Bloß ein lauer Aufguss - oder rockt es alles weg? So gut ist Life is Strange Double Exposure!

Test Sönke Siemens Benedikt Plass-Fleßenkämper Lukas Schmid
Bloß ein lauer Aufguss - oder rockt es alles weg? So gut ist Life is Strange Double Exposure!
Quelle: Square Enix

Nach einem Prequel und zwei weiteren Teilen erscheint endlich der direkte Nachfolger zu Life is Strange. Ob Double Exposure das Zeug zum Hit hat, klärt unser Test.

Die Rätsel sind serientypisch recht simpel, aber immer charmant mit dem motivierenden Plot verwoben. So gilt es beispielsweise zu verhindern, dass der überaus engagierte Ermittler Vince Alderman ein brisantes Beweisstück in die Finger bekommt, das Max' guten Freund Moses belasten könnte. Oder ihr helft Vinh Lang, dem Anführer der geheimen Universitätsgemeinschaft Abraxas, sich an seine vergessene Handynummer zu erinnern.

Die Lösung dieser und anderer Puzzles besteht meist darin, Gegenstände von einer Zeitlinie in die andere zu bringen oder in der korrekten Zeitlinie nach Hinweisen zu suchen respektive die "alternative" Version der betroffenen Person geschickt zu befragen. Gut gemacht: Die Zeitlinien unterscheiden sich spürbar voneinander, was der Atmosphäre sehr zugutekommt.

So wurden zum Beispiel in der "Tot"-Zeitlinie alle Krampus-Aktivitäten auf dem Campus aufgrund der tragischen Ereignisse abgesagt, während in der "Lebendig"-Zeitlinie Orte wie die Snapping Turtle Bar auf Party und Weihnachtsdekoration getrimmt sind.

Max nutzt Zeitkräfte. Quelle: Square Enix / Medienagentur plassma Hinzu kommt, dass sich die Charaktere natürlich entsprechend der jeweiligen Zeitlinie anders verhalten. In der einen Realität sind Fassungslosigkeit und Trauer die beherrschenden Themen, in der anderen eher Beschwingtheit, Freude und Optimismus. Kontraste, die Deck Nine gut herausarbeitet.

Life is Strange: Double Exposure (jetzt kaufen 39,90 € ) lebt neben der spannenden Story und den erwähnten Rätseln natürlich auch von den vielen aufwühlenden Entscheidungssituationen, die die Beziehung zwischen Max und anderen Charakteren in ganz unterschiedliche Richtungen lenken und in ihrer Gesamtheit nicht zuletzt beeinflussen, was mit diesen Figuren am Ende der Story passiert. Romanzen sind ebenfalls möglich - und zwar sowohl zum männlichen als auch weiblichen Geschlecht.

Der Wiederspielwert, der sich aus diesem Grundgerüst ergibt, ist hoch und wird durch viele weitere Faktoren unterstützt. Wer zum Beispiel gezielt nach den überall versteckten Polaroidfotos sucht, wird am Ende das große Ganze noch besser verstehen. Gleiches gilt für alle, die sich die Mühe machen, den zahlreichen NPCs in der Caledon University bei ihren oft angeregten Gesprächen zuzuhören.

Es lohnt sich auch, die ständigen Smartphone-Kommunikationen und Tagebucheinträge von Max im Auge zu behalten, dem Podcast der Uni-Reporterin zu lauschen und die 15 Gartenzwerge zu suchen, die in Zusammenarbeit mit den Machern des PowerWash Simulators in der gesamten Spielwelt versteckt wurden.

Max in einer Hütte Quelle: Square Enix / Medienagentur plassma Habt ihr ein Kapitel abgehakt, seht ihr zudem serientypisch alle in diesem Abschnitt getroffenen und nicht getroffenen Entscheidungen - sowie, sofern relevant, die Konsequenz eurer Entscheidung. Dazu kommt ein Prozentwert, der anzeigt, wie sich die Entscheidungen prozentual auf den Rest der Spielerschaft verteilen. Wollt ihr nun herausfinden, welche Folgen andere Entscheidungen haben, könnt ihr direkt ins Hauptmenü wechseln und das Kapitel von dort noch einmal starten, ohne dass dies euren ursprünglichen Spielstand beeinflusst.

Akustisch wow, optisch holprig

Das erste Life is Strange hatte viele Stärken, unter anderem eine tolle englische Sprachausgabe. Leider hat Square Enix dem Spiel damals - wie auch in Life is Strange: Before the Storm und Life is Strange 2 - keine deutsche Sprachausgabe spendiert. Umso mehr freut es uns, dass Life is Strange: Double Exposure - genau wie Life is Strange: True Colors - wieder komplett synchronisiert wurde, in diesem Fall von der Altagram Group in Berlin.

Und zwar auf Basis einer Übersetzung, die Wortspiele aus dem Englischen sehr gekonnt ins Deutsche überträgt. Die Synchronsprecher sind ebenfalls mit vollem Elan bei der Sache und passen in fast allen Fällen wie die Faust aufs Auge - oder besser gesagt wie das Surround-Headset auf die Ohren.

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