Judgment im Test: Spannender Detektiv-Thriller der Yakuza-Macher
Test
In Japan erschien Judgment schon ende letzten Jahres, doch nun hat der Detektiv-Thriller der Yakuza-Macher auch endlich seinen Weg nach Europa gefunden. Sogar mit englischer Sprachausgabe und deutschen Untertiteln! Wir haben das Action-Adventure von Sega und Ryu Ga Gotoku Studio gespielt und verraten euch in unserem Test, warum uns Judgment begeisterte.
Mehr Arbeit durch gute Taten
Auch abseits der Hauptstory gibt es natürlich viele Beschäftigungen in Kamurocho. Genau wie in der Yakuza-Reihe warten wieder allerhand Aktivitäten auf euch. So könnt ihr beispielsweise ein Kasino aufsuchen, um dort Poker und Blackjack zu spielen, oder in eine Kneipe gehen und verschiedene Darts-Varianten ausprobieren. Zudem gibt es natürlich wieder eine Baseball-Anlage, wo ihr Homeruns trainiert. Auch die Sega-Spielhallen sind wieder am Start. dort dürft ihr alte Sega-Arcade-Klassiker zocken. Unter anderem dürft ihr euch dort in Virtua Fighter 5: Final Showdown prügeln.
Judgment im Test
Quelle: PC Games
Zahlreiche Nebenaktivitäten wie Darts, Baseball, Poker, Sega-Retro-Games, Drohnenrennen und sogar ein VR-Brettspiel warten in Kamurocho auf euch.
Zu aus Yakuza bekannten Aktivitäten gesellen sich nun auch Drohnenrennen und ein VR-Brettspiel. Keine Sorge, für Letzteres braucht ihr nicht selbst eine VR-Brille, nur Yagami taucht ab in die virtuelle Realität. Für die Drohnenrennen dürft ihr euer Fluggerät sogar aufmotzen und verbessern. Zudem trefft ihr in Kamurocho wieder auf einige Single-Damen, die ihr daten könnt. Steigt ihr in der Gunst einer Frau (Tipp: Schmuck kaufen), wird sie vielleicht sogar zu Yagamis fester Freundin. Auf dem Weg zur Beziehung mit der jeweiligen Dame erlebt ihr sogar kleine Storys.
Überhaupt erwarten euch einige interessante Geschichten, wenn ihr die Welt etwas erkundet. Wenn ihr nicht gerade mit dem Hauptfall beschäftigt seid, dürft ihr nämlich auch Nebenfälle annehmen und zusätzliches Geld verdienen. Job-Angebote findet ihr in Yagamis Wohnung, seiner ehemaligen Kanzlei und in seiner Stammkneipe. Die Menge an verfügbaren Jobs hängt jedoch von Yagamis Ruf in Kamurocho ab. Mit vielen Leuten aus Kamurocho könnt ihr euch nämlich anfreunden, indem ihr kleine Sidequests abolviert. Die Angestellten im Laden sind beispielsweise glücklich, wenn ihr genug Geld dort ausgebt, und ein Katzen-Blogger fragt euch, ob ihr ihm Bilder von Streunern schicken könnt. Helft ihr den Bürgern, werden sie zu Freunden, euer Ansehen in Kamurocho steigt und damit auch die Anzahl der Nebenjobs.
Quelle: PC Games
Natürlich dürft ihr auch wieder auf Partnersuche gehen und einige Frauen aus Kamurocho auf Dates in verschiedenen Etablissements ausführen.
Die Nebenfälle machen auch richtig viel Spaß, da ihr hier quasi auf alles gefasst sein müsst. So ernst die Hauptstory von Judgment auch ist, in den Nebenfällen lassen die Entwickler ihrem Humor freien Lauf. Natürlich gibt es auch normale Fälle, in denen ihr einen betrügerischen Ehemann beschattet oder vermisste Personen ausfindig machen sollt, aber es gibt eben auch Missionen, wo die Suche nach einer Katze plötzlich in einen bewaffneten Drohnenkampf mündet oder man gegen den perversen Höschen-Professor antritt, der die Unterwäsche junger Dame klaut, um daran zu schnuppern.
Der Humor ist teils herrlich albern, aber nie zu überzogen oder gar nervig. Überhaupt nimmt Judgment teilweise gekonnt die (japanische) Gesellschaft und sogar das eigene Gameplay auf die Schippe. Das Team von Ryu Ga Gotoku zeigt erneut und hier sogar noch mal besser als in Yakuza, dass sie es verstehen, eine ernsthafte, spannende Geschichte mit Humor und ein bisschen Wahnsinn zu kombinieren, ohne dass sich diese Elemente irgendwie beißen. Das ist eine große Kunst, die man eigentlich nicht genug würdigen kann.
Quelle: PC Games
Im Gegensatz zur ernsten, düsteren Hauptstory erwarten euch in den Nebenmissionen einige skurrile Momente. Hier stellt sich Yagami gerade einem Perversen, der sich selbst als Höschen-Professor bezeichnet.
Macken hat doch jeder
So sehr uns Judgment auch begeistert, einige Kritikpunkte muss sich der Titel dennoch gefallen lassen. Neben den bereits erwähnten Textboxen in Nebenmissionen und den aufgesetzten Entscheidungen gesellen sich noch ein paar Macken hinzu. So taucht im späteren Spielverlauf eine Gang auf, deren Anführer wir im Kampf schlagen sollen. Dieser kommt jedoch immer wieder und bringt nach mehreren Niederlagen weitere Anführer mit. Diese halten sich immer an den gleichen Stellen auf der Karte auf und sind immer auf die gleiche Art zu besiegen. Das ist ein wenig unkreativ.
Quelle: PC Games
Wie schon in der Yakuza-Reihe fordern euch in Kamurocho jede Menge Gangster regelmäßig zum Kampf auf und kriegen dann ihre Ärsche versohlt.
Zudem tauchen die Gangster oftmals zu ungünstigen Zeitpunkten auf, wenn man gerade eigentlich ein Date mit der Freundin ausgemacht hat oder mitten in einer Nebenmission ist. Dann muss man erst mal wieder quer durch die Stadt laufen, um die Fieslinge zu verkloppen, da man ja in der Gunst der Nachbarschaft steigen möchte. Überhaupt ist auch in einigen Missionen viel Hin- und Hergelaufe angesagt. Das geht aufgrund der recht übersichtlichen Map zwar relativ flott, aber wenn man zwischen zwei Punkten mehrmals hin und her muss, ist das schon ein bisschen nervig.
Außerdem ist später ein wenig Grind nötig, um die ganz hohen Stufen beim Ruf der Stadt zu gewinnen und so alle Nebenjobs freizuschalten. Das sind alles nur kleine Makel, aber sie fallen einem gerade deshalb ins Auge, weil man das alles eleganter hätte lösen können. So sehr die Entwickler die Yakuza-Formel mit Judgment weiterentwickelt haben, hier treten sie ein wenig auf der Stelle.
Skyline mit Treppchen
Auch technisch leistet sich Judgment ein paar Unsauberkeiten, obwohl es klar stärker ist als die letzten Yakuza-Teile. So kommt es gerade bei Szenenübergängen immer wieder zu kleineren Rucklern - auch auf der PS4 Pro. Diese wirken sich nicht auf das Kampfgeschehen aus, fallen aber eben öfter mal auf. Zudem erkennt man an einigen Objekten im Hintergrund immer wieder auffällige Treppchenbildung und die eine oder andere matschige Textur findet man auch, wenn man durch Kamurocho läuft.
Dennoch kann man Judgment hier nicht sonderlich viel ankreiden. Der Titel läuft selbst im größten Gefecht flüssig, die Kamera ist nicht mehr so bockig wie in einigen Yakuza-Ablegern und die Steuerung ist auch viel eingängiger. Gerade bei den Kämpfen sind die Animationen nun auch flüssiger. Zudem ist Kamurocho mal wieder wunderschön detailreich und absolut atmosphärisch gestaltet. Die Spielwelt mag klein sein, doch man wird von ihr förmlich aufgesaugt. Die bunten Schilder, die ganzen Lichter, die vielen Passanten, die ihrer Wege gehen oder sich angeregt unterhalten - das ist einfach so unfassbar stimmig und charmant.
Quelle: PC Games
Wie schon in Yakuza 6 dürft ihr per Druck auf L3 die Perspektive wechseln und die herrlich detailreiche Spielwelt aus der Ego-Ansicht genießen. Kämpfe finden allerdings weiterhin nur in Third-Person statt.
Über das Aussehen der Charaktermodelle kann man sich ohnehin nicht streiten. Vor allem die Hauptfiguren schauen fabelhaft aus. Egal, ob die Figuren nun Schauspielern nachempfunden oder (nachträglich) frei gestaltet wurden, die Gesichter sind nicht weniger detailliert und lebensecht als in einem Detroit: Become Human.
Insgesamt ist Judgment trotz kleinerer und allesamt absolut verschmerzbarer Makel ein verdammt gutes Action-Adventure geworden, das mit einer spannenden Geschichte, interessanten Charakteren, spaßigen Nebenaufgaben sowie einem tollen Kampfsystem, einer atmosphärischen Welt und unterhaltsamen Detektiv-Einlagen überzeugt. Auch für Nicht-Yakuza-Fans absolut empfehlenswert.
