Little Nightmares im Test: Kindheitsängste zum Nachspielen - Jetzt mit Nachtest der Switch-Version

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Little Nightmares im Test: Kindheitsängste zum Nachspielen - Jetzt mit Nachtest der Switch-Version
Quelle: Bandai Namco

Der beklemmende Horror-Plattformer eifert Indie-Hits wie Limbo oder Inside nach, ohne jemals ihre Klasse zu erreichen. Wer jedoch über einige spielerischen Mängel hinwegsieht, wird mit einer starken Atmosphäre und spannenden Schleicheinlagen belohnt! Genügt das, um sich auf den spielgewordenen Albtraum einzulassen? Das klärt unser Test zu Little Nightmares.

Aktuelle Änderungen hervorheben

 Six wirkt im Vergleich zu ihrer Umgebung geradezu winzig. Quelle: PC Games Six wirkt im Vergleich zu ihrer Umgebung geradezu winzig. Die großen Vorbilder von Little Nightmares (jetzt kaufen 79,99 € / 16,99 € ) braucht man gar nicht lange zu suchen: Wie schon Limbo oder Inside versteht sich auch dieses Spiel als physikbasierter Puzzle-Plattformer, in dem wir ein kleines Kind durch eine surreale, lebensfeindliche Umgebung begleiten. Allerdings schöpft Little Nightmares sein düsteres Design aus einer ganz eigenen, spannenden Grundidee: Die schwedischen Entwickler Tarsier Studios versuchen mit ihrem ersten gänzlich eigenen Werk, verschiedenste Kindheitsängste in ein Spiel zu gießen, das für Unbehagen und Abscheu sorgt - und zwar ohne sich dabei in übermäßigen Splatter- und Ekelszenen zu verlieren. Das ist atmosphärisch richtig gut gelungen! Doch leider leistet sich Little Nightmares im Test auch deutliche Gameplay-Schnitzer.

Wir haben den Artikel um ein Fazit sowie eine Wertung zur Switch-Version ergänzt. Springt per Inhaltsverzeichnis direkt zu unserem Fazit zur Switch-Version!

Little Nightmares im Test: Ein Kind trotzt seinem Albtraum

Die Heldin des Spiels hört auf den Namen Six, ein stummes Mädchen, das nur einen gelben Regenmantel und ein Feuerzeug bei sich trägt. Six versucht, aus dem Schlund zu entkommen, das ist der Name eines grauenvollen Schiffs, in dem kleine Kinder von unheimlichen Erwachsenen festgehalten werden. Ihr Weg führt Six durch fünf albtraumhafte Kapitel, in denen sie unter anderem ein trostloses Gefängnis, die grotesk überdimensionierte Behausung eines Puppenmachers und eine abscheuliche Küche voller Fleisch­abfälle durchqueren muss. Die Levels sind stockfinster und stimmungsvoll, bieten aber nicht genug Abwechslung: Im Gegensatz zu Inside oder Unravel, die alle paar Minuten mit frischen Ideen überraschen, wiederholen sich hier viele der düsteren Umgebungsgrafiken. Vor allem an den metallisch-öden Innenräumen, die sich durch das gesamte Abenteuer ziehen, hat man sich schnell sattgesehen.
Düstere Vorahnung: Nur selten wird die Inszenierung so interessant wie in dieser Szene. Die stockfinstere Levelgestaltung lässt Abwechslung vermissen. Quelle: PC Games Düstere Vorahnung: Nur selten wird die Inszenierung so interessant wie in dieser Szene. Die stockfinstere Levelgestaltung lässt Abwechslung vermissen.

Little Nightmares im Test: Rätseln mit Hindernissen

Simples Rätsel: Um an die Türklinke zu gelangen, muss sich Six den Stuhl heranziehen. Quelle: PC Games Simples Rätsel: Um an die Türklinke zu gelangen, muss sich Six den Stuhl heranziehen. Aber auch spielerisch tritt Little Nightmares etwas auf der Stelle - trotz der knappen Spielzeit von etwa vier Stunden. Six hat zwar keine speziellen Fähigkeiten, kann aber zumindest springen, klettern, die Umgebung mit einem Feuerzeug beleuchten und kleine Gegenstände benutzen. Das einzig Besondere an unserer Heldin: Im Vergleich zu ihrer Umwelt ist Six geradezu winzig klein! Für sie können Kühlschränke als Klettergerüst dienen, aus Schrankschubladen werden Leitern und Türklinken schweben in unerreichbarer Höhe. Dieser Umstand kommt in vielen physikbasierten Puzzles zum Einsatz: In einer Szene müssen wir beispielsweise mittels Fleischwolf eine Wurstkette herstellen, an der sich Six zum Ausgang entlanghangelt. Von solchen Ideen hätten wir gerne mehr gesehen! Doch oft muss Six einfach nur über Kisten klettern und Schlüssel sammeln, um damit Türen aufzuschließen, das wirkt auf Dauer etwas einfallslos - spielerisch schöpft Little Nightmares sein Potenzial einfach nicht aus.

Zumal einige Geschicklichkeitsaufgaben aufgrund der etwas ungenauen Steuerung und teils unvorteilhaft gewählten Kameraperspektiven mehr Nerven kosten als sie eigentlich müssten: Little Nightmares ist nämlich kein 2D-Plattformer, sondern spielt komplett in 3D-Umgebungen - wir steuern Six also nicht nur seitwärts, sondern auch in der Tiefe des Raumes. Das klappt zwar meistens gut, sorgt in manchen Fällen aber dafür, dass wir von einer Plattform runterfallen oder von einem Gegner erwischt werden, einfach weil die Kamera nicht immer im optimalen Winkel auf das Geschehen blickt.

Mit ihrem Feuerzeug erleuchtet Six die stockfinsteren Gänge. Quelle: PC Games Mit ihrem Feuerzeug erleuchtet Six die stockfinsteren Gänge. Auf dem PC steuert man Six überwiegend mit der Tastatur, nur Aktionen (wie z.B. eine Tür öffnen, sich an einer Kante festhalten, Gegenstände aufheben) löst man mit der linken Maustaste aus. Damit lässt es sich zwar spielen, doch gerade in den Fluchtsequenzen hat uns die normale Tastenbelegung nicht gefallen. Da sich die Steuerung aber frei belegen lässt, ist das kein Problem! Merkwürdiges Detail: In der PS4-Version sorgen schon einfache Schritte von Six für einen kleinen Vibrationseffekt, was auf Dauer gehörig nerven kann. Hier bleibt einem nichts anderes übrig, als sämtliche Vibrationseffekte des Controllers über die Systemeinstellungen der Konsole abzuschalten. Auf PC hatten wir das Problem mit einem angeschlossenen Xbox-360-Gamepad nicht.

Little Nightmares im Test: Fast schon ein Schleichspiel

Einen Gutteil der Spielzeit verbringt man damit, Six an diesem ekligen Typen vorbeizubugsieren, der das Kind mit seinen langen Armen verfolgt. Quelle: PC Games Einen Gutteil der Spielzeit verbringt man damit, Six an diesem ekligen Typen vorbeizubugsieren, der das Kind mit seinen langen Armen verfolgt. Wenn man nicht gerade Umgebungspuzzles löst, ist man vor allem damit beschäftigt, den "Bewohnern" des Schiffs auszuweichen. Darunter etwa ein blinder Kerl mit Hut, der Six mit seinen scheußlich langen Armen durch die Levels verfolgt und sie aus Verstecken herauszerrt. An anderer Stelle muss sich Six an den aufgedunsenen Schiffsköchen vorbeischleichen und dabei keinen Laut von sich geben. Wer Stealth nicht ausstehen kann, sei gewarnt: In Little Nightmares wimmelt es nur so von Schleich- und Verfolgungszenen! Manche davon sind auch tatsächlich hochspannend geraten und treiben den Puls ordentlich in die Höhe. Allerdings fallen einige auch unnötig nervig aus: Viel zu oft wird man von Gegnern entdeckt, ohne genau zu wissen, was man eigentlich falsch gemacht hat. Oder man erkennt zunächst nicht, welche Aufgabe man in dem Raum zu erledigen hat und probiert einfach drauflos - Six läuft so ein ums andere Mal in ihr Verderben.
Schleichspiel: In der Küche muss Six diesen aufgedunsenen Köchen ausweichen - anfangs spannend, nach einer Weile aber auch etwas nervig. Quelle: PC Games Schleichspiel: In der Küche muss Six diesen aufgedunsenen Köchen ausweichen - anfangs spannend, nach einer Weile aber auch etwas nervig.

Dieses Trial-and-Error-Prinzip wird auf der PS4 durch störende Ladezeiten verschärft, die zwischen 10 und 35 Sekunden verschlingen - viel zu lang für ein Spiel dieser Art! Auf dem PC fallen sie dagegen deutlich kürzer aus, was für einen deutlich besseren Spielfluss und damit auch für eine höhere Wertung sorgt. Doch egal auf welcher Plattform man spielt, die Checkpoints sind zum Teil schlecht gesetzt: Immer wieder mal ist man gezwungen, nach einem Bildschirmtod einen Spielabschnitt zu wiederholen, den man eigentlich schon gemeistert hatte - schade, dass sich die Entwickler ausgerechnet hier kein Beispiel an Inside genommen haben, das praktisch ohne Leerlauf auskommt.

Little Nightmares im Test: Dichte, albtraumhafte Atmosphäre

Grafisch ist Little Nightmares trotz Unreal Engine 4 und einiger stimmungsvoll ausgeleuchteter Kulissen kein Highlight: Die wenigen Gegner sind überraschend ungelenk animiert und der Schattenwurf unseres Feuerzeuges flackert arg künstlich, sobald Six nahe an einem Levelobjekt steht. Auch das Leveldesign lässt etwas Fantasie vermissen, aus dem Thema "Kindheitsängste" und "Albträume" hätte man sicher mehr herausholen können. Besser ist das unheimliche Sounddesign gelungen: Das gesamte Spiel wird von einer bedrohlichen Klangkulisse untermalt, die nur sehr selten von stimmungsvollen Musikstücken unterbrochen wird - für die beklemmende Atmosphäre ein echter Gewinn!

Little Nightmares ist ab dem 28. April 2017 für PC, PS4 und Xbox One erhältlich. Der Preis für die Download-Version liegt bei 20 Euro. Für 35 Euro ist exklusiv auf Amazon.de auch eine sogenannte "Six Edition" erhältlich, die neben Spiel und Soundtrack-CD auch eine 10cm-Figur der Heldin, ein A3-Poster, einen Sticker-Bogen und eine Box im Käfig-Design umfasst.

Little Nightmares im Test: Nachtest der Complete Edition für Switch

Die Switch-Version umfasst neben dem Hauptspiel auch alle verfügbaren DLCs inklusive dreier Story-Erweiterungen. Diese drei Bonuskapitel rücken einen neuen Helden in den Mittelpunkt und erzählen eine Parallelhandlung, die auf tragische Weise mit dem Abenteuer von Six verknüpft ist. Die drei Mini-Addons bringen es auf eine ordentliche Gesamtspielzeit von rund drei Stunden und stellen eine prima Ergänzung zum Hauptspiel dar, bieten spielerisch aber keinerlei Verbesserungen. Einzig ein neuer "Gegnertyp" sorgt für etwas frischen Wind, außerdem nutzt der neue Held Kid nun eine Taschenlampe anstelle eines Feuerzeugs. Technisch gibt die Switch-Version keinen Grund zum Jubeln: Die Auflösung ist auch im Dock-Modus auf 720p begrenzt, das sorgt für ein deutlich verwascheneres Bild als beispielsweise auf dem PC. Die Ladezeiten entsprechen ungefähr denen der PS4-Fassung und fallen damit viel zu lang aus.

Die Complete Edition für Switch ist zum stolzen Preis von 35 Euro zu haben.

Little Nightmares im Test: Wertung und Fazit

Meinung

Wertung zu Little Nightmares (PC)

Wertung:

7.2 /10

Wertung zu Little Nightmares (PS4)

Wertung:

6.9 /10

Wertung zu Little Nightmares Complete Edition (NSW)

Wertung:

6.9 /10
Pro & Contra
Gelungene, albtraumhafte AtmosphäreSimple, aber unterhaltsame RätselEinige spannende Schleich- und VerfolgungsszenenBedrohliche SoundkulisseIm Vergleich zu PS4 und Switch kurze Ladezeiten (PC)
Viel Trial-and-Error in den Schleich- und VerfolgungsszenenGegner entdecken einen oft ohne sichtbaren GrundStörend lange Ladezeiten (PS4 und Switch)Optisch wenig AbwechslungSteuerung reagiert manchmal ungenau, einige ungünstige KamerawinkelCheckpoints zu weit auseinander oder ungünstig gesetzt

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