Iron Sky: The Coming Race - Was euch beim zweiten Teil des Trash-Erfolgs erwartet
Special
Sieben Jahre ist es bereits her, dass die B-Film-Satire "Iron Sky" bei uns zu sehen war. Die Geschichte von den Nazis vom Mond, die die Erde angreifen, gehörte zu den etwas anderen Überraschungshits des Jahres 2012. Nun erscheint nächste Woche die Fortsetzung in den deutschen Kinos.
Die Satire "Iron Sky" gehört sicherlich zu den schrägsten Einträgen der Filmgeschichte - es geht um fiese Nazis, die sich seit 1945 auf dem Mond versteckt halten und irgendwann zum Angriff auf die Erde blasen. Das Mastermind hinter dieser herrlich bösen Satire ist der 1979 in Helsinki geborene Regisseur Timo Vuorensola, der zunächst bei den finnischen Science-Fiction-Parodien "Star Wreck" mitgewirkt und der daraufhin mit "Iron Sky" sein Regiedebüt vorgelegt hatte. Die Handlung ist ansatzweise etwas wirr, aber die wesentlichen Punkte sind schnell erklärt: Im Jahre 2018 wollen die USA mit einer zweiten Mondlandung einen PR-Coup landen. Dabei stoßen die Astronauten auf eine gigantische Bunkeranlage und werden seltsamerweise von Wehrmachts-Soldaten in Raumanzügen angegriffen. Der einzige Überlebende des Angriffs, James Washington (Christopher Kirby), wird gefangengenommen und auf die geheime Mondbasis "Schwarze Sonne" gebracht, wo sich 1945 einige NS-Bonzen in Sicherheit gebracht hatten. Zusammen mit der propagandistisch indoktrinierten, aber herzensguten Nazibraut Renate Richter (Julia Dietze) gelingt Washington die Flucht auf die Erde, wo ihm allerdings keiner glaubt. Bald jedoch kommt die Großinvasion vom Mond, unter der Leitung des diabolischen "Mondführers" Wolfgang Kortzfleisch (Udo Kier). Noch Fragen?
Quelle: Splendid
Szenenbild aus "Iron Sky: The Coming Race"
Fieberhafte Esoterik
Der herrlich trashige Film wurde von Anhängern des Genres mit Begeisterung aufgenommen, weltweit spielte die Lowbudget-Produktion knapp über 8 Millionen Dollar - für einen Film dieser Größenordnung ist das ein mehr als beachtliches Ergebnis. Sonderlich überraschen muss dieser Erfolg aber nicht, blickt man in der Filmgeschichte zurück auf die 1970er-Jahre. Damals gab es noch das nerdige Genre der "Nazisploitation", sexuell überstrapazierte Exploitation-Filme mit NS-Thematik, und vor allem mit der entsprechenden Symbolik: Uniformen, Flaggen, das ganze Drumherum ... für gewisse Filmemacher ist so etwas offensichtlich ein gefundenes Fressen. Nur so erklären sich Filme wie "Salon Kitty" (1976) mit Helmut Berger oder "Ilsa, She-Wolf of the SS" (1975) mit Dyanne Thorne, einem arisch-blondem Busenwunder in stets knapper Uniform.
"Iron Sky" bewegt sich also in guter Tradition, wenn es dem Nazisploitation-Genre huldigt, z. B. in der Figur der schönen, strengen Renate Richter. Darüber hinaus lebt der Film von skurrilen Ideen: "Iron Sky" stellt sich eine Welt vor, in der Nazi-Deutschland UFOs entwickelt hat - so genannte "Reichsflugscheiben" - und in der sich nach dem Krieg die NS-Bosse in geheimen Bunkern versteckt halten. So absurd und hohl das alles klingen mag, war es tatsächlich einmal Teil einer fieberhaften Esoterik, die sich in manch Köpfen in der Nachkriegszeit hielt.
Quelle: Splendid
Szenenbild aus "Iron Sky: The Coming Race"
Geht's noch schräger?
Eigentlich, so könnte man meinen, ist dem Thema damit nichts mehr hinzuzufügen. Doch weit gefehlt. Denn nun kommt tatsächlich eine Fortsetzung auf uns zu, "Iron Sky: The Coming Race (jetzt kaufen )", und Vuoresnola und sein Team haben dabei noch viel tiefer in ihre Trickkiste der Absurditäten gegriffen. So greifen sie zum Beispiel die "Theorie der hohlen Erde" auf - der Glaube, dass unsere Welt im Inneren ausgehöhlt ist. Diese These hat sich bis in die 1930er-Jahre halten können, auch unter der NS-Elite soll es Anhänger der Hohlwelt-These gegeben haben. Kein Wunder also, dass Vuorensola und seine Autoren Andreas Drost und Dalan Musson sich mit Wonne auf diese Idee gestürzt haben. Der erste Film endete mit der nuklearen Zerstörung der Erde. Die letzten Überlebenden haben Jahre später in der ehemaligen Nazi-Kolonie auf dem Mond Schutz gesucht und leben nun unter dem Joch der "Jobisten", einer Sekte, die sich auf die "Lehren" des Steve Jobs stützt. Die junge Obi Washington (Lara Rossi), die Tochter von James Washington und Renate Richter aus dem ersten Teil, macht sich auf die Suche nach weiteren Überlebenden im Inneren der Erde.
Quelle: Splendid
Szenenbild aus "Iron Sky: The Coming Race"
Mondführers Rückkehr
"Iron Sky 2" war bereits im Mai 2012 von Produzenten Tero Kaukomaa angekündigt worden - das Geld sollte per Crowdfunding aufgetrieben werden. Kein leichtes Unterfangen bei einem Budget von immerhin 15 Millionen Dollar. 2014 gingen die Produzenten mit einem Promo-Video nach Cannes, um Weltlizenzen zu verkaufen. 2015 stiegen der finnische Filmfonds und das Medienboard Berlin-Brandenburg als Koproduzenten mit ein und beteiligten sich mit 13 Millionen Dollar, über die Plattform Indiegogo kamen dann noch immerhin mehr als eine halbe Million Dollar dazu. Der Titel ist eine Anspielung auf den Roman "The Coming Race" (1871) von Edward Bulwer-Lytton, in dem es wohl erstmals um jene herrschsüchtigen Echsenmenschen geht. In den Hauptrollen sind dieses Mal die britische Schauspielerin Lara Rossi ("Crossing Lines", "Robin Hood") und der kanadische Comedian Tom Green ("Road Trip") zu sehen - Green spielt den Kultführer der so genannten "Jobisten". Auch Renate Richter (erneut gespielt von Julia Dietze) wird wieder einen Auftritt haben. Doch am meisten darf man sich auf die Rückkehr von Udo Kier freuen, den Mondführer des ersten Teils. Trashfilm- und Nazisploitation-Fans können zu Recht gespannt sein.
Quelle: Splendid
Szenenbild aus "Iron Sky: The Coming Race"
