Kingdom Come: Deliverance-Kolumne zum Speichersystem - Warum automatische Savegames beim Beenden ein Segen sind!

Kolumne Peter Bathge
Kingdom Come: Deliverance-Kolumne zum Speichersystem - Warum automatische Savegames beim Beenden ein Segen sind!
Quelle: PC Games

Jetzt geht's endlich los: Redakteur Peter Bathge rüstet sich fast zwei Monate nach Release für das gepatchte Mittelalter-Rollenspiel Kingdome Come: Deliverance. In seiner Kolumne erklärt er, auf welches Feature er so lange gewartet hat: das automatische Speichern beim Beenden. Denn eine komfortable Savegame-Funktion gehört für ihn bei aktuellen Videospielen zum guten Ton. Stimmt ihr zu? Schreibt uns eure Meinung in den Kommentaren!

Ich mag es nicht, wenn Spiele meine Zeit verschwenden. Kingdom Come: Deliverance (jetzt kaufen ) war bei Release ein teuflischer Zeitschinder. Und ich rede nicht von dem gewaltigen Umfang des Rollenspiels! Wie schon damals in unserem Kingdom Come-Test bemängelt, litt das Mittelalter-Abenteuer aus Tschechien trotz Day-One-Patch unter zahlreichen Bugs. Mehr oder weniger schlimme Glitches sorgten mal für heitere Grafikfehler, mal für ärgerliche Quest-Sackgassen. Ging in einer solchen Situation gar nichts mehr, half nur das Neuladen des Spielstands. Wohl dem, der zuvor regelmäßig gespeichert hat! Doch das ist bei Kingdom Come: Deliverance bekanntlich gar nicht so einfach, denn Freies Speichern gibt's im selbst ernannten Hardcore-RPG nicht. Und das regt mich auch jetzt noch tierisch auf.

Kingdom Come-Speichersytem: Schnaps und Autosaves

Der Reihe nach: Kingdom Come hat sich gut verkauft und ist in kürzester Zeit zu einem Kult-Hit unter Rollenspielkennern avanciert, auch und vor allem in Deutschland, wo man nicht ganz perfekte RPG-Kost wie die Spiele von Piranha Bytes gewohnt ist (siehe den Elex-Test). Inzwischen ist mit Patch 1.4 der bisher wohl umfangreichste von mehreren unter Hochdruck veröffentlichten Updates erschienen und Kingdom Come: Deliverance ist so gut spielbar wie nie zuvor seit dem Verkaufsstart Ende Februar 2018. Zeit also auch für mich, endlich ins mittelalterliche Böhmen abzutauchen - doch das wird mir immer noch nicht allzu leicht gemacht.

Dass mir schwere Spiele nicht immer zusagen, habe ich in der Vergangenheit hinreichend ausgeführt. Aber wenn ich Spaß an einem Spiel wie XCOM 2 habe, bin ich bereit, mich durchzubeißen, wo andere schon längst das Handtuch geworfen haben. Nur eines kann ich nicht akzeptieren: Wenn nicht Balance oder Zufallsfaktor für Frust beim Spielen sorgen, sondern Aspekte wie Steuerung, Interface - oder Speichersystem. Die Art, wie in Kingdom Come: Deliverance mit Savegames umgegangen wird, empfinde ich als Gängelung.

Zwar gibt's seit Patch 1.3 Gott sei Dank endlich die automatische Speicherfunktion beim Beenden des Spiels - aber dass die Entwickler zuvor überhaupt auf die Idee kamen, etwas so Fundamentales wie das Sichern des Spielfortschrittes derart umständlich zu gestalten, lässt mich an der geistigen Gesundheit der Mitarbeiter von Warhorse Studios zweifeln. Wer Kingdom Come vor dem Update auf Version 1.3 und ohne Speicher-Modifkation angegangen ist, durfte doch tatsächlich nur beim Schlafen in bestimmten Betten speichern oder durch das Nuckeln an einer Flasche Speicherschnaps. War weder eine weiche Matratze noch eine Pulle Hochprozentiges zur Hand, musste man auf die weit auseinander liegenden automatischen Speicherpunkte beim Abschluss von Quests vertrauen. Geht's noch?

Unterbrechungen beim Spielen sind allgegenwärtig, man hat mal einen Termin oder muss aus einem anderen Grund den Rechner ausstellen. Der eine oder andere ältere Zocker muss sich um seinen Nachwuchs kümmern, der nächste hat einfach keine Muße mehr für stundenlange Spiele-Sessions am Stück und will nur mal fix 20 Minuten lang ein paar Banditen kurz und klein schlagen. Flexible Spielezeiten sind heutzutage nichts Ungewöhnliches - und in einem solchen Fall halte ich es für selbstverständlich, dass mein bis dahin erzielter Fortschritt im Spiel gespeichert wird und ich beim nächsten Spielstart nicht bereits erledigte Aufgaben wiederholen muss.

Kingdom Come: Deliverance Quelle: PC Games Wenn ich unterschiedliche Quest-Entscheidungen ausprobieren möchte, hilft ein nicht allzu weit zurückliegender Speicherpunkt. Wie wichtig das Speichern und wie nervig ein Einschränken dieser Funktion sein kann, wird besonders dann deutlich, wenn entweder Bugs ein Weiterkommen unmöglich machen - oder ich auf andere Weise im Spiel auf ein unüberwindbares Hindernis treffe. Simples Beispiel: Mein Charakter erlebt einen verfrühten Bildschirmtod, weil ich in einem Schwertkampf nicht aufgepasst oder mich einfach mit einem zu starken KI-Gegner angelegt habe.

In Kingdom Come kann das auch mit Patch 1.4 noch im wahrsten Sinne des Wortes fatale Folgen haben: Zwar erholt sich Protagonist Henry von seinem vorzeitigen Ableben wieder, doch auf den Respawn am letzten Speicherpunkt folgt unter Umständen der große Ärger beim Spieler, wenn sich heraustellt, dass die letzten 30 Minuten Spielzeit für die Katz waren.

Das ist beim Kingdom Come: Deliverance für mich besonders nervig, weil ich in Rollenspiele gerne Sachen ausprobiere. Hier eine Quest-Entscheidung anders treffen, dort einen älteren Spielstand laden, nachdem ich es mir aus Versehen mit einem NPC verscherzt habe. In RPGs speichere ich gerne und oft. Mit dem Speicherschnaps, der gerade zu Anfang sehr teuer ist (später ist er zum Glück leichter zu beschaffen), schränkt mich Kingdom Come: Deliverance in meiner Freiheit ein, die Welt und das Spiel so zu erleben, wie ich das möchte. Klar, Fans werden jetzt sagen, das ist ja gerade das Tolle am Spiel: Man muss sich drauf einlassen, die Ecken und Kanten akzeptieren, sich mit den Unzulänglichkeiten arrangieren. Normalerweise (etwa bei Piranha-Bytes-Spielen wie dem artverwandten Elex) bin ich dieser Ansicht nicht abgeneigt. Aber wenn es um etwas so Elementares wie das Speichersystem geht, hört für mich der Spaß auf. Das ist so, als müsste ich einen Ego-Shooter mit invertierter Steuerung spielen oder das neueste God of War ohne Grafik.

Damit wir uns verstehen: Ich brauche nicht unbedingt ein Quicksave oder Checkpoints alle paar Sekunden, so wie etwa Open-World-Spiele à la Assassin's Creed Origins meinen Fortschritt konstant speichern. Aber begrenzte Speicherslots, wenn auch mit Ingame-Erklärung? Das ist aufgesetzter Blödsinn und Umständlichkeit der Umständlichkeit willen. Sorgt das für mehr Spielspaß? Nein. Wird Kingdom-Come-Spielern, die das begrenzte Savegame-Feature feiern (und die gibt es, ehrlich!) etwas weggenommen, wenn ich jederzeit im Menü speichern könnte? Nein.

So unbequem wie vor 20 Jahren

Normalerweise hätte Entwickler Warhorse Studios beim Blick in die Vergangenheit ja auf ausreichend Beispiele dafür stoßen können, dass ich mit meiner Abneigung gegenüber künstlich beschränkter Speicherfunktionen nicht alleine bin. Die breite Kritik an Kingdom Come: Deliverance kam für mich jedenfalls nicht unerwartet. Freies Speichern oder zumindest regelmäßige Autosaves sollten heutzutage eine Selbstverständichkeit sein. Bei aller teils berechtigter Angst vor dem Casual-Wahn moderner Videospiele: Manch eine Komfortfunktion will ich nicht mehr missen - die Schreibmaschinen aus Resident Evil oder die völlig fehlende Speicherfunktion in Giants: Citizen Kabuto dagegen dürfen meiner Meinung nach gern der Vergessenheit anheim fallen. Kingdom Come: Deliverance steht für mich in einer Reihe mit solchen verunglückten Speichersystem-Fails - neben Nier: Automata.

Wie ärgerlich es sein kann, wenn ein Spiel mit der Speicherfunktion experimentiert, zeigt das japanische Action-Rollenspiel mit der sexistischen Frauendarstellung. Denn in den ersten 30 Minuten speichert das Spiel nicht einmal - weder vor noch während des ersten Bosskampfs, der den Endpunkt des Tutorial-Levels darstellt. Wer bei diesem ersten kniffligeren Gefecht den virtuellen Löffel abgibt, wundert sich: Er darf noch einmal ganz von vorne anfangen. So sackt die Motivation natürlich gleich zu Beginn ins Bodenlose ab; eine dämliche Mechanik versaut einem nicht unerheblichen Prozentsatz der Spieler von Anfang an den Spaß am Spiel. Und Kingdom Come: Deliverance machte es zumindest vor den Patches nicht viel besser, in der Zeit um den Release hörte ich Tester Felix Schütz mehr als einmal über den flöten gegangenen Spielfortschritt fluchen. Dass Kingdom Come inzwischen wenn auch kein Freies Speichern anbietet so doch zumindest beim Beenden ein Savegame anlegt, hat mich nun doch davon überzeugt, dem Rollenspiel ein Plätzchen auf meiner Festplatte freizuräumen. Dank der reingepatchten Speicher-Funktionalität verspricht das jetzt endlich weder Platz- noch Zeitverschwendung zu sein.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk