Filmkritik zu Pleasure: Regie-Debüt voller Sex und Schrecken - Seite 1
Test
Pleasure in der Filmkritik: Porno, Sex und Schrecken im Regie-Debüt von Ninja Thyberg
Die Schattenseiten werden dabei durch heftige und komplexe Szenen ehrlich zur Schau gestellt, und dennoch nie auf irgendeine Weise verteufelt oder an den Pranger gestellt. Wenn es "hart auf hart" kommt, dann verzichtet Thyberg zwar auf expliziten Sex, scheut jedoch in keiner Sekunde, die Situation vollumfänglich und schonungslos einzufangen. Bella steigt - etwas blauäugig - im weiteren Verlauf immer tiefer in die Industrie und ihre strukturellen Probleme hinab. So tief, dass es zu Szenen kommt, die auf den Magen schlagen und nachhaltig schockieren.
Mit Einverständnis gebrochen
In der gleichzeitig besten und schlimmsten Szene des Films ringt sich Bella aus nachvollziehbaren Gründen zu einem extremen Dreh mit mehreren Männern durch - wer als Frau in diesem Business erfolgreich sein will, der sollte keine Tabus oder Grenzen kennen. Dabei porträtiert Thyberg großartig das bizarre Geschäft dahinter. Zum einen geschieht der Dreh, zu dem diverse Praktiken, echte Demütigung und rohe Gewalt gehören, mit Absprache und Einvernehmen. Bella bekam einen Vertrag vorgelegt und wurde mehrfach auf die Härte des geplanten Shootings hingewiesen, unter anderem von ihrem besorgten Manager Bear, gespielt vom echten Erotikfilm-Darsteller "Chris Cock".
In diesem Artikel
Quelle: Plattform Productions
Filmkritik zu Pleasure: Regie-Debüt voller Erotik und Schrecken
Zum anderen ist das Gezeigte meilenweit entfernt von Schauspiel oder einer wilden Sexfantasie und entspricht eher einer Vergewaltigung vor laufenden Kameras, bei der Bella mehrfach die Nerven verliert und zusammenbricht. Wie schlagartig ihre Drehpartner von freundlichem Small Talk zu geballter Aggressivität und totaler Erniedrigung wechseln, ist für den Zuschauer (und Bella) unfassbar zermürbend. Das alles wird aber nie zu einer Kritik am Business im Bewegtbild, sondern zeigt, wie viele Dinge nun mal sind: moralisch komplex und schwierig einzuordnen.
Das 108 Minuten lange Drama kann aber weitaus mehr als nur schockieren. Ebenso gibt es Raum für Freundschaften, Zusammenhalt, erotische (und auch positive!) Dreherfahrungen und ein Feingefühl für Bildsprache und Stil.
Das weiß zu gefallen, besonders bei einem Regie-Debüt. Pleasure läuft zwar nicht mehr regulär in den Kinos, ist aber digital auf Plattformen wie Amazon, Maxdome oder dem Sky Store für drei bis fünf Euro zu leihen. Was haltet ihr von solchen Produktionen? Schreibt uns eure Meinungen in die Kommentare.
