Lego City Undercover im Test für Wii U: Nicht kleckern, sondern Klötzchen! Kann Chase McCain neben dem Verbrechen in Lego City auch die Flaute an echten Hits auf der Wii U bekämpfen? In unserem Test zu Lego City: Undercover erfahrt ihr, wie sich das Action-Abenteuer spielt.
Kleider machen Leute
Nachdem ihr euch also den Scanner abgeholt habt, findet ihr euch in den Straßen von Lego City wieder und jagt die ersten bösen Buben. Kleine Fische, die euch jedoch schnell auf die Spur von Rex bringen. Zu Fuß oder mit dem Auto nehmt ihr die Verfolgung auf, überwältigt die Fieslinge und legt ihnen durch drücken von "A" Handschellen an. Werft ihr euch anfangs noch per Hechtsprung auf die fliehenden Gangster, lernt ihr schon bald erweiterte Techniken wie Würfe, Tritte, Schläge und Konteraktionen. Das geht extrem einfach von der Hand und selbst bei den schwereren Jungs werdet ihr kaum Probleme haben. Auch sonst ist die Steuerung sehr simpel gehalten: Chase McCain verfügt zwar über eine breite Palette von Fähigkeiten, jedoch sind die meisten an sein jeweiliges Outfit gebunden. Je nachdem welche Klamotten Chase trägt, kann er nämlich spezielle Aktionen durchführen.
In Polizeiuniform steht ihm ein Enterhaken zur Verfügung, mit dem er sich an blau markierten Punkten hochziehen oder an bestimmte Objekte zerren kann – auch den Bodenscanner kann er nur als uniformierter Polizist nutzen. Als Verbrecher wiederum könnt ihr Türen aufbrechen und Safes knacken, während ihr in Bergarbeitermontur TNT nutzen und mit der Spitzhacke Felsbrocken zerkleinern könnt. Euren jeweiligen Fummel wechselt ihr dabei einfach mit den Schultertasten. Daraus ergeben sich zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten, die jedoch meist durch vorgegebene Aktionen stark eingeschränkt werden. Das Spiel nimmt euch nämlich nicht nur bei der Hand, es zerrt euch förmlich daran durch das Abenteuer. So wird stets angezeigt, was als Nächstes zu tun ist. Das vermeidet zwar Frust, verhindert aber, dass ihr vor der Lösung eines Rätsels ins Knobeln geratet. Das hätte durchaus besser gelöst werden können, ist jedoch nur ein kleinerer Kritikpunkt.
Lego's Creed?
Quelle: PC Games
Gut versteckt: Die Supersteine sind teilweise schwer zu finden. Gut, dass ihr euren Kommunikator habt und via GamePad die Umgebung scannen könnt!
Unabhängig von der Wahl der Kleidung kann Chase an Wandvorsprüngen entlanglaufen, Gebäudefassaden hinaufklettern oder sich über Abgründe katapultieren lassen. Das klingt zunächst nach unbegrenzter Freiheit à la Assassin's Creed, ist jedoch in Wahrheit auf weiß-blau markierte Steine beschränkt, die leicht erkennbar und an vielen Stellen, aber nicht an jeder Ecke zu finden sind. Wer sich also in bester Freerunner-Manier fortbewegen möchte, muss sich in der riesigen Lego-Stadt die passenden Orte dafür suchen. Suchen ist dabei übrigens ein gutes Stichwort, denn auch abseits der Story gibt es in Lego City viel zu entdecken.
Forschernaturen suchen und finden in der weitläufigen, steinreichen Lego-Welt versteckte Klettergelegenheiten und entdecken so beispielsweise geheime Supersteine. Dazu kommen 450 Goldsteine, 65 Supergebäude und sage und schreibe 290 verschiedene Outfits für Chase. Bleifüße freuen sich zudem über knapp 100 Fahrzeuge, mit denen sie die weitläufige und bunte Stadt erkunden können. Von der Stretch-Limo über Rasenmäher, Boote, Helikopter, Polizei- und Feuerwehrautos bis hin zu einem T-Rex-Skelett, welches geritten werden darf, reicht dabei das Repertoire! Der Umfang kann sich also durchaus sehen lassen, auch wenn sich die Fahrzeuge nicht wirklich optimal steuern lassen. Zwar ist es beileibe keine Qual, sich im Auto fortzubewegen, doch hier hätten die Entwickler gerne etwas Feinschliff hineinstecken können.
Lust und Frust in Lego City
Quelle: PC Games
Klappergestell: Auf einem T-Rex-Skelett reitet es sich vorzüglich! Abgedrehte Ideen wie diese sind eine der großen Stärken des Spiels.
Wirklich toll sind dagegen die zahlreichen Anspielungen auf Film und Fernsehen sowie bekannte Videospiel-Momente, die in den vor Slapstick und Wortwitz strotzenden Zwischensequenzen vorkommen. Da arbeiten auf dem Polizeirevier Kollegen, die verdächtig an Columbo, Dirty Harry, Starsky und Hutch oder Watson und Sherlock Holmes erinnern. Im Dojo lernt ihr Judo von einem Typen, der aussieht wie Morpheus aus Matrix und auf der Gefängnisinsel begegnet ihr auf dem Hof einem gewissen "Freeman" mit Baskenmütze – Die Verurteilten lassen grüßen. Dazu kommt eine geniale Parodie auf Goodfellas, die Kennern sicher ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern dürfte. Der sonstige Humor ist zwar weitgehend kindlich und albern gehalten, jedoch stets charmant genug, um in Verbindung mit den parodistischen Elementen und der sehr guten deutschen Synchronisation auch ältere Semester zu unterhalten.
Ein echter Hit also? Nein, ein paar Schwächen sind nicht zu leugnen. Die Fahrzeuge steuern sich suboptimal, das Spiel ruckelt ab und an, wenn auf dem Bildschirm viel los ist, Pop-ups sind leider auch auf der starken Wii-U-Hardware ein Thema und die Missionen sind zwar abwechslungsreich und schön inszeniert, aber extrem leicht und etwas zu anspruchslos. Da fast sämtliche Aktionen kontextsensitiv über "A" ausgeführt werden, beschränkt sich eure Eigenleistung auf ein Minimum. Gut für diejenigen, die sich gerne zurücklehnen und ein Spiel einfach nur genießen wollen, schade für alle, die auch eine gewisse Herausforderung suchen. Dazu gesellen sich ein paar kleinere Designpatzer, wie eine teils seltsame Kollisionsabfrage und die Tatsache, dass man in Fahrzeuge nur durch einen kurzen Druck auf "X" einsteigen kann. Drückt man den Knopf dagegen länger, passiert entweder gar nichts oder man gelangt in das Auswahlmenü für Chase Mc-Cains Kleidung.
