KeyWe im Test: Superputziger Puzzler mit kleinen Schwächen
Test 5,69 €
Mit KeyWe bringen Stonewheat & Sons und Sold Out ein neues Koop-Spiel auf PC und Konsolen, in dem ihr zwei Kiwis steuert, die in einem Telepostamt Aufgaben erledigen und Rätsel lösen. Wir haben den Titel getestet und klären euch im Folgenden auf, ob uns das niedliche Postvogel-Abenteuer überzeugen konnte, oder ob hinter der süßen Fassade eine Enttäuschung schlummert.
Overcooked, A Way Out, It Takes Two und Co. - es gibt viele tolle Koop-Spiele, mit denen man sich die Zeit vertreiben kann. Meistens sitzt man dabei zu zweit nebeneinander auf der Couch und versucht durch Absprache und Koordination, ein bestimmtes Ziel zu erreichen oder Rätsel zu lösen. So haben wir in den genannten Spielen etwa Burger gebraten oder sind aus dem Gefängnis ausgebrochen.
Wir können uns nicht daran erinnern, schon einmal kooperativ ein Postamt geleitet zu haben. Diese Lücke füllt nun KeyWe. Noch nicht ungewöhnlich genug? Nun, wir steuern nicht Menschen, sondern Kiwis; nicht die leckeren Früchte, sondern die flugunfähigen, kleinen Vögel aus Neuseeland. Ihr seid übrigens nicht die einzigen Tiere im Postamt, ein Kollege ist etwa ein Oktopus. Warum auch nicht!
Ob das - Achtung, Wortwitz! - vogelwilde Abenteuer auch was taugt, lest ihr in unserem Test.
Auf dieser Seite
Ab geht die Post!
Quelle: Stonewheat & Sons
Pflanzen wollen euch von der Arbeit abhalten.
Den fleißigen Vogelbeobachtern und Vogelforschern unter euch wird bekannt sein, dass die Anatomie der Nationaltiere Neuseelands schwer mit der des Menschen zu vergleichen ist. Ohne Hände Briefe zu verschicken, könnte sich nämlich als kompliziert herausstellen. Also benutzen wir stattdessen den Schnabel, um Briefe aufzupicken und allerlei andere Aufgaben zu erledigen.
Anders als man vielleicht vermuten könnte, handelt es sich bei KeyWe aber nicht um eine Koop-Geschicklichkeitssause à la Overcooked, zumindest nicht ausschließlich. Ja, man muss rasch reagieren und Fehler werden bestraft. Zusätzlich gilt es aber, im Rahmen eines Zeitlimits Rätsel zu lösen, oft solche, die auf Wortspiele und das richtige Zusammensetzen von Sätzen, ähm setzen.
Dabei fallen die verschiedenen Aufträge nicht unbedingt vielfältig aus. Wir tippen beispielsweise Nachrichten in die Schreibmaschine, entnehmen Briefen, mit welchen Plaketten diverse Pakete ausgestattet werden müssen, oder setzen eben Wortschnipsel zu Sätzen zusammen.
Im Singleplayer kontrolliert man beide Kiwis gleichzeitig oder wechselt per Knopfdruck von einem zum anderen. Beides ist nicht optimal und gerade wenn einem die Zeit wegläuft, wäre es gut zu wissen, welchen Vogel man gerade eigentlich steuert. Wenn man dann das hundertste Mal vom Tisch fällt, kann das schon frustrierend werden.
Arbeitsroutine
Quelle: Stonewheat & Sons
Da eure Vögel nicht fliegen können, muss der Fallschirm herhalten.
Im Grunde wiederholen sich alle Aufgaben zwar immer wieder, sie werden aber durch zusätzliche Elemente immer anspruchsvoller. Fliegende Käfer - ekelhafte Viecher! - klauen euch beim Schnipsel-Minispiel die Wörter, oder statt einer müsst ihr gleich zwei Nachrichten gleichzeitig verfassen. Wirklich innovativ ist das nicht und wenn eine quasi identische Aufgabe schon zum dritten Mal auf dem Arbeitsplatz im Postamt liegt, wo wir die Levels starten, sorgt das schon mal für Augenrollen.
Leider werdet ihr öfter scheitern, als euch lieb ist, und das nicht unbedingt wegen der Kopfnüsse, die übrigens nicht sonderlich kompliziert sind. Stattdessen liegt's an der doch sehr häufig knapp bemessenen Zeit, aber noch öfter an der ungünstigen Perspektive. Dann denkt man etwa, man steht gerade auf dem Gerät, mit dem man Wörter zerschneiden kann (ja, realistisch geht es in diesem Postamt nicht zu), fällt stattdessen aber vom Tisch, weil man einfach nicht genau gesehen hat, was da gerade vor einem passiert.
Nachts im Büro
Am meisten Spaß machen die Überstunden im Postamt; kleine Minispiele, in denen man kosmetische Items oder Sammelobjekte freischalten kann. Hier füttert ihr dann zum Beispiel die ebenfalls flugunfähigen Kasuare, veranstaltet eine Schneeballschlacht oder nehmt an einem Hürdenlauf teil. Hier variieren die Herausforderungen deutlich mehr als während der eigentlichen Postarbeit. Mit jedem abgeschlossenen Arbeitstag verdient ihr Briefmarken. Wie viele, hängt davon ab, wie schnell ihr die Rätsel löst. Die Marken können in das Aussehen eurer Vögel investiert werden, indem ihr sie mit Brillen, Hüte, Rucksäcke und sogar Gefiederfarben ausstattet. Einen spielerischen Mehrwert bieten diese Schmückereien zwar nicht, aber es sieht einfach niedlich aus, wenn Jeff und Debra (ja, die Kiwis haben Namen) mit übergroßen Retro-Brillen durch das Postamt hüpfen.
Quelle: Stonewheat & Sons
Individualisiert eure Kiwis.
Sommer, Herbst, Winter
Ab einer bestimmten Anzahl an abgeschlossenen Rätseln ändert sich die Jahreszeit. Sommer, Herbst und Winter unterscheiden sich nicht nur bezüglich des Designs der Levels, sondern auch hinsichtlich des Schwierigkeitsgrades. Denn die Jahreszeiten haben spielerische Auswirkungen. Wind trägt eure Wortfetzen davon, Fließbänder frieren ein und müssen aufgetaut werden, oder eure Piepmätze versinken nach einem Sandsturm im Sand. Ganz schön intensive Wetterschwankungen!
Quelle: Stonewheat & Sons
Im Postamt spukt es.
An Feiertagen wie Halloween und Weihnachten ist das Postamt süß geschmückt und es warten spezielle Aufgaben auf euch. Statt Paketen hantierten wir dann mit Keksen, solche eigentlich nur optischen Unterschiede sind aber leider schon das Höchste der Gefühle.
Es macht Spaß, die Auswirkungen der verschiedenen Jahreszeiten zu erleben. Dieser Spaß wandelt sich jedoch oftmals in Frust um, wenn zum Beispiel innerhalb von drei Sekunden, nachdem man den Arbeitsplatz von Eis befreit hat, bereits neues Eis ansetzt. Gerade im Singleplayer-Modus kann das sehr nervig werden.
Ein Kiwi kommt selten allein
KeyWe (jetzt kaufen 16,55 € / 5,69 € ) ist klar für zwei Spieler ausgelegt, und so sollte man es auch erleben. Jeder Spieler übernimmt dabei die Kontrolle über einen der beiden Vögel. Dadurch fällt viel des Frustes weg, den die Einzelspieler-Steuerung mit sich bringt; Probleme wie die ungünstige Perspektive und die knappen Zeitlimits bleiben aber.
Wirkliche Bugs gab es während unseres Spieldurchlaufs glücklicherweise nicht, kleinere Fehler wie an Kanten festhängende Pakete trübten das Spielerlebnis dankenswerterweise kaum. Ein anderer Makel sorgte da schon für deutlich mehr Ärger.
Quelle: Stonewheat & Sons
Kasuare Füttern gehört zu den lustigsten Minispielen.
Sofern ihr der englischen Sprache mächtig seid, empfehlen wir es dringend, auf Englisch zu spielen. Nicht, weil die deutsche Fassung schlecht vertont ist, sondern weil wir ab einem gewissen Zeitpunkt im Spiel ihretwegen nicht mehr weiterkamen. In einem der Wortschnipsel-Rätsel wurden gewisse Fetzen an der falschen Stelle zerschnitten und es war uns deswegen nicht möglich, den Level zu beenden. Der nächste Patch soll dieses Problem zwar beheben, bis dahin legen wir euch aber die englische Version ans Herz.
KeyWe ist am 31. August für PC und Nintendo Switch erschienen. Versionen für PS5, PS4, Xbox Series X/s und Xbox One folgen in absehbarer Zeit.
