James Bond - Keine Zeit zu Sterben in der Filmkritik: Emotionalster Bond verabschiedet und ehrt Daniel Craig als 007

Test Maci Naeem Cheema
James Bond - Keine Zeit zu Sterben in der Filmkritik: Emotionalster Bond verabschiedet und ehrt Daniel Craig als 007
Quelle: © 2021 DANJAQ, LLC AND MGM. ALL RIGHTS RESERVED.

Der 25. Bond-Film, ein pathetischer Abgesang auf die 15-jährige Ära Daniel Craig, die mit "Casino Royale" ihren vielversprechenden Einstieg feierte, klopft bereits seit über 18 Monaten an die Kinotüren, um endlich auf der großen Leinwand für handwerklich meisterliche Spionage-Action, tiefemotionale Dramatik und verträumte Geschichten zu sorgen. Ob der knallharte und charmante Superagent tatsächlich ein allerletztes Mal beweisen kann, dass er der König des edlen Action-Kinos ist?

Die Legende ist endlich zurück: Die weltweit gefeierte britische Filmfigur James Bond wurde als eleganter und tödlicher Superagent im zweiten Weltkrieg von Spionage-Autor Ian Fleming etabliert und gilt seither als einer der größten und beliebtesten Charakteren der Popkultur. Das heißersehnte Comeback der Kinos und der gefüllten Säle könnte also kaum besser zelebriert werden. Mit "James Bond - Keine Zeit zu Sterben" (Originaler Titel: "No Time to Die") steht die große Verabschiedung des nunmehr seit fünfzehn Jahren etablierten Bond-Darstellers Daniel Craig für das Team ganz oben auf der Agenda.

Die oftmals umstrittene, emotionale sowie harte Darstellung des heute 53-jährigen Daniel Craig begann enorm vielversprechend: Mit dem fantastischen und erfrischenden "Casino Royale", der von Serienkenner Martin Campbell ("GoldenEye", "Die Maske des Zorro") auf die Leinwand gezaubert wurde. Dazwischen gab es jedoch ein paar Tiefpunkte: Ob der 2008 veröffentlichte Folgefilm "Ein Quantum Trost" oder "Spectre" von 2015, die aktuelle Bond-Ära ist vor allem eines: Ziemlich durchwachsen. Ob es dem Team, angeführt von "Maniac"-Regisseur Cary Joji Fukunaga (die Netflix-Original-Show mit Jonah Hill und Emma Stone), der sein Blockbuster-Debüt gibt, gelingt, die Ära Daniel Craig glorreich und episch zu beenden, klären wir in unserer Filmkritik.
Eine letzte Anmerkung, bevor wir uns in das Abenteuer stürzen: Wir spoilern keine wichtigen Ereignisse im neuen Bond-Film, gehen aber natürlich auf wichtige Story-Punkte aus den Vorgängern ein. Wer die noch nicht gesehen hat, ist also hiermit gewarnt.

Gebrochene Herzen, kranke Ideologien & der Untergang der Welt

Wir beginnen mit einer kurzen Auffrischung: Charme-Bolzen James Bond hat sich nach den Ereignissen der letzten Filme ("Skyfall" und "Spectre") zur Ruhe gesetzt und sein hochgefährliches und extravagantes Leben als MI6-Agent "007" an den Nagel gehängt. Statt sich schick gekleidet und perfekt ausgestattet auf gefährliche Missionen gegen Cyberschurken und Terroristen zu begeben, verbringt der auffällig gealterte Ex-Agent - natürlich noch immer ziemlich schick gekleidet - seinen wohlverdienten Ruhestand entspannt, gediegen und ziemlich verknallt.
<strong>Romantik, Leidenschaft und guter Wein: </strong>Statt mit Pistole und Gadgets bewaffnet präsentiert uns der neue Bond-Film einen Hals über Kopf verliebten James, der seinen Ruhestand in höchsten Zügen genießt - zumindest für einen kurzen Augenblick. Quelle: © 2021 DANJAQ, LLC AND MGM. ALL RIGHTS RESERVED. Romantik, Leidenschaft und guter Wein: Statt mit Pistole und Gadgets bewaffnet präsentiert uns der neue Bond-Film einen Hals über Kopf verliebten James, der seinen Ruhestand in höchsten Zügen genießt - zumindest für einen kurzen Augenblick. An seiner Seite findet sich die Französin Dr. Madeleine Swann (Léa Seydoux), die seit "Spectre" die frische Liebe und Partnerin im Leben des gebrochenen Mannes ist, der jedoch noch immer unter starken Vertrauensängsten und den vielen persönlichen Verlusten leidet. Der tragische Fahrstuhl-Tod seiner großen Liebe Vesper Lynd (Eva Green) setzt ihm noch genauso zu wie der weitaus frischere Verlust der MI6-Chefin und Vertrauten "M" (Judi Dench). Die britische Oscar-Gewinnerin Dench bekam mit "Skyfall" von Sam Mendes einen theatralischen und 143 Minuten langen Abgang spendiert, der als ihre letzte Bond-Performance in die Geschichte eingeht. Eine Legende, die nicht nur bei Bond eine riesige Lücke hinterlässt.

James Bond 007: Wie soll es nach dem Abschied von Daniel Craig weitergehen? [Special]

Aus dem leidenschaftlichen und romantischen Kurztrip in der süditalienischen Stadt Matera - 2019 zur europäischen Kulturhauptstadt gekürt - entwickelt sich natürlich ein intensives und spektakuläres Action-Feuerwerk voller Krimineller, die es auf Bond abgesehen haben - allen voran die Terror-Organisation "Spectre", die bereits im Vorfilm unter Leitung von Ernst Stavro Blofeld (Christoph Waltz) für Panik und Probleme sorgte. Gekürt wird der sicherlich etwas anders geplante Liebesausflug dadurch, dass Bond sein neu aufgebautes Vertrauen gegenüber Madeleine in Frage stellen muss und einige ihrer Geheimnisse möglicherweise mit den vielen Schwierigkeiten zu tun haben, denen er sich stellen muss, und so trennen sich die Zwei in einer herzzerbrechenden Liebesszene - schnulzig, aber auch irgendwie süß, bedenkt man die knallharte Darstellung seitens Craig.
<strong>Legendärer Bösewicht und Fan persischer Katzen: </strong>Hollywoods liebster Bösewicht Christoph Waltz spielt erneut die Rolle des Spectre-Anführeres Blofeld, der bereits in den 60er-Jahren vom schottischen&nbsp;Schauspieler Anthony Dawson verkörpert wurde und zu den beliebtesten Bond-Schurken zählt. Quelle: © 2021 DANJAQ, LLC AND MGM. ALL RIGHTS RESERVED. Legendärer Bösewicht und Fan persischer Katzen: Hollywoods liebster Bösewicht Christoph Waltz spielt erneut die Rolle des Spectre-Anführeres Blofeld, der bereits in den 60er-Jahren vom schottischen Schauspieler Anthony Dawson verkörpert wurde und zu den beliebtesten Bond-Schurken zählt.

Ein gebrochener Mann und seine finale Eskalation

Fünf Jahre später lebt Bond einsam an der Küste Jamaicas, wird jedoch wenig später von seinem engen CIA-Kumpanen Felix Leiter (Jeffrey Wright) in ein verstricktes und hochgefährliches Spiel gebracht, in dem Spectre-Kopf Blofeld, eine Bio-Waffen-Gefahr für die gesamte Weltbevölkerung und seine Ex-Freundin eine gravierende Rolle einnehmen. Als wäre das nicht schon genug, gibt es auch noch einen neuen krankhaften und machtvollen Gegenspieler, gespielt von Rami Malek ("Bohemian Rhapsody", "Mr. Robot"), der eine Wagenlieferung voller Probleme und schmerzvoller Offenbarungen mit sich bringt.

<strong>Sexy, stark &amp; sorglos:</strong> Ähnlich wie Bond ist Nomi eine hervorragende Meisteragentin, die zwischen halsbrecherischer Action Zeit für coole Sprüche und den ein oder anderen Drink findet. Zusätzlich gelingt es Schauspielerin Lashana Lynch gut, Nomi eine eigene Identität zu geben. Quelle: © 2021 DANJAQ, LLC AND MGM. ALL RIGHTS RESERVED. Sexy, stark & sorglos: Ähnlich wie Bond ist Nomi eine hervorragende Meisteragentin, die zwischen halsbrecherischer Action Zeit für coole Sprüche und den ein oder anderen Drink findet. Zusätzlich gelingt es Schauspielerin Lashana Lynch gut, Nomi eine eigene Identität zu geben. Man könnte jetzt noch ausführlich auf die gelungenen und sympathischen Darstellungen von Léa Seydoux, der von Lashana Lynch neu als "007" beim MI6 eingestellten Nomi oder auf den humorvollen Kurzauftritt von Paloma (Ana De Armas) eingehen. Oder auch, wie viel Spaß die Szenen mit Quartiermeister "Q" (Ben Whishaw) machen, der in klassischer Manier viele abgefahrene Gadgets und Spielzeuge für Bond bereithält. Doch die Marke James Bond lebt von ihrem ungewissen Ritt durch die Emotionswelt. Charme, Humor, Eleganz, grandiose handgemachte Action und verzwickte Lügenmuster, die es zu entwirren gilt, sind genau das, was die Reihe so stark und kultig gemacht hat. Spätestens nach 163 Minuten ist nämlich glasklar: "Keine Zeit zu Sterben" ist ein Vollblut-Bond-Film, der die Ära Daniel Craig so beendet, wie sie angefangen hat: Fantastisch.

Verträumte Action, emotionale Dramatik und würdiger Abschied

Über "Keine Zeit zu Sterben" schwebt eine dunkle Wolke der Trauer und Schwere, die dem typisch löchrigem, aber hochintensiven Spionage-Ablauf eine ganz persönliche Note gibt. Bond ist ausgelaugt und müde, gibt aber trotzdem auf seiner letzten Kino-Mission noch einmal alles. So brutal, hart und ungebändigt, wie in seiner finalen Eskalation, war die britische Galionsfigur der extravaganten Blockbuster-Action noch nie! Daniel Craig, Regisseur Fukunaga und das Skript-Team, angeführt von den zwei Bond-Skriptschreibern Neal Purvis und Robert Wade sowie Phoebe Waller-Bridge ("Fleabag", "Rogue One: A Star Wars Story"), zeichnen ein Bild eines unaufhaltsamen Mannes, der mit dem härtesten Körper und dem weichsten Herz zum zentralen Mittelunkt eines spannenden Agentenfilms und zugleich eines zutiefst emotionalen Dramas wird - manchmal ziemlich kitschig, aber war das Bond nicht schon immer?

Das alles gepaart mit bondtypischen Elementen wie den speziell zum Film geschriebenen Billie-Eilish-Song "No Time To Die", den unter die Haut gehenden Kompositionen von Hans Zimmer sowie der stylischen und eindrucksvoll stimmigen Regie-Arbeit seitens Fukunaga ergibt sich einer der besten Bond-Filme aller Zeiten, der sich tatsächlich in die gleiche Liga wie "Goldfinger", "Casino Royale" & Co. eingliedert.
<strong>Klasse, Können &amp; Kreativität: </strong>Mit 'Keine Zeit zu Sterben' gibt der amerikanische Filmemacher Cary Joji Fukunaga sein eindrucksvolles Blockbuster-Debüt auf der großen Leinwand. Quelle: © 2021 DANJAQ, LLC AND MGM. ALL RIGHTS RESERVED. Klasse, Können & Kreativität: Mit "Keine Zeit zu Sterben" gibt der amerikanische Filmemacher Cary Joji Fukunaga sein eindrucksvolles Blockbuster-Debüt auf der großen Leinwand. Und natürlich ist nicht alles perfekt, keinesfalls! Die übergeordnete Handlung hat so manche Logiklücken und die Emotionalität wirkt etwas zu stark aufgezwungen. Der leichtfüßige Charme, den alte Bond-Streifen mit Roger Moore oder Sean Connery mit Bravour in ihre DNA verarbeitet hatten, blitzt nur selten hervor und könnte somit bei einigen schmerzlich vermisst werden. Auch die Absichten einzelner Charaktere sind - wie immer - ziemlich unsinnig. Warum will Maleks verstörender Bond-Bösewicht die gesamte Welt in den Abgrund stürzen? Zwischen einem unverarbeiteten Trauma und einer kranken Ideologie-Vorstellung schlummert möglicherweise eine plausible Erklärung, die kennt aber vermutlich nicht einmal Rami Mal <strong>Ein Geist im Schatten:</strong> Typisch für Bond gibt es natürlich einen ausgefallenen und abgedrehten Antagonisten, der einer kranken Ideologie folgt und sich einredet, er müsse für weltweites Chaos sorgen. Schon mal an eine Therapie gedacht? Quelle: © 2021 DANJAQ, LLC AND MGM. ALL RIGHTS RESERVED. Ein Geist im Schatten: Typisch für Bond gibt es natürlich einen ausgefallenen und abgedrehten Antagonisten, der einer kranken Ideologie folgt und sich einredet, er müsse für weltweites Chaos sorgen. Schon mal an eine Therapie gedacht? ek selbst.

Doch das ist vollkommen okay. Wer für James Bond ins Kino geht, der träumt von einer kindlichen, überinszenierten und globalen Spionage-Achterbahn, die schnelllebig ist und sich aufgrund ihres Pathos kaum vergleichen lässt mit anderen Kino-Krachern à la Marvel oder The Fast and the Furious. Bond ist Kino. Und genau da sollte man Daniel Craigs finalen Abschied sehen, der ist nämlich gefüllt mit Filmmagie und Unterhaltung der ganz besonderen Art.

"James Bond - Keine Zeit zu Sterben" läuft seit dem 30. September 2021 in den deutschen Kinos. Werdet ihr euch den finalen Abschied von Daniel Craig anschauen oder habt ihr das Blockbuster-Highlight schon gesehen? Welcher Bond-Film ist euer Liebling? Wir sind sehr gespannt auf eure Meinungen, Eindrücke und Diskussionen.


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