Wenn ein Vertreter der "Telekom" an der Haustür klingelt - ein Erfahrungsbericht: Glasfaseranschluss an das eigene Haus, auch ohne Vertrag möglich?

Kolumne Tobias Tengler-Boehm
Wenn ein Vertreter der "Telekom" an der Haustür klingelt - ein Erfahrungsbericht: Glasfaseranschluss an das eigene Haus, auch ohne Vertrag möglich?
Quelle: Foto von Yan Krukau via Pexels - lizenzfreie Nutzung

Schnelles Internet: Wieso man sich vor vermeintlichen "Telekom"-Vertretern hüten und was man beim Glasfaseranschluss beachten sollte.

Eine Kleinstadt erstrahlt in Telemagenta. Seit Monaten bewirbt die Deutsche Telekom hier im oberfränkischen Selb an der Grenze zu Tschechien auf riesigen Plakaten den anstehenden Glasfaserausbau. Satte 799,- Euro Gebühr könne man sich für den Anschluss ans Eigenheim sparen, wenn man jetzt einen Internet-Tarif bucht. Ein verlockendes Angebot, das jedoch mehrere Haken hat.

Haustürgeschäft: Wenn die Telekom klingelt

Passend dazu sah man fortan im Ort Menschen von Tür zu Tür gehen, die ganz offensichtlich eher wenig mit den Zeugen Jehovas und der Bibel am Hut hatten. Es handelte sich um schwarz gekleidete Personen, die ein Schlüsselband in der grellen Telekom-Signature-Farbe Telemagenta (RAL 4010) umhängen hatten und laut Berichten von Bekannten überteuerte Internetverträge anboten.

Als es an der Tür zu unserem Haus klingelte und ich einem "freundlichen", vermeintlichen Mitarbeiter der Telekom öffnete, fragte ich ihm sogleich, was er auf unserem Privatgrundstück verloren hätte. Er entgegnete mir forsch, dass ich ja noch gar nicht wisse, worum es ginge. Als ich ihm sehr bestimmend des Grundstücks verwies, rief er trotzig hinterher, dass unsere Nachbarn sich alle für Glasfaser entschieden hätten.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich gehöre eindeutig der Fraktion an, die den Menschen ihre Jobs zugesteht. Bei Individuen, die versuchen unbedachten Anwohnern an Haustüren mit einem einschüchternd wirkenden Auftreten überteuerte Produkte oder Verträge anzudrehen, hört bei mir der Spaß jedoch auf.

Woran erkenne ich Personal der Telekom an der Haustür?

Hierzu gibt der FAQ-Bereich der Homepage klare Anhaltspunkte. Personal der Telekom trägt gut sichtbar und auf Augenhöhe einen Mitarbeiterausweis, dessen QR-Code man mit dem Smartphone scannen und so dessen Echtheit überprüfen kann. Dienstkleidung mit der Aufschrift "Im Auftrag der Telekom" sowie ein mitgeführtes Autorisierungsschreiben geben weitere Anhaltspunkte, ob es sich um ein von der Telekom beauftragtes Unternehmen handelt. Dennoch ist Vorsicht geboten.

Einem sehr guten Freund von mir wurde ein völlig überteuerter Tarif inklusive eines hochpreisigen Routers angedreht. Er konnte jedoch mit einem Anruf bei der Telekom den abgeschlossenen Vertrag problemlos rückabwickeln. Generell lautete hier die Empfehlung, Verträge mit der Telekom nicht an der Haustür, sondern per Telefon (man ruft selbst an) oder auf der Homepage des Unternehmens abzuschließen. Doch worauf sollte man bei einem Glasfaseranschluss achten?

Ist ein Glasfaseranschluss auch ohne Vertrag möglich?

Die Antwort lautet in meinem Fall: leider nein! Laut Verbraucherzentrale vergibt die Stadt oder Gemeinde den Glasfaserausbau an private Unternehmen, die dann im Regelfall eine Partnerschaft mit einem Internetanbieter eingehen. Hier im Ort bedeutet das: Ohne einen Internet-Tarif der Telekom mit erzwungenem Festnetzanschluss und einer Mindestvertragslaufzeit von 24 Monaten geht nichts. Immerhin ist der Verbraucherschutz in der EU mittlerweile so weit, dass man anschließend monatlich kündigen kann.

Ich gebe zu, es liegt mir schwer im Magen, dass die Stadt den so wichtigen Glasfaserausbau an eine Firma vergibt, die Kundinnen und Kunden in Verträge zwingt. Einfach einen Betrag X (bzw. die in der Telekom-Werbung suggerierten 799,- Euro) zu zahlen, diese Option gibt es schlichtweg nicht. Und auf noch eine Sache sollte man beim Glasfaseranschluss achten.

Nur bei FTTH (Fiber to the home) handelt es sich um einen "echten Glasfaseranschluss". Bei FTTC und FTTB sind langsame Kupferkabel im Spiel, welche die eigentliche Glasfaser-Geschwindigkeit ausbremsen. Ich habe also drei Dinge gelernt: Niemals irgendwelche Verträge an der Haustür abschließen. Die Stadt/Gemeinde nimmt in Kauf, dass die Bürgerinnen und Bürger beim Glasfaserausbau in teure, langfristige Verträge gezwungen werden, ohne sich den Internetanbieter frei auswählen zu können. Und beim Glasfaseranschluss muss man unbedingt auf FTTH achten. Na, dann: Zumindest bei uns wird schon bald der Spruch, das Internet wäre überall auf der Welt schneller als in Deutschland, der Vergangenheit angehören.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk