Mafia: Definitive Edition in der Hands-On-Vorschau: Remake mit Mut zur Veränderung
Special
Gut einen Monat vor dem Release von Mafia: Definitive Edition konnten wir die Neuauflage des Klassikers erstmals selbst anspielen. In der Vorschau werfen wir einen besonderen Blick darauf, wie sich die Entwickler am Original orientiert und was sie zum Wohle eines besseren Spielerlebnisses alles verändert haben.
Amerika in den 30er-Jahren. Nach dem Zusammenbruch der Börsen am legendären Black Friday leidet das Land unter der sogenannten großen Depression, einer der größten und längsten Wirtschaftskrisen des 20. Jahrhundert. Anfang des Jahrzehnts ist zudem noch die Prohibition in Kraft, also das vollständige Verbot von Alkohol. Ein perfekter Nährboden und eine Blütezeit für das organisierte Verbrechen, namentlich der La Cosa Nostra, der nordamerikanischen Mafia. In der Pop-Kultur wurden immer wieder, teils in romantisierter Sicht, Geschichten rund um die Italo-amerikanischen Mafia-Clans aufgegriffen. Zu den berühmtesten Vertretern zählen dabei sicherlich Filme wie Der Pate und Scarface sowie die Fernsehserie The Sopranos.
Berühmtester Videospiel-Vertreter ist dabei natürlich Mafia von Illusion Softworks aus dem Jahre 2002. Achtzehn Jahre später steht der Klassiker nun vor seinem zweiten Frühling. Die inzwischen für die Mafia-Reihe zuständigen Entwickler von Hangar 13 spendieren dem Spiel ein aufwändiges Remake, das mehr sein soll als nur eine grafisch aufpolierte Neuauflage. Der Titel soll auch in Sachen Spieldesign, Handhabung und Inszenierung auf ein modernes Niveau gehoben werden. Was genau das bedeutet, konnten wir nun erstmals selbst erleben. Mit einer Preview-Fassung des Spiels durften wir die ersten fünf Missionen, sowie ein etwas weiter fortgeschrittenes Kapitel des Gangster-Epos selbst spielen.
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Handlungsabweichungen
Die grundlegende Story des Spiels bleibt dabei natürlich gleich. Wir übernehmen die Rolle von Tommy Angelo in der fiktiven Stadt Lost Heaven, die an Chicago angelehnt ist. Im Jahre 1938 wendet dieser sich mit seiner Geschichte an Detective Norman, weil er einen Weg sucht lebend aus der Mafia
Quelle: PC Games
Ende der 30er-Jahre steckt Tommy mächtig in der Klemme. Auf der Suche nach einem Ausweg für seine Familie vertraut er sich und seine Geschichte einem Detective der Polizei an.
auszusteigen. Im Folgenden beginnt er dem Polizisten seinen Werdegang in der ehrenwerten Familie von Don Salieri zu erzählen, die in entsprechenden Flashbacks erzählt wird. Alles beginnt im Herbst 1930. Tommy arbeitet als Taxifahrer und wird mehr durch Zufall in den Krieg zwischen Salieri und seinem Rivalen Morello hineingezogen. Am Ende bleibt ihm nichts anderes übrig, als selbst ein Teil des Mobs zu werden.
Bereits im Intro des Spiels wird jedoch deutlich, dass die Entwickler von Hangar 13 sich nicht davor scheuen, die Erzählweise der Geschichte zu verändern. Während wir im Original sehen, wie Tommy aus einer Hochbahn aussteigt, sich in ein Cafe begibt und sich dort zu dem Detective setzt, haben die Entwickler im Remake den Spieß umgedreht. Hier steigt Detective Norman aus der Bahn und setzt sich zu dem bereits wartenden Tommy in das Cafe. Auch die Rollenverteilung im Gespräch hat sich verändert. Legte Tommy im Original ein gefasstes und selbstsicheres Auftreten an den Tag, wirkt er im Remake fast schon nervös und ängstlich, während Detective Norman im Gespräch meist die Oberhand hat. Mit diesem neuen Ansatz für die erste Szene des Spiels, transportieren die Entwickler deutlich eindringlicher die Situation für die beiden handelnden Figuren. Für Tommy geht es um Leben und Tod für ihn selbst und seine Familie, während der Cop nicht viel zu verlieren hat.
So nehmen die Macher immer wieder inszenatorische Anpassungen vor, um den Verlauf der Story besser zu reflektieren. Als Tommy im Original zum ersten Mal bei Don Salieri am Tisch sitzt und berichtet, wie er von Morellos Schlägern überfallen wurde, sitzt er dort bereits im feinen Nadelstreifen-Anzug, als würde er schon immer zur Familie gehören. Im Remake findet das erste Treffen für Tommy noch in seinen Taxifahrer-Klamotten statt. Erst im Verlauf der ersten Missionen ändert er seinen Kleidungsstil, um sich nach und nach an den Dresscode der ehrenwerten Familie anzupassen. Am gleichen Beispiel lassen sich auch noch einmal die kleinen Veränderungen an der Story erklären, die hier und da vorgenommen wurde. Während im Original Don Salieri von sich aus Tommy losschickt, um Autos von Morellos Leuten zu demolieren, geht die Initiative im Remake von Tommy aus, der sich für sein beschädigtes Taxi rächen will.
Tommys erstes Treffen mit Salieri - Vergleich
Packendes Missionsdesign
Kennern von Mafia werden aber nicht nur bei der Inszenierung und einigen Story-Details Veränderungen auffallen, sondern auch beim inhaltlichen Design der Missionen. Das beginnt bereits bei der Flucht mit Sam und Pauli, als wir erstmals die Kontrolle über das Spiel übernehmen. Im Original werden wir von einem gegnerischen Fahrzeug verfolgt, das wir mit ein paar geschickten Fahrmanövern schnell abgehängt haben. Was folgt ist eine recht ereignislose Fahrt quer durch die Stadt zu Salieris Bar.
Das Remake bietet dagegen während der gesamten Mission packende Verfolgungsjagd-Action. Mehrere von Morellos Schergen hängen uns im Nacken und lassen sich längst nicht so leicht abschütteln. Da kommen uns neue Gameplay-Elemente in Form von Baustellen ganz gelegen, die wir ausnutzen, um in einer kurzen, schick inszenierten Sequenz einen Verfolger auszuschalten. Kaum sind wir alle Verfolger losgeworden, warten weitere Feinde mit einer Autoblockade bereits auf uns. So bleibt die Fahrt quer durch Lost Heaven die ganze Zeit aufregend, bis wir schließlich durch einen beherzten Sprung über eine sich öffnende Zugbrücke die sicheren Gefilde von Salieris Territorium in Little Italy erreicht haben.
Quelle: PC Games
Die Demolierung von Morellos Autos läuft wesentlich packender ab als im Original, weil sich diesmal seine Schergen und sogar die Polizei einmischen.
Ein weiteres gutes Beispiel, wie unspektakulär das Missionsdesign des Originals eigentlich war und wie das Remake es besser macht, zeigt das dritte Kapitel, in dem Tommy mit Pauli aufbricht, um einige Autos der Morellos zu zerstören. Im Original fahren wir ereignislos zum Einsatzort, zertrümmern ungestört die Zielfahrzeuge und fahren wieder ereignislos zurück zu Salieris Bar. Das Remake bietet da deutlich mehr Action. Am Tatort kommen uns Morellos Schergen in die Quere, Pauli mischt sich ins Gerangel ein, wir klauen einen teuren Luxusschlitten und müssen schließlich auch noch die Cops loswerden.
Die Entwickler haben aber nicht nur hinzugefügt, sondern an den passenden Stellen auch gekürzt, wenn es einem gut getakteten Spielgefühl dienlich war. So erleben wir Tommy nach seiner nächtlichen, unfreiwilligen Fluchtfahrt zunächst wieder bei seinem regulären Job als Taxifahrer. Im Original kutschieren wir recht langwierig für 15 Minuten diverse Fahrgäste quer durch die Stadt. Für das Remake haben die Entwickler diesen Abschnitt ungefähr um die Hälfte komprimiert, um hier keine unnötigen Längen entstehen zu lassen. Ob wir hier nun fünf oder nur drei Fahrgäste transportieren, spielt für die eigentliche Handlung keine Rolle. Die Darstellung von Tommy während seines Arbeitsalltags gelingt so oder so.
Quelle: PC Games
Das Autorennen hat dank Verbesserungen bei der Steuerung viel von seinem Schrecken verloren und ist stattdessen ein super inszenierter Abschnitt der Geschichte.
Optionsvielfalt
Zu den spielbaren Missionen unserer Vorschau-Version gehörte auch das berüchtigte Kapitel mit dem Autorennen, was bei nicht wenigen Spielern des Originals für gehörigen Frust gesorgt hatte. Das lag vor allem an der wenig eingängigen Steuerung des flinken Rennautos, die einer ordentlichen Rennführung oft einen Strich durch die Rechnung machte. Dass wir das Rennen diesmal ohne Probleme beim ersten Versuch geschafft haben, sollte allen Hoffnung machen, die sich vor diesem Abschnitt bereits gefürchtet haben. Der pfeilschnelle Rennflitzer erfordert zwar nach wie vor mehr Feingefühl im Umgang als die üblichen Straßenfahrzeuge, lässt sich aber spürbar besser kontrollieren.
Das liegt auch an den verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten, die die Entwickler dem Spieler an die Hand geben. Da wären zum einen vier verschiedene Schwierigkeitsgrade. Leicht, Mittel und Schwer wirken sich dabei vor allem auf die Stärke von Gegnern, Zielhilfen und die Aufmerksamkeit der Polizei aus. Zudem gibt es noch einen klassischen Modus, der sich mehr am Spielgefühl des Originals orientiert. Hier sind zum Beispiel Gegner besonders tödlich und beim Nachladen geht Munition verloren, die sich noch im Magazin befindet. Für die Steuerung der Fahrzeuge lässt sich außerdem noch individuell zwischen einem normalen und einem Simulations-Fahrmodell umschalten. Die Wahl zwischen automatischem und manuellem Getriebe ist auch wieder mit dabei.
Tommy geht in Deckung
Für das Gameplay haben sich die Entwickler einige Verbesserungen überlegt, die gut ins Konzept passen, ohne zu sehr vom bekannten Spielgefühl abzuweichen. So wurde das Bewegungsrepertoire von Tommy erweitert. Er kann jetzt springen, rennen und sich an Objekten hochziehen. Das ermöglicht wiederum mehr Varianz beim Missionsdesign. Nachdem unser Protagonist in der zweiten Mission von Schlägern überfallen wird, gilt es zu Fuß durch verwinkelte Gassen die Flucht anzutreten. Im Original laufen wir schlicht mit normaler Geschwindigkeit im Zick-Zack-Kurs und versuchen so oft wie möglich die Sichtlinie zu den Gegnern zu unterbrechen, um nicht getroffen zu werden. Im Remake wirkt diese Sequenz deutlich rasanter, weil Tommy jetzt flink durch die Gassen rennt und dabei über Kisten und Mauern klettert.
Quelle: PC Games
Tommy kann jetzt hinter Objekten in Deckung gehen und von dort aus das Gefecht führen. Bei den aggressiven Gegnern ist das auch bitter nötig.
Auch im Feuergefecht hat Tommy dazugelernt. So können wir jetzt in bester Deckungsshooter-Manier hinter Objekten Schutz suchen und Gegner aus der Deckung aufs Korn nehmen. Allzu sicher kann man sich an einem Ort aber auch nicht fühlen, da gewisse Deckungen je nach Beschaffenheit und Gewalteinwirkung auch zerstört werden können. Außerdem verhält sich auch die KI entsprechend unserer neuen Fähigkeiten und versucht uns zu flankieren oder mit Wurfgeschossen wie Molotov-Cocktails aus der Deckung zu treiben. Das wirkt alles deutlich frischer und ansehnlicher als das doch recht steife Kampfsystem des Originals.
Allgemein stand bei allen vorgenommenen Änderungen an Spielsystemen die Modernisierung und der Komfort im Mittelpunkt. So verfügt das Spiel jetzt beispielsweise über eine richtige Minimap und nicht mehr nur das Fahrzeugradar wie im Original. Damit entfällt das lästige permanente Schauen auf die Karte. Andere Neuerungen bringen dagegen lediglich ein wenig Abwechslung und Realismus ins Spiel. Dazu gehören Motorräder, die eine spannende Alternative zum bekannten Fuhrpark darstellen und sich gut ins Szenario einfügen.
Quelle: PC Games
Ob bei Tag oder bei Nacht, die Stadt Lost Heaven erzeugt in der modernen Engine eine hervorragende Atmosphäre.
Moderne Neuinterpretation
Technisch macht Mafia: Definitive Edition (jetzt kaufen 19,99 € ) bereits einen guten Eindruck. Die hauseigene Engine wurde seit Mafia 3 ordentlich weiterentwickelt und glänzt vor allem bei Charakter- und Fahrzeugmodellen, Lichtstimmung sowie Wettereffekten. Während des Anspielens blieben wir von auffallenden Problemen verschont, auch wenn die Entwickler uns gegenüber bereits einige noch vorhandene Mängel angesprochen haben, die bis zum Release behoben sein sollen. Gut gefallen hat uns die reibungslose Steuerung sowohl mit Maus/Tastatur als auch mit Controller. Zwischen beiden Eingabemethoden kann zudem jederzeit im laufenden Betrieb gewechselt werden. Das Spiel passt dann automatisch auch alle Anzeigen an.
Noch nicht ausprobieren konnten wir bisher den "Freie Fahrt"-Modus, in dem man nach Belieben Lost Heaven und Umgebung erkunden kann. Während der Missionen ist uns immerhin aufgefallen, dass es in der Welt den einen oder anderen Sammelgegenstand zu entdecken gibt. Dazu gehören Groschenromane, Zigarettenbildchen, Comics und Postkarten. Außerdem sind in der Spielwelt immer wieder Zeitungen und andere Schriftstücke zu entdecken, die weitere Einblicke in Stadt und Leute geben.
Es bleibt festzuhalten, dass das Remake ein ebensolches in jedem Sinne des Wortes ist. Es ist keine 1:1 Übertragung des Klassikers in die Moderne, sondern soll eine zeitgemäße Interpretation des bekannten Stoffes sein. Ob dem Spiel das auch in vollem Umfang gelingt, muss am Ende die finale Version unter Beweis stellen. Denn Mafia steht und fällt mit der Story. Die ist zwar in großen Teilen bekannt, aber die Entwickler von Hangar 13 sind mutig genug hier und da Anpassungen an der Dramaturgie vorzunehmen. Nun muss sich zeigen ob, dieser Plan am Ende aufgeht und man wieder das Gefühl bekommt, in einer spielbaren Version des Paten zu sein. Auch wenn sich Amerika in den 30er-Jahren in einer Depression befindet, als Spieler von Mafia: Definitive Edition wird man auf jeden Fall keinen Grund für depressive Gedanken haben. Das Spiel hat jedes Potential ein sehr gutes Action-Adventure rund um die ehrenwehrte Familie zu werden.
