Ruf ruiniert? Diesen Denkzettel wird Disney nicht so schnell vergessen!
Kolumne
In seiner Kolumne hofft unser Autor, dass Disney künftig wieder mehr Vertrauen in das Kino setzen wird.
Es läuft nicht rund bei Disney. Die Sparte der Familienfilme tut sich in den letzten Jahren schwer. Flops an den Kinokassen und strategische Fehler mit dem hauseigenen Streaming-Dienst Disney Plus setzen unter anderem die legendären Pixar-Studios (Findet Nemo, Toy Story, Cars) schwer unter Druck.
So ruiniert Disney den eigenen Ruf und den von Pixar gleich mit
Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen bedeuteten insbesondere für den Disney-Konzern einen harten Einschnitt. Vergnügungsparks wie Disneyland mussten geschlossen werden und die Kinos hatten ebenfalls zu oder durften nur mit einem limitierten Kontingent an Sitzplätzen operieren. Die Lösung schien zum Greifen nahe: Indem man insbesondere Kino-Produktionen der Familien-Sparte zügig auf dem hauseigenen Streaming-Dienst Disney Plus veröffentlicht, erhoffte man sich einen entscheidenden Vorteil gegenüber Konkurrenten wie Netflix oder Amazon Prime. Ein Plan, der nach hinten losging. Disney Plus macht bis zum heutigen Tag immer noch horrende Verluste und der Ruf von Pixar und Co. scheint ruiniert.
Während Konkurrent Illumination mit Sing 2 (408 Millionen US-Dollar Umsatz) und Minions - Auf der Suche nach dem Mini-Boss (940 Millionen US-Dollar Umsatz) auch während der Pandemie große Erfolge feierte, impfte der Micky Maus-Konzern dem Publikum regelrecht ein, dass die eigenen Kino-Produktionen sowieso bald als Stream erhältlich sein werden. Wieso also noch Geld in eine Kinokarte investieren, wenn der entsprechende Film sowieso zeitnah "gratis" auf Disney Plus erscheint?
Schaden Streaming-Dienste wie Netflix, Disney Plus & Co. dem Kino?
Dieses Experiment auf dem Rücken der Kinobetreiberinnen und Kinobetreiber ging allerdings nach hinten los. Nachdem nicht nur Pixar, sondern auch die legendären Walt Disney Animation Studios in den letzten Monaten und Jahren diverse Flops zu verkraften hatten, scheint Folgendes klar: Das Geschäft mit dem Streaming ist ein zweischneidiges Schwert und weit davon entfernt, die eierlegende Wollmilchsau zu sein.
Während Disney Plus anhaltend für Milliarden-Verluste sorgt, untergräbt man mit einer zu schnellen Veröffentlichung von Leinwand-Produktionen als Stream das eigene Geschäft mit den Kinofilmen sowie den Umsatz der wichtigsten Verbündeten am Boxoffice: die Kinobetreiberinnen und Kinobetreiber. Eine Sackgasse, aus der sich Disney hoffentlich so schnell wie möglich, beispielsweise mit dem nächsten großen Weihnachtsfilm, wieder herausmanövrieren wird.
Bei Elemental bewies man mehr Geduld. Der neue Pixar-Film startete erschreckend schwach und galt bereits als sicherer Flop. Doch die Verantwortlichen von Disney widerstanden der Versuchung, den Kinofilm schnellstmöglich auf Disney Plus zu veröffentlichen. Elemental berappelte sich, spielte fast 500 Millionen US-Dollar ein und wurde auch auf Disney Plus ein riesiger Erfolg.
Ob der Ruf Disneys und insbesondere der von Pixar rasch wieder hergestellt werden kann, ist fraglich. Mittlerweile dürfte man in den Führungs-Etagen des Micky Maus-Konzerns jedoch verstanden haben, dass Streaming-Dienste dem Kino unheimlich schaden können, die beiden Medien sich aber auch wunderbar ergänzen. Zumindest, wenn man den Filmen auf der großen Leinwand ausreichend Luft zum Atmen schenkt und dem Publikum die Möglichkeit einräumt, die Produktionen dort zu erleben, wo sie hingehören: ins Kino.
