Große Geschichten auf kleinem Raum: Die 10 besten Kammerspiele im Film
Special
Kammerspiel-Filme sind sicherlich nicht für jeden etwas. Sie sind meist zeitlich und räumlich sehr stark eingeschränkt, beinhalten nur wenige Figuren und tragen ihre Handlung vor allem über das gesprochene Wort. Sie stellen ein besonders intensives Erlebnis dar, bei dem man, wie bei kaum einem anderen Genre, ausgiebig mit dem Innenleben der Figuren konfrontiert wird.
Das Eingesperrt-Sein - sei es nur gefühlt, situationsbedingt oder gar im wörtlichen Sinne - führt hier dazu, dass Figuren sich entweder selbst oder ihren Mitmenschen nicht mehr ausweichen können. Die verstärkt psychologische Komponente sorgt dafür, dass Dramen und Thriller besonders gut für Kammerspiele geeignet sind. Schauspieler müssen ihr Können unter Beweis stellen, denn alle Augen ruhen auf ihrem Spiel. Diese Unausweichlichkeit der Konfrontation ist es schließlich auch, die das Spannungsfeld des Genres wiederspiegelt und mit dessen Umsetzung auch das Gelingen eines solchen Filmes steht und fällt.
Wir haben uns für euch hingesetzt und eine Top 10 der besten Kammerspielfilme zusammengestellt.
Auf dieser Seite
Quelle: Jugendfilm
Szenenbild aus "Misery" (1990)
Platz 10: Misery
Basierend auf dem gleichnamigen Buch von Steven King haben wir es hier mit einem echten Schmuckstück zu tun. Der berühmte Autor Paul Sheldon hat einen Unfall und wird von Annie Wilkes, einem weiblichen Fan, gefunden und gepflegt. Zum Dank lässt er sie sein neuestes Manuskript aus seiner Misery-Saga lesen, und weckt mit der unbefriedigenden Handlung das Monster in Annie. Eine Glanzleistung von den Schauspielern James Caan und Kathy Bates, die einem unheimlich nahebringen, was es bedeutet, jemand anderem ausgeliefert völlig zu sein.
Quelle: Gloria
Szenenbild aus "Mord im Orient-Express" (1974)
Platz 9: Mord im Orientexpress
"Mord im Orientexpress" ist so ein bisschen so, als würde man Cluedo spielen. Nur dass die Villa sehr viel weniger Raum bietet, sich für gewöhnlich bewegt und nun in den Schneemassen Jugoslawiens feststeckt. Ein Archetypus der "Wer-ist-es-gewesen"-Frage auf die der anwesende Detektiv Hercule Poirot zwei mögliche Antworten liefert. Ein charmanter Film zum Mitraten und mit kleinen Charakterstudien zahlreicher großartiger Schauspieler versehen, die definitiv für Unterhaltung sorgen.
Quelle: Senator
Szenenbild aus "Hard Candy" (2004)
Platz 8: Hard Candy
"Hardy Candy" ist eine intensive Umkehr der klassischen Täter-Opfer-Zweiteilung. Was als klassische Geschichte eines pädophilen Fotografen beginnt, entpuppt sich schon bald als Folterspiel durch das vermeintliche Opfer. Ellen Page verkörpert hier eine angsteinflößende 14-Jährige, die einen deutlich älteren Mann nach Hause begleitet. Als sie dort u.a. kinderpornografisches Material sowie das Foto einer Vermissten vorfindet, entschließt sie sich zum Einsatz von K.O.-Tropfen und zu schmerzlich langwieriger Selbstjustiz an ihrem ehemaligen Verehrer.
Quelle: UIP
Szenenbild aus "Breakfast Club - Der Frühstücksclub" (1984)
Platz 7: The Breakfast Club
Der berühmte Frühstücksclub prägte viele folgende Teenager-Filme und ist popkulturell viel zitiert. Fünf Schüler, die von außen betrachtet nicht unterschiedlicher sein könnten, müssen an einem Samstag gemeinsam nachsitzen. Mit Provokationen, Streichen und langen Unterhaltungen offenbaren sie einander Ängste und Sehnsüchte. Sie führen herausragend vor, wie gesellschaftlich auferlegte Fassaden bei längerer Betrachtung mehr und mehr zu bröckeln beginnen, und finden durch ihre Eingeständnisse immer mehr zu ihrem wahren Selbst.
Quelle: Fox
Szenenbild aus "Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt" (1979)
Platz 6: Alien
Kritiker sind sich heutzutage einig: "Alien" funktioniert vor allem aufgrund der Abstinenz des namensgebenden Monsters so gut. In permanenter Erwartungshaltung an dessen Erscheinen und umgeben vom Nichts des Alls steigert sich die Spannung ins Unermessliche. Während zu Beginn noch das Gruppenverhalten im Angesicht einer Krise im Vordergrund steht, entwickelt sich mit der zunehmenden Dezimierung der Crew langsam ein individueller Überlebenskampf, der sich nicht mehr durch den Dialog nach außen trägt, sondern durch körperliches Leiden und Leisten.
Quelle: Concorde
Szenenbild aus "Dogville" (2003)
Platz 5: Dogville
"Dogville" ist wahrlich ein Experiment. Beginnt man den Film zu sehen, fragt man sich eingangs noch, ob das merkwürdigte Mischwerk aus Theater und Film tatsächlich funktionieren kann. Doch glaubt uns, wenn wir sagen: Seht ihn euch an! In Anlehnung an seine theatralen Ursprünge ist die Begrenzung des Raumes hier durch die Bühne gegeben, die wiederum eine ganze Stadt enthält. Der Kniff ist, dass beinahe keine Kulisse vorhanden ist. Gebäude und Strukturen werden, abgesehen von besonders markanten Set-Piece's, nur durch Linien auf dem Boden angedeutet und erhalten erst durch die herausragende Leistung von Darstellern wir Nicole Kidman und Stellan Skarsgård ihre Glaubwürdigkeit.
Quelle: Koch Films
Szenenbild aus "Moon" (2009)
Platz 4: Moon
Sam Bell ist drei Jahre lang alleine auf dem Mond und soll die dortige Mondbasis überwachen. Glücklicherweise läuft sein Vertrag in wenigen Tagen aus, so dass er sich schon auf die Heimkehr zu seiner Familie freut. Der vereinsamte Mann beginnt jedoch zu halluzinieren und trifft nach einem Unfall auf sein drei Jahre jüngeres Ich. Der sich doppelt spielende Sam Rockwell beeindruckt durch die sprichwörtliche Konfrontation mit sich selbst, durch Wahnsinn, durch Einsamkeit und der Interaktion mit einer KI, deren Mimik auf gruseligen Emojis beruht. Unbedingt ansehen.
Quelle: MGM
Szenenbild aus "Die zwölf Geschworenen" (1957)
Platz 3: Die zwölf Geschworenen
Zwölf Männer werden als Geschworene berufen und sollen über das Schicksal eines Mannes urteilen, der wegen Mordes angeklagt wurde. Der Beschluss wird nur dann vom Gericht anerkannt, wenn er einstimmig von allen Teilnehmenden getroffen wird. Was Eingangs noch nach einer klaren Entscheidung klingt, wird aufgrund eines einzelnen Vetos zu einer endlosen Diskussion, bei der jeder Einzelne mal mehr und mal weniger an einem Schuldspruch zweifelt. Mittels verschiedener Objektive wurden zu Beginn des Films künstlich größere Abstände zwischen den Figuren generiert. Mit zunehmender Diskussion hat man diese optische Illusion eingeengt, um das Gefühl der Klaustrophobie zu erzeugen. "12 Angry Men", wie er im Original heißt, wird auch heute noch in Firmen gezeigt, um Mitarbeitern gruppendynamische Prozesse näherzubringen.
Quelle: Constantin
Szenenbild aus "Der Gott des Gemetzels" (2011)
Platz 2: Der Gott des Gemetzels
Entgegen seines doch unverblümten Namens, ist "Der Gott des Gemetzels" ein geradezu lächerlich handzahmer Film. Der Junge Zachary Cowen wurde von Ethan Longstreet mit einem Stock verletzt. Die entsetzten Cowen-Eltern stehen schon bald bei den Longstreets auf der Matte und fordern eine umfassende Aufklärung und Entschuldigung für das Debakel. Was mit Wortklaubereien bei der Formulierung des Entschuldigungsschreibens beginnt, artet schon bald zu Grundsatzdiskussionen und Handgreiflichkeiten aus, die alle Beteiligten in den Wahnsinn treiben. Mit Starbesetzung hervorragend gespielt, lädt auch die kleinste Lappalie zum Schmunzeln ein.
Quelle: UIP
Szenenbild aus "Cocktail für eine Leiche" (1948)
Platz 1: Cocktail für eine Leiche
Zwei junge Männer begehen aus reiner Hybris einen Mord und laden nach der Missetat auch noch dreist Bekannte und Verwandte des Verblichenen zum Dinner ein. Die Kunst soll es nun sein, dass niemand von der Tat erfährt, obwohl die Leiche in einer Kiste unter dem Buffet ruht. "Cocktail für eine Leiche" ist skurril, morbid und schlichtweg genial. Der Krimi von Altmeister Alfred Hitchcock trägt vor allem durch seine technische Umsetzung zu den Stärken des Kammerspiels bei. Konzipiert ist das Ganze nämlich als eine Art Plansequenz, welche den kompletten Film so darstellt, als wäre er ohne Schnitt geschehen. Da Kameras damals jedoch nur zehn Minuten am Stück aufnehmen konnten, gab man sich Mühe, die notwendigen Schnitte so zu kaschieren, dass trotzdem der Eindruck entsteht, alles sei am Stück entstanden.
Was haltet ihr von unserer Liste? Hättet ihr die Filme anders platziert? Welche Filme haben eurer Meinung nach gefehlt?
