Mein erstes Mal Jagged Alliance: Mit Söldnern durch den Dschungel ziehen

Special Benedikt Plass-Fleßenkämper Maik Koch
Mein erstes Mal Jagged Alliance: Mit Söldnern durch den Dschungel ziehen
Quelle: Sir-Tech / Medienagentur plassma

Der Strategie-Rollenspiel-Mix Jagged Alliance überraschte 1995 die PC-Szene und fesselte viele Spieler trotz schlichter Grafik an den Bildschirm. Doch unser Autor Benedikt hat den Klassiker damals verpasst. Für diesen Artikel hat er ihn nun endlich ausgiebig gespielt - und ist unerwartet an seine Grenzen gestoßen...

Wer erinnert sich an "mein erstes Mal" mit UFO: Enemy Unknown? Es ist ziemlich genau ein Jahr her, dass ich den gefeierten Klassiker von Microprose nachgeholt habe. Und passend zu diesem kleinen Jubiläum wartet heute ein verwandter Genre-Vertreter auf mich: Jagged Alliance von US-Entwickler Sir-Tech. Diesmal musste ich nicht zu GOG.com oder dergleichen greifen, weil sich bereits seit gut acht Jahren eine digitale Version des Spiels in meinem Besitz befindet. 2013 erwarb ich nämlich eine kleine Sammlung namens Humble Weekly Sale: bitComposer Games, in der unter anderem die ersten Jagged-Alliance-Titel inklusive Add-ons enthalten waren. Natürlich in einer DRM-freien Version.

Übrigens: Noch bis zum 23. September 2021 ist Jagged Alliance via Steam kostenlos erhältlich!

Jack Richards ist besorgt: Die Insel Metavira befindet sich unter den Fittichen von Lucas Santino, der wiederum nach Profit giert und beim Abbau des heilenden Baumsaftes im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen geht. Quelle: Sir-Tech / Medienagentur plassma Jack Richards ist besorgt: Die Insel Metavira befindet sich unter den Fittichen von Lucas Santino, der wiederum nach Profit giert und beim Abbau des heilenden Baumsaftes im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen geht. Das Angebot ist heute zwar nicht mehr erhältlich, aber dafür könnt ihr das Spiel einzeln sowohl auf Steam als auch GOG erstehen. So oder so läuft Jagged Alliance wie gewohnt über den DOSBox-Emulator und ist entsprechend schnell installiert. Auch danach scheint alles ganz einfach abzulaufen - egal, ob ich einen alten Spielstand lade oder ein neues Abenteuer starte. In letzterem Falle bekomme ich ein grafisch ordentlich gezeichnetes Intro zu sehen, inklusive englischer Sprachausgabe. Das hatte anno 1995 nicht jedes Spiel zu bieten.

In knapp vier Minuten wird mir meine Aufgabe in Jagged Alliance erklärt: Die Insel Metavira war einst Schauplatz für einen Atombombentest. Daraufhin bildeten die Bäume in der Umgebung einen neuartigen Saft, der heilende Kräfte besitzt. Der Wissenschaftler Jack Richards und seine Tochter Brenda möchten den Saft untersuchen und möglichst viel davon abbauen, bis sich ihr Assistent Lucas Santino einmischt und mit Hilfe von ruchlosen Söldnern die ganze Insel erobert. Ich soll nun einen Sektor nach dem anderen zurückgewinnen und zur Finanzierung meines Vorhabens möglichst viel von eben jenem Saft ernten.

Als Team zum Erfolg

Genau genommen bin ich allerdings ziemlich wehrlos und darf mich nicht selbst auf die Insel begeben. Stattdessen muss ich genau wie Santino Söldner anwerben und nach der Eroberung eines Sektors sowohl Wachen als auch Arbeiter aufstellen. Hört sich doch alles ganz leicht an, oder? Jeder Jagged-Alliance-Neuling sollte gleich zu Beginn den ebenso starken wie preisgünstigen Russen Ivan rekrutieren. Quelle: Sir-Tech / Medienagentur plassma Jeder Jagged-Alliance-Neuling sollte gleich zu Beginn den ebenso starken wie preisgünstigen Russen Ivan rekrutieren. Leider dauert es nicht lange, und ich fühle mich bereits dezent überfordert. Beispielsweise stehen mir satte 60 Söldner zum Rekrutieren zur Verfügung, die allesamt unterschiedliche Fähigkeiten -genauer gesagt Schwerpunkte - besitzen. Sprich: Der eine ist sehr zäh und verfügt über viel Lebensenergie, der nächste kennt sich mit Medizin aus und wieder ein anderer glänzt mit einer hohen Treffsicherheit. All diese Angaben werden mir in Form von Zahlen präsentieren, was auf den ersten Blick sehr nüchtern und kryptisch wirkt. Obendrein habe ich keine Ahnung, welche Fähigkeiten meine Söldner in welchen Sektoren am ehesten benötigen.

Deshalb stelle ich eine kunterbunte Mischung zusammen, die möglichst alle Talente abdeckt. Dabei stelle ich fest, dass nicht jeder Söldner zu Beginn des Spiels seine Zusammenarbeit anbietet. Ich solle erst einmal genügend Erfahrung sammeln, bevor man eine Kooperation in Erwägung ziehe. Wirklich schlimm ist dies nicht, denn am Ende bleiben genügend potenzielle Rekruten übrig. Nur: Wie viele soll ich nehmen? Zwar stehen mir acht freie Plätze zur Verfügung, aber kein unendlich großes Budget. Theoretisch hätte ich genug Geld, um einige der teuersten Söldner anzuwerben. Doch dann wäre meine Kohle bereits nach ein paar Tagen aufgebraucht. Und ich habe keine Ahnung, in welcher Größenordnung ich das Geld mit dem Abbau des wertvollen Baumsafts wieder reinholen kann.

Also schaue ich sicherheitshalber auf GameFaqs sowie im Jagged-Alliance-Forum von GOG nach, wo mir zwei simple Tipps auffallen: Man sollte anfangs fünf bis sechs Söldner rekrutieren und in jedem Fall beim Russen Ivan zuschlagen. In der Tat ist der Bursche günstig, und ein Großteil seiner Angriffswerte erweist sich als erstklassig. Gesagt, getan - Ivan ist mein Mann. Und los geht's mit dem Retro-Vergnügen!

Die Steuerungstücken der 1990er

Sobald ihr euch in einem Sektor befindet, könnt ihr euch eine allumfassende Übersichtskarte anzeigen lassen. Quelle: Sir-Tech / Medienagentur plassma Sobald ihr euch in einem Sektor befindet, könnt ihr euch eine allumfassende Übersichtskarte anzeigen lassen. Zu Beginn des Spiels ist nur ein Sektor in meiner Gewalt, was mir zumindest die Wahl des Startpunkts abnimmt. Sogleich sehe ich das gesamte Spielgeschehen aus der Vogelperspektive und fühle mich wieder verunsichert. In den ersten Minuten begreife ich noch nicht wirklich, warum. Doch etwas später dämmert es mir: Verdammt, meine Söldner sehen ja nahezu alle gleich aus! Nur der Deutsche Grunty mit seinen knallblonden Haaren sticht hervor, während sich selbst die Frauen beim Laufen wie Männer bewegen beziehungsweise den gleichen Körperbau zu haben scheinen.

Dieses Problem sorgt bei mir ständig für Verwirrung; ich kann mir nur schwer die exakte Position aller meiner Söldner merken. Klar, am Bildschirmrand sehe ich von ihnen sämtliche Porträts und sobald ich auf eines davon klicke, springt die Kamera zur zugehörigen Figur. Aber Jagged Alliance zeigt wunderbar, wieso man gerade für ein Strategiespiel mit Vogelperspektive eigentlich eine hohe Bildschirmauflösung benötigt - nämlich um seine Einheiten optisch auf den ersten Blick unterscheiden zu können.

Zurück zum eigentlichen Spielgeschehen. Im Startsektor ist naturgemäß nicht viel los. Ich sehe einige Gebäude, die ich betreten kann und in denen ich immerhin einen Werkzeugkasten finde. Überhaupt sollte ich es mir gleich angewöhnen, sämtliche Ortschaften genau zu durchsuchen und insbesondere bei Waffen oder Munition zuzuschlagen. Schließlich ist die Ausrüstung meiner Rekruten von Haus aus begrenzt und ich darf zwischen meinen Streifzügen keine nachkaufen, weshalb ich auf Plünderungen angewiesen bin.

Ein typischer Schusswechsel im Dschungel von Metavira, wo die vielen Bäume für beide Parteien einen prima Deckungsschutz abgeben. Quelle: Sir-Tech / Medienagentur plassma Ein typischer Schusswechsel im Dschungel von Metavira, wo die vielen Bäume für beide Parteien einen prima Deckungsschutz abgeben. Ich peile den nächsten Sektor an und klicke auf die Travel-Taste, um nach Norden zu marschieren. Nur funktioniert das Ganze nicht: Das Spiel zeigt mir eine Texttafel mit dem Inhalt "Can't Traverse here!" (frei übersetzt: "Kann hier nicht durchqueren!"). Nanu, was ist jetzt los? Ist im Norden eine unsichtbare Mauer? Sind die Himmelsrichtungen vertauscht? Muss ich vorher noch eine Aufgabe erledigen, bevor ich einen Sektor verlassen darf? Mitnichten: Eine Reise ist nur möglich, wenn all meine Söldner am Rand der Karte stehen! Mit Verlaub, das ist idiotisch. So eine Einschränkung hätte meines Erachtens nur Sinn, wenn ich mich mitten in einem Kampf befinden oder tatsächlich ein Hindernis meinen Weg blockieren würde.

Doch das ist hier nicht der Fall, und somit werde ich gleich mit einem weiteren Problem konfrontiert, das mich schon in UFO geplagt hat: Das einzelne Dirigieren der Söldner ist auf Dauer mühselig. Jetzt werden sicherlich einige Jagged-Alliance-Fans einwenden: "Du Idiot, du kannst doch mit einem Druck auf beide Maustasten alle Einheiten auf einmal befehligen!" Stimmt, kann ich - und doch ist diese Funktion das beste Beispiel dafür, warum ich mich in diesem Spiel derart dusselig anstelle.

Denn herausgefunden habe ich sie durch Zufall, nachdem ich wieder in einem Forum unterwegs war. Im Spiel selbst wird die Option nirgends erklärt; sie geht sowohl in der Anleitung als auch auf der Referenzkarte mit allen Steuerungskommandos unter. Und ganz nebenbei bemerkt hat auch sie ihre Tücken, wie ich zu einem späteren Zeitpunkt beim Durchqueren eines Flusses feststellen muss, als sich zwei meiner Söldner verhaken und ertrinken ...

So weit die Füße tragen

Unabhängig davon ist das Bewegen aller Charaktere sowieso nur im Echtzeitmodus erlaubt, der automatisch bei jedem Betreten eines Sektors, in dem sich Santinos Lakaien aufhalten, in ein rundenbasierendes System wechselt. Spätestens dann komme ich nicht herum und muss meine Männer und Frauen einzeln bewegen. Immerhin entpuppt sich das Steuern eines einzelnen Söldners als erstaunlich flexibel: Am linken und Das Inventar eines Charakters ist schön übersichtlich gestaltet, jedoch könnte die Benutzerführung bezüglich des Wechsels zwischen den Einheiten besser sein. Quelle: Sir-Tech / Medienagentur plassma Das Inventar eines Charakters ist schön übersichtlich gestaltet, jedoch könnte die Benutzerführung bezüglich des Wechsels zwischen den Einheiten besser sein. rechten Bildrand sehe ich wie bereits erwähnt sämtliche Porträts meiner Leute, in denen eine Zahl klebt. Diese gibt in Abhängigkeit von Geschwindigkeit sowie Fitnessgrad an, wie weit sie in jeder Runde laufen oder mit ihrer Waffe schießen können. Letztere Aktion benötigt in der Regel fünf bis zehn Punkte, wobei ich den Wert auf eigenen Wunsch anheben darf und somit die Zielgenauigkeit des Schusses erhöhe. Ergo entscheide ich individuell, welcher Söldner viel laufen, viel ballern oder besonders gezielt schießen soll.

Meine Begegnung mit Santinos ersten Handlangern erweist sich jedenfalls als recht zahm: Die Burschen stehen mitten zwischen ein paar Bäumen und sind aufgrund ihrer Unterzahl rasch besiegt. Anschließend schaue ich mich gründlich um und plündere ein paar Holzkisten, in denen sich vornehmlich Munition befindet. Danach würde ich mich am liebsten zurückziehen und sowohl Wachen als auch Arbeiter zum Abbau des Baumsaftes in dem just eroberten Sektor aufstellen. Aber ich finde keine Option, die mir dies ermöglicht. Und überhaupt verstehe ich nicht, wann so ein Spieltag eigentlich endet.

Auch im Inneren der Häuser müsst ihr regelmäßig mit Santinos Lakaien rechnen, die euch beim ersten Sichtkontakt ans Leder wollen. Quelle: Sir-Tech / Medienagentur plassma Auch im Inneren der Häuser müsst ihr regelmäßig mit Santinos Lakaien rechnen, die euch beim ersten Sichtkontakt ans Leder wollen. Was nun folgt, ist ein zähes Hin und Her: Ich kann den Tag per Knopfdruck abbrechen, womit ich ihn allerdings komplett wiederholen muss - egal, ob unter den gleichen Startbedingungen oder mit der Option, mein Team neu zu formieren. Ansonsten finde ich noch eine Quick-Save-Funktion, mit der ich einen Speicherstand generieren darf. In der rechten oberen Ecke registriere ich einen Knopf, der mir die aktuelle Uhrzeit anzeigt. Doch eine Option zum Beschleunigen der Zeit? Von der fehlt jede Spur. Ich gebe erst einmal auf und mache mich dann doch in einen weiteren Sektor auf, wo es nicht ganz so perfekt wie im ersten abläuft: Einige meiner Leute werden im Laufe des Gefechts angeschossen. Zum Glück habe ich ein paar Erste-Hilfe-Koffer dabei und kann die Wunden verarzten. Und das ist auch gut so, denn ansonsten würde die Lebensenergie Stück für Stück abnehmen.

Trotz der ärztlichen Hilfe bleiben die Verletzten angeschlagen und sind nur bedingt einsatzfähig. Deshalb wird es mir dann doch zu heiß und ich möchte lieber den Tag beenden, anstatt einen weiteren Sektor anzugehen. Damit stehe ich allerdings wieder vor dem Problem von vorhin: Ich finde keine Option zur Zeitbeschleunigung und verstehe immer noch nicht, wann so ein Tag überhaupt vorbei ist! Also surfe ich erneut durchs Netz, und bevor ich eine Antwort finde, sehe ich plötzlich in meinem kleinen Jagged-Alliance-Fenster einen Sonnenuntergang: Die Nacht bricht herein, und meine Söldner begeben sich nach Hause. Puh, noch einmal Glück gehabt.

Vor Beginn eines neuen Tages könnt ihr entscheiden, welcher Soldat verarztet werden muss, wen ihr zum Training verdonnern wollt und wer erneut in den Kampf geschickt wird. Quelle: Sir-Tech / Medienagentur plassma Vor Beginn eines neuen Tages könnt ihr entscheiden, welcher Soldat verarztet werden muss, wen ihr zum Training verdonnern wollt und wer erneut in den Kampf geschickt wird. Wirklich zufrieden bin ich mit dem Verlauf der Dinge natürlich nicht. Also recherchiere ich weiter und entdecke - erneut dank GOG-Forum - die Funktionalität der C-Taste. Mit der kann man in der Tat die Zeit massiv beschleunigen! Es stellt sich mir jedoch sofort die Frage, wieso es ausgerechnet für diese Option kein Icon gibt und sie auf der Referenzkarte ebenfalls nur beiläufig erwähnt wird. Fairerweise sei gleich hinterher gesagt, dass versierte Jagged-Alliance-Spieler von einem solch erzwungenen Tagesabbruch abraten. Man solle lieber so viele Sektoren wie möglich "mitnehmen" und allenfalls kurz vor Ende die Zeit beschleunigen, weil ein Zwangsabbruch der Mission mitten in einem Kampf unschöne Konsequenzen nach sich trage.

Sorgen ohne Ende

Bei den Vorbereitungen für den nächsten Tag stoße ich auf weitere Hürden, die mich nervös machen. Zum einen verschwindet Ivan - und ich weiß nicht, warum. Ich nehme zwar den Ersatzmann an, den mir das Spiel anbietet. Aber der ist so schwach auf der Brust, dass ich den Tag gleich nochmal starte und den Ersatz ablehne. Des Weiteren stelle ich fest, dass die Schusswunden zwar verheilt sind, aber die Lebensenergie der Verwundeten bei Weitem nicht den alten Stand erreicht haben. Auch dies fällt mir erst nach einem weiteren Neustart auf und als ich die die drastisch reduzierte Aktionszahl zum Laufen sowie Schießen der betreffenden Söldner sehe.

Nun, zum Glück kann ich meine Jungs und Mädels in Krankenbetten verfrachten. Dort knöpfen sie mir auch nur den halben Tageslohn ab, gleichwohl ich aber natürlich Ersatz rekrutieren muss und allein deshalb draufzahle. Nebenbei habe ich auch versucht, einfach alle Verletzten ins Lazarett zu schicken und alle gesunden Söldner zu ein paar Trainingseinheiten zu verdonnern. Das Spiel warnt mich sogleich, ob ich wirklich keinen Mann und keine Frau für den nächsten Tag einsetzen möchte. Nichts ahnend bestätige ich dies - und muss trotzdem im Startsektor anfangen sowie die Zeit verstreichen lassen, obwohl ich keinen einzigen Soldaten steuern darf!

Schwimmen beziehungsweise Laufen durch das Wasser ist sehr zeitraubend, an manchen jedoch Stellen unumgänglich. Quelle: Sir-Tech / Medienagentur plassma Schwimmen beziehungsweise Laufen durch das Wasser ist sehr zeitraubend, an manchen jedoch Stellen unumgänglich. Nachdem ich insgesamt fünf Sektoren erobern konnte, zieht der Schwierigkeitsgrad erneut an und mein Frust übernimmt endgültig. Mir ist klar: Ich muss irgendetwas falsch machen. Denn die Gegner sind plötzlich viel zielgenauer und - viel schlimmer - meine Leute treffen andersherum deutlich seltener, trotz hoher Schießkünste und trotz Zahlen-Boost beim Anvisieren. In einem weiteren Forumsbeitrag erfahre ich, dass man sich recht früh um die Instandhaltung seiner Waffen kümmern müsse und diese sich schnell abnutzen würden. Das kann jedoch auch nicht der Grund für den Leistungseinbruch sein ... Erstens, weil der Zustand meines gebrauchten Equipments größtenteils bei über 90 Prozent liegt und zweitens, weil die neuen Rekruten mit ihren frischen Waffen ebenfalls alle Nase lang danebenschießen.

Letztlich muss ich den Tag viermal komplett neu starten und entscheide mich stets für ein etwas anderes Team sowie einen anderen Sektor. Ich erreiche schließlich ein Gebiet mit mehreren, kleinen Häusern, von denen zwei abgeschlossen sind. Beim Kampf gegen Santinos Schergen ergattere ich die passenden Schlüssel - und löse in einem der Häuser versehentlich eine Bombe aus, woraufhin einer meiner Soldaten sofort stirbt. Verdammte Axt!

Das ist der Moment, wo ich kapituliere: Ausgerechnet hier hatte ich schon länger nicht mehr abgespeichert und just zuvor einen sehr nervtötenden Gegner gejagt, der mangels Munition ständig vor mir abgehauen ist. Genauer gesagt hat er sich einfach in die entlegenste Ecke des Sektors verkrümelt, während ich ihn in mühsamer Kleinarbeit Schritt für Schritt verfolgen durfte und mich dabei derbe gelangweilt habe.

Fazit: Ich bin zu alt für diesen Spaß!

Am Ende muss ich leider sagen: Jagged Alliance ist einfach nicht mein Spiel. Die Kämpfe fühlen sich für mich nicht besonders spannend an und das Managen meiner Truppe im Spielverlauf zunehmend anstrengender an. Die Sektoren, die ich zu Gesicht bekomme, gleichen sich viel zu sehr, Kein Zuckerschlecken: Anfangs könnt ihr schnell vier bis fünf Sektoren erobern. Alsbald stoßt ihr jedoch auf deutlich mehr Widerstand.<br> &nbsp; Quelle: Sir-Tech / Medienagentur plassma Kein Zuckerschlecken: Anfangs könnt ihr schnell vier bis fünf Sektoren erobern. Alsbald stoßt ihr jedoch auf deutlich mehr Widerstand.
 
sie unterscheiden sich nur bei der Menge an Gebäuden sowie Bäumen. Zumindest lohnt sich das Durchstöbern der Häuser, die durchaus nützliches Rüstzeug wie beispielsweise eine Weste mit mehr Taschen verbergen. Aber es gibt auch zahlreiche leere Ecken und komplett leere Räume, die mich enttäuscht davonziehen lassen.

Alles zusammen genommen vergeht mir die Lust bereits nach knapp zehn Stunden. Und ich kann auch nichts dem Reiz der unterschiedlichen Söldner abgewinnen, trotz ihrer individuellen Charakterisierung sowie fortschrittlichen Sprachausgabe. Angeblich wurde Jagged Alliance früher oft als "UFO mit Story" bezeichnet. Doch der Microprose-Klassiker ist in meinen Augen bedeutend besser gealtert, weil das Konzept viel mehr Überraschungen bietet und ich abseits vergleichbarer Startschwierigkeiten mit der Steuerung sehr zufrieden mit "meinem ersten Mal" war.

Schlicht und zweckmäßig: Dieses spartanisch ausgestattete Zimmer dient als Hauptmenü, in dem ihr eure Söldner rekrutiert, einen Spielstand dauerhaft speichert und mit einem Klick auf das Bett den nächsten Spieltag startet. Quelle: Sir-Tech / Medienagentur plassma Schlicht und zweckmäßig: Dieses spartanisch ausgestattete Zimmer dient als Hauptmenü, in dem ihr eure Söldner rekrutiert, einen Spielstand dauerhaft speichert und mit einem Klick auf das Bett den nächsten Spieltag startet. Natürlich kann ich Jagged Alliance nicht seinen Kultstatus absprechen: Rein thematisch wirkt alles rund, das Spieldesign scheint zu funktionieren und das Zusammenstellen einer eigenen Söldnertruppe macht Laune. Die pixelige Grafik wirkt auf mich plastischer sowie realer im Vergleich zu UFO, obwohl die Vogelperspektive das glatte Gegenteil vermuten ließe. Bestimmt könnte ich in dem Spiel erfolgreicher sein, wenn ich mich beispielsweise mehr mit den Feinheiten der einzelnen Söldner beschäftigen und ein besser harmonierendes Team zusammenstellen würde. Doch dazu fehlt mir nach all den Fehlversuchen schlichtweg die Motivation. Somit ist mein Erfahrungsschatz immerhin um einen objektiven Klassiker bereichert, auch wenn er mich subjektiv leider nicht berührt hat.

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