers in Arms" erhaltet ihr zusätzliche Unterstützung von ständig wechselnden Truppen, die euch während der Gefechte ein wenig den Rücken freihalten sollen. Wer nun allerdings auf taktische Finessen hofft und bereits das Motto "It's all about Flanking" auf den Lippen hat, sieht sich getäuscht! Direkte Befehle sind in "Medal of Honor: European Assault" nämlich Mangelware. Ihr dürft eure widerspenstigen Uniformträger lediglich mit den Schultertasten die Laufrichtung vorgeben, den Rest übernimmt die Künstliche Intelligenz.
Aus dem Weg!
Glücklicherweise haben die Entwickler das "Friendly Fire" aus dem Spiel genommen, andernfalls würde keiner unserer Kameraden länger als auch nur zehn Minuten auf dem Schlachtfeld überleben. Ständig hampeln die Jungs vor eurem Gewehrlauf herum, rauben euch somit die Sicht auf den Feind.
Kugeln fliegen Gott sei Dank wie von Geisterhand durch die KI-Kollegen hindurch, sodass größerer Schaden nicht entsteht. Besonders ärgerlich: Ihr könnt die dümmlichen Rekruten noch nicht mal "zwischenparken". Sie folgen euch auf Schritt und Tritt. Gerade bei Kämpfen mit Panzern wuseln die Intelligenzbolzen munter um den Tank herum und fangen sich einen Treffer nach dem anderen ein. Alles in allem ist das Team-Feature zwar gut gemeint, aber alles andere als konsequent umgesetzt. Letztlich lenkt die Truppe lediglich das Feuer gut auf sich, sodass ihr zwischen den gewohnt hektischen Grabenkämpfen Zeit zum Verschnaufen habt. Eine wirkliche Unterstützung sind die kopflosen Hilfsarbeiter allerdings nur selten!
Sound hui, Grafik na ja
Ganz ehrlich, die Grafikdesigner von "Medal of Honor: European Assault" haben ihre besten Zeiten eindeutig hinter sich. Die Optik schwankt zwischen netten Wüstenlandschaften in Nordafrika und gruseligen Innenabschnitten in sämtlichen Ländereien.
Die Oberflächen wirken zum Teil recht eintönig und irgendwie matschig. Diese Schwäche macht auch vor den Soldatenmodellen nicht Halt: Die beinharten Legionäre staksen ein wenig hüftsteif durch die Botanik und hätten durchaus einige Polygone mehr vertragen können.
Effekte wie etwa aufwirbelnder Staub bei Explosionen hingegen sehen zwar schick aus, verursachen aber immer wieder kleinere Ruckler, die den Spielfluss stören. Das genaue Gegenteil stellt die akustische Untermalung dar. Dem bombastischen Soundtrack verdankt "Medal of Honor: European Assault" seine packende Atmosphäre. Wenn im Hintergrund das Orchester loslegt und vor uns die Flammensäulen in den Himmel schlagen, läuft es einem eiskalt den Rücken runter. Zudem überzeugt die durchweg gelungene Sprachausgabe!
? Olaf Bleich
