Iron Danger: Let's do the time warp again - Knackige Strategie mit Zeitreisemechanik
Test
Das Strategiespiel Iron Danger der finnischen Entwickler von Action Squad Studios geht dank eines innovativen Kampfsystems mit Zeitmanipulationsmechanik neue Wege. In unserem Test lest ihr, was uns am wilden Mix aus Folklore, Fantasy, RPG-Elementen, Steampunk und Taktikkämpfen gefallen hat und warum bei diesem ambitionierten Titel Frust und Spaß eng beieinander liegen.
Geschichten in Büchern, Filmen und auch Computer- und Videospielen, die sich mit Zeitreisen beschäftigen, beflügeln die Fantasie und sind oft etwas ganz Besonderes. Prominente Beispiele gibt es zuhauf: Die Zurück in die Zukunft-Filme beispielsweise oder im Spielebereich Prince of Persia: The Sands of Time. In Ubisofts Spielereihe ist das entscheidende Spielelement die Manipulation der Zeit, um so entscheidende Vorteile in Kämpfen zu haben. Die finnischen Entwickler von Action Squad Studios nutzen eine ähnliche Mechanik für ihr Strategiespiel Iron Danger. Wir verraten euch in unserem Test, ob das in einem Strategiespiel wirklich funktioniert und noch wichtiger: ob das über die komplette Spieldauer von etwa 15 Stunden auch durchgehend Spaß macht!
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Schlag' dem Tod ein Schnippchen
Iron Danger spielt in einer von der finnischen Mythologie inspirierten Fantasy-Welt, die aber auch Steampunk-Elemente enthält. Warum Steampunk? Weil die Entwickler das cool finden!
Quelle: Daedalic Entertainment
Schmied Topi vermöbelt ein paar Schurken, während Kipuna sich im Hintergrund hält.
Ihr übernehmt die Rolle der jungen Kipuna, die auf der Flucht vor Invasoren aus dem Norden in eine Höhle stürzt, von einem Kristall durchbohrt wird und fortan über die Fähigkeit verfügt, in einem Trance-Modus die Zeit zu manipulieren. Das bedeutet, ihr dürft auf Tastendruck die Zeit anhalten, um euer weiteres Vorgehen zu planen oder die Zeit um bis zu 14 Herzschläge (oder 7 Sekunden) zurückspulen. Nur so könnt ihr verhindern, dass ihr durch Angriffe, Fallen oder Umwelteinflüsse Schaden nehmt. Jede Aktion, sei es eine Bewegung, die Nutzung eines Gegenstands, einer Fähigkeit oder eines Angriffs, hat eine festgelegte Dauer. Um zu überleben, müsst ihr buchstäblich jede Sekunde optimal nutzen. Denn der Schwierigkeitsgrad in Iron Danger ist selbst auf der mittleren von drei Stufen keineswegs von schlechten Eltern.
Zu viert unterwegs, zu zweit auf Mission
Zurück zur Story: Mit Hilfe des Schmieds Topi gelingt es Kipuna aus ihrem brennenden Dorf zu fliehen. Zusammen mit ihm macht sie sich auf die Suche nach fünf weiteren Kristallen, um mit deren Hilfe die Feinde aus dem Norden zu besiegen. Unterstützt wird sie im Laufe des Abenteuers außerdem von einer mysteriösen Heilerin und dem Armbrustschützen Lemichen. Welcher der drei Helfer Kipuna in einer Mission unterstützt, ist dabei stets vorgegeben, ebenso wie die Reihenfolge der Aufträge. Manchmal ist Kipuna auch ganz alleine unterwegs. Ihr könnt euch also nicht auf das Zusammenspiel mit einem bestimmten Kameraden fokussieren, sondern müsst stets das beste aus der jeweiligen Ausgangssituation machen. Manchmal müsst ihr schleichen, um Konfrontationen mit großen Gegneransammlungen zu vermeiden. An anderer Stelle werdet ihr aus dem Hinterhalt angegriffen und müsst euch verteidigen. In der Regel könnt ihr euer Vorgehen aber planen und so die jeweiligen Level-Gegebenheiten wie explodierende Fässer oder Fallen zu eurem Vorteil nutzen.
Quelle: Daedalic Entertainment
Armbrustschütze Lemichen erledigt einen Kämpfer der Nordländer.
Trance-Modus: Kämpfen wie im Rausch
Während ihr im Normalmodus stets beide Charaktere gleichzeitig steuert, dürft ihr euren beiden Helden im Trance-Modus einzeln Befehle erteilen. Jeder Charakter verfügt über unterschiedliche Fähigkeiten, die aber in der Regel auch eine Abklingzeit haben und erst nach Ablauf eines Timers wieder zur Verfügung stehen.
Quelle: Daedalic Entertainment
Immer wenn Kipuna einen neuen Splitter findet, dürft ihr im folgenden Level mit den neuen Fähigkeiten herumexperimentieren.
Während Kipunas Unterstützer eine bestimmte Spezialisierung haben (Heilerin = Heilung und Magie, Lemichen = Fernkampf und Topi = Nahkampf) entwickelt sich die Protagonistin zur Allzweckwaffe. Jedes Mal, wenn es Kipuna gelingt, einen neuen Kristall zu ergattern, kommt eine neue Magiegattung hinzu. Erst Feuer, dann Eis, später Heilung und Kontrollzauber. Um Erfolg zu haben, müsst ihr stets die Fähigkeiten beider Charaktere verknüpfen und zugleich auf dem Schirm haben, gegen welche Art von Angriff der jeweilige Gegner anfällig ist. Zahlreiche Gegenstände wie Molotow-Cocktails, Benzinfässer oder Granaten komplettieren das Arsenal der Helden und sorgen dafür, dass ihr ein breites Spektrum an Optionen zur Verfügung habt.
Langweilige Level-Aufstiege
Was die Entwicklung der jeweiligen Charaktere angeht, haben sich die Entwickler entschieden, auf einige Rollenspielaspekte, die dem Spiel gut getan hätten, fast gänzlich zu verzichten. Die Helden verfügen weder über Charakterwerte, die gesteigert werden können, noch gibt es in den Levels Loot in Form von neuen Waffen oder Rüstung. Ihr dürft lediglich nach einem Level entscheiden, welche Fähigkeit ein Held erlernen oder verbessern darf. Wann ein Upgrade ansteht für einen bestimmten Charakter ansteht, ist dabei stets vorgegeben. Iron Danger ist in dieser Hinsicht sehr berechenbar und damit auch ein Stück langweilig.
Was Grafik und Präsentation angeht, bewegt sich das Strategiespiel mit der ungewöhnlichen Mechanik auf einem ordentlichen Niveau. Levels und Charaktere sind insgesamt stimmig und detailreich, grafische Wow-Effekte gibt es im ganzen Spiel aber nicht. Ihr erlebt das Geschehen stets aus der Vogelperspektive, dürft mit der Kamera aber auch näher heranzoomen, um Figuren oder Animationen aus der Nähe zu betrachten. Spielerischen Nutzen hat das nicht, in der Regel empfiehlt es sich ein möglichst guten Überblick aus der Ferne zu haben, um die Aktionen der Helden entsprechend planen zu können. Während Publisher Daedalic für eine gute deutsche Übersetzung der Bildschirmtexte gesorgt hat, ist die untertitelte Sprachausgabe in Englisch mit passenden Sprechern besetzt.
