Ich habe den "wichtigsten Film des Jahres" im Kino geschaut - und bin schockiert

Kolumne Johannes Gehrling
Ich habe den "wichtigsten Film des Jahres" im Kino geschaut - und bin schockiert
Quelle: A24

Diesen Kinobesuch wird unser Autor so schnell nicht vergessen.

Wie schafft es ein Kinofilm, sich den Titel als "wichtigster Film des Jahres" zu erarbeiten? In diesem Fall ist die Sache klar: Eine furchtbare Realität eindrucksvoll zur Schau stellen, die von unserer echten Welt gefühlt nur ein paar Jahre entfernt ist. Ich habe mir den "wichtigsten Film des Jahres" am Wochenende im Kino angeschaut und wurde nicht enttäuscht. Ein großartiger Film, der nur schwer zu verdauen ist.

Der "wichtigste Film des Jahres" mit Megastar-Aufgebot

Schon ein früherer Film von Regisseur Alex Garland gehört für mich zu den besten Streifen aller Zeiten: Ex Machina.

Diesmal hat der britische Filmmacher mit Wagner Moura (Pablo Escobar in Narcos), Kirsten Dunst (u.a. Spider-Man), Cailee Spaeny (Alien: Romulus, Priscilla) und Stephen Henderson (u.a. Dune und Dune 2) in den Hauptrollen ein echtes Megastar-Feuerwerk im Gepäck.

Doch bei Civil War geht es nicht um Helden, sondern um eine abscheuliche Realität, die der unseren erschreckend ähnlich sieht.

Erschreckend realistisch: Brutaler Bürgerkrieg in den USA

In Civil War ist in den USA ein Bürgerkrieg ausgebrochen, der im ganzen Land wütet. Ausgangspunkt sind die sogenannten "Western Forces", das sind Kalifornien und Texas. Die beiden unerwarteten Verbündeten haben ein gemeinsames Ziel: Washington. Genau genommen, niemand Geringeren als den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika zu töten.

Was genau passiert ist, dass ausgerechnet die so ungleichen US-Staaten Kalifornien und Texas zu Verbündeten wurden? Diese Frage bleibt bei Civil War offen. Warum es zu einem Bürgerkrieg kam, ist dafür klar: Die Spaltung der US-Gesellschaft ist weiter vorangeschritten und letztendlich eskaliert.

Ein Szenario also, dass hier und jetzt, in unserer Realität und Zeit, leider nicht mehr weit hergeholt wirkt. Der Film von Alex Garland begleitet eine Gruppe von Journalisten auf ihrer Reise durch die USA im Bürgerkrieg mit Ziel Washington, Weißes Haus.

Auf dieser Reise wird die Gruppe mit all den Abscheulichkeiten und der immensen Gewalt und Brutalität eines Bürgerkriegs konfrontiert - und auch wir, das Kinopublikum. Civil War ist ein super Film, aber auch schwer zu ertragen. Und dafür gibt es einen guten Grund.

Der "wichtigste Film des Jahres" ist super, aber nur schwer zu ertragen

Civil War ist nämlich durch seine direkte Nähe zu unserer Realität unheimlich glaubhaft. Alles, was im Film passiert, ist ein durchaus denkbares Szenario für die nähere Zukunft der Vereinigten Staaten von Amerika.

Zwangsläufig kamen mir Bilder vom Sturm auf das Kapitol in Washington vor rund drei Jahren in den Kopf. Civil War wirkt wie die logische Weiterführung dieses ungeheuerlichen Angriffs auf das Herz der ältesten Demokratie der Welt.

Dazu kommt eine Art von Brutalität, die für mich gut nachvollziehbar ist, weil sie von gewöhnlichen Menschen ausgeübt wird. Das macht die Gewalt an einigen Stellen geradezu unerträglich. Die Motive sind simpel, aber echt: Rassismus, Rache, blanke Not.

Getoppt wird die Qualität des Films außerdem von einem genialen Timing, dass die Szenen umso eindrucksvoller macht. Auch in einem Bürgerkrieg gibt es ruhige Momente, die sich fast schon nach Normalität und Frieden anfühlen. Umso heftiger ist dann die urplötzliche und unerwartete Rückkehr der kriegerischen Realität.

Sollte man den "wichtigsten Film des Jahres" gesehen haben?

Sollte man Civil War gesehen haben?

Wer über 16 Jahre alt (und in einem mental stabilen Zustand) ist, sollte Civil War nicht im Kino verpassen. Der Film ist extrem spannend, aber auch schwer zu ertragen. Der wichtigste Film des Jahres? Bisher ja - und ich bezweifle, dass dieses Jahr noch ein Streifen mit mehr Relevanz über die Leinwände flimmern wird.

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