Film, Folklore, Fantasie: Die Top 10 der populärsten Schauer-Sagen im Film
Special
Letzte Woche haben wir euch unser Ranking mit den Top 10 der diabolischsten Teufel der Filmgeschichte präsentiert. Diese Woche machen wir anlässlich des Kinostarts von "Lloronas Fluch" schauderhaft weiter: Wir präsentieren euch unser Ranking der 10 populärsten Legenden und Sagengestalten, die von Horrorfilmen aufgegriffen wurden.
"La Llorona" ist eine lateinamerikanische Sagengestalt um eine Frau, die in einem Wutanfall ihre beiden Kinder in einem Fluss ertränkte. Seitdem zieht der Geist der Frau als "Die Weinende" durch Gegenden nahe Flüssen. Wer sie weinen höre, würde von ihr geholt werden, so heißt es. Insbesondere Kinder seien davon betroffen, denn die "Llorona" möchte sich ihre jungen Seelen zurückholen. Kommenden Donnerstag erscheint der Mythos auf der Leinwand, von Michael Chaves (Conjuring 3) in einen Horrorfilm verpackt, in der es eine Sozialarbeiterin mit dem Übernatürlichen zu tun bekommt und letztlich auch um ihre eigene Familie bangen muss. Wir haben uns zum Kinostart von "La Llorona" Gedanken über die populärsten Adaptionen von urbanen Legenden und Sagen gemacht und wollen euch wieder einmal unser Ranking vorstellen:
Auf dieser Seite
- 1 Platz 10: Die Teke-Teke - Teketeke (2009)
- 2 Platz 9: Die Kinder von Bodom - Bodom (2016)
- 3 Platz 8: Der Slender Man - Slender Man (2018)
- 4 Platz 7: Die Kuchisake-onna - Carved (2007), Sweet Home (1989)
- 5 Platz 6: Bestie des Gévaudan - Pakt der Wölfe (2001), Die Bestie der alten Berge (2003)
- 6 Platz 5: Die Hexe von Blair - Blair Witch Project (1999), Blair Witch (2016)
- 7 Platz 4: Die Bloody Mary - Bloody Mary (2006), Düstere Legenden 3 (2005)
- 8 Platz 3: Der Chupacabra - Indigenous (2014), Cupacabra (2013), Chupacabra: Dark Seas (2005)
- 9 Platz 2: Das Geisterhaus von Amityville - The Amityville Horror (1979), The Amityville Horror (2005), The Amityville Murders (2018)
- 10 Platz 1: Dracula - Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens (1922), Dracula (1931), Dracula (1979), Dracula Untold (2014)
Platz 10: Die Teke-Teke - Teketeke (2009)
Ihr Name kommt von der Beschreibung des Geräusches, das sie macht, wenn sie ihren Torso mittels ihrer Arme rasch über den Boden schleift. Die Teketeke ist die japanische Legende eines Schulmädchens, das von einem geschmähten Liebhaber vor einen Zug gestoßen wurde, wodurch ihr Unterleib abriss. Seither lauert sie als Rachegeist jungen Männern auf Bahnhöfen auf, um diese mittels einer Sense ebenfalls zweizuteilen. Diese Sage war Grundlage für Koji Shiraishis "Teketeke" und die Fortsetzung "Teketeke 2".
Quelle: MGM
Szenenbild aus "Teketeke"
Platz 9: Die Kinder von Bodom - Bodom (2016)
Der Bodominjärvi-See ist ein Gewässer in Bodom, einem Ortsteil vom finnischen Espoo, unweit der Hauptstadt Helsinki. Am fünften Juni 1960 gingen vier Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren am See zelten - unwissend, dass sie nachts ein Mörder aufsuchen würde. Letztlich überlebte nur der 18-jährige Nils Gustafsson den Angriff schwer verletzt. Auf Grundlage dieser wahren Geschichte haben sich um den Bodominjärvi-See Legenden gesponnen. So sollen beispielsweise die Seelen der toten Kinder im See Badegäste beim Schwimmen nach unten ziehen. Der noch junge Vorfall war nicht nur Namensgeber der finnischen Death-Metal-Band Children of Bodom, sondern ebenfalls Anlass für eine Fortführung der Legende mit dem Film "Bodom" des finnischen Regisseurs Taneli Mustonen.
Quelle: Koch
Szenenbild aus "Lake Bodom"
Platz 8: Der Slender Man - Slender Man (2018)
Noch jünger - denn gerade einmal 10 Jahre alt - ist die Geschichte vom Slender Man. Der dürre und langgliedrige Anzugträger ohne Gesicht lauert vorzugsweise Kindern auf, um diese entweder zu sich zu nehmen oder geistig zu manipulieren. Die im Internet entstandene und durch das gleichnamige Spiel bekannt gewordene Figur löste so tatsächlich schon zwei reale Tötungsversuche in Ohio und Wisconsin aus, bei denen 12- und 13-jährige Mädchen wie besessen vom Slender Man auf ihnen nahestehende Personen einstachen. Die Creepypasta diente jüngst als Vorlage für den Film "Slender Man", der im vergangenen Jahr in den Kinos erschien.
Quelle: Sony
Szenenbild aus "Slender Man"
Platz 7: Die Kuchisake-onna - Carved (2007), Sweet Home (1989)
Ebenfalls aus Japan kommt der jahrhundertealte Mythos der Frau mit zerrissenem Mund (jap.: Kuchisake-onna). Sie soll eine wunderschöne und eitle Frau mit langem schwarzem Haar gewesen sein, bis ihr Mann, ein wohlhabender Samurai, sie der Untreue beschuldigte und ihr das Gesicht zerschnitt, damit sie kein anderer Mann mehr schön finden könne. Ihr Geist soll seither maskiert durch Japan ziehen, um Bestätigung bei Männern zu finden. Je nach Antwort auf ihre Frage, ob man sie schön finde, zerschneidet sie der Legende nach entweder das Gesicht ihres Opfers oder bringt es ganz um. Die Frau mit dem zerrissenen Mund war Inspiration für einige Horrorfilm-Produktionen, vor allem aber für den Titel "Carved" von 2007.
Quelle: Splendid
Szenenbild aus "Carved - The Slit Mouthed Woman"
Platz 6: Bestie des Gévaudan - Pakt der Wölfe (2001), Die Bestie der alten Berge (2003)
Bei der Bestie des Gévaudan handelt es sich um ein Raubtier oder mehrere Raubtiere, die Mitte des 17. Jahrhunderts in Frankreich mindestens 78 Menschen töteten und 50 verletzten. Auf Basis dieser wahren Begebenheit ragen sich die verschiedensten Legenden um das Aussehen und die Angriffe der Kreatur. So soll sie vornehmlich Kinder und junge Frauen gerissen haben. Um die Jahrtausendwende wurde der Geschichtsstoff wieder ausgegraben und gleich für zwei Verfilmungen verwendet: "Pakt der Wölfe" und den Fernsehfilm "Die Bestie der alten Berge".
Quelle: Planet Media
Szenenbild aus "Pakt der Wölfe"
Platz 5: Die Hexe von Blair - Blair Witch Project (1999), Blair Witch (2016)
Die Hexe von Blair aus dem Kult-Hit "Blair Witch Project" von 1999 ist tatsächlich eine Legende, die durch den Film selbst entstanden ist. Die Regisseure Daniel Myrick und Eduardo Sánchez gingen mit akribischer Genauigkeit vor, als sie die Vorgeschichte für den Low-Budget-Film entwarfen. Im Zuge dessen veröffentlichten sie kontrafaktische historische Beweise für die Hexe, die 200 Jahre in die Vergangenheit reichen. So etwa die Ausgabe des Buches "The Blair Witch Cult" von 1809 und ein filmisches Dokument um 1940 von einem Serienmörder, der im Auftrag der Hexe sein Unwesen trieb. 1999 erschien mit dem Film außerdem auch das gleichnamige Buch von D. A. Stern, in dem weitere Pseudo-Beweise auftauchen. Alles beruht auf der Figur der Elly Kedward, die, der Hexerei bezichtigt, zur Zeit der Kolonialkriege in den Black Hills Forest in Maryland verbannt worden sei und dort verhungert oder erfroren sein soll. Der Film ist außerdem ein Paradebeispiel für den Suspense-Horror, denn er schafft es, enorme Spannung und Grusel zu erzeugen, ohne dass die Hexe auch nur ein einziges Mal in 78 Minuten Filmlänge auf der Leinwand erscheint. 2016 wurde die Legende um die Hexe von Blair mit dem Film "Blair Witch" weitergesponnen.
Quelle: Studiocanal
Szenenbild aus "Blair Witch Project"
Platz 4: Die Bloody Mary - Bloody Mary (2006), Düstere Legenden 3 (2005)
Eine beliebte Mutprobe unter Jugendlichen: Man verdunkle des Nächtens das Zimmer, stelle sich mit Kerze vor einen möglichst großen Spiegel und spreche drei Mal den Namen "Bloody Mary" aus. Daraufhin soll der rachsüchtige Geist der Bloody Mary, der in Spiegeln haust, eben dort zu sehen sein. Das wurde bereits im 19. Jahrhundert so praktiziert und erfreut sich immer noch großer Beliebtheit bei Heranwachsenden. Der Sage nach soll es im 17. Jahrhundert eine Mary Worth in Massachusetts gegeben haben, die wegen ihres vernarbten Gesichts vor allem eben mit der Betitelung "Bloody Mary" gehänselt worden sei. Letztlich wurde auch sie für eine Hexe gehalten und kam durch den Galgen oder Scheiterhaufen ums Leben. Seitdem wohnt sie als Geist in Spiegeln und diente schon geradezu unzähligen Film- und Fernsehproduktionen als Vorlage. Darunter auch die Mystery-Serien "Charmed", "Supernatural" und "Ghost Whisperer". In der US-Serie South Park wurde sie parodiert: Hier ist es der Rapper Notorious B.I.G., der aus dem Spiegel tritt, wenn man drei Mal seinen Spitznamen "Biggie Smallz" aufsagt. Der Name des herzhaften Tomatensaft-Cocktails hat übrigens nichts mit dieser Sage zu tun.
Quelle: Sony
Szenenbild aus "Düstere Legenden 3"
Platz 3: Der Chupacabra - Indigenous (2014), Cupacabra (2013), Chupacabra: Dark Seas (2005)
Der Chupacabra ist der Vampir unter den Vierbeinern. Er ist etwa einen Meter groß, trägt ausfahrbare Stacheln auf dem Rücken und kann seine Farbe wie ein Chamäleon der Umgebung anpassen. Anders wird er auch Kojoten-ähnlich beschrieben, nur ohne Haare und mit monströsen Zähnen. Sein Name bedeutet aus dem spanischen übersetzt so viel wie "Ziegensauger", denn er soll auf Kleinvieh Jagd machen und sie an der Kehle blutleer saugen. Ob der Chupacabra ein einzelnes Wesen oder eine ganze Gattung ist, steht in der Diskussion, die auch erst 1995 aufgekommen ist. In Nord- und Südamerika sind Kryptozoologen immer noch der Existenz des Chupacabra auf der Spur. Da sich aber in so kurzer Zeit so viele Sagen durch Zeugenberichte um ihn entwickelt haben, wurde er auch für die Filmindustrie interessant.
Quelle: Urban Girl
Szenenbild aus "El Chupacabra"
Platz 2: Das Geisterhaus von Amityville - The Amityville Horror (1979), The Amityville Horror (2005), The Amityville Murders (2018)
Eine Familie - der Vater ist oft Schriftsteller - zieht in ein verfluchtes Landhaus, in dem ungewöhnliche Dinge passieren. Voilà! Mit dieser Logline habt ihr angesichts der aktuellen Beliebtheit des Haunted-House-Movies keine schlechten Chancen, einen Horror-Hit zu schreiben. Ob "The Shining" (1980), "Poltergeist" (1982), "The Grudge" (2002) oder "Mother!" (2017) - sie alle und unzählige mehr basieren im Grunde auf demselben Prinzip. Das gab es natürlich auch schon viel früher in der Literatur, doch der Film "Amityville Horror" von 1979 ist in gewisser Art und Weise ein Meilenstein des Genres, denn er trug ungemein zur Ästhetik der Nachfolger bei, UND: Er basiert auf den Ereignissen aus den Erzählungen der Familie Lutz, die 1975 in den Ort Amityville im Bundesstaat New York zog. Ein Jahr zuvor gab es einen Vorfall, bei dem der heute immer noch lebende Ronald DeFeo im selben Haus alle anderen Mitglieder seiner siebenköpfigen Familie erschoss. George Lutz und seine Familie zogen in das günstige Haus ein und berichteten von grundlosem Aufwachen jede Nacht um 3:15 Uhr (die Uhrzeit der Morde), grünem Schleim, der aus den Zimmerwänden kam, unerklärlich kalten Stellen im Haus, einem Priester, der beim Betreten des Hauses die Worte "Get out!" hörte und vielem mehr. Insgesamt haben sich bisher 21 Filme mit dem Amityville Horror selbst befasst. Einen ähnlichen Hype versucht vermutlich "Conjuring - Die Heimsuchung" von 2013 auslösen, ein Film, ebenfalls auf Basis von Berichten einer Familie. Nur diesmal aus Harrisville, Rhode Island.
Quelle: MGM
Szenenbild aus "The Amityville Horror"
Platz 1: Dracula - Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens (1922), Dracula (1931), Dracula (1979), Dracula Untold (2014)
Damit kommen wir zur zugleich ältesten und am öftesten adaptierten Sagengestalt unseres Rankings: Graf Dracula, Nosferatu, der blutsaugende Vampirfürst. Er ist nicht nur ein beliebtes Halloween-Kostüm und hat uns als erster Vampir letztlich Teenie-Kitsch-Streifen wie die Twilight-Reihe oder die Kinderfilme "Der kleine Vampir" (2000) und "Hotel Transylvanien" (2012) beschert, sondern basiert in der Legende auch auf einem Fürsten, den es Ende des 15. Jahrhunderts tatsächlich gegeben hat. Dieser war der rumänische Woiwode Vlad III. Draculea aus dem Fürstentum Walachei. Er soll ein äußerst grausamer Herrscher gewesen sein, dem man nachsagt, er hätte geradezu sadistische Freude daran gehabt, Menschen zu foltern und zu töten. So gibt es beispielsweise eine Angabe, die ihn in Verantwortung für insgesamt 92.268 Tode sieht. 1897 veröffentlichte Bram Stoker den berühmten Roman "Dracula", der, angeblich durch den Fürsten inspiriert, die Grundlage für alle Verfilmungen wurde. Zu den wichtigsten Darstellungen Draculas gehören jene von Max Schreck (1922), Bela Lugosi (1931), Christopher Lee (1958), Klaus Kinski (1979) und Gary Oldman (1992), in ihrer Zeit alles berühmte Schauspieler. Da nicht ganz sicher geklärt ist, wer die Inspiration für Bram Stokers Schöpfung lieferte, wurde von Kritikern auch laut, dass die Ableitung ebenfalls von der ungarischen "Blutgräfin" Elisabeth Báthory Ende des 16. Jahrhunderts kommen könnte, die als adlige Serienmörderin in die Geschichte einging. Sie fungiert deshalb seither in manchen Fällen als Draculas weibliches Gegenstück.
Quelle: Prana-Film
Szenenbild aus "Nosferatu, eine Symphonie des Grauens"
Jetzt seid ihr dran: Welche Gestalt oder welcher Mythos hätte hier auch eine Nennung verdient? Schreibt uns doch in die Kommentare.
