Journey to the Savage Planet: Das kunterbunte Weltraumabenteuer im Test - mit Video!
Test
Einmal zu den Sternen fliegen - das ist ein Wunsch, der für die meisten Menschen wohl leider unerreichbar bleiben wird. Entsprechend müssen wir armen Normalsterblichen zur Erfüllung unserer Träume auf virtuelle Spacetrips ausweichen, auf Spiele wie das kürzlich erschienene Journey to the Savage Planet. Was euch das Weltraumabenteuer alles zu bieten hat, klären wir im Test.
Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2034. Dies sind die Abenteuer eines namenlosen Astronauten, der allein mit seiner vorlauten Bord-KI unterwegs ist, um fremde Galaxien zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen - so oder so ähnlich lässt sich die Geschichte von Journey to the Savage Planet (jetzt kaufen ) zusammenfassen, dem neuen First-Person-Action-Adventure von Typhoon Studios. Das Erstlingswerk der kanadischen Entwickler bietet eine spannende Mischung aus dem Entdeckergeist von Star Trek und der Gameplayformel von No Man's Sky, weist dabei aber einen entscheidenden Unterschied zu seinen Vorbildern auf: Es nimmt sich weitaus weniger ernst.
Der Spacetrip ist wild, frech, farbenfroh und voller Humor, der sich wie ein roter Faden durch das gesamte Abenteuer hindurchzieht. Das zeigt sich bereits zum Auftakt, wo ihr aus einer Reihe von Fotos das eurer Spielfigur auswählen sollt. Neben ein paar schrägen Charakteren steht euch hier auch ein Hund zur Verfügung - ein netter Gag mit spielerischen Auswirkungen. Entscheidet ihr euch nämlich tatsächlich dafür, in die felligen Fußstapfen von Weltraum-Pionierin Laika zu treten, rennt ihr künftig bellend, knurrend und hechelnd durch die Spielwelt.
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Schöne neue Welt
Deren Erkundung steht übrigens im Mittelpunkt von Journey to the Savage Planet. Ihr seid schließlich nicht zum Spaß ins All geschossen worden, sondern habt eine Mission zu erledigen. Im Auftrag von Kindred Aerospace, immerhin zum achten Mal in Folge als viertbestes Weltraumunternehmen ausgezeichnet, wurdet ihr ausgesendet, um den Planeten AR-Y 26 auszukundschaften. Es erwartet euch also ein waschechtes Pionierabenteuer, das aber leider nicht ganz so läuft wie geplant - dafür aber so wie erwartet. Denn da euch euer Arbeitgeber weder Ausrüstung noch Grundausbildung mit auf den Weg gegeben hat, stürzt euer baufälliges Raumschiff bereits nach kurzer Zeit ab. Und aus eurer Erkundungs- wird kurzerhand auch noch eine Rettungsmission.
Quelle: PC Games
Wenn ihr ein Tier zum ersten Mal mit eurem Scanner analysiert, bekommt ihr ein paar Infos angezeigt. Zudem erhaltet ihr eine Sammelkarte der neuen Spezies.
Um die erfolgreich abzuschließen, gilt es zunächst einmal, die örtliche Flora und Fauna zu katalogisieren und herauszufinden, ob Menschen auf dem fremden Planeten leben könnten. Ihr rennt zu Spielbeginn also die meiste Zeit mit eurem Handscanner durch die Gegend und analysiert in First-Person-Perspektive, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Journey to The Savage Planet setzt euch dabei einige abgefahrene Kreaturen vor die Linse, beispielsweise die sogenannten Mopsvögel - basketballgroße Flatterviecher mit riesigen Kulleraugen, die in ihrer gepanzerten Variante eine Bernsteinrüstung in Form eines Kackhaufens auf dem Schädel tragen. Oder die neurotisch-ängstliche Aggrosprosse, die beim Anblick des Gegners sofort Feuer regnen lässt und daher nur hinterrücks durch einen Piekser in ihr Auge erledigt werden kann.
Insgesamt tummeln sich auf AR-Y 26 über 30 verschiedene Lebensformen, die ihr in euren sogenannten Kindex (ein wunderschönes Schachtelwort aus Kindred Aerospace und Kodex) aufnehmen könnt. Diese Jagd hält einen über eine lange Zeit hinweg bei der Stange, verschlägt euch in vier verschiedenen Biome und bringt euch so euer neues Zuhause auf Zeit etwas näher. Das sieht dank der Power der Unreal Engine 4 wirklich schick aus. Ob ihr nun den riesigen Pilzwald von Si'ned VII oder die steinigen Weiten der Slamphibiangrube durchwandert, es erwartet euch überall etwas Sehenswertes. Journey to the Savage Planet überzeugt mit seinem ganz eigenen kunterbunten Comic-Stil, der zum speziellen Charme des Spiels beiträgt. Hier macht sich das Knowhow des Studios, das aus ehemaligen Entwicklern von Far Cry und Assassin's Creed besteht, merklich bezahlt.
Quelle: PC Games
Die Welt von Journey to the Savage Planet ist kunterbunt und abwechslungsreich gestaltet. Leider gibt es keine Karte.
Auf Dauer ist die interstellare Inventur aber etwas eintönig und fordert euch, dank fehlender Karte, einiges an Geduld und Entdeckerdrang ab. Wir waren daher nicht unglücklich, als uns ein paar geheimnisvolle Überreste einer fremden Kultur aus unserem Arbeitsalltag rissen und die tägliche Routine ein wenig abwechslungsreicher gestalteten. Intelligentes Leben sollte es auf der Oberfläche des Planeten nämlich eigentlich nicht geben. Weitere Spurensuche ist also angesagt.
Du kannst nicht vorbei!
Quelle: PC Games
Mit Hilfe des Greifhakens, den ihr als mitunter erstes Upgrade freischaltet, könnt ihr über Abgründe schwingen.
So einfach läuft die allerdings nicht. Während eurer Erkundungstour auf AR-Y 26 stoßt ihr immer wieder auf kleinere Hindernisse, die es durch kurze, leider etwas unpräzise Hüpfpassagen zu überwinden gilt. Hier und da steht ihr aber auch mal vor etwas größeren Herausforderungen - beispielsweise einem Abgrund, den ihr nicht überspringen könnt, oder einer brüchigen Wand, die sich nur mit einer Explosion aus dem Weg räumen lässt. Hier kommen dann die rudimentären Metroidvania-Elemente von Journey tot he Savage Planet zum Tragen.
Im Verlauf des Spiels könnt ihr euren Charakter nämlich stetig verbessern. Das geht auf gleich zwei Arten: Indem ihr euch orangefarbenen Alien-Glibber in die Visage haut, erhöht ihr Ausdauer und Gesundheit eurer Spielfigur. Erledigt ihr Forscheraufträge, scannt also etwa eine bestimme Prozentzahl des Planeten, steigt ihr damit im Rang auf und schaltet neue Ausrüstung frei. Raketenrucksack, Greifhaken und Co stellt ihr mittels 3D-Drucker her - vorausgesetzt ihr besitzt die benötigte Menge an Kohlenstoff, Silizium und Aluminium. Die Ressourcen lassen sich als Erze in der Spielwelt finden, von Tierkadavern aufsammeln oder ihr verfüttert eine Packung eurer schmackhaften Astronautennahrung "Grob" an die ansässige Alien-Fauna und lasst sie die benötigten Materialien einfach ausfurzen.
Mit Hilfe des doch recht überschaubaren Craftingsystems verstärkt ihr auch eure einzige Waffe, einen beinahe bemitleidenswerten Blaster. Der ist zu Beginn so schwach, dass ihr euren Gegnern wohl auch einfach ins Gesicht spucken und damit den gleichen Schaden anrichten könntet. Upgrades sind also bitter nötig, zumal in den Untiefen von AR-Y 26 auch einige weniger friedliebende Kreaturen hausen, die euch ans Leder wollen - etwa die Spießmander-Echsen oder die säurespuckenden Jellywafts, die an fliegende Quallen-Oktopus-Hybriden erinnern.
Quelle: PC Games
Im Menü eures 3D-Druckers stehen euch rund 40 verschiedene Upgrademöglichkeiten zur Auswahl. Die meisten davon verbessern euren Blaster.
Der Tod ist nicht das Ende
Eine besondere Herausforderung stellen die vereinzelten Bosskämpfe dar. Die sind zwar sehr rar gesät, verlangen euch spielerisch aber noch am meisten ab. Hier gilt es, die Angriffsmuster des Gegners zu erlernen, Angriffen auszuweichen und Schwachstellen zu treffen. Klingt alles packender als es tatsächlich ist. Die Attacken eurer Widersacher werden schnell vorhersehbar und ihre Achillesverse ist meist in einer knalligen Farbe gehalten. Zudem könnt ihr außerirdische Früchte zu Wurfbomben umfunktionieren. So sind die Scharmützel meist schnell vorbei und werfen die Frage auf, warum Journey to the Savage Planet eigentlich keinen anpassbaren Schwierigkeitsgrad hat.
Quelle: PC Games
Felskralle, der erste große Boss des Spiel, sieht echt fies aus, lässt sich aber doch relativ leicht ins Jenseits schicken.
Sterben werdet ihr trotz des geringen Anspruchs natürlich dennoch mal. Schließlich liegt die Misserfolgs- beziehungsweise Sterberate von Kindred-Aerospace-Angestellten laut CEO Martin Tweed, der immer wieder in skurrilen Realfilmzwischensequenzen auftaucht, ja auch bei geschätzten 15 Prozent. Doch selbst, wenn es euch erwischen sollte, zeigt sich das Spiel recht gnädig. Nach einem Bildschirmtod werdet ihr einfach von der künstlichen Intelligenz eures Raumschiffs wiederhergestellt, dürft zum Ort eures Ablebens zurückkehren, eure verlorenen Habseligkeiten einsammeln und einfach weitermachen, als wäre nichts passiert. Am besten verbuddelt ihr noch voller Scham euren Leichnam, um jegliche Spur eures Versagens zu verwischen.
Gut, ihr müsst euch vielleicht einen dummen Spruch eurer Bord-KI EKO anhören. Deren Plapperei dürft ihr per Einstellung im Ingame-Menü allerdings herunterdrehen, sodass sie während eures Spacetrips nur in den nötigsten Momenten auf euch einredet. Was sich leider nicht anpassen lässt, ist die Sprachausgabe von Journey to the Savage planet. Die gibt's standardmäßig nur in Englisch mit deutschen Untertiteln. Zumindest im Regelfall. In manchen Momenten wurde bei der Lokalisation auch mal etwas geschlampt, sodass einige Texte im unübersetzten Original erscheinen. Das ist aber natürlich kein Dealbreaker. Ansonsten hinterlässt das Action-Adventure nämlich einen technisch sauberen Eindruck. Während unseres Tests sind uns keine Bugs, Glitches oder Crashes untergekommen. Nur die Ladezeiten sind auf der Konsole mal etwas länger.
Quelle: PC Games
Martin Tweed, der Chef von Kindred Aerospace, meldet sich immer wieder einmal mit schrulligen Videobotschaften bei euch und gratuliert zu euren Erfolgen.
It's dangerous to go Solo
Alles in allem bietet Journey to the Savage Planet so gute zwölf Stunden Unterhaltung, dann seid ihr mit der linearen, wendungsarmen und doch recht unspektakulären Hauptstory durch. Wer das gesamte Geheimnis rund um AR-Y 26 erforschen will, sollte vielleicht etwas mehr Zeit einplanen. Dafür müssen nämlich noch die üblichen Fleißaufgaben in Form von Sammelgegenständen erledigt werden. Neben fast 200 Kindex-Einträgen, 32 Alienlegierungen und 100 Schleimquellen gibt es auch noch diverse auffindbare Videoübertragungen, die mehr Licht ins Dunkel bringen. Diese zu suchen verliert aber schnell an Reiz. Mit gerade einmal knapp 20 begehbaren, per Schnellreise verbundenen Gebieten ist der Planet jetzt auch nicht übermäßig groß, man hat schnell jeden letzten Winkel von ihm gesehen und legt dann doch eher alles daran, den Ort alsbald hinter sich zu lassen.
Quelle: PC Games
Zu zweit macht der Spacetrip gleich doppelt so viel Spaß, da ihr euch nicht nur gegenseitig helfen, sondern gemeinsam auch jede Menge Blödsinn anstellen könnt.
Wer will, kann sich dafür die Unterstützung eines Freundes holen. Dank Online-Koop ist das Weltraumabenteuer nämlich auch zu zweit spielbar. Dafür müsst ihr lediglich einen Kumpel in eure Sitzung einladen und schon könnt ihr zusammen auf Entdeckungstour gehen. Eine Art Matchmaking, das euch mit fremden Astronauten verkuppelt, gibt es leider nicht. Ebenso wenig wird der Spielfortschritt des Gasts gespeichert, der läuft stattdessen einfach mit der Ausrüstung des Hosts herum. Dennoch verleiht der kooperative Ansatz Journey to the Savage Planet noch einmal eine zusätzliche Facette. Sich gegenseitig wiederbeleben, Feuerschutz geben, oder einfach nur mal eine Ohrfeige zu Stressbewältigung verpassen zu können, rundet das Spielerlebnis einfach nur perfekt ab.
