Landflix Odyssey: Trashiges Retro-Jump-and-Run versinkt im Mittelmaß
Test
Wirklich gute Spieladaptionen von Filmen und Serien sind rar gesät. Das 2D-Jump-and-Run Landflix Odyssey vom Fantastico Studio versucht gar nicht erst, eine ernsthafte Adaption zu sein. Stattdessen parodiert das Spiel im Retro-Look fünf beliebte Serien, ohne deren Handlung nachzuerzählen. Aber auch das kann nicht überzeugen.
Wer kennt's nicht: Da will man sich einmal einen gemütlichen Serienabend machen, hat Getränke und Knabberzeug schon bereitgestellt, und gerade als man es sich gemütlich macht, sind die Batterien der Fernbedienung leer. Genau dieses Schicksal erlebt unser Protagonist Larry in Landflix Odyssey. Unser bärtiger Serienjunkie hat aber glücklicherweise die Lösung des Problems direkt unter dem Sofa liegen: Dank seines Onkels mit dem einprägsamen Namen "Good Doc" besitzt Larry nämlich zufällig noch fünf grün leuchtende Batterien mit eigenartigen Fähigkeiten.
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Als unser rülpsender Protagonist mit der Fernbedienung, jetzt ausgestattet mit diesen besonderen Batterien, den Fernseher bedienen möchte, fliegen wir ganz im Stile von Jumanji in das Medium hinein - in diesem Fall landen wir im Serienportal Landflix. Um wieder zu unserem gemütlichen Serienabend zurückzukehren, brauchen wir die fünf Batterien, die in fünf verschiedene Serien gefallen sind. Das sagen uns übrigens Onkel Good Doc und sein Kollege Evil Doc, die sich ebenfalls im Streaming-Dienst befinden. Irgendwie beschleicht uns schon dort das Gefühl, dass nicht jeder der beiden Wissenschaftler mit offenen Karten spielt ...
Die absurde Vorgeschichte wird mit wenigen Bildern in einem kurzen Intro zusammengefasst. Für den Rest des Abenteuers müssen wir uns mit wenigen Textblöcken zufriedengeben. Das ist aber nicht weiter schlimm, da die Story zu keinem Zeitpunkt wirklich interessant oder lustig wird. Humoristisch erinnert Landflix Odyssey eher an Kindergarten-Witze, wenn unser Protagonist zu fünften Mal mitten in der Konversation rülpst.
Auch Trash kann Müll sein
Quelle: PC Games
Die trashige Geschichte lässt uns des Öfteren an die Stirn fassen - und das nicht im positiven Sinne.
Im Laufe unseres Abenteuers bereisen wir folgende fünf Serien: Stranger Things, Game of Thrones, Daredevil, Breaking Bad und The Walking Dead. Wir müssen dabei aber keine Angst vor wirklichen Spoilern haben, da die Geschehnisse weit weg von jeglichen Serieninhalten sind. Beispielsweise hat Jon Schnee weder in der Serie Game of Thrones noch in der Buchvorlage eine Burg auf der riesigen Eismauer und Königin Cercei kontrolliert unseres Wissens nach nicht die Weißen Wanderer. Wer aber keine der Serien gesehen hat, wird kaum Anspielungen verstehen und der ohnehin schon dürftige Humor bleibt vollends auf der Strecke. Die Scherze, die dann noch übrig bleiben, sind die Behinderten-Jokes über den blinden Superhelden Daredevil.
Quelle: PC Games
Mal in der Wüste, auf einer Eismauer oder doch im Untergrund: Die Umgebungen sind zwar abwechslungsreich, sind jedoch meist recht langweilig gestaltet.
Plattformer-Typisch bewegen wir uns in einer 2D-Welt von links nach rechts, überwinden Hindernisse und überwältigen Gegner. Unser Protagonist Larry hat für letzteres eine sehr spezielle Angriffstaktik parat: Um unseren Gegenüber niederzustrecken, müssen wir ihm als erstes auf Knopfdruck ins Gesicht rülpsen. Der Geruch unseres Bäuerchens lässt gestandene Männer offenbar wanken, woraufhin wir nur noch in Super-Mario-Manier auf seinen Kopf springen müssen. Ob das nach dem hundertsten Gegner noch witzig ist, sei mal dahingestellt, spielerisch funktioniert diese Mechanik jedoch überraschend gut. Leider wird aber diese Attacke in manchen Welten überflüssig. In den unterschiedlichen Serien erhalten wir nämlich weitere Fähigkeiten, die den noch so starken Mundgeruch unseres Protagonisten übertreffen. Wieso sollten wir Gegner umständlich anrülpsen, um sie kurz zu verwirren, wenn wir in der The-Walking-Dead-Welt unseren Konkurrenten einfach mit Daryls Armbrust abschießen können? Beim Breaking-Bad-Verschnitt müssen wir uns jedoch auf die überflüssige Magenluft verlassen, da wir hier lediglich Drogen einwerfen können, um kurzzeitig alles in Zeitlupe zu erleben. Leider können wir diese Fähigkeiten nur in den jeweiligen Welten einsetzen, wodurch die Gameplay-Möglichkeiten sehr begrenzt bleiben. Genre-Typische Skills wie Wall-Runs oder Dashen suchen wir hier auch vergeblich.
Quelle: PC Games
Die Bossgegner sind nicht nur schön gestaltet, sondern sind auch angenehm herausfordernd.
Acht bis neun Level sind für jede Serie spielbar, zwei davon sind Bosskämpfe. Dabei zeigt Landflix Odyssey seine größte Stärke. Die Endgegner sind kreativ, unterhaltsam und werden von Serie zu Serie stärker, sind dabei aber kaum unfair. Insgesamt steigert sich der Schwierigkeitsgrad im Laufe des Spiels nicht zu stark, ist aber trotzdem angenehm herausfordernd. Wer aufmerksam die Level erkundet und versteckte Eingänge sucht, findet außerdem besondere Gegenstände, mit denen sich für jede Welt ein Extra-Level freischalten lässt. Diese unterscheiden sich spielerisch jedoch kaum vom Rest.
Du hast da einen Pixel auf der Stirn
Die Umgebungen sind aufgrund der fünf verschiedenen Serien sehr abwechslungsreich. Während wir in Game of Thrones auf der eisigen Mauer herumkraxeln, bewegen wir uns in Breaking Bad in einer US-Amerikanischen Wüste umher. Mit Pixel-Schönheiten wie Celeste kann sich Landflix Odyssey aber nicht messen. Auch der recht generische Soundtrack schafft es nicht, mehr als nur durchschnittlich zu klingen.
Das beste Wort, um Landflix Odyssey zusammenzufassen, ist "okay". Die Grafik ist okay, der Soundtrack ist okay, selbst das Gameplay ist okay. Die einzigen Ausnahmen sind die spaßigen Bossgegner und die dämliche, von Pipi-Kacka-Humor geprägte Story. Wer Indie-Perlen wie Celeste und Horace noch nicht gespielt hat, ist mit diesen eindeutig besser bedient.
Landflix Odyssey ist neben dem PC auch auf der Playstation 4, der Xbox One und der Nintendo Switch spielbar.
