Mass Effect: Legendary Edition im Test - Ein würdiges Remaster und ein Fest für Fans
Test
Unser Test der Mass Effect: Legendary Edition zeigt ganz klar: Bioware ist ein Remaster gelungen, das dem Vermächtnis von Commander Shepard würdig ist und zeigt, wie man mit viel Herzblut und Leidenschaft zum Erhalt einer so beliebten Reihe beiträgt.
Bioware hatte es nicht leicht in den vergangenen Jahren. Ihre Projekte konnten Erwartungen nicht erfüllen (Mass Effect: Andromeda), wurden mit Schande wieder eingestellt (C&C Generals 2, Shadow Realms) oder entwickelten sich gar zu kolossalen Flops (Anthem). Auch der starke Abgang von Talenten und Veteranen in den vergangenen Jahren hat kein gutes Licht auf das kanadische Studio geworfen. Es wurde also Zeit der Welt zu zeigen, dass sie es noch drauf haben. Und was eignet sich dazu besser, als eine von Fans lange Zeit geforderte Neuauflage einer der erfolgreichsten Marken des Studios überhaupt.
Soviel sei schon mal gesagt, die Mass Effect: Legendary Edition (jetzt kaufen ) ist ein wahrgewordener Fan-Traum, der kaum Wünsche übrig lässt. Was den Entwicklern von Bioware hier gelungen ist, zeugt von ihrer Liebe zur Marke und ihrer Hingabe ein für Fans und Neulinge gleichermaßen gelungenes Produkt abzuliefern. Auf das Mass Effect auch weiterhin als eine der besten und beeindrucktesten SciFi-Welten im Entertainment-Sektor gilt.
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Die Shepard-Saga
Quelle: PC Games
Commander Shepard (rechts) steht im Mittelpunkt der Trilogie und scharrt im Verlauf eine Vielzahl großartig geschriebener Charaktere um sich.
Mass Effect spielt in unserer Milchstraße gegen Ende des 22. Jahrhunderts. Die Menschheit ist vor drei Jahrzehnten auf der intergalaktischen Bühne erschienen, nachdem sie außerirdische Technologie auf dem Mars entdeckt hatte, die es ihr ermöglichten den sogenannten Masse-Effekt zu nutzen, der interstellares Reise erst möglich machte. In der Galaxie existierte jedoch bereits große intergalaktische Gemeinschaft mit einer Vielzahl von raumfahrenden Spezies, die zum Teil schon seit tausenden von Jahren zwischen den Sternen unterwegs sind.
Als Spieler in der Rolle von Commander Shepard bekommen wir daher immer wieder mit, wie die Menschen als Neulinge behandelt und teilweise mit Argwohn bedacht werden. All diese politischen Ränkespiele müssen aber bald in den Hintergrund treten, als sich die Völker der Milchstraße einem völlig überlegenen Feind gegenübersehen. Als Held der Menschen wird Commander Shepard so in ein Abenteuer katapultiert, das ihn im Verlauf der Trilogie alles abverlangen wird. Zum Glück schart er auf dem Weg viele treue Gefährten und neue Freunde um sich. Neben der tollen Geschichte sind es nämlich vor allem die unfassbar gut geschrieben Charakteren, die einen Großteil der Faszination von Mass Effect ausmachen.
Quelle: PC Games
Die Entwickler haben viele Level in Teil 1 auch dahingehend überarbeitet, dass mit neuen Objekten, verbesserter Lichtstimmung und mehr Effekten eine noch dichtere Atmosphäre entsteht.
Optischer Hochglanz
Entsprechend wollten die Entwickler für die Neuauflage die Inhalte der drei Spiele auch gar nicht erst anfassen. Das epische Erlebnis sollte genau das gleiche sein, wie damals. Alle Konzentration floss daher in die optische Darstellung, das Gameplay und einer Reihe von Komfortfunktionen. Ganz besonders im Fokus stand dabei der erste Teil der Trilogie. Dieser hat inzwischen fast 14 Jahre auf dem Buckel und ist im Vergleich zu den beiden Nachfolgern deutlich schlechter gealtert. Umso beeindruckender ist, was die Entwickler noch aus der betagten Unreal Engine 3 herausgeholt haben.
Quelle: PC Games
Mit ein paar Tricks haben die Entwickler der alten Unreal Engine 3 sogar schicke Spiegelungen entrungen, für die die Engine eigentlich gar nicht ausgelegt ist.
Zwar sieht man dem Spiel an einigen Stellen, wie zum Beispiel den flachen Haartexturen einiger NPCs, sein Alter recht deutlich an. An vielen anderen Stellen übertünchen die Entwickler das aber sehr geschickt mit knackig scharfen Texturen, schicken Nebeleffekten und Reflexionen. Hinzukommen aufgeborte Anti-Aliasing, Ambient Occlusion und Subsurface Scattering Effekte. Damit ist der erste Teil der Trilogie viel näher an den beiden Nachfolgern, die schon von Haus aus damals um einiges besser aussahen. Dabei läuft das Spiel auf allen Systemen flüssig. Je nach Einstellung und Auflösung zwischen 30 und 120 Frames pro Sekunde. Die PC-Version unterstützt sogar bis zu 240fps.
Richtig gut gefallen haben uns neben den direkten Grafikverbesserungen auch die indirekten Aufwertungen der verschiedenen Schauplätze. Die Entwickler haben sich die einzelnen Gebiete nämlich noch einmal vorgenommen und mit zusätzlichen Objekten und Effekten ausgestattet. So wirkte Eden Prime im Original zum Beispiel nur bedingt, wie eine große Kolonie der Menschen. Gebäude gab es nur sporadisch, so lange sie einem Zweck für den Spielablauf dienen. Jetzt haben die Entwickler der Szenerie deutlich mehr Hintergrundobjekte wie Hochhäuser, Hütten und vor allem Trümmer spendiert. Damit kommt die Zerstörung, die Sovereign und die Geth angerichtet haben wesentlich besser zur Geltung.
Spielt sich besser denn je
Doch nicht nur optisch wurde beim ersten Teil Hand angelegt. Auch beim Gameplay und der Bedienung war einiges an Anpassung nötig, um das Spiel auf das gleiche Niveau wie die beiden Nachfolger zu bringen. Das ist den Entwicklern über weite Strecken auch ganz gut gelungen. Das Interface und die Steuerung wurden vereinheitlicht. Durch Verbesserungen bei den Eingaben, dem Zielen und den Verhalten der Kameras, wirkt das Spielgefühl
Quelle: PC Games
Der berüchtigte Mako-Panzer lässt sich jetzt deutlich besser steuern und hat mit dem Booster ein sinnvolles Upgrade zur Bewältigung von zerklüfteten Planeten erhalten.
nicht mehr ganz so hakelig wie früher. Die Balance der Waffen wurde angepasst, indem zum Beispiel Hitzeentwicklung und Cooldown-Zeiten optimiert wurden. Die Früher oft minutenlangen Fahrstuhlfahrten, sind jetzt eine Angelegenheit von wenigen Sekunden.
Gelungen ist auch die Überarbeitung des Mako-Panzers. Dieser wirkt jetzt deutlich schwerfälliger und springt nicht mehr so unrealistisch herum wie ein Gummiball. Besonders auf den stark zerklüfteten Nebenquest-Planeten scheint aber hin und wieder noch seine alte Widerspenstigkeit durch. Hier hilft der neue Vorwärtsboost aber deutlich. Eine gute Entscheidung ist es außerdem, dass der Spieler nicht mehr dafür bestraft wird, wenn er Gegner mit dem Mako bekämpft. So gibt es für besiegte Feinde jetzt genau so viel Erfahrungspunkte, egal, ob man sie zu Fuß oder mit den Bordkanonen des Panzers besiegt hat.
Trotz all der Verbesserungen kommt das erste Mass Effect aber nicht gänzlich in der Moderne oder wenigstens auf dem Niveau von Teil zwei und drei an. Das liegt zum einen an der nach wie vor schnell unübersichtlich werdenden Inventarverwaltung. Das alte Itemsystem mit massenhaft erbeuteter Waffen, Rüstungen und Mods wurde beibehalten. Hier hätte etwas Entschlackung durchaus gut getan. Zumal man nach wie vor umständlich auf der
Quelle: PC Games
Die KI der Gegner verhielt sich besonders im ersten Teil wie ein aufgescheuchter Haufen Hühner. Daran hat sich leider nichts geändert.
Normandy die Spinde der einzelnen Gefährten aufsuchen muss, um deren Ausrüstung zu bearbeiten. Da hätte man auch ruhig einfach in Shepards Itemmenü die Möglichkeit zum Durchschalten der einzelnen Charaktere einbauen können.
Auch die recht dämliche Gegner-KI, die sich häufig wie ein Haufen aufgescheuchter Hühner verhält, passt nicht mehr so recht in die Zeit. Das Deckungssystem fühlt sich noch immer etwas schwerfällig an. Zudem haben es einige Fehler des Originals auch in das Remaster geschafft. Neben bekannten Glitches zur unbegrenzten Steigerung von Rufpunkten, oder dem einfachen Abstauben des Erfolgs für den höchsten Schwierigkeitsgrad, ist uns auch ein altbekannter Bug begegnet. Gelegentlich passierte es, dass das Spiel nach dem Aussteigen aus dem Mako keine Tastendrücke bis auf die Bewegung und den Gang ins Menü ausgeführt hat. Da half dann nur Speichern und neu laden.
Quelle: PC Games
Auch in Mass Effect 2 und 3 tragen hochauflösende Texturen und verbesserte Shader zu noch mehr Grafikqualität bei.
Ein dickes Spielspaßpaket
Mit Mass Effect 2 und Mass Effect 3 hatten die Entwickler von Bioware längst nicht so viel Arbeit. Diese waren schon damals wesentlich ausgereifter, schöner und runder im Design als der Erstling. Aber natürlich wurden auch hier optisch noch ein paar Prozent mehr rausgeholt, als es seinerzeit möglich war. Besonders die scharfen Texturen von Charakteren und vielen Umgebungen überzeugen. Mit der neuen Möglichkeit alles in 4K-Auflösung, mit HDR und verbesserten Shadern und Effekten zu erleben, ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild.
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Die aus zahlreichen Bonus-DLC stammenden Gegenstände wurde sinnvoll im Spiel verteilt, wo man sie unter anderem bei Händlern zum Erwerb findet.
In Mass Effect 3 mussten die Macher ein paar Änderungen am System der sogenannten "Galaktischen Bereitschaft" vornehmen. Dieses System hat Einfluss auf den Ausgang der Geschichte und wurde im Original unter anderem auch vom Mehrspieler-Modus beeinflusst. Dieser ist im Remake aber nicht enthalten. Die Galaktische Bereitschaft wird daher jetzt einzig und allein durch alles beeinflusst, was ihr im Verlauf der gesamten Trilogie gemacht und entschieden habt. Wenn man ein Spiel direkt mit Mass Effect 3 beginnt, soll es nur mit äußerster Gründlichkeit möglich sein die erforderliche Punktzahl für ein positives Ende zu erreichen. Wer sich durch die gesamte Trilogie kämpft ist also klar im Vorteil.
Sehr schön ist, dass die Entwickler alle Inhalte der drei Spiele zu einen sinnvollen Gesamtpaket zusammengeführt haben. Das betrifft besonders die über 40 DLCs, die in der Legendary Edition enthalten sind. So wurden die zahlreichen Ausrüstungs- und Waffenpakete nicht einfach so hinzugefügt und dem Spieler am Anfang ins Inventar geschüttet. Stattdessen sind all die zusätzlichen Gegenstände jetzt über das Spiel verteilt im Angebot der verschiedenen Händler auf Omega, Citadel und anderen Orten zu finden.
Auch die Story-DLCs wurden einigermaßen sinnvoll in das Gesamtgeschehen eingebettet. So stehen in Mass Effect 2 zu Spielbeginn nur die Gefährten-DLCs für Kasumi und Zaeed sowie die Normandy-Absturzstelle zur Verfügung. Lair of the Shadow Broker und Ankunft werden dagegen erst im späteren Spielverlauf an passenden Stellen zugänglich gemacht. Übrigens: Als einziger DLC ist Pinnacle Station vom ersten Mass Effect nicht in der Legendary Edition enthalten. Für diesen, von einem Drittstudio entwickelten, Inhalt konnten keine brauchbaren Originaldaten mehr ausfindig gemacht werden, was eine Umsetzung unmöglich machte.
Neue Features, alte Probleme
Dafür haben es die Entwickler aber geschafft noch ein paar neue kleine Features umzusetzen, die sicher dem einen oder anderen Fan gefallen werden. So wurde der Charaktereditor für alle drei Spiele vereinheitlicht und sogar mit noch ein paar neuen Optionen wie Frisuren und Farben ausgestattet. Wer Shepard und seine Mannschaft in bester Qualität einfangen will, kann jetzt auf einen Fotomodus zugreifen, der mit einer umfangreichen Suite an Einstellungen kaum Wünsche offen lässt.
Quelle: PC Games
Im Fähigkeiten-Rad können wir zwar einen Skill auf einer Schnelltaste hinterlegen. Um den Cooldown zu erfahren, müssen wir aber trotzdem umständlich das Rad öffnen.
Das gleiche kann man nicht uneingeschränkt von den Spieloptionen sagen. So ist es nämlich zum Beispiel nicht möglich, die teilweise doch recht seltsame Tastenbelegung der Controller-Steuerung zu verändern. Immerhin lässt sich zwischen Steuerungsschemata für Links- und Rechtshänder umschalten. Mit ein wenig Gewöhnung geht die Steuerung aber recht locker von der Hand. Wir hätten uns nur gewünscht, dass es im Interface eine Cooldown-Anzeige für unsere auf Schnelltaste gelegte Fähigkeit gibt und wir dafür nicht jedes Mal das Skill-Rad aufmachen müssen.
Etwas besser schneidet da die PC-Version ab, wenn man sie mit Maus und Tastatur bedient. Die Belegung der Tasten lässt sich frei verändern und anpassen. Außerdem hat man in der PC-Fassung eine Schnellleiste für Fähigkeiten, über die man deutlich bequemer seine Skills im Kampf flott einsetzen kann. Auch das Inventar wirkt zumindest ein wenig aufgeräumter.
Quelle: PC Games
Neu an Board ist ein funktionsstarker Fotomodus, mit dem sich alle künstlerisch veranlagten Shepard-Fans austoben können.
Eine würdige Neuauflage
Vieles was man am Remaster kritisieren kann, ist Erbsenzählerei auf hohem Niveau, weil es entweder dem Alter der Originalspiele geschuldet ist oder das Gesamterlebnis nicht wirklich negativ beeinträchtigt. Wir haben in den letzten Tagen rund 60 Stunden in die Legendary Edition gesteckt. Dabei haben wir den ersten Teil komplett mit allen Nebenaufgaben auf höchstem Schwierigkeitsgrad durchgespielt. Den zweiten Teil immerhin gut bis zur Hälfte und Teil 3 auch noch einige Stunden angespielt. Was bleibt ist das beeindruckende Bild eines von Anfang bis Ende durchdachten und exzellent umgesetzten Remasters.
Wer Bioware in den vergangenen Jahren den Verlust ihres Spirits oder ihrer kreativen Schaffenskraft vorgeworfen hat, wird hier eindrucksvoll eines besseren belehrt. Nicht nur in der Legendary Edition selbst, auch im Auftreten der Entwickler in der Öffentlichkeit rund um die Veröffentlichung ist zu spüren, wie sehr dieses Projekt ein Projekt des Herzens war. Mass Effect meldet sich mit dem Remaster eindrucksvoll zurück und gilt mit seiner herausragenden Erzählung, den fantastischen Charakteren und seinen epischen Momenten auch heute noch zum Besten, was das SciFi-Genre im Bereich der Videospiele zu bieten hat. Nicht umsonst haben schon vor über zehn Jahren Branchengrößen wie Gears-of-War-Schöpfer CliffyB Mass Effect als das Star Wars der heutigen Generation bezeichnet. Eine Einschätzung, der man dank der Legendary Edition heute wieder vorbehaltlos zustimmen kann.
