Last Day of June: Emotionaler Adventure-Spaß mit Macken
Test 17,99 €
Last Day of June im Test: Ein verhängnisvoller Moment, der alles verändert, mehrere Schicksale, die miteinander verwoben sind und die Frage: Lässt sich die Vergangenheit umkehren? Alle Infos zum Spiel in unserem Review!
löd, wenn man einen Autounfall hat. Noch blöder, wenn man danach im Rollstuhl sitzt und die geliebte Ehegattin das Zeitliche segnet. In dieser Situation findet sich der namenlose Held in Last Day of June (jetzt kaufen 19,99 € / 17,99 € ) nach dem tragischen Prolog des Spiels wieder.
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Einsam und depressiv fristet er fortan seine Tage, geplagt von den Erinnerungen an sein verlorenes Leben, welche sein Haus pflastern. Allerdings gibt es einen Hoffnungsschimmer: Als er die Gemälde im Atelier seiner verblichenen Frau untersucht, findet sich der Protagonist auf einmal in die Stunden vor dem verhängnisvollen Unfall zurückversetzt - allerdings nicht als er selbst, sondern in Gestalt seiner Nachbarn.Wie sich herausstellt, sind sein Schicksal und das seiner Gattin nämlich unmittelbar mit jenen der anderen Figuren verknüpft - einem kleinen Jungen, einem alten Mann, einer jungen Dame und einem schießwütigen Schnurrbartträger. Und es stellt sich die Frage: Ist das Schicksal des Helden doch nicht so final, wie es scheint? Kann er den Tod seiner Frau gar abwenden?
Quelle: PC Games
Der einzigartige Aquarell-artige Grafikstil ist wirklich sehr gut gelungen. Nur gelegentliche Ruckler nerven.
Der letzte Tag
Quelle: PC Games
Lässt sich der Autounfall, bei der die Frau des Protagonisten stirbt, ändern oder steht der Ausgang fest?
Diese interessante Story-Idee bleibt simpel, allerdings wird die Geschichte sehr gekonnt erzählt; da fällt es etwas leichter, einen sehr dummen Twist am Ende der Handlung zu verzeihen. Nicht falsch verstehen, der Ausgang der Erzählung selbst ist sehr stimmig, auf dem Weg dorthin stolpert sie aber an einer Stelle markant. Das ist schade, weil die ganze Geschichte dadurch retrospektiv qualitativ ein wenig nach unten gezogen wird. Es ist übrigens beeindruckend, wie die Schreiber mit nur wenigen Mitteln ihre Story vermitteln: Auf Dialoge wird komplett verzichtet. Bis auf wenige Geräusche geben die Figuren keinen Ton von. Alles, was es zu wissen gilt, wird per Gesten, Blicken und Kamerafahrten vermittelt -toll! Vor allem auch deswegen, weil nicht einmal die Mimik der Figuren als Erzählmittel genutzt werden kann: Der Aquarell-artige Grafikstil der Welt trifft nämlich auf Figuren, welche direkt einem Stop-Motion-Film entnommen zu sein scheinen und sowohl ohne Mund als auch ohne Augen daherkommen. Eine seltsame Designentscheidung, die aber totzdem oder gerade deswegen aufgeht. Bald hat man sich an den befremdlichen Anblick gewöhnt und die Figuren, obwohl wir kaum etwas über sie wissen, erweisen sich als sehr sympathisch und interessant. Keine Frage: Was Handlung, Figurengestaltung und Technik angeht, wussten die Macher hier ganz genau, was sie tun. Lediglich die teils heftigen Ruckler sowie vergleichsweise langen Ladezeiten reißen einen ab und an aus der Immersion.
Quelle: PC Games
Wer will, kann die knapp zweieinhalb Stunden Spielzeit etwas strecken, indem er die 20 Collectibles sammelt.
Was wäre, wenn?
Quelle: PC Games
Nach dem Unfall treffen wir den Protagonisten als gebrochenen Mann an, der einsam im Rollstuhl seine Tage fristet.
Spielerisch kann Last Day of June hier trotz einer guten Grundidee nicht mithalten. Nacheinander schlüpft man in die Rolle der vier Nachbarn und versucht hier in der kleinen, aber hübsch gestalteten Spielwelt eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen: Der Junge etwa sucht einen Spielpartner, die junge Frau will ihr Auto beladen und so weiter. Der Clou: Je nachdem, welche Handlungen man tätigt, ergeben sich verschiedene Konsequenzen. So kann es sein, dass der Junge entweder mit einem Hund spielt oder mit dem alten Mann gemeinsam einen Drachen steigen lässt. Nach und nach versucht man, immer den Tagesausgang zu wählen, der eben nicht zum Unfall führt - wobei jede Veränderung wiederum zu einem Ergebnis mit katastrophalem Ausgang führen kann. Oft muss man auch in die bereits absolvierten Sequenzen zurückkehren, um dort einen Ausgang zu wählen, welcher den einer anderen Figur erst ermöglicht.
Quelle: PC Games
Jede der Spielfiguren verfügt über eine besondere Fähigkeit. Die Nachbarin etwa kann mit einer Harke Laub entfernen.
Vier Schicksale
Quelle: PC Games
Mithilfe der von seiner verstorbenen Gattin angefertigten Gemälde schlüpft der Protagonist am Unfallstag in die Haut verschiedener Figuren.
Hört sich kompliziert an, ist es in der Praxis aber nicht, vor allem, weil spielerisch nur sehr lose auf Ursache und Wirkung geachtet wird: Ein einmal geöffnetes Gartentor bleibt geöffnet, auch dann, wenn man in der Zeit zurückspringt beziehungsweise sich in einem Ereignisstrang befindet, in dem dies gar nicht möglich beziehungsweise nicht passiert ist. Zudem gibt es bis auf Kontext-sensitive Aktionen nichts zu tun. Zwar verfügt jede Figur über eine ihr eigene Fähigkeit - der Junge wirft mit einem Ball, die junge Dame kann Laub harken -, diese dienen aber auch nur dazu, den Weg freizumachen und werden alle mittels desselben Knopfes ausgeführt. Die wenigen Rätsel im Spiel sind nicht der Rede wert und erfordern auch nur, dass man mit dem richtigen Gegenstand interagiert beziehungsweise eben eine Veränderung in der Geschichte einer anderen Figur vornimmt, um voranzukommen. All das ist funktional, aber belanglos. Aus der sehr guten Idee hätte man unserer Meinung nach mehr machen können. Klar, bei einem modernen Adventure steht das Gameplay nicht im Mittelpunkt, wenn es aber das ungenutzte Potenzial zu mehr hat, ist das schade. Abseits der Hauptaufgaben dürfen wir übrigens insgesamt 20 verschiedene Erinnerungsblasen sammeln, fünf pro Figur, und schalten dadurch Bilder frei, welche uns einen willkommenen Einblick in deren teils tragischen Vorgeschichten und Beweggründe erlauben.
Indie-Hit mit kleinen Macken
Ohne Frage ist Last Day of June also ein wirklich einzigartiges Abenteuer mit mitreißender Geschichte, tollen Figuren und jeder Menge Emotion, welches Genre-Liebhaber definitiv erleben sollten und welches nach dem Abspann noch lange in Erinnerung bleibt. Das heißt aber nicht, dass es perfekt ist; das uninspirierte Gameplay, kleine Technik-Macken sowie eine sehr lahm umgesetzte Passage gegen Ende des Spiels halten es davon ab, bei den Besten der Besten mitzuspielen.
