Jagged Alliance 2 - Retro-Special
Special
Kurz vor dem Release des Nachfolgers schauen wir im Retro-Special noch einmal zurück auf die Taktik-RPG-Legende Jagged Alliance 2.
Welcher Sektor darf's denn sein?
Unsere Kämpfer folgen uns in den Kampf um Arulco jedoch nicht, weil sie an die Sache glauben. Es sind Söldner, die bezahlt werden wollen. Mit jedem Teammitglied schließen wir zeitlich befristete Verträge ab, die uns je nach Fähigkeiten des Charakters eine hübsche Stange Geld kosten. Vom Auftraggeber bekommen wir jedoch nur ein überschaubares Startkapital. Um also Verträge verlängern und schließlich auch zusätzliche Kämpfer anheuern zu können, benötigen wir Einnahmen. Eines unserer Ziele ist also, die Silberminen des Landes unter unsere Kontrolle zu bringen. Außerdem hat uns der Auftraggeber einen Kontakt im örtlichen Widerstand genannt, mit dem wir uns in Verbindung setzen sollen.
Jagged Alliance 2 hat immer wieder solche indirekten Spielziele, die uns zwar nicht zwingend vorgeschrieben werden, aber durch Notwendigkeit doch ein wenig durch das Spiel führen. Denn eigentlich sind wir in unseren Handlungen komplett frei. Wohin wir uns auf der über 200 Sektoren umfassenden Karte bewegen, ist allein unsere Entscheidung. Natürlich sind die Ortschaften primäre Angriffsziele. Hier erobern wir neben den Minen auch andere wichtige Einrichtungen wie einen Flugplatz oder Geschäfte. Im Gespräch mit der befreiten Zivilbevölkerung bekommen wir Hinweise auf andere spannende Orte wie versteckte Militäreinrichtungen oder kleinere Nebenaufgaben. Aber auch abseits der Städte lassen sich immer wieder spannende Orte entdecken, die es zu untersuchen gilt.
Quelle: PC Games
Im Kampf gilt es sinnvoll mit den Aktionspunkten zu haushalten.
Taktische Tiefe
Auf den jeweiligen Karten der einzelnen Sektoren bewegen wir uns zunächst in Echtzeit umher. So können wir Häuser durchsuchen und mit NPCs reden. Sobald aber ein Feind in Sichtweite kommt, geht es in den rundenbasierten Modus. Hier spielt Jagged Alliance 2 seine taktischen Stärken aus, die das Spiel so fesselnd machen. Jeder unserer Söldner hat eine bestimmte Anzahl an Aktionspunkten, die von seinen Charakterwerten bestimmt wird. Mit diesen Punkten müssen wir unsere Kämpfer bewegen und auf die Gegner feuern. Meist gilt es dabei abzuwägen, wie viel Aktionspunkte wir für welche Aktion ausgeben wollen. Bewegen wir einen Söldner ein paar Felder, reichen die verbleibenden Punkte vielleicht nur noch für einen ungezielten Schuss. Jede Waffe verfügt nämlich über einen Basispreis an Aktionspunkten, um einen Schuss abzufeuern. Setzen wir jedoch zusätzliche Punkte ein, erhöhen wir damit die Trefferwahrscheinlichkeit.
Um das Schlachtfeld optimal zu nutzen, stehen uns verschiedene taktische Möglichkeiten zur Verfügung. Unsere Kämpfer können stehen, knien oder auf dem Boden liegen, sie können sich auf Gebäuden in Stellung bringen oder über Zäune klettern. Ob wir Gegner sehen oder diese uns sehen, hängt jeweils von den Sichtlinien der einzelnen Kämpfer ab. Ein Charakter, der im gebückten Gang hinter einer Mauer entlanggeht, kann von der anderen Seite nicht gesehen werden. Dies taktisch richtig auszunutzen, ist die hohe Kunst in Jagged Alliance 2, die teilweise auch die KI-Gegner ziemlich gut beherrscht. So achten die Gegner auch auf Geräusche, die wir verursachen, um uns ausfindig zu machen. Das sorgt auch schon vor dem Ausbruch des direkten Feuergefechts für ungemeine Spannung, wenn wir versuchen, die Feinde ausfindig zu machen, ohne die Aufmerksamkeit zu sehr auf uns selbst zu lenken.
Quelle: PC Games
In Zwischensequenzen bekommen wir immer wieder die Diktatorin Deidranna zu sehen, die sich über unsere Erfolge aufregt.
Schon damals grafisch veraltet
Wirklich perfekt war auch in Jagged Alliance 2 nicht alles. Größter Kritikpunkt war vorwiegend die für damalige Verhältnisse schon nicht mehr ganz zeitgemäße Grafik. Die hauseigene Engine schaffte nur eine Auflösung von 640x480 Bildpunkten. Da konnte man von einem Spiel in 2D im Jahre 1999 bereits mehr erwarten. Effekte wie Regen und Nebel gab es in der Originalfassung ebenfalls nicht. Besonders Commandos: Behind Enemy Lines und Anno 1602 hatten im Jahr zuvor bereits mit wesentlich beeindruckender Farbenpracht und herausragender Optik begeistert. Sehr anschaulich waren dagegen die Animationen der Figuren und die wechselnde Lichtstimmung durch den Tag/Nachtwechsel. Die Grafik des Spiels ist in den vergangenen 25 Jahren zwar nicht besser geworden, aber versprüht heute doch einen ganz angenehmen Retro-Charme. Da kommt dem Spiel sicherlich zugute, dass 2D-Grafik längst nicht so schlecht altert, wie es bei 3D-Grafik aus dieser Zeit der Fall ist.
Vermisst wurde von einigen Spielern damals auch ein Mehrspieler-Modus, der noch fester Bestandteil des Ablegers Jagged Alliance: Deadly Games war. Auch einen Karteneditor suchte man vergebens. Dennoch war (und ist) Jagged Alliance 2 ein beeindruckendes Spiel, das es schaffte, auf intelligente Weise verschiedene Genres wie Strategie, Rollenspiel und Wirtschaftssimulation miteinander zu vereinen. Es bot dabei eine gute Balance aus seiner detailreichen Story, der spielerischen Freiheit auf der Strategiekarte und der taktischen Tiefe in den rundenbasierten Kämpfen.
