Industrie Gigant 4.0 ist unfassbar kompliziert, aber genau das macht ihn so interessant!
Special
Herrlich komplex und trotzdem einladend: Der neue Industrie Gigant wird eine Wirtschaftssimulation für echte Fans.
Ich bin ein simples Gemüt, zumindest, was Videospiele angeht. Ich hüpfe gerne rum und sammle Münzen. Wenn ich eine Kanone in der Hand habe, mag ich es gerne, wenn sie "puff" macht und der Gegner vor mir umfällt. Und Skill Trees in Videospielen dürfen gerne sein, aber bitte verlangt nicht von mir, mich da allzu tief in Stats und anderen Parametern zu vergraben.
Crusader Kings 3? Uff! Wenn die Kolleg*innen mir da vorschwärmen, wie sie es geschafft haben, den Papst zu essen, klingt das zwar sehr spannend - aber mich dafür mit den extrem komplexen Spielmechaniken auseinandersetzen? Schwierig.
It's the Industrie, stupid
Umso überraschter bin ich, dass ich nach einer Präsentation von Industrie Gigant 4.0 des deutschen Studios Don VS Dodo etwas verspüre, was ich nicht für möglich gehalten hätte: Ich will das gerne spielen. Und das, obwohl ich anhand der Erläuterungen zu Produktionsprozessen, Lieferwegen, saisonalen Reduzierungen, um in der kommenden Saison besser die Lagerbestände ausnutzen zu können und der Tatsache, dass ich aufpassen muss, damit mein gelagertes Obst und Gemüse nicht verrottet, erst einmal geistig kurz ausgestiegen bin.
Fans von Wirtschaftssimulationen schlackern mit den Ohren, ihnen wird schon ganz warm ums Herz - für mich ist das hingegen eine völlig neue Welt, aber auch eine, die in ihrer extremen Komplexität unheimlich spannend wirkt.
Komplex, komplexer, Industrie Gigant 4.0
Hier wird einem nichts geschenkt, lange Text-Tutorials gibt es zwar, doch diese Infos in der Praxis umzusetzen, ist alles andere als einfach. Derzeit arbeiten die Entwickler daran, Elemente wie blinkende Schaltflächen zu implementieren, die in den frühen Spielstunden die Abläufe nachvollziehbarer machen sollen. Genrekenner rümpfen da wohl mit der Nase - das muss so kompliziert!
Auf einem bezüglich der Größe variablen Gelände gilt es, ein komplettes Produktionsnetzwerk für unterschiedlichste Güter aufzubauen. Heißt: Städte wachsen zu lassen, die beliefert werden, Produktionswerke zu platzieren, Straßen zu verlegen, Transportwege festzulegen, Waren auszuwählen und, und und.
Bildergalerie
Unterteilt sind die Maps in "Zonen", in denen Städte wachsen können und von denen aus sie auch in andere Zonen erweitert werden können - wobei man je nach vorhandenen Ressourcen abschätzen muss, wie sinnvoll das ist. Denn hat eine Stadt erst einmal eine gewisse Größe erreicht, kann sie nicht mehr "zurückentwickelt" werden.
Mein Kopf begann ganz schön zu rauchen, als mir während der Präsentation erklärt wurde, was noch alles Teil der Aufgaben ist, die man zu erledigen hat. Und da fängt es erst an: Anschließend kann man Produktionen verknappen und auf die verschiedenen Quartale des Jahres aufteilen, um nicht mit einem Überschuss zu kämpfen, sondern stattdessen lieber die Bedürfnisse der Städte vorausplanend zu befriedigen. Mit Blick auf Nahrungsmittel ist das sogar zwingend notwendig, damit sie nicht verderben.
Rechnen mit Rechnern
Und was, wenn man bewusst auf veraltete Technologien setzt, um damit günstiger zu produzieren, dafür aber weniger Absatz hat? Was lohnt sich mehr? Das mit Blick darauf, dass die Produktion der Güter und der Aufbau der Städte sich von der Mitte des 20. Jahrhunderts bis hin in unsere Gegenwart zieht. So ein PC von 1995 ist zehn Jahre später sicher für 'n Appel und 'n Ei zu haben, dürfte aber kaum noch jemanden hinter dem Ofen hervorlocken.
Quelle: Toplitz Productions
Überhaupt, PCs: Die wurden als Beispiel für ein Produkt genannt, das dermaßen viele Produktionsschritte benötigt, dass wohl auch Profis ordentlich gefordert werden. Da müssen Chips gefertigt werden. Da müssen weitere Teile gefertigt werden. Da müssen Kartons gefertigt werden, um die Dinger zu transportieren. Dafür muss Holz verarbeitet werden. Dafür müssen Sägewerke hochgezogen werden. Dafür müssen Wälder gerodet werden. Dafür muss ... nun, ihr seht sicher, worauf ich hinaus will.
Bring das Ding nach Hause!
Und am Ende muss dann der Transportweg via LKW auch noch so angelegt sein, dass die fertigen Rechner nicht zu oft umgeladen werden müssen. Sonst gibt es Lieferschäden und alles war für die Katz. Stattdessen lieber Lieferung per Wasserweg? Oder mit dem Flugzeug? Auch das ist alles möglich, und mein Kopf fängt schon wieder zu rauchen an.
Quelle: Toplitz Productions
Aber ja, ich habe tatsächlich Bock darauf, mich in diese Systeme hineinzuarbeiten, denn die Vorstellung, da irgendwann eine riesige Stadt mit cleveren Produktionsketten hochgezogen zu haben, finde ich irrsinnig ansprechend. Scheint so, also würde ich in Zukunft doch nicht mehr nur durch die Gegend hüpfen und Münzen sammeln. Ich mag es aber weiterhin, wenn ich eine Kanone in die Hand bekomme und es "puff" macht.
Wann erscheint Industrie Gigant 4.0?
Kein Wunder bei dem Genre: Industrie Gigant 4.0 erscheint exklusiv für den PC. Laut offizieller Steam-Seite ist immer noch ein Release in diesem Jahr geplant. Da die Entwickler*innen allerdings noch fleißig am Werkeln sind, bin ich gespannt, ob dieser Zeitrahmen wirklich eingehalten werden kann.
