Killer 7

Test

Capcom lotet die Grenzen Ihrer Toleranz aus: Ein derart abgedrehtes Spiel haben Sie noch nie gesehen -- aber macht's auch Spaß?

B unte Zeichentrickgrafik bringt erwachsene Zocker meist schon im Vorfeld zum Gähnen: "Alles Kinderkram!", lautet die landläufige Meinung zur stilisierten Malbuchoptik. Mit dem Erscheinen von "Killer 7" wird diese These widerlegt. Trotz der auf den ersten Blick jugendlichen Verpackung geizt das Spiel nicht mit Gewalt und sexuellen Anspielungen. Ein Wolf im Schafspelz? Plumpe Provokation oder Geniestreich mit viel Grips? Auf dem VGA-Prüfstand wird die Software-Skandalnudel gnadenlos durchleuchtet.

STORY: Weil die Geschichte von "Killer 7" selbst Philosophen vor Rätsel stellt, beschränken wir uns auf das Wesentliche: Dauergrinsende Kerle namens "Heaven Smile" bedrohen die Menschheit. Nur ein Mann kann den Aufmarsch der Lachsäcke stoppen: Harman Smith -- und der sitzt im Rollstuhl! Zum Glück spuken im Oberstübchen des alten Herrn sieben imaginäre Persönlichkeiten (daher "Killer 7") herum, die sich bei Bedarf herbeirufen lassen und sodann als Spielfigur fungieren. Sie verstehen nur Bahnhof? Nicht schämen -- uns gings anfangs auch nicht anders.

SPIEL: Ist schon die Handlung reichlich unkonventionell, präsentiert sich die Steuerung noch weitaus exzentrischer: Ihre mordenden Sieben wandeln nämlich auf vorgegebenen Schienen durch die 3D-Levels. Auf Knopfdruck Gas geben, an Abzweigungen eine Richtung wählen -- das war's dann schon mit der Bewegungsfreiheit

Einzig die Schießereien bringen etwas Steuerungs-Selbstständigkeit ins starre Konzept: Sobald ein Schurke aufkreuzt (zu erkennen am penetranten Gelächter), schalten Sie in die Ego-Ansicht und pumpen den Möchtegern-Clown voller Blei. Ihr Lohn: Sprudelnder Lebenssaft, den Sie beim Blut-Bankier gegen diverse Charakter-Aufwertungen eintauschen.

Abgerundet wird der irre Reigen von ebenso grotesken Puzzles: Mal sagen Sie den Zieleinlauf eines Pferderennens voraus, mal beantworten Sie die Fragen eines irren Afro-Terroristen.

FAZIT: Was zur Hölle geht hier vor? Wer "Killer 7" in seine Konsole legt, sollte sich auf ein verstörendes Erlebnis gefasst machen. Immer an der Grenze zwischen schockierend und faszinierend, bohrt sich das originelle Comic-Unikat ganz tief in Ihre Gehirnwindungen. Umso trauriger, dass einige Elemente schlichtweg peinlich sind: Nervtötende Bosskämpfe und diverse unfaire Stellen stören die Videospiel-Vision empfindlich. Dennoch: Alle aufgeschlossenen Zocker müssen "Killer 7" gesehen haben.TK

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