Inside Deep Throat

Test

Ein alberner Schmuddel-Porno löste 1972 Diskussionen um künstlerische Freiheit und moralische Werte aus und wurde der profitabelste Film aller Zeiten

Inside Deep Throat

dokumentation

Europäer werfen Amerikanern immer wieder gern deren angebliche Prüderie vor. Sex findet dort hinter geschlossenen Türen und keinesfalls in der Glotze statt. So heißt es zumindest. Die Zahlen der amerikanischen Porno-Industrie sprechen allerdings eine ganz andere Sprache. Allein im Jahr 2002 wurden in den USA 11.303 Hardcore-Streifen produziert. Sämtliche Hollywoodstudios zusammen brachten es im gleichen Zeitraum auf gerade einmal 467 Spielfilme.

Den Startschuss für diesen gigantischen Erotikmarkt gab 1972 eine Billigproduktion. Zum Dumping-Preis von 25.000 Dollar kurbelte der damals völlig unbekannte Gerard Damiano "Deep Throat" herunter. Die hirnrissige Story einer Frau mit einer Klitoris im Hals und die von Hauptdarstellerin Linda Lovelace ausgeführte Tiefen-Fellatio trafen die zu diesem Zeitpunkt noch ziemlich verklemmte und unaufgeklärte Mittelklassegesellschaft der USA ins Mark.

Der Film löste in der Zeit der sexuellen Revolution diverse Dispute aus und wurde zum Phänomen. Zum ersten Mal stellten sich Hausfrauen, Eheleute und Rentner vor Pornokinos an. Der Kauf einer Kinokarte kam einem politischen Statement gleich. Das geschätzte Einspielergebnis von "Deep Throat" in den Vereinigten Staaten wird mit 600 Mio. Dollar beziffert. So viel schaffte danach nur "Titanic".

Hexenjagd

Top-Produzent Brian Grazer ("Apollo 13", "A Beautiful Mind") nahm sich mit seiner Firma Imagine des Themas an und dokumentierte mit "Inside Deep Throat" die Entstehungsgeschichte des Independent-Streifens und Kult-Pornos. In Zusammenarbeit mit dem Pay-TV-Sender HBO entwickelte Grazer ein Projekt, das von den renommierten Doku-Filmern Fenton Bailey und Randy Barbato trefflich inszeniert wurde.

Bis auf die 2002 bei einem Autounfall verstorbene Hauptdarstellerin sprachen sie mit fast allen Beteiligten und vielen Zeitzeugen und verdeutlichen so die teilweise dubiosen Hintergründe. Darsteller Harry Reems z.B. wurde zur Zielscheibe der Staatsanwaltschaft und für die Mitwirkung in "Deep Throat" sogar schuldig gesprochen.

Harmloser Harry

Hauptbestandteil des Bonusmaterials ist das "Deep Throat"-Special (ca. 50 Min.), das in zwölf Abschnitten unterteilt unter anderem das Gerichtsverfahren und Linda Lovelaces Schicksal schildert. Hier kommt auch der geläuterte Harry Reems zu Wort, den wir beim Besuch seines Fanclubs begleiten. Sehenswert sind auch fünf kurze Interviews mit den Filmemachern. PK n

Fazit

Film-Check: Fenton Bailey und Randy Barnato haben für ihre Doku gründlich recherchiert und amüsante wie nachdenklich stimmende Fakten zusammengetragen. Der Chronologie der Ereignisse folgend, beginnen sie bei der Entstehung des Films, um dann auf dessen gesellschaftspolitische Wirkung und seine bis in die Gegenwart reichenden Folgen einzugehen.Zu Wort kommen nicht nur Regisseur Gerard Damiano und Hauptdarsteller Harry Reems, sondern auch Staatsanwälte und Promis wie Hugh Hefner oder Larry Flynt. Die vorliegende Version entspricht der ungeschnittenen Code 1-Disc und zeigt trotz 16er-Freigabe kurz die entscheidende Szene aus "Deep Throat".
DVD-Fazit: Da die Ansprüche an Doku-DVDs doch gemeinhin etwas geringer sind als bei Action-Blockbustern, dürfte hier wohl kaum jemand enttäuscht sein. Bild und Ton sind in Ordnung, die Spe- cial Features absolut sehenswert.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 08/2026 PCGH Magazin 08/2026 play5 08/2026 N-Zone 08/2026 Linux Magazin 08/2026 LinuxUser 08/2026 Raspberry Pi Geek 09/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk