Was deutsche Komödien falsch machen
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Mit "Kalte Füße" kommt nächste Woche wieder einmal eine deutsche Komödie ins Kino. Diesmal ohne Schweighöfer und Co., aber natürlich mit einer klassischen Verwechslung-Story, die sehr stark an "Fack ju Göhte" erinnert. Wie der neue Film sich machen wird, ist noch unklar, hohe Erwartungen hat man an deutsche Komödien mittlerweile aber nicht mehr. Doch warum haben es heimische Humor-Produktionen vor den Kritikern eigentlich so schwer? Was läuft da falsch?
Am 10. Januar kommt mit "Kalte Füße" ein Film in die Kinos, der sich schon auf den ersten Blick als deutsche Komödie identifizieren lässt. Obwohl der Trailer ziemlich gut wirkt, schraubt man seine Erwartungen inzwischen automatisch wieder etwas herunter. Schließlich ist man in Zeiten von haufenweise mittelmäßigen bis schlechten Komödien aus deutscher Produktion schon gewohnt, dass der neue Film eigentlich wie alle vorherigen ist und die Kritiker alles andere als begeistert sind. Dennoch feiern genau diese Komödien allen voran von Til Schweiger, Matthias Schweighöfer und Co. große Erfolge in ihrem Heimatland, sind im Ausland aber nicht vorzeigbar. Warum ist das so? Können wir Deutschen einfach keine witzigen Filme machen? Haben wir keinen guten Humor? Wir haben uns mal angeschaut, was deutsche Komödien falsch machen.
Flache Charaktere
Die Charaktere sind das A und O eines jeden Films. Man will sich als Zuschauer mit den Figuren identifizieren können, mit ihnen mitfühlen, sie verstehen. Oder man will einem geheimnisvollen Charakter auf die Spur kommen. Das ist in Komödien genauso wichtig wie in jedem anderen Genre auch. Denn ein Film ist nicht nur lustig, wenn man die Charaktere auslachen kann, sondern eher, wenn man MIT ihnen lachen kann. Das scheint die deutsche Filmbranche allerdings noch nicht so ganz verstanden zu haben. Die Figuren in deutschen Komödien sind gerne albern bis lächerlich, wodurch es für den Zuschauer unmöglich wird, sich mit ihnen zu identifizieren. Außerdem scheinen Figuren häufig nicht mehr als ein bis zwei Charaktereigenschaften zu besitzen und nur nach diesen zu handeln, was sie absolut nicht nachvollziehbar macht.
Besonders auffällig ist das z.B. in "Traumfrauen": Abgesehen von Elyas M'Bareks Figur, die etwas vielschichtiger wirkt, gibt es die schräge Überforderte, die selbstbewusste Ungebundene, die nach neuer Liebe suchende Verzweifelte und den eigensinnigen Mistkerl. Til Schweiger gibt in seinen Filmen währenddessen gerne den Macho, dem alle Frauen hinterherlaufen, was ebenso wenig überzeugt wie es Empathie generiert. Dadurch verlässt sich die deutsche Komödie darauf, dass Einfachheit und Albernheit der Figuren das Publikum ausreichend amüsieren - und gibt sich deshalb in Bezug auf die Handlung, die zudem gerne zu einer seltsamen Liebesgeschichte mutiert, deutlich weniger Mühe.
Quelle: Warner
Szenenbild aus "Traumfrauen"
Vorhersehbarer Plot
Betrachtet man die Handlung einer zufällig ausgewählten deutschen Komödie, fällt einem eines sofort auf: Sie kommt einem sehr bekannt vor. Es scheint fast so, als würden deutsche Produktionen das Prinzip "Hast du eine gesehen, hast du alle gesehen" verfolgen. Regisseure und Drehbuchautoren scheinen sich dabei auf der sicheren Seite zu befinden: Sie glauben zu wissen, was gut ankommt, denn was schon einmal funktioniert hat, muss doch auch ein zweites, drittes oder auch ein fünfzehntes Mal klappen. Beispielsweise ein Film wie "Fack ju Göhte", der ein Riesenerfolg in den deutschen Kinos war, bietet sich für solche Nachahmungen an. Wenn dann auch noch die immer gleichen Schauspieler dabei sind, wird es manchmal schwierig, die Filme überhaupt noch auseinander zu halten. So geben die Stories an sich keinen Anlass, länger über sie nachzudenken oder sich gar an ihrer zu erinnern. Noch schlimmer: Man hat die Hälfte schon wieder vergessen, bevor überhaupt das Licht im Kino wieder angeht.
Vor allem meiden deutsche Produktionen das uns vor allem durch amerikanische Produktionen bekannte Prinzip "bigger than life". Die deutsche Komödie will unbedingt glaubwürdig und authentisch sein, das deutsche Publikum im Speziellen ansprechen und mitfühlen und mitlachen lassen. Leider wirkt sie dadurch oft platt und langweilig. Der Zuschauer wird nicht in eine andere Welt mitgenommen, sondern findet sich in einer abgewandelten und stark vereinfachten und veralberten Version seines Alltags wieder. Das bietet zu wenig.
Quelle: Constantin
Szenenbild aus "Fack ju Göhte"
Spezieller Humor
Ach ja, der gute deutsche Humor! Woran liegt es, dass der Witz der meisten deutschen Komödien einfach zum Zähneknirschen ist? Wirklich schwarze, selbstironische Komödien aus unserem Heimatland gibt es kaum. Stattdessen sind die Scherze oft vulgär, auf Klischees basierend oder unter der Gürtellinie, statt Ironie und Sarkasmus oder komische Alltagssituationen zu verwenden - Gefahr laufend, dass diese fehlinterpretiert werden.
Dabei sieht man doch an der auch in Deutschland großen Beliebtheit von beispielsweise französischen Komödien wie "Ziemlich beste Freunde", dass Humor nicht immer politisch korrekt (deswegen aber nicht gleich rassistisch oder sexistisch) oder direkt und wortwörtlich sein muss - was auch zeigt, dass Deutsche diese Art von Humor grundsätzlich durchaus verstehen. Anscheinend müssen wir uns aber auch einfach damit abfinden, dass wir Deutschen die meiste Zeit lieber über statt mit anderen lachen und uns liebend gern über Figuren lustig machen, statt uns in sie hineinzuversetzen.
Quelle: Senator
Szenenbild aus "Ziemlich beste Freunde"
Klar muss man stets bedenken, dass der deutschen Filmbranche ganz andere Summen zur Verfügung stehen, als großen Hollywoodproduktionen. Andererseits sprechen wir hier ja nicht von spektakulär inszenierten Sci-Fi- und Fantasyfilmen, die oft ein besonders hohes Budget benötigen. Das wäre wieder eine ganz andere Kategorie, denn an solche Produktionen wagen sich deutsche Filmemacher kaum und bleiben stattdessen lieber beim - mehr oder weniger - Altbewährten. Dass die vielen deutschen Komödien von Schweiger, Schweighöfer und Co. keinen Erfolg hätten, kann man zudem nicht behaupten. Da spielt ein "Klassentreffen 1.0" an einem Wochenende in Deutschland gut und gerne mal nur ein bisschen weniger ein als Filme wie "A Star Is Born". Gleichzeitig gehen zugunsten solcher deutscher Komödien Produktionen wie "Spider-Man: A New Universe", die in Übersee gefeiert wurden, bei uns komplett unter.
Was ist also das Problem?
Doch warum regen wir uns dann eigentlich darüber auf? Schließlich hat genau dieses Schema Erfolg und erreichen eine gewisse Zielgruppe, die weiß, was sie erwartet, und damit völlig zufrieden ist. Und diese Deutschen rennen in Scharen in die Kinos. Aber gleichzeitig werden die flachen Komödien zuhauf kritisiert und verlacht. Da scheint das deutsche Publikum tatsächlich gespalten: Die einen wollen den gewohnten, anspruchslosen Humor genau so, wie er ist, die anderen fühlen sich davon gar nicht angesprochen und fordern mehr Anspruch, Tiefe und eine Story zum Nachdenken. Ein unüberwindbarer Abgrund, möchte man meinen. Doch "Ziemlich beste Freunde" beweist, das diese zwei Interessen vereinbar sind: Über acht Millionen Deutsche konnte die französische Komödie in die deutschen Kinos locken und hat es damit geschafft, beide Seiten zu begeistern.
Und es gibt Hoffnung, denn in letzter Zeit entstehen wieder zunehmend sehenswerte deutsche Filme, wenn auch (noch) selten aus dem Genre Komödie. Auch an Serien wie "Dark" oder "Babylon Berlin" wird deutlich, dass Deutschland beginnt - vor allem dank Streamingdiensten wie Netflix und Co. - langsam etwas Hochwertigeres zu produzieren. Würde man sich in Bezug auf Filme und vor allem Komödien endlich mal weiterentwickeln, hätte die bei vielen schon längst abgeschriebene deutsche Filmbranche vielleicht doch noch Potential zur Verbesserung. Hintersinnige Komödien wie "Willkommen bei den Hartmanns" und "25 km/h" haben es vorgemacht. Nun gilt es, darauf aufzubauen.
