KI in Videospielen - Die Technikrevolution auf dem Vormarsch
Special
KI ist vielleicht die größte Errungenschaft seit dem Buchdruck. Ob Microsoft, Ubisoft oder Indie-Studios, die Videospielbranche ist bereits voll dabei, wenn es um Künstliche Intelligenz geht. Wir klären auf, wo es die Technologie schon gibt
Ein weiterer Nachteil ist der Always-Online-Zwang, den die KI mit sich bringt. Wie bereits erwähnt, muss die generative KI im Hintergrund dauerhaft mitrechnen. Das ist ein Aufwand, den aktuelle PCs kaum nebenher stemmen können und der deswegen über Server erfolgt. Bei Cygnus Enterprises geschieht das in Kooperation mit Inworld, einem koreanischen Unternehmen, das sich auf KI-Systeme spezialisiert hat.
Über dessen Server kann man künstliche Persönlichkeiten aufsetzen, die auf die menschlichen Eingaben reagieren. Die genutzte Datenbank ist firmeneigen, wie man uns versicherte, das System greift also nicht auf ChatGPT und dessen undurchsichtiges Datennetz zurück.
Das ist vor allem rechtlich wichtig, denn die genannte KI-Lösung von Open AI hält sich nicht unbedingt an das Urheberrecht. Gesetzlich gibt es derzeit so viele offene Fragen, dass Wilder Westen herrscht, was Künstliche Intelligenz betrifft. Vorsicht ist aber bekanntlich besser als Nachsicht und Studios sind nicht gewillt, am Ende irgendwelche Einnahmen abdrücken zu müssen, weil ein Drittanbieter sich nicht an die Regeln gehalten hat.
Für Nicht-Open-Source-Firmen wie Inworld mit eigener Datenbank bedeutet das einen Geldsegen. Denn auch Industrie-Gigant Microsoft hat sich wahrscheinlich aus diesem Grund zu einer Kooperation mit den Koreanern entschlossen, um ganz allgemein KI-Lösungen für die Entwicklung von Videospielen zu basteln.
Quelle: Team Miaozi
Die KI-Avatare von Inworld kommen bereits in Cygnus Enterprises zum Einsatz
KI als Tool
Möglich wäre durch entsprechende Tools, dass man als Entwickler zwar noch die Welt und die Rahmenhandlung gestaltet, aber nicht mehr jede einzelne Dialogzeile ausformuliert, die jeder NPC zu sagen hat. Stattdessen könnte man einfach die verschiedenen Persönlichkeiten selbst, die man im Spiel haben will, im Ganzen programmieren und den Text generieren lassen.
Das hat vor allem einen zeitlichen Vorteil in der Spieleentwicklung, den sich große Publisher natürlich nicht entgehen lassen wollen. Aber Microsoft ist nicht der erste Software-Riese, der Künstliche Intelligenz in seine Entwicklungsprozesse miteinbindet. Bereits im März kündigte Ubisoft an, mit "Ghostwriter" eine KI als Entwicklertool zu nutzen, die beim Schreiben von Skripten hilft. Dabei geht es um sogenannte "Barks" - das sind Phrasen, die Ingame-Charaktere von sich geben, wenn man als Spieler einen Trigger aktiviert.
Das kann ein Standardsatz beim Händler sein, nachdem man etwas gekauft hat, aber auch ein Dialog zwischen NPCs, der abspielt, sobald man eine Stadt betritt. Diese Art von Skripten ist nicht sonderlich relevant für die Handlung im Spiel, sorgt aber für Immersion und ist, wenn von Hand gefertigt, während der Produktion ein krasser Zeitfresser. Immerhin gibt es in Spielen mit offener Welt oft hunderte NPCs, die alle irgendetwas von sich geben.
Das Tool funktioniert laut Ubisoft so, dass man als Storywriter einen Charakter erfindet und eine Art von Interaktion oder Aussage eingibt. Ghostwriter schreibt daraufhin verschiedene Dialoge vor, aus denen der Entwickler auswählen kann. Aus der Auswahl lernt die KI wiederum, welche Ergebnisse der Nutzer bevorzugt und verbessert sich als Tool daraufhin selbstständig.
Das Ziel dahinter ist laut Ubisoft nicht, Angestellte zu ersetzen, sondern diesen mehr Zeit für relevante Skripte einzuräumen, die weiterhin komplett händisch entstehen. Einen kreativen Schaffensprozess gibt es dabei also trotzdem noch. Das sieht aber natürlich anders aus, wenn die KI nicht als Schreiber-Tool fungiert, sondern im Spiel einen kompletten NPC ersetzt.
Quelle: Nvidia
ACE von Nvidia zeigt Künstliche Intelligenzen, die miteinander interagieren
Damit schmückt sich etwa der Hersteller Nvidia, der während der Consumer Electronics Show ACE vorstellte, eine Plattform, deren KI ganze Charaktere simuliert. Nvidias Ansatz besteht darin, die geforderte Rechenleistung auf die lokal verbaute Grafikkarte und ihre Online-Server aufzuteilen.
Der Hardware-Hersteller hat sich mit einer Reihe von Firmen zusammengetan, die auf Künstliche Intelligenz spezialisiert sind, um die Technologie alltagstauglich zu machen. Das Ergebnis ist eine neue Grafikkarte, die RTX 4080 Super, mit der auch der hauseigene Gaming-Rechner selbst in der Lage ist, generative KI laufen zu lassen.
Die KI, die Nvidia über ihre Plattformen bereitstellt, ist nicht nur in der Lage, Charaktere zu skripten, sondern kann auch Raytracing in Echtzeit berechnen. Immerhin sieben von acht Pixeln simuliert die neueste Nvidia-Hardware über KI - Nebenbei verspricht der Hersteller auch bessere Remaster durch das Technikwunder, die weit ab des Debakels stattfinden sollen, das sich die Neuauflage der GTA-Trilogie schimpft.
Für Rockstars Kollektion sollte eine KI sämtliche Grafiken im Spiel aufhübschen, allerdings erkannte das Programm die Texte nicht richtig, weswegen etliche Schreibfehler ihren Weg nach Vice City und Co. gefunden haben.
Ganz anders angeblich bei Nvidia, die im Grunde all das versprechen, was Microsoft ebenfalls vorhat. Der Wettbewerb im Bereich Künstliche Intelligenz ist somit der wichtigste Grund für die rasante Entwicklung des Marktes. Mit eigenen sprachbasierten KI-Modellen, dem Wissen um die benötigte Hardware und etlichen Kooperationen in der Branche dürfte sich Nvidia zu einem der Frontrunner für die cleveren Algorithmen entwickeln - vor allem, was Gaming betrifft.
Laut den Entwicklern von Cygnus Enterprises sind wir aber trotzdem weit davon entfernt, eine Künstliche Intelligenz sich selbst überlassen zu können. Denn dadurch, dass eine generative KI dauerhaft dazulernt, kann sie unbeobachtet schnell Eigenarten entwickeln, die man so nicht haben möchte.
Niemand ist perfekt - auch nicht KI
So tendieren Künstliche Intelligenzen dazu, zu lügen beziehungsweise Sachen zu erfinden, wenn sie die Antwort auf eine Frage nicht kennen. Ein ungewöhnlich menschliches Verhalten für ein Computerprogramm, aber genau vom Menschen lernen KIs schließlich. An anderer Stelle spoilern sie einfach die Story, wenn sie zu viel wissen, da der Algorithmus vom Nutzer lernt und sich so beeinflussen lässt, relevantes Wissen über die Handlung vorzeitig auszuplaudern.
In Cygnus Enterprises umgehen die Entwickler das Spoiler-Problem, indem sie das Wissen der NPCs über das Weltgeschehen begrenzen. Entwickelt sich der Plot weiter, wird der NPC respektive wird die KI ausgetauscht und sozusagen ein neues Gehirn in die Figur gepflanzt, das die neue Situation dann kennt. Das bekommt man als Spieler nur mit, wenn man mit den Figuren im Spiel viel interagiert und ihnen eigene Informationen mitteilt, an das sich die KI ab einem gewissen Punkt plötzlich nicht mehr erinnern kann.
