Jagdfieber: Open Season

Test Simone Neus

Sony will im Trickfilm-Business neues Terrain erobern. Müssen sich die CGI-Profis von Pixar & Co. warm anziehen?

Entfesselt: Die Tiere erobern ihren Wald zurück Entfesselt: Die Tiere erobern ihren Wald zurück Die Zeit, in der Trickfilme noch als Kinderkram abgestempelt wurden, ist längst vorbei. Spätestens seit "Shrek", "Ice Age", "Findet Nemo" oder "Cars" interessieren sich auch Erwachsene für die aufwändig in 3D gerenderten Abenteuer und lassen die Kinokassen entsprechend klingeln. In Zukunft will Mediengigant Sony, Eigentümer von Columbia Pictures, MGM und TriStar Screen Gems, ebenfalls in dieser lukrativen Sparte mitmischen. Zu diesem Zweck wurde 2002 das Produktionsstudio Sony Pictures Animation gegründet.

Verwöhnt: Der naive Boog mit Rangerin Beth Verwöhnt: Der naive Boog mit Rangerin Beth Das für dessen ersten Spielfilm verantwortliche Regie-Trio besteht aus alten Hasen: Roger Allers verzauberte das Publikum mit "Der König der Löwen", die von Pixar abgeworbene Storyboard-Spezialistin Jill Culton hatte bei "Die Monster AG" ihre Finger im Spiel und CGI-Fachmann Anthony Stacchi bewies sein Talent bereits bei "Hook" und "Ghost". Trotz der geballten Kompetenz loteten die drei allerdings bei ihrem Erstling keine neuen Bereiche aus. Sie gingen auf Nummer sicher und entschieden sich für einen massentauglichen Standard-Plot mit liebenswerten, drolligen Charakteren.

Buddy-Movie

Durchgeknallt-anarchisch: Hirsch Elliot Durchgeknallt-anarchisch: Hirsch Elliot Sympathieträger der Geschichte ist der 900 Pfund schwere, handzahme Grizzly Boog (Stimme: Thomas Heinze). Meister Petz lebt im Örtchen Timberline bei der Wildhüterin Beth (Alexandra Neldel), die ihm in ihrer Garage ein lauschiges Plätzchen eingerichtet hat. Vormittags futtert Boog leckere Fisch-Cracker und nachmittags tritt er als Star einer Bärenshow auf.

Jagdfieber: Open Season Dieses angenehme Dasein ist bedroht, als Boog die Bekanntschaft des auf einen Pickup gefesselten Hirschs Elliot (Jürgen Vogel) macht. Da Elliots Geweih bald den Kamin des fiesen Jägers Shaws zieren soll, befreit Boog das bedauernswerte Huftier. Nachdem Elliot seinen neuen Freund zu einem Ausflug in den nächsten Supermarkt überredet, endet dies in einem Desaster. Als Konsequenz soll der zum Bürgerschreck gewordene Boog ausgewildert werden.

So finden sich Boog und Elliot bald in der freien Natur wieder. Doch nicht nur, dass das wasserscheue, kletterunfähige Schwergewicht Boog den Gefahren der Wildnis schutzlos ausgeliefert ist -- zu allem Überfluss wurde gerade die Jagdsaison eröffnet ...

Zum Ausklang

Jagdfieber: Open Season Zur weiteren Beschäftigung im Anschluss an den Filmgenuss empfiehlt sich der Kurzfilm "Boogs & Elliots nächtlicher Raubzug" (D/E) im Bonusmaterial der Disc. Wer einen Blick hinter die Kulissen der sich über vier Jahre hinziehenden Produktion werfen möchte, ist mit den zwei Dokumentationen "Wie wurde Jagdfieber gemacht?" und "Wer steckt hinter den Stimmen der tierischen Stars?" gut beraten. Letztere zeigt die amerikanischen Originalsprecher Martin Lawrence (Boog), Ashton Kutcher (Elliot) und Gary Sinise (Shaw) bei ihrer Arbeit im Tonstudio.

Weiter im Programm geht es mit einem Audiokommentar von Produzentin Michelle Murdocca und der Regie-Crew. Das Quartett plaudert über die Cartoonvorlage "In the Bleachers" von Comiczeichner Steve Moore, die Songauswahl im Film und verrät, wie es Gary Sinise zu einem Luftgitarren-Solo überredete.

Fazit

Film-Check: Mit "Jagdfieber" schuf das Team von Sony Pictures Animation ein kurzweiliges, für alle Altersklassen geeignetes CGI-Abenteuer mit comicartigen, sympathischen, wenn auch teils etwas oberflächlich charakterisierten Geschöpfen. Die in gemächlichem Tempo erzählte Geschichte über zwei tierische Freunde in der großen weiten Welt ist bei der inflationären Flut an Animationsfilmen alles andere als neu und den einen oder anderen Gag kennt man bereits aus Genre-Kollegen. An der technischen Umsetzung gibt es jedoch nichts zu beanstanden. Die Figuren wirken zum Greifen nah, speziell Boogs perfekt gestaltetes, flauschig wirkendes Fell beeindruckt.
DVD-Fazit: Wie bei einer digitalen Produktion nicht anders erwartet, liegt die Bildqualität auf sehr hohem Niveau. Beim Ton wurde Potential verschenkt. Trophäensammler entscheiden sich für eine der beiden Sonder-Editionen.

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